Sabine Strauss zum Glücksmodell.

Sabine Strauss

LdL ist da für mich ein Schritt in die richtige Richtung, Ideen zu einem Glücksmodell, wie es Jean-Pol entwickelt hat, so was kommt in der Bildungslandschaft ansonsten doch gar nicht vor und ist per se etwas, worüber insgesamt viel zu wenig nachgedacht wird…

Konzeptualisierung als Glücksquelle.

Resume Seit kurzem scheint mir, dass nicht nur die Informationsverarbeitung sondern vor allem die Konzeptualisierung Glücksgefühle hervorruft! Das Unterrichtssetting soll permanente Konzeptualisierung bei Schülern und Studenten anregen.

1. Informationsverarbeitung und Glück

Lange Zeit war ich der Auffassung, dass ein zentrales Grundbedürfnis über die von Maslow beschriebenen Bedürfnisse hinaus die Informationsverarbeitung sei. Das war auch richtig. Ohne permanente Informationsverarbeitung sind Lebewesen nicht in der Lage, sich an die Veränderungen der Umwelt anzupassen und sie sind nach kurzer Zeit nicht mehr lebensfähig. Daher ist auch der Prozess der Informationsverarbeitung im Gehirn positiv verknüpft: es macht Spaß, Informationen zu verarbeiten. Allerdings nicht jede Information. Es bedarf einer bestimmten Beschaffenheit der Stimuli:

– Quantität: nicht zu hoch (Überforderung) nicht zu niedrig (Unterforderung)

– Komplexität: nicht zu komplex (Überforderung) nicht zu niedrig (Unterforderung)

– Tempo: nicht zu hoch (Überforderung) nicht zu niedrig (Unterforderung)

Wer mehr über die Eigenschaften von besonders motivationsförderlichen informativen Stimuli erfahren will, findet in Portele (1975) sehr präzise Beschreibungen.

2. Informationsverarbeitung und Kontrolle

Die Informationsverarbeitung ist nicht das Ziel, sondern nur Mittel. Tatsächlich ist das alles überragende Ziel die Lebenserhaltung. Und alle Handlungen, die zur Lebenserhaltung beitragen, müssen emotional mit starken positiven Gefühlen verknüpft werden, damit der Organismus motiviert wird, diese Handlungen auch unter großen Anstrengungen  durchzuführen. Dies gilt für alle lebenserhaltenden Funktionen wie auch die Nahrungsaufnahme oder den Geschlechtsverkehr. Auf der emotionalen Ebene münden alle diese lebenserhaltenden Handlungen, wenn sie erfolgreich sind, in ein Erlebnis, das alle anderen einschließt und überragt: das Gefühl der Kontrolle! Dieses Kontrollgefühl findet seinen Höhepunkt in dem von Csikszentmihalyi beschriebenen Floweffekt. Wenn er die absolute Kontrolle erreicht, belohnt sich der Organismus selbst mit dem größten emotionalen Pick, den er zur Verfügung hat: mit dem Flow!

3. Konzeptualisierung, Kontrolle und Flow

Seit längerer Zeit beobachte ich an mir selbst, dass zwar Informationsverarbeitung mit positiven Gefühlen verbunden ist, dass aber vor allem die Konzeptualisierung mit Flow belohnt wird. Unter Konzeptualisierung verstehe ich die Erstellung von kognitiven Schemata die umfangreiche Informationen zu kompakten, handlungsmotivierenden Modellen bündeln. Hier ein paar Beispiele: in meiner Uni-Zeit habe ich gerne Überblicke angeboten: die Geschichte der französischen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, die Geschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart usw. Solche Überblicke zu erstellen bedeutete eine sehr harte Arbeit der Komplexitätsreduktion. Ähnliches galt für Stadt- oder Museumbesuche, die ich im Schweinsgalopp (strait to the essentials) mit den Schülern zu deren großen Belustigung durchführte (z.B. Le Louvre in 30 Minuten). Jetzt im Ruhestand macht es mir besonders Spaß, Hegel oder Schopenhauer in jeweils 20 Minuten meinen Philosophiegruppen vorzustellen. Auch das setzt Konzeptualisierung voraus. Durch eine enorme intellektuelle Anstrengung gelingt es mir, einen hochkomplexen Stoff so zu reduzieren und komprimieren, dass ich ihn spielerisch meinen Hörern vermitteln kann. Die Teilnehmer loben besonders den lustverschaffenden Charakter dieser Einheiten. Der Flow, der bei mir entsteht, möchte ich näher beschreiben (am Beispiel der Vermittlung von Hegel):

