Artikel 1: das Recht auf Denken (Kampf gegen Top-down!)

Neue Menschenrechte. Artikel 1 (das Recht auf Denken)

Abstract

Ziel aller Aktivitäten ist die Lebenserhaltung. Also die Kontrolle über den Organismus und über die für das Individuum relevante Umwelt. Dabei spielt das Denken eine zentrale Rolle. Das Denken schafft automatisch Top-down-Strukturen in dessen Umfeld, weil Top-down-Strukturen am leichtesten zu kontrollieren sind. Ein Nachteil von Top-down Strukturen in der Gesellschaft ist, dass neue Gedanken, die aus der Basis stammen, nur unter großen Schwierigkeiten die Top-down-Barrieren überwinden und die Ebene der kollektiven Reflexion erreichen. Es bilden sich undurchdringliche Top-down-Blasen. Dadurch entzieht sich ein Großteil der problembezogenen Informationen dem kollektiven Denkvorgang. Die Mindsets, die sich im Rahmen der Menschheitsgeschichte entwickelt haben und dem Top-down-Modell entsprechen, müssen kritisch durchleuchtet und notfalls ersetzt werden. Dies kann mithilfe der „Neuen Menschenrechte“ erfolgen. Jeder Mensch ist aufgefordert, seinen Lebensraum zu analysieren und die Hindernisse zu identifizieren, die einem glücklicheren Leben im Wege stehen. Politisch führt es zu einer massiven Ausbreitung der Bürgerbeteiligung. (…)

Fortsetzung:

IN-direkt (22.12.21): Neue Menschenrechte

IN-direkt: Seite 14

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Jens Eichert: Was wir von den Ameisen lernen können…

Was wir von den Ameisen lernen können und was das mit Corona zu tun hat.

– Ein Gedankenanstoß von J.M.Eichert

Die Welt der Ameisen ist faszinierend und hat auf den ersten Blick nur wenig mit unserer Lebensart zu tun. Schaut man aber genauer hin, so kann man viele Gemeinsamkeiten entdecken und vielleicht sogar noch etwas Wertvolles daraus als Erkenntnis ziehen.

Diesen Versuch möchte ich heute machen und damit ein wenig zum Nachdenken anregen.Um von den Fähigkeiten der Ameisen beeindruckt zu sein, ist es gar nicht nötig, all zu tief in die biologischen und anatomischen Grundlagen vorzudringen. Allein der bloße Blick auf einen Ameisenhaufen im Wald, in dem nicht selten eine Kolonie aus hunderttausenden Insekten beheimatet ist, lässt Kinder sowie Erwachsene staunen.

Wie kann es sein, dass so kleine Lebewesen dazu in der Lage sind, derartige Bauwerke zu errichten? Einige der tausenden verschiedenen Arten bauen Systeme über mehrere zehn Quadratmeter in der Fläche und bis zu acht Meter in die Tiefe. Nur ein gut funktionierendes Aufgaben- und Kommunikationssystem kann dazu führen, dass so eine Meisterleistung erstellt und in Betrieb gehalten werden kann.

An dieser Stelle möchte ich die Verbindung zu uns Menschen herstellen, die ein Mischung aus soziokulturellen, philosophischen und sozialen Gedanken sein wird.

Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat sich die Architektur enorm weiterentwickelt. Durch immer neue Baumaterialien sind zum Teil atemberaubende Gebäude oder andere Konstruktionen errichtet worden. Grenzen spielen oft nur hinsichtlich des Geldes eine Rolle. Wir streben von Natur aus danach, das Unmögliche möglich zu machen. Wir wollen entdecken, ausprobieren, forschen, kommunizieren, unsere Umwelt mit allen Sinnen erfassen und verstehen – von klein auf instinktiv. Das ist fantastisch und macht den Menschen so vielschichtig und einzigartig. Diese Freiheit birgt jedoch auch eine große Verantwortung. Oft dringen wir mit unseren Fähigkeiten und der selbst zugesprochenen Freiheit in die Lebensräume anderer Lebewesen und Pflanzen ein. Mit etwas Weitsicht wird dann schnell deutlich, dass wir bei auftretendem Schaden auch unsere eigene Freiheit wieder einschränken.

