Artikel 1: das Recht auf Denken (Kampf gegen Top-down!)

Neue Menschenrechte. Artikel 1 (das Recht auf Denken)

Abstract

Ziel aller Aktivitäten ist die Lebenserhaltung. Also die Kontrolle über den Organismus und über die für das Individuum relevante Umwelt. Dabei spielt das Denken eine zentrale Rolle. Das Denken schafft automatisch Top-down-Strukturen in dessen Umfeld, weil Top-down-Strukturen am leichtesten zu kontrollieren sind. Ein Nachteil von Top-down Strukturen in der Gesellschaft ist, dass neue Gedanken, die aus der Basis stammen, nur unter großen Schwierigkeiten die Top-down-Barrieren überwinden und die Ebene der kollektiven Reflexion erreichen. Es bilden sich undurchdringliche Top-down-Blasen. Dadurch entzieht sich ein Großteil der problembezogenen Informationen dem kollektiven Denkvorgang. Die Mindsets, die sich im Rahmen der Menschheitsgeschichte entwickelt haben und dem Top-down-Modell entsprechen, müssen kritisch durchleuchtet und notfalls ersetzt werden. Dies kann mithilfe der „Neuen Menschenrechte“ erfolgen. Jeder Mensch ist aufgefordert, seinen Lebensraum zu analysieren und die Hindernisse zu identifizieren, die einem glücklicheren Leben im Wege stehen. Politisch führt es zu einer massiven Ausbreitung der Bürgerbeteiligung. (…)

Fortsetzung:

IN-direkt (22.12.21): Neue Menschenrechte

IN-direkt: Seite 14

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Jens Eichert: Was wir von den Ameisen lernen können…

Was wir von den Ameisen lernen können und was das mit Corona zu tun hat.

– Ein Gedankenanstoß von J.M.Eichert

Die Welt der Ameisen ist faszinierend und hat auf den ersten Blick nur wenig mit unserer Lebensart zu tun. Schaut man aber genauer hin, so kann man viele Gemeinsamkeiten entdecken und vielleicht sogar noch etwas Wertvolles daraus als Erkenntnis ziehen.

Diesen Versuch möchte ich heute machen und damit ein wenig zum Nachdenken anregen.Um von den Fähigkeiten der Ameisen beeindruckt zu sein, ist es gar nicht nötig, all zu tief in die biologischen und anatomischen Grundlagen vorzudringen. Allein der bloße Blick auf einen Ameisenhaufen im Wald, in dem nicht selten eine Kolonie aus hunderttausenden Insekten beheimatet ist, lässt Kinder sowie Erwachsene staunen.

Wie kann es sein, dass so kleine Lebewesen dazu in der Lage sind, derartige Bauwerke zu errichten? Einige der tausenden verschiedenen Arten bauen Systeme über mehrere zehn Quadratmeter in der Fläche und bis zu acht Meter in die Tiefe. Nur ein gut funktionierendes Aufgaben- und Kommunikationssystem kann dazu führen, dass so eine Meisterleistung erstellt und in Betrieb gehalten werden kann.

An dieser Stelle möchte ich die Verbindung zu uns Menschen herstellen, die ein Mischung aus soziokulturellen, philosophischen und sozialen Gedanken sein wird.

Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat sich die Architektur enorm weiterentwickelt. Durch immer neue Baumaterialien sind zum Teil atemberaubende Gebäude oder andere Konstruktionen errichtet worden. Grenzen spielen oft nur hinsichtlich des Geldes eine Rolle. Wir streben von Natur aus danach, das Unmögliche möglich zu machen. Wir wollen entdecken, ausprobieren, forschen, kommunizieren, unsere Umwelt mit allen Sinnen erfassen und verstehen – von klein auf instinktiv. Das ist fantastisch und macht den Menschen so vielschichtig und einzigartig. Diese Freiheit birgt jedoch auch eine große Verantwortung. Oft dringen wir mit unseren Fähigkeiten und der selbst zugesprochenen Freiheit in die Lebensräume anderer Lebewesen und Pflanzen ein. Mit etwas Weitsicht wird dann schnell deutlich, dass wir bei auftretendem Schaden auch unsere eigene Freiheit wieder einschränken.