Sehr wichtig ist, dass man von Anfang an die Gruppe vor Augen hat, der man das Wissen vermitteln wird, denn die im Geiste vorweggenommene Freude der Adressaten motiviert zu der Anstrengung, die man sich als Dozent auferlegt.

– 1. Stufe: die Masse der zu beherrschenden Informationen (Hegels Leben und Werk) vermittelt zunächst ein Gefühl der Hilflosigkeit

– 2. Stufe: Es werden erste kleinere Wissenseinheiten erstellt, so dass die Kontrolle in Teilbereichen wächst (man versteht, was Hegel unter An-Sich-Sein, Anders-Sein und An-und-für-Sich-Sein meint:-)). Allerdings überwiegt noch das Gefühl der Hilflosigkeit.

– 3. Stufe: Schrittweise werden Verständnislücken geschlossen. Auch sperrige Begriffe (An-und-für-Sich-Sein) werden allmählich zu spielerischen Objekten, die man später den Teilnehmern repetitiv zur Belustigung anbieten wird. Man freut sich schon im Voraus und der Flow gewinnt an Fahrt.

– 4.Stufe: Die einzelnen, zunächst getrennten Wissensbausteine (z.B. bei Hegel der „subjektiver Geist“, der   „objektiver Geist“, der „absoluter Geist“) werden zusammengefügt und es entsteht ein Gesamtgebilde, das zur Präsentation drängt. Man möchte seiner Gruppe unbedingt den lustigen Hegel vorstellen. Vom subjektiven Flow, zum objektiven Flow und zum absoluten Flow!:-))

– 5.Stufe: Die Handlungskomponente: wichtig ist, dass die vermittelten kognitive Schemata (Hegels Gedanken) zur Handlung drängen. Die Teilnehmer verstehen beispielsweise Hegels Dialektik und wenden dieses Prinzip bei der Interpretation  ihrer eigenen Alltagswelt an. Da sie Hegel „verstanden“ haben und „kontrollieren“, wollen sie ihn im Anschluss weitergeben, usw… Flow -> Flow-> Flow…

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Informationsverarbeitung zwar einen Beitrag zur Kontrolle liefert, aber die umfassende, lebenserhaltende und lebensförderliche Kontrolle lässt sich stabil erst durch permanente Konzeptualisierung erreichen.

4. Methodische Implikationen für Schule und Hochschule

Natürlich fördern die im Zuge der Digitalisierung entwickelten neuen didaktischen Konzepte die Informationsverarbeitung auf Seiten der Schüler und Studenten. In diese Richtung würde ich das Konzept des flipped-classroom einordnen. Es stellt sich aber die Frage, ob  diese Methoden ausreichend das Konzeptualisieren einüben und mit Floweffekt belohnen. Will man die aktuelle und künftige Kontrollfähigkeit der Lerner systematisch trainieren, so bietet sich beispielsweise Lernen durch Lehren an, bei dem von Anfang an der Blick der Studenten auf eine (möglichst vergnügliche) Vermittlung des Stoffes an ihre Mitstudenten gerichtet ist.

Fazit: Schüler und Studenten sollten daran gewöhnt werden, nicht nur Informationen zu verarbeiten, sondern aus diesen Informationen handlungsleitende Konzepte zu erstellen. Das Konzeptualisieren wird von Flow begleitet. So kann schrittweise Kontrollkompetenz aufgebaut werden. Dazu scheint Lernen durch Lehren eine gute Methode zu sein.

Visualisierungen von Raffaellina Rossetti:

Dieser Blogartikel wurde einige Jahre später zu einem umfangreicheren ausgebaut: hier der Link dazu „Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle“

Veröffentlicht wurde er in:

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Das kleine Energie-Video. Für Antony Crossley.

