Die Neuen Menschenrechte: Ziele

Im Folgenden werden die Bedingungen beschrieben, unter denen die 6 Neuen Menschenrechte (NMR) wahrgenommen werden können. Sie lassen sich auch als politisches Programm formulieren.

Art.1 Das Recht auf Denken

Das Denken dient der kognitiven Kontrolle der erlebten Situationen zum Zweck der Lebenserhaltung. Unter Denken wird der Vorgang der Informationsverarbeitung und der Konzeptualisierung verstanden. Die Förderung von Denkaktivitäten erhöht die individuelle und kollektive Kontrollkompetenz der Menschen. Dazu müssen entsprechende Strukturen angeboten werden: in der Schule (Inhalte und Methoden) und am Arbeitsplatz (Konzeptualisierungsmöglichkeiten). Es ist aber auch Aufgabe der Politik, die Gestaltung des Gemeinwesens so zu organisieren, dass die Bürger an dessen Optimierung beteiligt werden und somit ein breites, relevantes Feld zur Konzeptualisierung vorfinden (Bürgerbeteiligung).

Art.2 Das Recht auf Gesundheit

Die Pflege der Gesundheit ist die Voraussetzung zur Lebenserhaltung. Es geht darum, den Organismus funktionstüchtig unter Kontrolle zu behalten. Diese Kontrolle richtet sich auf körperinterne Vorgänge, indem der Organismus Energie aufnimmt und sie ökonomisch einsetzt. Dies betrifft also die Ernährung und die intellektuelle und körperliche Betätigung (Sport). Bedeutsam für die Kontrolle des Organismus ist die mentale Verarbeitung von Impulsen aus dem Körper oder aus der Umwelt: durch entsprechende Techniken sollten Lebensereignisse – auch schmerzhafte – insgesamt positiv aufgenommen und verarbeitet werden (seelische Gesundheit). Ferner muss individuell und kollektiv permanent an einer Aufrechterhaltung und Optimierung der Umwelt gearbeitet werden (Umweltschutz). Aus all diesen Zielsetzungen entstehen vielfältige Rechte, die ausformuliert und zu Gesetzen führen.

Art.3 Das Recht auf Sicherheit

Sicherheit spielt im Leben von Menschen eine große Rolle. Im Hinblick auf die Lebenserhaltung drückt sie sich als Gefühl der Kontrolle aus. Daher ist es legitim, dass die AEMR diesem Thema einen breiten Raum widmet und die Abwehrrechte in den Mittelpunkt stellt. Dennoch müssen Leistungsrechte wie das Recht auf Arbeitsplatz und auf Wohnung Priorität erhalten, denn sie wirken sich auf das gesamte Lebensgefühl aus. Die Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen, obliegt dem Staat. Allerdings gehört zur Sicherheit nicht nur der Schutz der Bürger gegen Übergriffe, sondern auch die Planung der Zukunft sowohl was die materielle Ausstattung des Landes als auch was die Bildung der jungen Menschen betrifft. Die Erweiterung der Lebenskompetenzen und die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung erhöhen die aktuelle und künftige Sicherheit. Das Gefühl der Sicherheit hat nicht nur individuelle sondern auch soziale Implikationen. Unsicherheit vermittelt ein Gefühl des Unwohlseins, das sich auch auf das soziale Umfeld negativ auswirken kann, in Form von Aggressionen, Unruhen und Gewalt. Auch andere Dimensionen wirken sich auf das Gefühl der Sicherheit aus. So wirkt sich der Eindruck, dass Staat und Gesellschaft keine Ungerechtigkeiten generieren positiv auf das Wohlbefinden aus. Daher ist es eine Aufgabe des Staates, Wohlstand für seine Bürger anzustreben.