Ameisen haben im Gegensatz zu uns kein Gehirn, das ihnen die Vielfalt an Entwicklungsmöglichkeiten bietet, wie wir es besitzen. Das ist einerseits gut für uns, birgt aus meiner Sicht jedoch einen gewissen Nachteil in Bezug auf die Erhaltung der Art. Ameisen haben sicherlich keine Ehrfurcht vor ihrer Leistung. Aber sie schützen instinktiv ihre Art und nicht nur ihr eigenes Leben. Vielleicht mangelt es uns daran zunehmend?

Menschen gehören wie tausende andere Individuen zu der Gattung der Säugetiere. Genauer gesagt zu den Plazentatieren (Eutheria) zu denen über 90 % der Säugetiere gehören. Beobachtet man die Lebensweisen der Tiere, fällt einem auf, dass die Lebensmodelle im Ablauf eines Zyklus bei den Individuum artübergreifend oft ähnlich sind. Es geht vorwiegend um die Aufzucht der Jungen, Beschaffung von Nahrung, Errichtung einer Behausung (sehr unterschiedlich) und im Kern schlicht darum zu überleben.

Der Überlebensdrang steckt in uns allen. Ob der Wille zur Erhaltung der Art auch bei anderen Säugetieren vorhanden ist, darüber möchte ich nicht spekulieren.

An dieser Stelle kommt mein philosophischer und für die eine oder den anderen möglichweise auch als Provokation empfundener Gedankenimpuls ins Spiel:

Stehen wir vielleicht durch die Pandemie gerade an einem Scheitelpunkt in unserer menschlichen Entwicklung, in der die Bedeutung des einzelnen Individuums, durch die verminderte Fähigkeit instinktiv und kollektiv zu denken, uns zum Verhängnis wird?

Ich will mit meinen Worten keine Angst auslösen oder unnötig in eine ohnehin schon vorhandene Kerbe in unserer sozialen Gesellschaft schlagen. Vielmehr möchten sie zum Nachdenken über den eigenen Horizont hinaus anregen.

Bei all den Annehmlichkeiten und herausragenden Errungenschaften unseres menschlichen Daseins spielen eben doch immer noch Lebensprinzipien eine Rolle, die sich auch nicht mit den modernsten Waffen, der modernsten Medizin und keinem Geld der Welt erschaffen lassen und das sind unter anderem der Gemeinschaftssinn und das dialektische Denken.

Auch wenn Ameisen sich nicht über Sprache verständigen wie wir, so haben sie doch augenscheinlich und wissenschaftlich erwiesen Methoden entwickelt, die sie dazu befähigen als millionenstarker Staat zu wachsen und sogar Flutkatastrophen zu überleben. Dazu gehören chemische Reize über Pheromone oder akustische Klopfsignale, die Ameisen über ihre Beine als Reiz wahrnehmen. Die Methode, die diese Insekten mit uns Menschen jedoch am gemeinsamsten haben, ist die des Verhaltens. Wir Menschen lernen zu einem großen Teil durch die Beobachtung und das Nachahmen vom Verhalten anderer.

Im Umkehrschluss bedeutet es, und das ist auch mit die Kernbotschaft meines Artikels, dass jedes einzelne Individuum durch sein Verhalten ein Transporter oder Multiplikator von Mut, Hoffnung, Idealismus und Zusammenhalt sein kann. Ich kann mich bemühen in meinem Denken auch meine Umwelt stets mit einzubeziehen. Selbst wenn ich ausschließlich mindestens 51 % nur an mich und mein Wohl denke, so bleiben doch immer bis zu 49 % auch für andere übrig. Wenn du das nächste Mal im Wald, im Garten oder in einem Park einen Ameisenhaufen oder eine große Ansammlung dieser Insekten siehst, dann denkst du vielleicht an meine Worte und fühlst es wieder – so ein gewisses Gefühl von Solidarität, Gemeinschaft und kollektivem Überlebenswillen, den uns Ameisen auf ihre Art so eindrucksvoll vorleben.