Resume Antony Crossley hat mich vor einiger Zeit gebeten, ein kleines Video über meine Auffassung von „Energie“ zu erstellen. Er will es morgen in seiner Veranstaltung zeigen.

1. Anthropologische Voraussetzungen

An anderer Stelle habe ich bereits ausgeführt, dass eine wesentliche Eigenschaft „erfolgreicher Problemlöser“ das explorative Verhalten sei. Exploratives Verhalten ist mit Risiken und Anstrengungen verbunden, man muss Hürden überwinden. Wenn die Aktionen allerdings gelingen, werden wir mit „Kicks“ (Flow) belohnt. Diese Belohnungen müssen sein, denn sonst würden wir in Passivität verharren und bald nicht mehr lebensfähig sein. Um sich aber zum Handeln aufzuraffen, braucht man Energie.

2. Woher beziehe ich meine Energie?

Als ich noch als Hochschullehrer und am Gymnasium aktiv war, wurde ich immer wieder gefragt, woher ich meine Energie beziehe. Und meine Antwort war stets dieselbe: von den Schülern, den Studenten und den sonst an meiner Arbeit Interessierten. Da ich meine Arbeit stets als Projekt strukturierte, war ich auf die Unterstützung der Teilnehmer angewiesen. Wenn sie sich mit meinen Zielen identifizierten, brachten sie mir Zuspruch, intensive Mitarbeit und emotionale Zuwendung. Das waren die Energiebausteine, aus denen ich meine Kraft bezog. Noch mehr: das Ziel, gemeinsam anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen, zwang uns, in uns selbst alle vorhandenen Energien zu mobilisieren um auftretende Schwierigkeiten zu überwinden. Belohnt wurden wir durch permanenten Flow. Heute hole ich sehr viel Energie aus dem Netz. Schon in der Früh, bei meinem ersten Griff zu Twitter, erfahre ich Zuwendung, Motivation und Ansporn. Ich erhalte kleine oder größere Aufträge, wie beispielsweise den, einen Beitrag über „Energie“ für einen Kommunikationspartner zu erstellen.

Fazit  Wenn es mir gelingt, relevante Projektziele auszumachen und einer Gruppe anzubieten, schenken mir die Teilnehmer ihre Energie, damit wir gemeinsam das Ziel erreichen.

Menschen mit Projekten versorgen

Eigentlich ist mein Problem nicht das Alter, sondern die Tatsache, dass mein Handlungsfeld auf einmal zu fast Null geschrumpft ist.  Keine Uni, keine Schule, die mir permanent Probleme liefern und mich zwingen, ununterbrochen zu konzeptualisieren. Und das Konzeptualisieren ist genau das, was „high“ macht. Informationen selegieren und zu einem Handlungsplan entwickeln, der ständig auf die Probe gestellt wird und zur weiteren Konzeptualisierung zwingt.
Ununterbrochen Entscheidungen treffen, also Informationen verarbeiten müssen. Wenn das nicht mehr gegeben ist, leidet man einfach (Langeweile). Daher suche ich mir neue Problemfelder, die mir ununterbrochen relevante Informationen liefern und mich zwingen, diese zu Konzepten zu verarbeiten. Ohne Projekt geht das nicht. Daher ist es so wichtig, alle Menschen, mit denen man zu tun hat, mit Projekten zu versorgen.
JPOL

PS: Das war kein Jammereintrag, sondern eine Problemanalyse. Die Problemlösung ist in Sicht.

Mein Ludwigsburger Vortrag (09.05.09)

Resume Wenn ich einen Aufsatz verfasse oder einen Vortrag halten soll, bemühe ich mich immer um Unterstützung von außen (open source, kollektive Wissenskonstruktion). Auch diesmal arbeite ich ressourcenorientiert an meinem nächsten Vortrag.

