Vortrag Neue Menschenrechte 07.2021

Weiterführung:

Die 6 Module

Neue Menschenrechte. Artikel 1: Das Recht auf Denken

Antinomien? Was ist das?

Systeme (auch Menschen) bewegen sich im Spannungsfeld von Antinomien (Gegensätzen). Beispielsweise von zentripetalen und zentrifugalen Kräften. Um das Gleichgewicht zu halten (Kontrolle), muss permanent für Ausgleich zwischen den beiden Tendenzen aktiv gesorgt werden.

________________________________________________

45 Minuten

15 Minuten: Vorstellung des Konzeptes

15 Minuten: Gespräche in Zweiergruppen: Inwiefern führt diese Erkenntnis zu mehr Kontrolle und mehr Glück?

15 Minuten: Auswertung im Plenum

_______________________________________________

1.Antinomien

Kategorie Kontrolle: Top-down – Zentripetale Kräfte

Kategorie Unbestimmtheit: Bottom-up – Zentrifugale Kräfte

Integration: Dialektisches Denken

2.Warum ist die Chance auf Glück größer, wenn man dies erkannt hat?

Materialien:

Mehr zum Thema „Exploratives Verhalten“

Mehr zum Thema Top-down vs. bottom-up

Mehr zum Thema „Dialektisches Denken“

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Kontakt

Prof.Dr.Jean-Pol Martin
Ludwigstraße 40
D-85049 Ingolstadt

jpm@ldl.de
Tel. +49.841.12816507
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pol_Martin
Blog: https://jeanpol.wordpress.com

Zentripetale vs. zentrifugale Kräfte in einer Gruppe

Systeme bleiben dadurch stabil, dass sich zentripetale und zentrifugale Kräfte im Gleichgewicht halten. Gelingt es nicht, so löst sich das System auf (die zentrifugalen Kräfte sprengen das System) oder es erstickt (die zentripetalen Kräfte verhindern Expansion). Diese Metapher hilft, zahlreiche Phänomene innerhalb von Gruppen zu beschreiben und kontrollierbar zu halten.

________________________________________________

45 Minuten

15 Minuten: Vorstellung des Konzeptes

15 Minuten: Gespräche in Zweiergruppen: 1. Welche Bedürfnisse werden erfüllt? 2. Was muss noch verändert werden?

15 Minuten: Auswertung im Plenum

_______________________________________________

1.Antinomien

Wir wollen Ruhe <-> aber auch Bewegung

Wir wollen klare Vorgaben <-> aber auch Freiheit

Wir wollen in einer Gruppe integriert sein <-> aber auch als Individuum autonom sein

Wir wollen Linearität <-> aber auch nicht-Linearität

usw.

Um das Gleichgewicht zu erhalten (Kontrolle), sind wir auf die Integration beider entgegengesetzen Tendenzen angewiesen.

Aus Sicht der Gruppenleitung

-Die Führung hat die Aufgabe, die Ziele der Gruppe im Auge zu behalten und die Aktivitäten der Gruppe so zu gestalten, dass die Ziele erreicht werden.

-Meist ergibt sich, dass die Ziele, die von der Führung verfolgt werden, von denen der einzelnen Gruppenmitglieder abweichen. Dies kann daran liegen, dass die Mitglieder per Zufall in die Gruppe gerieten und von Anfang an den Zielen gegenüber ablehnend oder indifferent standen

-Dies kann auch daran liegen, dass die Ziele der Gruppe, die von der Führung immer wieder an die sich verändernde Situation angepasst wurden, sich allmählich von den Wünschen des Einzelnen entfernt haben. Es entsteht ein Gegenüber von zentripetalen und zentrifugalen Kräften.

-Meist ruft eine Position (These) eine Gegenposition hervor (Antithese). Es bilden sich zentrifugale Kräfte. Der Leitung obliegt die Aufgabe, zentripetale Kräfte zu erzeugen und These und Antithese im Sinne eines Konsenses dialektisch zu integrieren (Synthese).