— Schon mit dem Basiswissen der „Neuen Menschenrechte“ nach Jean-Pol Martin erschließen sich viele Ursachen der gegenwärtigen schwierigen Herausforderungen unserer Gesellschaft und bieten eine sehr gute Grundlage für ein kollektives Umdenken und Neuausrichten.

Quellen:

http://www.fischereimuseum.at/start/ameisen_erwachsene.pdf 12/2021

https://www.planet-schule.de/…/das-saeugetier-im-mensch 12/2021

https://jeanpol.wordpress.com/ 12/2021

NMR-Sammelband: Rezension von Andreas Broszio

Andreas Broszio

“Alles was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt”. Mit diesem Diktum von Maturana im Bewusstsein, möchte ich mich einem besonderen Beobachter und seinen Beobachtungen zuwenden. Das tue ich natürlich auch als Beobachter, und entsprechend perspektivisch und ausschnitthaft sind meine Bemerkungen. 

Meinem Eindruck nach sind viele Diskurse zu maßgeblichen Themen, die den Menschen betreffen, wahlweise durch einen allzu simplen Positivismus oder ein moralisierendes Bestehen auf bestimmte Prinzipien fernab jeder Begründungspflicht charakterisiert. Ein Hin- und Herpendeln zwischen beiden Positionen, zwischen einem “Das ist halt so” und einem “So sollte es sein” kann ohne nennenswerte Erkenntnisgewinne bleiben. Der Diskurs bleibt im Status einer Pro- und Contra-Debatte stecken. Mal streitet man über die Fakten, mal über die wünschenswerte Gestaltung der Gesellschaft, bzw. kleinräumiger Sozialsysteme. Mit seiner Programmatik der “Neuen Menschenrechte” bietet JPM eine Beobachterperspektive, die einen echten Unterschied macht. Er bietet einen Orientierungsrahmen zur Beschreibung, Erklärung und Bewertung menschlichen (Zusammen-)Lebens, der folgendes leistet:

(1) Mit Rekurs auf theoretische Erkenntnisse u.a. aus der Neurowissenschaft ermöglicht dieses Modell die Konzeptionalisierung eines Menschenbildes, das sowohl biologische, psychodynamische als auch kulturell-gesellschaftliche Aspekte des In-der-Welt-Seins in den Blick zu nehmen hilft.

(2) Das hat zur Folge, dass die Komplexität der Reflexion der Frage nach dem “guten Leben” erhöht wird, statt sich in schnell konsensfähigen Kontingenzformeln wie “Würde”, “Gerechtigkeit” usw.. zu erschöpfen, ohne konkrete Implikationen für eine menschengerechte Gestaltung der Lebensumstände.

(3) In allen Paragraphen ist der Fokus auf Strukturen deutlich formuliert. Stets geht es um die Schaffung bzw. Gestaltung von Strukturen. Dabei sind diese Strukturen so beschrieben, dass sie etwas ermöglichen. Denken, Sinn, Sicherheit, Soziale Einbindung etc. – erscheinen in dieser Art der Darstellung als nicht eindeutig determinierbar bzw. zuverlässig herstellbar. Angesichts der Komplexität von Mensch und Gesellschaft wäre das auch naiv. Stattdessen sollen die Strukturen – mit Anthony Giddens könnte man auch sagen: die Regeln und Ressourcen – Möglichkeitsbedingungen sein für die Anerkennung menschlicher Grundbedürfnisse.

(4) Mit diesem gleichermaßen deutlichen und bescheidenen Entwicklungsanspruch öffnen die NMR Diskursräume statt sie zu verengen bzw. zu verschließen. Sie fokussieren zwar Bedürfnisse, dennoch bieten sie Raum für ganz persönliche und individuelle Imaginationen, was genau es für bestimmte Personen oder Personengruppen in einer spezifischen gesellschaftlichen und historischen Situation bedeutet, wenn die Bedürfnisse anerkannt sind. Und auch der Weg dahin ist nicht im Sinne eines reformatorischen Patentrezeptes oder eines revolutionären Masterplans vorgezeichnet. 