Die Gruppe als Gehirn: lange Inkubation, plötzliche Emergenz

Einleitung:

Der Konstruktivismus hat darauf hingewiesen: neue Informationen werden nicht vom Gehirn 1 zu 1 verarbeitet, sondern sie verursachen Perturbationen, die zu Reorganisationen innerhalb des kognitiven Systems führen. Diese Phänomene entziehen sich dem Beobachter. Wenn man also mit einem Menschen spricht und feststellen will, was die eigenen Worte in ihm bewirken, dann ist man auf Vermutungen und Interpretationen angewiesen. Oft genug bleibt das Gesicht des Gegenüber intransparent. Es verrät nichts. Dasselbe gilt für Gruppen, beispielsweise Schulklassen. Und dasselbe gilt in hohem Maße für das Internet: man weiß, was man hineingibt, aber es ist schwer zu erschließen, was diese Eingaben bewirken. Meist stützt man sich auf die Introspektion und auf die eigenen Erfahrung. Es ist günstig, wenn man prinzipiell Texte eingibt, auch wenn sich zunächst nichts im System bewegt, sei das System ein Mensch, eine Gruppe oder das Internet. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, emergiert eine Reaktion. Im Vortrag wird dies an drei Beispielen ausgeführt: an Schülern als Beispiel für Einzelpersonen, an einer Klasse als Beispiel für eine Gruppe und an Twitter sowie an diversen Kommunikationsplattformen als Beispiel für das Internet.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

(…)

Und hier geht es weiter (wer mir helfen will, kann auf der Wiki-Diskussionsseite seine Anmerkungen einfügen): Fortsetzung des Ludwigsburger Vortrages (under construction)

Relevantes Wissen.

Resume Gestern hat mir Alexander Rausch eine Freude gemacht. Er meinte, meine Auftritte haben Erlebnischarakter. Das bedeutet, dass ich wohl in Zukunft weiter gefragt bin. Warum ist es so?

1. Warum ich mich auf Auftritte freue

Als Didaktiker und Pädagoge war ich immer schon bestrebt, meinen Schülern und Studenten relevantes Wissen zu vermitteln. Relevantes Wissen bedeutet Einsichten, die einem ermöglichen, gut mit dem Leben zurechtzukommen, also glücklich zu sein. Glücklich sein heißt, dass man in der Lage ist, seine Bedürfnisse – auch langfristig – zu befriedigen. Logischerweise ist der erste Schritt zu überlegen, was überhaupt Grundbedürfnisse sind und wie wir als Lebewesen „funktionieren“. 1986 habe ich nach intensiven Lektüren insbesondere der kognitiven Psychologie und der Soziologie (Luhmanns Systemtheorie)  ein Modell entwickelt, das Menschen beschreibt und den Umgang mit ihnen erleichtert. Da ich weiß, dass das Modell für die meisten a) neu b) gut nachvollziehbar und c) nützlich ist, bin ich bei Auftritten sehr gut drauf und spielerisch aufgelegt.

2. Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung

An anderer Stelle habe ich beschrieben, dass die Informationsverarbeitung ein Grundbedürfnis ist. Ich bin nur dann richtig glücklich, wenn ich permanent Informationen verarbeite. Das geht aber nur, wenn mich Menschen aus meiner Umwelt mit entsprechenden Stimuli versorgen. Und dies wiederum geht nur, wenn ich selbst diese Leute mit relevanten Informationen beliefere. In meinem Blog beispielsweise muss ich mich bemühen, Modelle anzubieten, mit denen meine Leser sofort etwas Konkretes anfangen können. Als Didaktiker und Pädagoge beliefere ich meine Leser mit didaktischen Einsichten, die sie in ihrem Unterricht umsetzen können, um ihr Leben glücklicher zu machen. Als Lieferant von guten Modellen bleibe ich im Gespräch, ich werde eingeladen, werde dadurch mit Stimuli versorgt. Und so kann ich dauerhaft mein Grundbedürfnis nach Informationsvearbeitung befriedigen.