Ameisen haben im Gegensatz zu uns kein Gehirn, das ihnen die Vielfalt an Entwicklungsmöglichkeiten bietet, wie wir es besitzen. Das ist einerseits gut für uns, birgt aus meiner Sicht jedoch einen gewissen Nachteil in Bezug auf die Erhaltung der Art. Ameisen haben sicherlich keine Ehrfurcht vor ihrer Leistung. Aber sie schützen instinktiv ihre Art und nicht nur ihr eigenes Leben. Vielleicht mangelt es uns daran zunehmend?

Menschen gehören wie tausende andere Individuen zu der Gattung der Säugetiere. Genauer gesagt zu den Plazentatieren (Eutheria) zu denen über 90 % der Säugetiere gehören. Beobachtet man die Lebensweisen der Tiere, fällt einem auf, dass die Lebensmodelle im Ablauf eines Zyklus bei den Individuum artübergreifend oft ähnlich sind. Es geht vorwiegend um die Aufzucht der Jungen, Beschaffung von Nahrung, Errichtung einer Behausung (sehr unterschiedlich) und im Kern schlicht darum zu überleben.

Der Überlebensdrang steckt in uns allen. Ob der Wille zur Erhaltung der Art auch bei anderen Säugetieren vorhanden ist, darüber möchte ich nicht spekulieren.

An dieser Stelle kommt mein philosophischer und für die eine oder den anderen möglichweise auch als Provokation empfundener Gedankenimpuls ins Spiel:

Stehen wir vielleicht durch die Pandemie gerade an einem Scheitelpunkt in unserer menschlichen Entwicklung, in der die Bedeutung des einzelnen Individuums, durch die verminderte Fähigkeit instinktiv und kollektiv zu denken, uns zum Verhängnis wird?

Ich will mit meinen Worten keine Angst auslösen oder unnötig in eine ohnehin schon vorhandene Kerbe in unserer sozialen Gesellschaft schlagen. Vielmehr möchten sie zum Nachdenken über den eigenen Horizont hinaus anregen.

Bei all den Annehmlichkeiten und herausragenden Errungenschaften unseres menschlichen Daseins spielen eben doch immer noch Lebensprinzipien eine Rolle, die sich auch nicht mit den modernsten Waffen, der modernsten Medizin und keinem Geld der Welt erschaffen lassen und das sind unter anderem der Gemeinschaftssinn und das dialektische Denken.

Auch wenn Ameisen sich nicht über Sprache verständigen wie wir, so haben sie doch augenscheinlich und wissenschaftlich erwiesen Methoden entwickelt, die sie dazu befähigen als millionenstarker Staat zu wachsen und sogar Flutkatastrophen zu überleben. Dazu gehören chemische Reize über Pheromone oder akustische Klopfsignale, die Ameisen über ihre Beine als Reiz wahrnehmen. Die Methode, die diese Insekten mit uns Menschen jedoch am gemeinsamsten haben, ist die des Verhaltens. Wir Menschen lernen zu einem großen Teil durch die Beobachtung und das Nachahmen vom Verhalten anderer.

Im Umkehrschluss bedeutet es, und das ist auch mit die Kernbotschaft meines Artikels, dass jedes einzelne Individuum durch sein Verhalten ein Transporter oder Multiplikator von Mut, Hoffnung, Idealismus und Zusammenhalt sein kann. Ich kann mich bemühen in meinem Denken auch meine Umwelt stets mit einzubeziehen. Selbst wenn ich ausschließlich mindestens 51 % nur an mich und mein Wohl denke, so bleiben doch immer bis zu 49 % auch für andere übrig. Wenn du das nächste Mal im Wald, im Garten oder in einem Park einen Ameisenhaufen oder eine große Ansammlung dieser Insekten siehst, dann denkst du vielleicht an meine Worte und fühlst es wieder – so ein gewisses Gefühl von Solidarität, Gemeinschaft und kollektivem Überlebenswillen, den uns Ameisen auf ihre Art so eindrucksvoll vorleben.

— Schon mit dem Basiswissen der „Neuen Menschenrechte“ nach Jean-Pol Martin erschließen sich viele Ursachen der gegenwärtigen schwierigen Herausforderungen unserer Gesellschaft und bieten eine sehr gute Grundlage für ein kollektives Umdenken und Neuausrichten.