(5) Damit erhöhen die NMR das Konfliktpotenzial. Das ist aber bei Komplexitätssteigerung nicht zu verhindern. Gleichzeitig definieren sie aber gewissermaßen höhere Ziele, die es wiederum ermöglichen, unterschiedliche und ggf. sogar zunächst gegenläufige Vorstellungen zu Wegen und spezifischen Zielen auszuhalten und für die gemeinsame Arbeit für eine bessere Welt zu nutzen. 

(Anmerkung JPM: einige Stellen habe ich selbst durch Fettdruck hervorgehobenen)

100 Notable alumni of Paris West Université Nanterre La Défense

100 Notable alumni of Paris West Université Nanterre La Défense

Paris West University Nanterre La Defense is 314th in the world, 101st in Europe, and 8th in France by aggregated alumni prominence. Below is the list of 100 notable alumni from Paris West University Nanterre La Defense sorted by their wiki pages popularity. The directory includes famous graduates and former students along with research and academic staff.

  1. Emmanuel Macron

Born in France 1977-.. (age 44) statesperson

Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron is a French politician who has been serving as the president of France since 14 May 2017.

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3·  Nicolas Sarkozy

Born in France 1955-.. (age 66) politician lawyer

Nicolas Paul Stéphane Sarközy de Nagy-Bocsa is a French politician who served as President of France and ex officio Co-Prince of Andorra from 16 May 2007 until 15 May 2012.

4·  Christine Lagarde

Born in France 1956-.. (age 65)

Graduated with master’s degree in English and law economist lawyer diplomat politician synchronized swimmer

Christine Madeleine Odette Lagarde is a French politician, businessperson and lawyer serving as President of the European Central Bank since 1 November 2019. Between July 2011 and September 2019, she served as Chair and Managing Director of the International Monetary Fund (IMF).

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78·  Jean-Pol Martin

Born in France 1943-.. (age 78)  university teacher

Jean-Pol Martin studied teacher education for foreign language teachers in Germany, and developed a teaching method called learning by teaching. He spent most of his career at Catholic University of Eichstätt-Ingolstadt and was an außerplanmäßiger Professor there when he retired in 2008.

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Sandra Neumaier: Glück und die Neuen Menschenrechte. Praxisbeispiele

Jens Eichert: NMR und Kontrolle

Kontrollverlust löst oft ein Ohnmachtsgefühl aus.

Bin ich ohnmächtig haben möglicherweise andere die Macht über mich – über meinen Körper, meine Gedanken oder sogar über mein Leben. Wie kann ich mich davor schützen?

Um die Kontrolle zu behalten ist es grundlegend von Bedeutung sich bewusst zu sein, dass es im Leben keinen Punkt gibt, an dem man alles unter Kontrolle haben kann. Das Gefühl von Sicherheit in Form von Kontrolle-von-innen entsteht dadurch, dass wir uns immer wieder in Situationen bewegen, in denen wir selbst Fehler machen und aus ihnen und den Fehlern anderer lernen. Unsere kognitive Landkarte wird größer und ist in der Lage komplexere Zusammenhänge zu erfassen – persönliche und gesellschaftliche.

Auch beim Thema Gesundheit streben wir stets danach, uns gesund zu fühlen. Doch auch hier halten wir uns in einem Spannungsfeld zwischen krank und gesund auf (Salutogenese).

Sowohl die Gesundheit als auch die Kontrolle sind ein Prozess.

Mir helfen diese Erkenntnisse, die ich u.a. aus den wissenschaftlichen Forschungen der Neuen Menschenrechte von Jean-Pol Martin gewonnen habe, zurzeit unfassbar viel.

Wir befinden uns seit sehr vielen Monaten in einem globalen Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht, Kontrollverlust und Kontrolle. Dabei verschieben sich immer wieder die zentralen Leitfaktoren. Neue Erkenntnisse der Wissenschaft bringen alte Verhaltensaufforderungen wieder zum Wanken. Politische Entscheidungen von gestern entpuppen sich morgen als Fehlentscheidung. Das alles auszuhalten, erfordert viel Vertrauen, ein gewisses Maß an Bildung und Selbstkontrolle.

Ist das Vertrauen nicht da und auch das Wissen über die komplexen Zusammenhänge nicht vorhanden, bleibt einem aber noch die Selbstkontrolle.