3. Beispiele für relevantes Wissen

Eminent relevantes Wissen ist das oben erwähnte Menschenbild. Das ist das erste, was ich vorstelle, wenn ich einer Gruppe (Schüler, Studenten, Fortbildungsteilnehmer) gegenüber stehe. Ganz wichtig für Lehrer ist in diesem Zusammenhang die Einsicht, dass wir Menschen sehr gerne Unsinn machen, überall wo das möglich ist und bevorzugt natürlich im Unterricht. Wenn man uns aber spannende Handlungsfelder anbietet, die uns ermöglichen, unsere Bedürfnisse nach Informationsverarbeitung zu befriedigen, dann handeln wir in der Regel konstruktiv.  Als Lehrer fokussieren ich auf diese konstruktiven Beiträge. Und nun ein paar Beispiele für relevantes Wissen: wie der Mensch selbst, der sich im Spannungsfeld von antinomischen Bedürfnissen bewegt (Freiheit vs. Gleichheit, Bewegung vs. Ruhe, Klarheit vs. Unbestimmtheit, Integration vs. Differenzierung, Individuum vs. Gesellschaft), lösen sich in der Geschichte der Menschheit die Epochen ab: Mittelalter (Ängstlichkeit, Wunsch nach Ordnung, Blick nach oben zu Gott, Pessimismus) vs. Renaissance (Risikobereitschaft, Offenheit und Aushalten von Unbestimmtheit, Blick auf die Welt, Optimismus). Wer das versteht, kann die Epochen einordnen (auch Kunst, Literatur, Philosophie, pädagogische Vorstellungen).

4.  Weiteres relevante Wissen: „Allgemeinbildung“

Um den Alltag besser in den Griff zu bekommen ist es wichtig, dass man über ein Grundwissen verfügt, mit dem man historische und aktuelle Ereignisse  verstehen und einordnen kann. Daher vermittele ich meinen Schülern Grundkenntnisse in Geschichte, sofern sie das Verständnis der heutigen Welt erleichtern: Palästinakonflikt, Liberalismus vs. Dirigismus, Materialismus vs. Idealismus, Christentum und Islam, Hedonismus vs. Asketismus, Zentralismus vs. Federalismus, usw. Und nun biete ich in der Volkshoschule einen Kurs an, der innerhalb von zwei Semestern alle wesentlichen Ereignisse der Weltgeschichte auf den Punkt bringt. Auf diese Weise soll jeder Teilnehmer über ein klares Raster (Strukturwissen) verfügen, das ihm einen spielerischen Umgang mit der Entwicklung der Welt ermöglicht und ihm die kognitive Durchdringung auch seines eigenen Lebens erleichert.

Fazit Relevantes Wissen ermöglicht die Einordnung der Alltagserlebnisse in einen größeren Kontext und macht uns handlungsfähiger, also glücklicher.

Erfolgreicher Mensch, erfolgreiches Volk. Was ist das?

Resume Wenn ein Individuum oder ein Volk in der Lage ist, dauerhaft den Zugriff auf Ressourcen zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse zu sichern, dann ist es erfolgreich.

1. Erfolgreiche Individuen

Wenn man sich auf die Maslowsche Bedürfnispyramide bezieht (siehe „Menschenbild„) stellte man fest, dass menschliche Handlungen einzig und allein auf die Befriedigung von Grundbedürfnissen abzielen. Menschen sind dann erfolgreich, wenn sie in der Lage sind, dauerhaft und umfangreich Ressourcen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu sichern. Dahin gibt es viele Wege, aus meiner Sicht ist der Weg der „Tugend“ der bessere (vgl. ua. Aristoteles). Natürlich gibt es unterschiedliche Schwerpunktlegungen, so dass bestimmte Individuen einen besonderen Akzent auf die Befriedigung sozialer Bedürfnisse legen während andere stärker daran interessiert sind, ihren Wunsch nach Sinn zu erfüllen.  Nicht als erfolgreich zu bezeichnen sind Menschen, die gesellschaftlich reüssieren aber dies mit dem Verzicht auf die Befriedigung bedeutsamer Bedürfnisse bezahlen (z.B. Fehlen tiefer sozialer Einbindung).

2. Erfolgreiche Völker

Mehrere Jahrhunderte beherrschte Sparta einen Teil des Peloponnes. Allerdings bezahlte die Bevölkerung diese Dominanz mit dem Verzicht auf die Befriedigung bedeutsamer Bedürfnisse (keine Freiheit/Selbsverwirklichung, strenges, karges Alltagsleben). Ganz anders Athen: hier entfaltete sich eine Gesellschaft, die über eine breite Palette von Aktivitäten verfügte und sowohl soziale Einbindung als auch Selbstverwirklichung (Kunst, Sport, Philosophie) und Sinngebung für einen größeren Teil der Bevölkerung bereithielt. Insofern war Athen erfolgreich. Dies gilt auch für Rom, in dem für das Wohl eines breiten Teils des Volkes gesorgt wurde.