Art.4. Das Recht auf soziale Einbindung und soziale Anerkennung

Alle Untersuchungen über Glück weisen auf die Bedeutung der sozialen Einbindung und der sozialen Anerkennung hin. Bedürfnistheoretisch ist es nicht überraschend, denn der Kontakt zu anderen Menschen ermöglicht die Befriedigung aller Bedürfnisse, die zu Beginn aufgelistet wurden: Denkaktivitäten, physiologische Bedürfnisse, Gesundheit, Sicherheit, Soziale Einbindung, Partizipation und Selbstverwirklichung sowie Sinn. Aufgabe der Politik ist es, diesem Bedürfnis Priorität einzuräumen. Dies betrifft den Städtebau und die Architektur sowie die Organisation der Arbeit, die familienfreundlich zu gestalten sind und die Einrichtung von Begegnungsstätten, die Zusammenkünfte von Bürgern ermöglichen. Auch die Bürgerbeteiligung ist ein Element, das Kohäsion innerhalb der Bevölkerung fördert. Wichtig ist ferner die Art und Weise, wie mit Minderheiten umgegangen wird. Schließlich sind Maßnahmen zu empfehlen, die die Herausbildung und Festigung der Identifizierung der Bürger mit Staat und Wohnort begünstigen. Förderlich ist schließlich das Gefühl der Gerechtigkeit und gesetzliche Stabilität. Korruption und politische Verfehlungen sind Verstöße gegen den Artikel 4 (soziale Einbindung und Anerkennung)

Art.5. Das Recht auf Partizipation und Selbstverwirklichung

Selbstverwirklichung entspricht einem Expansionsbedürfnis. Maslow formuliert: „Was der Mensch kann, das muss er.“ Es ist die Ausdehnung von Kontrolle und die Aneignung von zusätzlichen materiellen und ideellen Ressourcen. Dazu gehört auch die Partizipation an Vorhaben und Aktivitäten, die die Gemeinschaft betreffen. Als Feld für Selbstverwirklichung und Partizipation bietet sich der Arbeitsplatz, aber auch die politische Arbeit in den Städten und Kommunen. Hier werden alle Fähigkeiten gefordert und gefördert, vor allem aber Reflexion und Konzeptualisierung. Planungen für die Zukunft der Gesellschaft und der Welt sind Aufgaben, die alle Menschen angehen und unser Überleben als Gattung sowie die Erhaltung der Erde sichern.

Art.6. Das Recht auf Sinn

Auch die Reflexion über den Sinn des eigenen Lebens dient der Kontrolle. Dazu liefern Religionen und Philosophien Interpretationsmuster. Über sie kann man das eigene Leben steuern, Ziele festlegen und prüfen, ob diese erreicht werden. Die Gesellschaft ist aufgefordert, rationale Sinnsysteme zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht vor allem in Schule und Universität, aber auch in Unternehmen, Vereinen und Parteien. Allerdings sind die Angebote an Sinnsystemen heute noch sehr heterogen, mit dem Ergebnis, dass eine Verständigung über menschliche Wünsche und Bedürfnisse nur mit großem Aufwand möglich ist. Der Stand der anthropologischen Forschung, insbesondere der Psychologie, der Gehirnforschung, der Bedürfnis- und Glücksforschung ist inzwischen so fortgeschritten, dass es möglich sein wird, ein konsensfähiges Menschenbild aufzustellen. Das wird eine Diskussion über Ziele und Strukturen erleichtern. Gegenwärtig wird die Etablierung der Menschenrechtsbildung als Fach in den Schulen angestrebt. Das wäre ein Ort, wo Sinnreflexionen intensiviert werden könnten.

Die vorgenommene Umstrukturierung der Menschenrechte soll:

– Dafür sorgen, dass die Begriffe konkret an das Leben und die Befindlichkeit der Menschen anknüpfen;

– Einen raschen Überblick über Bedürfnisse und über die jeweilig notwendigen Priorisierungen ermöglichen;

– Eine permanente bedürfnis- und glücksorientierte Reflexion im Alltag einleiten, die für das Treffen von Entscheidungen eine rationale Basis liefert;

– Einen Vergleich der Lebenssituationen von Menschen erlauben, der zu unterschiedlichen Priorisierungen führt;

– Eine Folie für die Analyse von Glücks- oder Unglückssituationen von Menschen bieten: ohne viel Aufwand kann man sofort sehen, dass Gefängnisinsassen, Asylanten in Ankerzentren, Kinder in Heimen und Schwerbehinderte erhebliche Hindernisse zu überwinden haben, die mit entsprechenden Maßnahmen zu beseitigen sind; natürlich ist der Inklusionsansatz ein guter Weg für die Zukunft.