Darüber und über viele weitere spannende Aspekte der Neuen Menschenrechte nach Jean-Pol Martin spreche ich u.a. jeden Freitag im Instagram-Live gemeinsam mit Nicole Kern_Jugendexpertin um 19:00 Uhr und teilweise auch im Praktisch Pädagogisch Podcast, den ich seit über zwei Jahren zusammen mit meinem sehr guten Freund und Kollegen Dirk Fiebelkorn aka Der Jungenpaedagoge produziere.

Außerdem erarbeiten Nicole und ich derzeit ein Konzept, wie wir neben einfachen Coachings auch ganze Einrichtungen nach den Grundlagen der NMR schulen können. Denn Präventionsarbeit reduziert Schadensbegrenzung/-behebung. Diese Arbeit leiste ich mit meiner wohlwollend, kritischen Grundhaltung.

Jens Eichert

der_medienpaedagoge

Die Neuen Menschenrechte: Ziele

Im Folgenden werden die Bedingungen beschrieben, unter denen die 6 Neuen Menschenrechte (NMR) wahrgenommen werden können. Sie lassen sich auch als politisches Programm formulieren.

Art.1 Das Recht auf Denken

Das Denken dient der kognitiven Kontrolle der erlebten Situationen zum Zweck der Lebenserhaltung. Unter Denken wird der Vorgang der Informationsverarbeitung und der Konzeptualisierung verstanden. Die Förderung von Denkaktivitäten erhöht die individuelle und kollektive Kontrollkompetenz der Menschen. Dazu müssen entsprechende Strukturen angeboten werden: in der Schule (Inhalte und Methoden) und am Arbeitsplatz (Konzeptualisierungsmöglichkeiten). Es ist aber auch Aufgabe der Politik, die Gestaltung des Gemeinwesens so zu organisieren, dass die Bürger an dessen Optimierung beteiligt werden und somit ein breites, relevantes Feld zur Konzeptualisierung vorfinden (Bürgerbeteiligung).

Art.2 Das Recht auf Gesundheit

Die Pflege der Gesundheit ist die Voraussetzung zur Lebenserhaltung. Es geht darum, den Organismus funktionstüchtig unter Kontrolle zu behalten. Diese Kontrolle richtet sich auf körperinterne Vorgänge, indem der Organismus Energie aufnimmt und sie ökonomisch einsetzt. Dies betrifft also die Ernährung und die intellektuelle und körperliche Betätigung (Sport). Bedeutsam für die Kontrolle des Organismus ist die mentale Verarbeitung von Impulsen aus dem Körper oder aus der Umwelt: durch entsprechende Techniken sollten Lebensereignisse – auch schmerzhafte – insgesamt positiv aufgenommen und verarbeitet werden (seelische Gesundheit). Ferner muss individuell und kollektiv permanent an einer Aufrechterhaltung und Optimierung der Umwelt gearbeitet werden (Umweltschutz). Aus all diesen Zielsetzungen entstehen vielfältige Rechte, die ausformuliert und zu Gesetzen führen.

Art.3 Das Recht auf Sicherheit

Sicherheit spielt im Leben von Menschen eine große Rolle. Im Hinblick auf die Lebenserhaltung drückt sie sich als Gefühl der Kontrolle aus. Daher ist es legitim, dass die AEMR diesem Thema einen breiten Raum widmet und die Abwehrrechte in den Mittelpunkt stellt. Dennoch müssen Leistungsrechte wie das Recht auf Arbeitsplatz und auf Wohnung Priorität erhalten, denn sie wirken sich auf das gesamte Lebensgefühl aus. Die Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen, obliegt dem Staat. Allerdings gehört zur Sicherheit nicht nur der Schutz der Bürger gegen Übergriffe, sondern auch die Planung der Zukunft sowohl was die materielle Ausstattung des Landes als auch was die Bildung der jungen Menschen betrifft. Die Erweiterung der Lebenskompetenzen und die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung erhöhen die aktuelle und künftige Sicherheit. Das Gefühl der Sicherheit hat nicht nur individuelle sondern auch soziale Implikationen. Unsicherheit vermittelt ein Gefühl des Unwohlseins, das sich auch auf das soziale Umfeld negativ auswirken kann, in Form von Aggressionen, Unruhen und Gewalt. Auch andere Dimensionen wirken sich auf das Gefühl der Sicherheit aus. So wirkt sich der Eindruck, dass Staat und Gesellschaft keine Ungerechtigkeiten generieren positiv auf das Wohlbefinden aus. Daher ist es eine Aufgabe des Staates, Wohlstand für seine Bürger anzustreben.