Fazit: Auf der Suche nach Faktoren, die Menschen oder Völker zum Erfolg führen, muss man klären, was unter diesem Begriff zu verstehen ist.  Erfolgreich ist ein Individuum oder ein Volk, wenn es ein hohes Bedürfnisbefriedigungsniveau erreicht.

Tugend als Selbstkontrolle und Weg zur Macht

Resume Wie ich bereits an anderer Stelle beschrieben habe, dient jede Handlung eines Lebewesens dazu, ihm Kontrolle zu sichern: über sich selbst und sein Umfeld. Je breiter und tiefer die Kontrolle, desto größer das Wohlgefühl. Selbstkontrolle wird alltagssprachlich „Tugend“ genannt. Und Tugend ist die Voraussetzung für Macht. Und das geht so:

1. Tugend als Selbstkontrolle

„Tugendhaft“ werden Menschen genannt, die sich besonders an die Regeln ihrer Gemeinschaft halten. In einer Gesellschaft, in der eheliche Treue, Respekt vor Eigentum und caritatives Verhalten besonders geschätzt werden, werden Menschen, die sich treu, redlich und altruistisch zeigen als tugenhaft hervorgehoben, sofern ihre Verhaltensweisen von vielen Mitmenschen wahrgenommen werden. In einer Kriegergesellschaft zählen vor allem physischer Mut und Gehorsam. Eheliche Treue wird weniger geschätzt. Nun bedeuten die genannten Verhaltensweisen große Einschränkungen für das Individuum. Da Menschen so angelegt sind, dass sie ihre Kontrolle ausdehnen und Zugriff zu möglichst umfangreichen Ressourcen wollen (also beispielsweise nicht nur einen Sexualpartner wünschen, sondern beliebig viel), müssen sie, um von der Gesellschaft geschätzt zu werden, Verzicht üben. Sie verzichten also auf eine kurzfristige Bedürfnisbefriedigung, damit sie von der Gesellschaft reichlich angebotenen Ressourcen nachhaltig profitieren können. Aus ökonomischer Sicht ist ein tugendhaftes Verhalten, das von niemandem wahrgenommen wird, unrentabel.

2. Tugend sichert Vertrauenskapital

Wenn Menschen nachhaltig die Eigenschaften zeigen, die in ihrer Gesellschaft als „Tugend“ deklariert werden, so kapitalisieren sie Vertrauen: die Umwelt weiß, dass dieser Mensch stabil die Ressourcen anbietet, die in dieser Gesellschaft von Bedeutung sind. Wenn ein Bürgermeister nachhaltig tugendhaft ist, dann weiß die Gemeinde, dass sie bei ihm Ressourcen (z.B. Gerechtigkeit beim Verteilen von Geldmitteln) stabil holen kann. Dafür belohnt die Gemeinde den Bürgermeister und wählt ihn weiterhin. Der Bürgermeister bekommt als Ausgleich für seine „Tugend“, dass er die Kontrolle über ein interessantes Wirkungsfeld behält, insbesondere sein Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung kontinuierlich befriedigen kann. Wenn man wiederum „Macht“ als die Möglichkeit definiert, auf umfangreiche Quellen der Bedürfnisbefriedigung zurückzugreifen, dann kann tugendhaftes Verhalten zu Macht führen.

3. Warum die Begriffe „Kontrolle“ und „Macht“ negativ konnotiert sind

Solange man selbst über Macht und Kontrolle verfügt, nimmt man keinen Anstoß an diesen Begriffen. Oft befindet man sich aber in Situationen, in denen andere, mächtigere, den eigenen Kontrollraum einschränken. Und das Gefühl der Kontrolle ist so wichtig, dass jede Einschränkung als sehr schmerzhaft empfunden wird. „Macht“ und „Kontrolle“ sind als Begriffe negativ besetzt, weil sie sofort die Leiden evozieren, die durch die Macht anderer über uns entstanden sind. Dass wir selbst aber existenziell und permanent nach Macht und Kontrolle streben, steht nicht im Fokus unserer Aufmerksamkeit. Das hat den großen Nachteil, dass wir bei Selbstbetrachtungen und Selbstbeschreibungen einen blinden Fleck gerade dort setzen, wo wir am gefährlichsten für andere sind: „Ich will doch keine Macht“ sagen gerade diejenigen, die am meisten danach streben, weil sie ihren Machtanspruch vor sich und den anderen verbergen wollen, unbewusst natürlich. Und das gilt in jedem Lebensfeld, auch in Twitter, Wikipedia, Blogs und wie sie alle heißen!