– Die Bedürfnisfolie erleichtert auch Empathie und Selbstreflexion: kann diese Person glücklich sein? Bin ich glücklich und wenn nicht, was kann ich tun, um glücklich zu werden?

Quelle:

Martin, J.-P. (2020): Neubegründung und Reformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte? In: Simon W. Kolbe, Jean-Pol Martin, Margret Ruep (Hrsg.): Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriele Schäfer Verlag, 2020. S. 109-147.

Jens Eichert: „Warum ich mich seit vielen Monaten so intensiv mit der wissenschaftlichen Arbeit von Jean-Pol Martin beschäftige.“

Warum ich mich seit vielen Monaten so intensiv mit der wissenschaftlichen Arbeit von Jean-Pol Martin beschäftige? Weil ich darin nicht nur das Potenzial einer grundlegenden Veränderung unserer gesellschaftlichen Orientierung sehe, sondern weil ich es verinnerlicht habe und lebe. Die Inhalte sind verständlich in ihrer Formulierung und hochkomplex in ihrer Wirkung. Ich behaupte, dass jede/r, der/die eine Ausbildung oder ein Coaching bei Nicole und mir durchläuft, sich danach ein anderes Bild von sich und der Gesellschaft, mit all ihren Problemen und Großartigkeiten macht. All meine FB-Freunde hier aus Deutschland können heute eine alte oder neue Regierung wählen. Ich habe es bereits getan.Jederzeit habt ihr aber die Wahl, euch selbst eine Stimme zu geben. Wer mich persönlich schon etwas länger kennt weiß, was ich schon alles durchgemacht und mit welchen Hürden ich gekämpft habe. Nichts, aber auch wirklich gar nichts hat mich so sehr positiv in meinem Mindset gepusht, wie die Auseinandersetzung mit den Neuen Menschenrechten und ihren Modulen. Danke Jean-Pol! Ich werde weiterkämpfen für mich und die positiven Impulse in unserer Gesellschaft. Buttom-Up! In so vielen Bereichen ächzen und stöhnen die Menschen, weil sich perspektivlos, überfordert oder unzufrieden sind. Schimpfen auf Arbeitgeber:innen oder die Politik. Kontrollverlust ist eine der lebensbedrohlichsten Zustände, die wir haben können. Dank der intensiven Schulungen und Gruppengespräche, die ich gemeinsam mit Nicole Kern, Jean-Pol Martin und weiteren wundervollen Menschen wie Isabelle Schuhladen Le Bourhis, Sylva Jürgensen, (um nur einige zu erwähnen, die anderen mögen es mir verzeihen), durchgeführt habe, kann ich heute selbstbestimmter und selbstbewusster durchs Leben gehen. Ohne, dass ich mich von „denen da oben“ abhängig mache.Exploratives Verhalten schenkt mit Woche für Woche neue Anreize mich weiterzuentwickeln. Und du kannst das auch! Bleib neugierig! Alle News hier und/oder bei Instagram als der_medienpaedagoge

Schönen Sonntag!

Neue Menschenrechte: Schulung

Jens Eichert: „(…) sei gewiss, dass Deine NMR keinen plötzlichen Projekttod erleiden werden. Aus meiner Haltung und dem Blick auf das Leben sind sie nicht mehr wegzudenken. 😉“

Meine Mail an Jens Eichert:

01.09.2021

Lieber Jens,

im Augenblick trägst du zusammen mit Nicole das ganze Projekt mit deinen Aktivitäten und deiner Motivation.
Dafür bin ich dir sehr dankbar. Manchmal sterben die tollsten Projekte einen plötzlichen Tod.
Das ist sehr unvorhersehbar.
Oder sie erleben einen plötzlichen Hype. Man muss als Projektleiter permanent pushen und auf alles gefasst sein.
Jedenfalls bringst du alles extrem voran!
Ich bin gespannt, wie es weitergeht!
Liebe Grüße
Jean-Pol

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Die Antwort von Jens:

Eigentlich wollte ich schon ins Bett gehen, doch auf deine Worte möchte ich nun doch sofort eingehen.