-In der Regel stößt die Führung, die durch ihre Funktion permanent die Ziele der Gruppe im Fokus behält (Integration), Vorschläge unterbreitet auf Widerstand, weil die Einzelnen ihre partikularen Ziele verfolgen (Ausdifferenzierung), die nur selten völlig konform mit dem Ziel der Gruppe gehen.

-Problem: Top-down/Bottom-up – Blasenbildung

Beispiele

  • Familie
  • Jugendgruppe
  • Unternehmen
  • Föderalistisches System

2. Warum ist es wichtig, das zu wissen, um erfolgreich und glücklich zu sein?

Materialien:

Mehr zum Thema Top-down vs. bottom-up

Mehr zum Thema „Dialektisches Denken“

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Kontakt

Prof.Dr.Jean-Pol Martin
Ludwigstraße 40
D-85049 Ingolstadt

jpm@ldl.de
Tel. +49.841.12816507
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pol_Martin
Blog: https://jeanpol.wordpress.com

Kärtchen: NMR-Artikel 1 (Recht auf Denken)

Erstellt von Isabelle Schuhladen Le Bourhis

Neue Menschenrechte. Artikel 1. Das Recht auf Denken.

Teil I: Basiskonzepte

Lebenserhaltung als Ziel: Kontrolle

Das Ziel aller Lebewesen ist die Lebenserhaltung (Martin 2018, 346). Die Lebenserhaltung beruht auf einer Reihe von Verhaltensweisen und Handlungen, die Kontrolle über das Lebensfeld sichern. Dazu zählt die Versorgung des Organismus mit Energie, die Abwehr von Konkurrenten um Ressourcen, das Treffen von Entscheidungen, die für das aktuelle und künftige Überleben von Bedeutung sind. Alle Kontrollaktivitäten werden über das Nervensystem und das Gehirn gesteuert und koordiniert. Aufgabe des Gehirns ist es, Informationen zu verarbeiten und zu konzeptualisieren. Also zu denken. Die Qualität unseres Denkens ist entscheidend für die Qualität unseres Lebens.“

Warum sollen wir „dialektisch“ denken?

Unsere Handlungen haben nur ein Ziel: die Lebenserhaltung. Und die Lebenserhaltung läuft über die Kontrolle unseres Lebensfeldes. Auch das Denken gehört dazu (kognitive Kontrolle). Dialektisch Denken bedeutet, dass wir die Position des anderen in den Blick nehmen und versuchen, in unsere eigenen Überlegungen miteinzubeziehen, so dass wir unsere kognitive Kontrolle ausweiten. Es hat den Vorteil, dass beide Positionen am Ende auf einer höheren Ebene integriert sind (Kontrolle).

_______________________________________________________

45 Minuten

15 Minuten: Vorstellung des Konzeptes

15 Minuten: Gespräche in Zweiergruppen: Welche Bedürfnisse werden durch dialektisches Denken befriedigt?

15 Minuten: Auswertung im Plenum

_______________________________________________________

1.Systeme (auch Menschen) sind antinomisch angelegt

  • Wir wollen Ruhe <-> aber auch Bewegung
  • Wir wollen klare Vorgaben <-> aber auch Freiheit
  • Wir wollen in einer Gruppe integriert sein <-> aber auch als Individuum autonom sein
  • usw.

Um das Gleichgewicht zu erhalten (Kontrolle), sind wir auf die Integration beider entgegengesetzen Tendenzen angewiesen.

2.Warum ist es anstrengend, dialektisch zu denken und warum soll man es trotzdem tun?

Da wir prinzipiell darauf aus sind, alles zu bestimmen (zu kontrollieren), fällt uns sehr schwer, unsere eigene Position mental zu verlassen und die Position des anderen einzunehmen. Es verlangt sehr viel Selbstdisziplin, das zu tun. Tun wir es nicht, so sind die Nachteile offensichtlich:

  • Wenn ich nur meine Position sehe, verfüge ich nicht über alle Elemente einer Situation und werde das Problem nicht umfassend lösen können,
  • mein Partner wird automatisch eine Gegenposition einnehmen und blockiert damit eine konstruktive Lösungssuche,
  • es entstehen negative Emotionen, die die Suche nach der Problemlösung belasten,
  • die Kontrolle über die Situation entzieht sich meinem Denken, denn ich verfüge nicht über einen Überblick über alle Informationen.