Fazit Es nützt nichts, sich die eigenen Motivationen schöner zu reden als sie sind. Wenn die „Tugend“ ein Weg zur Macht ist, dann kommt es allen zugute. „Mutter Teresa“, so meine Vermutung, war besonder machtorientiert! Na und?

Kontrolle, kognitiver Halt und Glück

Resume Wenn es stimmt, dass das Kontrollgefühl Glück verschafft, so liegt eine Glückschance darin, mit kognitiven Instrumenten relevante Wissensgebäude zu konstruieren, Stein für Stein.

1. Stabilität in einer turbulenten Welt

Wie jeder andere Mensch auch gerate ich im realen Leben gelegentlich in Turbulenzen. Beispielsweise stürtzt mich mein Haus in der Bretagne regelmäßig in hohe Kontrollverlustphasen (z.B. wenn Jugendliche das Haus in Brand stecken, wie vor 4 Jahren, oder wenn wieder einmal eine Mauer zusammenfällt). Um die entsprechenden emotionalen Aufwallungen „in den Griff“ zu bekommen, muss der kognitive Apparat sehr stark mobilisiert werden. Ich zwinge mich in einer solchen Situation zu fokussieren auf das, was in meinem Leben existentiell ist und gut funktioniert (z.B. dass ich einen sicheren Job habe) und finde sehr schnell Halt. Es macht natürlich auch Spaß, meiner Umwelt zu demonstrieren, dass man auch sehr rasch in sochen Situationen seine gute Laune wiederfinden kann. Schließlich ist – um das oben genannte Beispiel wiederaufzugreifen – ein Haus in der Bretagne Luxus.  Noch hilfreicher ist es, wenn man seine Kognition nicht nur nützt, um Probleme anzugehen, also remedial, sondern prinzipiell versucht, von früh bis abend durch intellektuelle Anstrengung Wissensgebäude zu konstruieren.  Auf diese Weise kann man versuchen, was im realen Leben durch unvorhersehbare Katastrophen zerstört wird, durch die Konstruktion von Wissen im abstrakten Leben aufzuwiegen.

2. Meine Konstruktion zur Zeit: die Geschichte Europas

Es gibt zahlreiche relevante Erkenntnisräume, die einem intransparent und verschlossen bleiben. Diesen gegenüber fühlt man sich hilflos, ausgeliefert. Das ist das Gegenteil von Kontrolle und tendenziell bedrohlich. Instransparent ist beispielsweise die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Geschichte der Menschheit ist zwar auch opak, aber da die Fakten bereits vorliegen, kann man durch starke Anstrengung versuchen, sie zu rekonstruieren, und somit über einen relevanten Wissensbereich Kontrolle gewinnen. Man muss sich natürlich bemühen, einige wenige entscheidende Faktoren für die Entwicklung menschlicher Gesellschaften herauszuarbeiten, um mit diesen Instrumenten klare Linien zu erkennen. Ein Beispiel: es gibt seit Beginn der Menschheit nur 5 Organisationsformen: Jäger und Sammler, Nomaden, einfache farming-societies, komplexe farming societies (chiefdoms), Staaten (Stadtstaaten, Königreiche) mit festen, unabänderlichen Merkmalen. Oder ein anderes Beispiel: In Ägypten vollzog sich einen Übergang vom zentralistischen Staat zum Feudalismus als die Pharaone mächtigen Gefolgsleuten Gebiete zunächst zu Lehne gaben und dann als Erbpacht überließen. Dieses Phänomen taucht an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten immer wieder auf (z.B. in Europa nach der Aufteilung des Reiches von Karl dem Großen oder in Japan ) . Solche Erkenntnisse liefern auch Schlüssel um zu verstehen, was sich heute in der Welt abspielt, oder auch im Internet, wo ebenfalls gesellschaftliche Organisationsstrukturen emergieren (ich glaube sogar, in Wikipedia feudalistische Elemente entdeckt zu haben).