Um es mal kurz in NMR-Sprache auszudrücken:

Ich bin durch in die Inhalte in meinem Denken beflügelt und empfinde wieder Spaß an der Exploration, weil ich in dem, was ich leidenschaftlich gerne tue, gesehen, respektiert und unterstützt werde. Es geht mir sowohl physisch als auch psychisch gut (abgesehen von der chronischen Müdigkeit, die sich aus meiner intensiven Arbeit ergibt 😃 ). Ich fühle mich sicherer, weil ich hinter fast all den Dingen zu 100% stehen kann, die ich zurzeit tue. Ich bin der Konstrukteur meiner Gegenwart und Zukunft geworden.

Auch zu Artikel 4-6 könnte ich viele Zeilen schreiben. Das kannst Du dir sicherlich denken.

Lieber Jean-Pol, ich kann Dir nicht genug für das danken, was Du geschaffen und in den persönlichen Gesprächen in mir ausgelöst hast. Ich habe schon vor sehr vielen Jahren den Wunsch bzw. Drang in mir gespürt, etwas Größeren für diese Welt zu erschaffen. Irgendetwas, dass man auch nach meinem Tod nicht vergessen wird. Ein Hinderungsgrund an der Umsetzung war stets mein Mangel an Selbstbewusstsein und der fehlende Plan. Beides entwickelt sich seit Monaten rasant und ich komme kaum mit der Verarbeitung hinterher. Aber das ist eine äußerst positive Überforderung, mit der ich sehr gut leben und arbeiten kann.

Viele Gedanken durchstreifen noch meinen Kopf, doch für heute mache ich erstmal Schluss.

Hab eine angenehme Nachtruhe und sei gewiss, dass Deine NMR keinen plötzlichen Projekttod erleiden werden. Aus meiner Haltung und dem Blick auf das Leben sind sie nicht mehr wegzudenken. 😉

Gute Nacht!

Jens

Kontrolle: Definition von Simon Kolbe

„Kontrolle = Sicherheit im Umgang mit eigenen Bedürfnissen und denen Anderer in einer Umwelt, die von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität geprägt ist (=VUCA). Diese Kontrolle bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Schaffung von Momenten der Sicherheit in einer bisweilen unsicheren Umwelt und impliziert somit Kompetenzen im Umgang mit Unsicherheiten.“

Antinomien? Was ist das?

Systeme (auch Menschen) bewegen sich im Spannungsfeld von Antinomien (Gegensätzen). Beispielsweise von zentripetalen und zentrifugalen Kräften. Um das Gleichgewicht zu halten (Kontrolle), muss permanent für Ausgleich zwischen den beiden Tendenzen aktiv gesorgt werden.

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45 Minuten

15 Minuten: Vorstellung des Konzeptes

15 Minuten: Gespräche in Zweiergruppen: Inwiefern führt diese Erkenntnis zu mehr Kontrolle und mehr Glück?

15 Minuten: Auswertung im Plenum

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1.Antinomien

Kategorie Kontrolle: Top-down – Zentripetale Kräfte

Kategorie Unbestimmtheit: Bottom-up – Zentrifugale Kräfte

Integration: Dialektisches Denken

2.Warum ist die Chance auf Glück größer, wenn man dies erkannt hat?

Materialien:

Mehr zum Thema „Exploratives Verhalten“

Mehr zum Thema Top-down vs. bottom-up

Mehr zum Thema „Dialektisches Denken“

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Kontakt

Prof.Dr.Jean-Pol Martin
Ludwigstraße 40
D-85049 Ingolstadt

jpm@ldl.de
Tel. +49.841.12816507
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pol_Martin
Blog: https://jeanpol.wordpress.com

Neuronenverhalten? Wozu?

Dass exploratives Verhalten günstig für ein gelungenes Leben ist, wissen wir. Durch Exploration dehnt das Individuum seine Kontrolle über sein Lebensumfeld hinaus. Exploratives Verhalten wiederum setzt sich zusammen aus bestimmten Haltungen, die metaphorisch als „Neuronenverhalten“ bezeichnet werden.