Art.4. Das Recht auf soziale Einbindung und soziale Anerkennung

Alle Untersuchungen über Glück weisen auf die Bedeutung der sozialen Einbindung und der sozialen Anerkennung hin. Bedürfnistheoretisch ist es nicht überraschend, denn der Kontakt zu anderen Menschen ermöglicht die Befriedigung aller Bedürfnisse, die zu Beginn aufgelistet wurden: Denkaktivitäten, physiologische Bedürfnisse, Gesundheit, Sicherheit, Soziale Einbindung, Partizipation und Selbstverwirklichung sowie Sinn. Aufgabe der Politik ist es, diesem Bedürfnis Priorität einzuräumen. Dies betrifft den Städtebau und die Architektur sowie die Organisation der Arbeit, die familienfreundlich zu gestalten sind und die Einrichtung von Begegnungsstätten, die Zusammenkünfte von Bürgern ermöglichen. Auch die Bürgerbeteiligung ist ein Element, das Kohäsion innerhalb der Bevölkerung fördert. Wichtig ist ferner die Art und Weise, wie mit Minderheiten umgegangen wird. Schließlich sind Maßnahmen zu empfehlen, die die Herausbildung und Festigung der Identifizierung der Bürger mit Staat und Wohnort begünstigen. Förderlich ist schließlich das Gefühl der Gerechtigkeit und gesetzliche Stabilität. Korruption und politische Verfehlungen sind Verstöße gegen den Artikel 4 (soziale Einbindung und Anerkennung)

Art.5. Das Recht auf Partizipation und Selbstverwirklichung

Selbstverwirklichung entspricht einem Expansionsbedürfnis. Maslow formuliert: „Was der Mensch kann, das muss er.“ Es ist die Ausdehnung von Kontrolle und die Aneignung von zusätzlichen materiellen und ideellen Ressourcen. Dazu gehört auch die Partizipation an Vorhaben und Aktivitäten, die die Gemeinschaft betreffen. Als Feld für Selbstverwirklichung und Partizipation bietet sich der Arbeitsplatz, aber auch die politische Arbeit in den Städten und Kommunen. Hier werden alle Fähigkeiten gefordert und gefördert, vor allem aber Reflexion und Konzeptualisierung. Planungen für die Zukunft der Gesellschaft und der Welt sind Aufgaben, die alle Menschen angehen und unser Überleben als Gattung sowie die Erhaltung der Erde sichern.

Art.6. Das Recht auf Sinn

Auch die Reflexion über den Sinn des eigenen Lebens dient der Kontrolle. Dazu liefern Religionen und Philosophien Interpretationsmuster. Über sie kann man das eigene Leben steuern, Ziele festlegen und prüfen, ob diese erreicht werden. Die Gesellschaft ist aufgefordert, rationale Sinnsysteme zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht vor allem in Schule und Universität, aber auch in Unternehmen, Vereinen und Parteien. Allerdings sind die Angebote an Sinnsystemen heute noch sehr heterogen, mit dem Ergebnis, dass eine Verständigung über menschliche Wünsche und Bedürfnisse nur mit großem Aufwand möglich ist. Der Stand der anthropologischen Forschung, insbesondere der Psychologie, der Gehirnforschung, der Bedürfnis- und Glücksforschung ist inzwischen so fortgeschritten, dass es möglich sein wird, ein konsensfähiges Menschenbild aufzustellen. Das wird eine Diskussion über Ziele und Strukturen erleichtern. Gegenwärtig wird die Etablierung der Menschenrechtsbildung als Fach in den Schulen angestrebt. Das wäre ein Ort, wo Sinnreflexionen intensiviert werden könnten.