Fazit: Durch die Herstellung kognitiver Kontrolle über komplexe Wissensbereiche kann ein Gefühl genereller Kontrolle entstehen, das einem ermöglicht, gelegentliche Kontrollverluste im realen Alltagsleben gut zu verkraften.

Informationsverarbeitung und warum ich nach (mehr) Ruhm strebe

1. Informationsverarbeitung macht glücklich und warum es so sein muss

– Die Gehirnforschung zeigt (Gerhard Portele, 1975, also nicht gerade neu), dass die Verarbeitung von Informationen im Gehirn positiv dekodiert wird. Anders ausgedrückt: es macht Spaß, Informationen zu verarbeiten, Texte zu lesen verursacht Kicks. Natürlich nicht alle Informationen, sondern welche, die bestimmte Merkmale aufweisen: nicht zu einfach (Unterforderung), aber nicht zu komplex (Überforderung), quantitativ nicht zu zahlreich, aber auch nicht zu wenig, usw.). Auf diesen Punkt werde ich später inn einem eigenen Beitrag ausführlich eingehen, weil er zentral für die Gestaltung der Lernumwelt ist: die Lernumwelt muss so struktuiert sein, dass der Mensch aus ihr die richtige Dosis an informativen Stimulis aktiv holen kann.

– Dass die Informationsverarbeitung im Gehirn stark belohnt wird ist deshalb im Bauplan der Natur vorgesehen, weil wir sonst nicht reflektieren würden. Brecht sagt: „Ohne Not denkt der Mensch nicht“. Nun ist Denken unabdingbar für das Überleben, denn wir müssen uns ständig an die Veränderungen der Umwelt anpassen, also ständig Informationen verarbeiten. Auch die anderen vitalen Funktionen werden vom Organismus (Gehirn) stark belohnt. Sonst würden wir die Strapazen nicht auf uns nehmen. Wenn Essen oder Trinken nicht so positiv belohnt würde, würden wir diesen lächerlichen Vorgang nicht auf uns nehmen. Wir würden nicht Flüssigkeit (Wasser, Wein oder Bier) oder eine gelatinöse Masse (Kuchen, Fleisch, Fisch) durch eine Körperöffnung (Mund) in unser Körper hineinwürgen. Dasselbe gilt in noch höherem Masse für den Geschlechtsverkehr: wer würde die Vorarbeiten und den Vorgang selbst durchführen, wenn die Natur dies nicht mit einer großen Belohnung versehen hätte? Wer würde überhaupt auf die akrobatische Idee kommen?

2. Ruhm und Informationsverarbeitung

Wenn Informationsverabeitung „glücklich“ macht, dann müssen Menschen, die nach Glück streben, ihre Umwelt so einrichten, dass sie permanent mit informativen Stimuli versorgt werden. Da mit zunehmender Zufuhr von Stimuli der Organismus in bezug auf die Qualität der Impulse immer anspruchsvoller wird, ist es schwer eine entsprechende Menge und Qualität flächendeckend zu erhalten.

Ruhm sichert eine relativ stabile Versorgung mit Aufmerksamkeit, also mit anspruchsvollen, quantitativ hohen informativen Stimuli.

3. Mach die Menschen, die mit dir zusammenarbeiten, berühmt!

Wenn Menschen mit dir zusammenarbeiten, müssen sie belohnt werden. Sie müssen spüren, dass ihr Leben durch die Zusammenarbeit mit dir an Qualität gewinnt. Verschaffe ihnen also Aufmerksamkeit (informative Stimuli). Und das gelingt am besten im Rahmen von langfristigen „Weltverbesserungsprojekten“: Dauerflow! Allerdings müssen diese ganzen Aktivitäten einen Sinn haben. Der Sinn ist, dass unsere Problemlösekapazitäten dabei wachsen. Und hier sind wir bei der Welt, im selben Bot wie Obama!:-)))