Viel sinnvoller ist es, sowohl meine Position als auch die des Partners in den Blick zu nehmen und beide so zu integrieren, dass die entstehende Lösung umfassend und stabil ist.

3. Inwiefern hilft uns dialektisches Denken unsere Bedürfnisse zu befriedigen? Was steht uns im Wege, wenn wir in unserem Alltag versuchen, dialektisch zu denken? Wie können wir diese Hindernisse überwinden und die Situation kontrollieren?

Materialien:

6 zentrale Begriffe im Rahmen meines Modells

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Youtube-Educamp 2014, 45 Minuten

Kontakt

Prof.Dr.Jean-Pol Martin
Ludwigstraße 40
D-85049 Ingolstadt

jpm@ldl.de
Tel. +49.841.12816507
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pol_Martin
Blog: https://jeanpol.wordpress.com

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Theorie-Austattung für die Gründung von autonomen, vernetzten Gruppen mit dem Ziel einer breiten bottom-up Transformation der Gesellschaft.

Der Anfang von LdL (spezifisch für den Fremdsprachenunterricht)

1.Für eine Übernahme von Lehrfunktionen durch Schüler (1986)

2.Schüler in komplexen Lernumwelten (1988)

LdL/NMR-Theorie für Anfänger („Weltverbesserungsansatz“)

Aufsätze

1.„Weltverbesserungskompetenz“ als Lernziel? (2002)

2. Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)

Terminologie (bei Bedarf)

6 zentrale Begriffe im Rahmen meines Modells

LdL-Glossar

Das LdL/NMR-Team

Akteur*innen

Materialien

Neue Menschenrechte: Leporello

LdL/NMR-Theorie für Fortgeschrittene (Neue Menschenrechte)

Aufsätze

1.Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität (2009)

2.Neubegründung und Reformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (2020)

3. Neue Menschenrechte: Artikel 1 – Das Recht auf Denken (2021)

Für Besessene

Alle meine Aufsätze (38 an der Zahl)

6 Module für Sessions auf Workshops und Barcamps – Jeweils 45 Minuten

1. Top-down vs. bottom-up 2.Dialektisches Denken 3.Zentripetal vs. zentrifugal 4.Exploratives Verhalten. 5.Neuronenverhalten 6.Antinomien

Weiterführende Literatur

Kolbe, S.W., Martin, J.-P., Ruep, M. (Hrsg.) (2020): „Neue Menschenrechte“? – Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriel Schäfer Verlag. Herne.

Innovationen 1980-2021…

Bottom-up

Alle Innovationen beruhen auf einer bottom-up Perspektive. Bei Lernen durch Lehren unterrichten nicht mehr die Lehrer sondern die Schüler. Das neue Menschenbild konzentriert sich auf die Bedürfnisse, insbesondere die Selbstverwirklichung und die Partizipation. Die Ingolstädter Geistesgeschichte zeigt den Prozess der intellektuellen Emanzipation der Bürger am Beispiel einer Stadt. Die Neuen Menschenrechte liefern einen bedürfnistheoretisch und kontrolltheoretisch fundierten Hebel, um gemeinsam „glückbringende“ Strukturen von unten nach oben durchzusetzen. Um diesen Hebel zur Anwendung zu bringen, müssen besonders die Bedingungen für produktives Denken geschaffen werden.

1984: Lernen durch Lehren

2004: Internet- und Projektkompetenz (IPK)

2014: Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein?

2015: Ingolstadts Geistesgeschichte

2018: Neue Menschenrechte

2021: Art.1: Das Recht auf Denken

Top-down UND bottom-up!