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45 Minuten

15 Minuten: Vorstellung des Konzeptes

15 Minuten: Gespräche in Zweiergruppen: Inwiefern führt Neuronenverhalten zu mehr Kontrolle und mehr Glück?

15 Minuten: Auswertung im Plenum

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Wie verhalten sich Neuronen?

1.Neuronen sind offen und transparent

2.Neuronen geben ihr Wissen sofort weiter. Sie wollen nicht als Person bekannt werden und nehmen sich nicht wichtig.

3.Da Neuronen keine Angst haben, Fehler zu machen und sich zu blamieren, feuern sie sehr schnell ab

4.Wenn Neuronen angedockt werden, reagieren sie sofort

5.Neuronen versuchen ständig Kontakt zu anderen Neuronen herzustellen; sie haben keine Angst, penetrant zu wirken

6.Neuronen sind nicht beleidigt

7.Neuronen machen keine Pause; sie nehmen erst dann Urlaub, wenn ihr Projekt abgeschlossen ist

8.Neuronale Netze gehen mit Unschärfen spielerisch um

9.Neuronale Netze haben eine basisdemokratische Einstellung

10.Achtung, hohe Suchtgefahr: das Neuronenverhalten muss kontrolliert und situationsahängig eingesetzt werden!

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Inwiefern führt Neuronenverhalten zu mehr Kontrolle und mehr Glück?

Materialien:

Mehr zum Thema „Exploratives Verhalten“

Mehr zum Thema Top-down vs. bottom-up

Mehr zum Thema „Dialektisches Denken“

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

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Zentripetale vs. zentrifugale Kräfte in einer Gruppe

Systeme bleiben dadurch stabil, dass sich zentripetale und zentrifugale Kräfte im Gleichgewicht halten. Gelingt es nicht, so löst sich das System auf (die zentrifugalen Kräfte sprengen das System) oder es erstickt (die zentripetalen Kräfte verhindern Expansion). Diese Metapher hilft, zahlreiche Phänomene innerhalb von Gruppen zu beschreiben und kontrollierbar zu halten.

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45 Minuten

15 Minuten: Vorstellung des Konzeptes

15 Minuten: Gespräche in Zweiergruppen: 1. Welche Bedürfnisse werden erfüllt? 2. Was muss noch verändert werden?

15 Minuten: Auswertung im Plenum

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1.Antinomien

Wir wollen Ruhe <-> aber auch Bewegung

Wir wollen klare Vorgaben <-> aber auch Freiheit

Wir wollen in einer Gruppe integriert sein <-> aber auch als Individuum autonom sein

Wir wollen Linearität <-> aber auch nicht-Linearität

usw.

Um das Gleichgewicht zu erhalten (Kontrolle), sind wir auf die Integration beider entgegengesetzen Tendenzen angewiesen.

Aus Sicht der Gruppenleitung

-Die Führung hat die Aufgabe, die Ziele der Gruppe im Auge zu behalten und die Aktivitäten der Gruppe so zu gestalten, dass die Ziele erreicht werden.

-Meist ergibt sich, dass die Ziele, die von der Führung verfolgt werden, von denen der einzelnen Gruppenmitglieder abweichen. Dies kann daran liegen, dass die Mitglieder per Zufall in die Gruppe gerieten und von Anfang an den Zielen gegenüber ablehnend oder indifferent standen

-Dies kann auch daran liegen, dass die Ziele der Gruppe, die von der Führung immer wieder an die sich verändernde Situation angepasst wurden, sich allmählich von den Wünschen des Einzelnen entfernt haben. Es entsteht ein Gegenüber von zentripetalen und zentrifugalen Kräften.

-Meist ruft eine Position (These) eine Gegenposition hervor (Antithese). Es bilden sich zentrifugale Kräfte. Der Leitung obliegt die Aufgabe, zentripetale Kräfte zu erzeugen und These und Antithese im Sinne eines Konsenses dialektisch zu integrieren (Synthese).

-In der Regel stößt die Führung, die durch ihre Funktion permanent die Ziele der Gruppe im Fokus behält (Integration), Vorschläge unterbreitet auf Widerstand, weil die Einzelnen ihre partikularen Ziele verfolgen (Ausdifferenzierung), die nur selten völlig konform mit dem Ziel der Gruppe gehen.