Die vorgenommene Umstrukturierung der Menschenrechte soll:

– Dafür sorgen, dass die Begriffe konkret an das Leben und die Befindlichkeit der Menschen anknüpfen;

– Einen raschen Überblick über Bedürfnisse und über die jeweilig notwendigen Priorisierungen ermöglichen;

– Eine permanente bedürfnis- und glücksorientierte Reflexion im Alltag einleiten, die für das Treffen von Entscheidungen eine rationale Basis liefert;

– Einen Vergleich der Lebenssituationen von Menschen erlauben, der zu unterschiedlichen Priorisierungen führt;

– Eine Folie für die Analyse von Glücks- oder Unglückssituationen von Menschen bieten: ohne viel Aufwand kann man sofort sehen, dass Gefängnisinsassen, Asylanten in Ankerzentren, Kinder in Heimen und Schwerbehinderte erhebliche Hindernisse zu überwinden haben, die mit entsprechenden Maßnahmen zu beseitigen sind; natürlich ist der Inklusionsansatz ein guter Weg für die Zukunft.

– Die Bedürfnisfolie erleichtert auch Empathie und Selbstreflexion: kann diese Person glücklich sein? Bin ich glücklich und wenn nicht, was kann ich tun, um glücklich zu werden?

Quelle:

Martin, J.-P. (2020): Neubegründung und Reformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte? In: Simon W. Kolbe, Jean-Pol Martin, Margret Ruep (Hrsg.): Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriele Schäfer Verlag, 2020. S. 109-147.

Jens Eichert: „Warum ich mich seit vielen Monaten so intensiv mit der wissenschaftlichen Arbeit von Jean-Pol Martin beschäftige.“

Warum ich mich seit vielen Monaten so intensiv mit der wissenschaftlichen Arbeit von Jean-Pol Martin beschäftige? Weil ich darin nicht nur das Potenzial einer grundlegenden Veränderung unserer gesellschaftlichen Orientierung sehe, sondern weil ich es verinnerlicht habe und lebe. Die Inhalte sind verständlich in ihrer Formulierung und hochkomplex in ihrer Wirkung. Ich behaupte, dass jede/r, der/die eine Ausbildung oder ein Coaching bei Nicole und mir durchläuft, sich danach ein anderes Bild von sich und der Gesellschaft, mit all ihren Problemen und Großartigkeiten macht. All meine FB-Freunde hier aus Deutschland können heute eine alte oder neue Regierung wählen. Ich habe es bereits getan.Jederzeit habt ihr aber die Wahl, euch selbst eine Stimme zu geben. Wer mich persönlich schon etwas länger kennt weiß, was ich schon alles durchgemacht und mit welchen Hürden ich gekämpft habe. Nichts, aber auch wirklich gar nichts hat mich so sehr positiv in meinem Mindset gepusht, wie die Auseinandersetzung mit den Neuen Menschenrechten und ihren Modulen. Danke Jean-Pol! Ich werde weiterkämpfen für mich und die positiven Impulse in unserer Gesellschaft. Buttom-Up! In so vielen Bereichen ächzen und stöhnen die Menschen, weil sich perspektivlos, überfordert oder unzufrieden sind. Schimpfen auf Arbeitgeber:innen oder die Politik. Kontrollverlust ist eine der lebensbedrohlichsten Zustände, die wir haben können. Dank der intensiven Schulungen und Gruppengespräche, die ich gemeinsam mit Nicole Kern, Jean-Pol Martin und weiteren wundervollen Menschen wie Isabelle Schuhladen Le Bourhis, Sylva Jürgensen, (um nur einige zu erwähnen, die anderen mögen es mir verzeihen), durchgeführt habe, kann ich heute selbstbestimmter und selbstbewusster durchs Leben gehen. Ohne, dass ich mich von „denen da oben“ abhängig mache.Exploratives Verhalten schenkt mit Woche für Woche neue Anreize mich weiterzuentwickeln. Und du kannst das auch! Bleib neugierig! Alle News hier und/oder bei Instagram als der_medienpaedagoge

Schönen Sonntag!

Neue Menschenrechte: Schulung