Seit Beginn der Menschheit herrscht das Top-down-System, weil es der Natur des Menschen entspricht (Kontrollbedürfnis). Dessen Merkmale:

Top-down:

  • Von oben nach unten
  • Hochgradige Selbstreferenzialität
  • Eigene Mindsets und eigene Terminologie
  • Abschottung nach außen und Zugang nur über Insiderkontakte und gruppenkonformen Habitus
  • Hohe Affinität zur Autokratie/Oligarchie

Somit entsteht eine undurchdringliche Machtblase (Verwaltungen, wissenschaftliche communities, Unternehmen, Parteien, Vereine, stabile Gruppen…)

Inzwischen sieht man immer deutlicher die Nachteile eines solchen Musters: Die beschriebene Struktur verhindert Veränderungen und die permanenten Anpassungen, die zur Erhaltung des Systems notwendig sind. Der Veränderungsdruck kommt von innerhalb des Systems oder aus der Umwelt. Modernisiert sich das System nicht, so führt es zu dessen Auflösung.

Nun wird überall versucht, ein Bottom-up Komponente zu integrieren:

Merkmale einer Bottom-up Struktur:

  • Von unten nach oben
  • Gespeist aus allen möglichen Quellen
  • Verschiedene Mindsets und Terminologien
  • Offen nach außen und Zugang für jede/n
  • Hohe Affinität zur Demokratie. Starke Ressourcenorientierung.

Somit entsteht ein offenes System, das allerdings wenig kohärente und nachhaltige Identität aufweist.

Anzustreben ist also eine gute Mischung Top-down/Bottom-up. Das Problem ist, dass im Gegensatz zur Top-down-Struktur, die seit Jahrtausenden völlig internalisiert ist, die Bottom-up Komponente recht neu ist und sich gegen heftige Widerstände durchsetzen muss. Ferner ist noch viel trial-and-error notwendig, bis die Mischung Top-down/Bottom-up gut funktioniert.

Wie Isabelle LdL in Online-Fortbildungen einführt.

Es gelingt Isabelle Schuhladen Le Bourhis in ihren Online-Fortbildungen die anspruchsvolle LdL-Theorie, in der sie ihre Welt eingerichtet hat, faszinierend darzustellen. Sie erklärt, dass, wenn sie eine neue Klasse erhält, sie als erstes den sehr komplexen Aufsatz „Weltverbesserungskompetenz als Lernziel?“ in Abschnitten aufteilt und die Schüler*innen bittet, in kleinen Gruppen die Textpassagen zu verstehen und im Anschluss im Plenum der ganzen Klasse zu vermitteln. Dieser Prozess kann eine Woche oder länger dauern. Die Schüler*innen werden auf diese Weise mit der LdL-Theorie vertraut gemacht, die als Referenzbasis für den ganzen Unterricht dient. Zum Abschluss werden die Schüler*innen gefragt, ob sie nach dieser Methode arbeiten wollen.

In der Fortbildung selbst werden die TN also als erstes mit der LdL-Theorie konfrontiert, ohne zu wissen, was LdL genau ist und wie LdL funktioniert. Auf dem Hintegrund der Theorie erklärt Isabelle nun schrittweise, konkret welche Maßnahmen und Techniken LdL ausmachen. Also die Aufteilung des Lernstoffes auf Zweier- maximal Dreiergruppen. Jede Gruppe muss einen Abschnitt vermitteln, wobei der Stoff von den Schüler*innen didaktisiert wird, was LdL deutlich von einem traditionellen Projektunterricht unterscheidet. Die Schüler*innen prüfen, ob der Stoff verstanden und verinnerlicht wurde und verteilen Arbeitsaufträge in der Übungsphase.

Man erfährt auch, dass zu Beginn zwar mit dem Lehrwerk gearbeitet wird, denn es ist die Grundlage für den Wissenserwerb nach dem gültigen Lehrplan, aber dass nach der Lehrwerkphase die Schüler*innen selbst ihre Themen wählen, die Inhalte aus dem Netz heraussuchen und ihren Mitschüler*innen nach der LdL-Methode vermitteln.

Mit diesem Aufbau der Fortbildung lädt Isabelle also die TN ein, über den Weg der Theorie in ihre Alltagspraxis hineinzuschauen! Ein ganz origineller Zugang, der den Umweg über die etablierte „Wissenschaft“ erspart und dennoch zur Wissenschaft führt! Hervorragend!