-Problem: Top-down/Bottom-up – Blasenbildung

Beispiele

  • Familie
  • Jugendgruppe
  • Unternehmen
  • Föderalistisches System

2. Warum ist es wichtig, das zu wissen, um erfolgreich und glücklich zu sein?

Materialien:

Mehr zum Thema Top-down vs. bottom-up

Mehr zum Thema „Dialektisches Denken“

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

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NMR-Module

Folgende Modules sind für 45 Minuten-Sessions gedacht. Adressaten sind Menschen, die über ihre Bedürfnisse und die ihrer Mitmenschen nachdenken wollen, beispielsweise weil sie in sozialen Berufen aktiv sind.

1.>>>Was top-down mit uns anstellt.

Bottom-up die Welt verändern! Mehr Kontrolle gewinnen! – Können wir unsere Bedürfnisse in unserer Alltagswelt so befriedigen, dass wir uns glücklich fühlen? Welche Veränderungen müssten wir in unserer Lebenswelt vornehmen, um unsere Situation (noch) zu verbessern?“

2.>>>Warum sollen wir dialektisch denken?

Unsere Handlungen haben nur ein Ziel: die Lebenserhaltung. Und die Lebenserhaltung läuft über die Kontrolle unseres Lebensfeldes. Auch das Denken gehört dazu (kognitive Kontrolle). Dialektisch Denken bedeutet, dass wir die Position des anderen in den Blick nehmen und versuchen, in unsere eigenen Überlegungen miteinzubeziehen, so dass wir unsere kognitive Kontrolle ausweiten. Es hat den Vorteil, dass beide Positionen am Ende auf einer höheren Ebene integriert sind (Kontrolle).

3.>>>Warum sollen wir uns explorativ verhalten?

Davon ausgehend, dass das zentrale, alles einschließende Bedürfnis des Menschen in der Kontrolle seines Lebensfeldes besteht (Lebenserhaltung), so entspricht exploratives Verhalten einer Ausdehnung von Kontrolle.

4.>>>Zentripetale vs zentrifugale Kräfte in einer Gruppe

Systeme bleiben dadurch stabil, dass sich zentripetale und zentrifugale Kräfte im Gleichgewicht halten. Gelingt es nicht, so löst sich das System auf (die zentrifugalen Kräfte sprengen das System) oder es erstickt (die zentripetalen Kräfte verhindern Expansion). Diese Metapher hilft, zahlreiche Phänomene innerhalb von Gruppen zu beschreiben und kontrollierbar zu halten.

5.>>>Neuronenverhalten? Wozu?

Dass exploratives Verhalten günstig für ein gelungenes Leben ist, wissen wir. Durch Exploration dehnt das Individuum seine Kontrolle über sein Lebensumfeld. Exploratives Verhalten wiederum setzt sich zusammen aus bestimmten Haltungen, die metaphorisch als „Neuronenverhalten“ bezeichnet werden.

6. >>>Antinomien? Was ist das?

Systeme (auch Menschen) bewegen sich im Spannungsfeld von Antinomien (Gegensätzen). Beispielsweise von zentripetalen und zentrifugalen Kräften. Um das Gleichgewicht zu halten (Kontrolle), muss permanent für Ausgleich zwischen den beiden Tendenzen aktiv gesorgt werden.

Neue Menschenrechte. Artikel 1. Das Recht auf Denken.

Teil I: Basiskonzepte

Lebenserhaltung als Ziel: Kontrolle

Das Ziel aller Lebewesen ist die Lebenserhaltung (Martin 2018, 346). Die Lebenserhaltung beruht auf einer Reihe von Verhaltensweisen und Handlungen, die Kontrolle über das Lebensfeld sichern. Dazu zählt die Versorgung des Organismus mit Energie, die Abwehr von Konkurrenten um Ressourcen, das Treffen von Entscheidungen, die für das aktuelle und künftige Überleben von Bedeutung sind. Alle Kontrollaktivitäten werden über das Nervensystem und das Gehirn gesteuert und koordiniert. Aufgabe des Gehirns ist es, Informationen zu verarbeiten und zu konzeptualisieren. Also zu denken. Die Qualität unseres Denkens ist entscheidend für die Qualität unseres Lebens.“