Quellen:

http://www.fischereimuseum.at/start/ameisen_erwachsene.pdf 12/2021

https://www.planet-schule.de/…/das-saeugetier-im-mensch 12/2021

https://jeanpol.wordpress.com/ 12/2021

NMR-Sammelband: Rezension von Andreas Broszio

Andreas Broszio

“Alles was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt”. Mit diesem Diktum von Maturana im Bewusstsein, möchte ich mich einem besonderen Beobachter und seinen Beobachtungen zuwenden. Das tue ich natürlich auch als Beobachter, und entsprechend perspektivisch und ausschnitthaft sind meine Bemerkungen. 

Meinem Eindruck nach sind viele Diskurse zu maßgeblichen Themen, die den Menschen betreffen, wahlweise durch einen allzu simplen Positivismus oder ein moralisierendes Bestehen auf bestimmte Prinzipien fernab jeder Begründungspflicht charakterisiert. Ein Hin- und Herpendeln zwischen beiden Positionen, zwischen einem “Das ist halt so” und einem “So sollte es sein” kann ohne nennenswerte Erkenntnisgewinne bleiben. Der Diskurs bleibt im Status einer Pro- und Contra-Debatte stecken. Mal streitet man über die Fakten, mal über die wünschenswerte Gestaltung der Gesellschaft, bzw. kleinräumiger Sozialsysteme. Mit seiner Programmatik der “Neuen Menschenrechte” bietet JPM eine Beobachterperspektive, die einen echten Unterschied macht. Er bietet einen Orientierungsrahmen zur Beschreibung, Erklärung und Bewertung menschlichen (Zusammen-)Lebens, der folgendes leistet:

(1) Mit Rekurs auf theoretische Erkenntnisse u.a. aus der Neurowissenschaft ermöglicht dieses Modell die Konzeptionalisierung eines Menschenbildes, das sowohl biologische, psychodynamische als auch kulturell-gesellschaftliche Aspekte des In-der-Welt-Seins in den Blick zu nehmen hilft.

(2) Das hat zur Folge, dass die Komplexität der Reflexion der Frage nach dem “guten Leben” erhöht wird, statt sich in schnell konsensfähigen Kontingenzformeln wie “Würde”, “Gerechtigkeit” usw.. zu erschöpfen, ohne konkrete Implikationen für eine menschengerechte Gestaltung der Lebensumstände.

(3) In allen Paragraphen ist der Fokus auf Strukturen deutlich formuliert. Stets geht es um die Schaffung bzw. Gestaltung von Strukturen. Dabei sind diese Strukturen so beschrieben, dass sie etwas ermöglichen. Denken, Sinn, Sicherheit, Soziale Einbindung etc. – erscheinen in dieser Art der Darstellung als nicht eindeutig determinierbar bzw. zuverlässig herstellbar. Angesichts der Komplexität von Mensch und Gesellschaft wäre das auch naiv. Stattdessen sollen die Strukturen – mit Anthony Giddens könnte man auch sagen: die Regeln und Ressourcen – Möglichkeitsbedingungen sein für die Anerkennung menschlicher Grundbedürfnisse.

(4) Mit diesem gleichermaßen deutlichen und bescheidenen Entwicklungsanspruch öffnen die NMR Diskursräume statt sie zu verengen bzw. zu verschließen. Sie fokussieren zwar Bedürfnisse, dennoch bieten sie Raum für ganz persönliche und individuelle Imaginationen, was genau es für bestimmte Personen oder Personengruppen in einer spezifischen gesellschaftlichen und historischen Situation bedeutet, wenn die Bedürfnisse anerkannt sind. Und auch der Weg dahin ist nicht im Sinne eines reformatorischen Patentrezeptes oder eines revolutionären Masterplans vorgezeichnet. 

(5) Damit erhöhen die NMR das Konfliktpotenzial. Das ist aber bei Komplexitätssteigerung nicht zu verhindern. Gleichzeitig definieren sie aber gewissermaßen höhere Ziele, die es wiederum ermöglichen, unterschiedliche und ggf. sogar zunächst gegenläufige Vorstellungen zu Wegen und spezifischen Zielen auszuhalten und für die gemeinsame Arbeit für eine bessere Welt zu nutzen. 

(Anmerkung JPM: einige Stellen habe ich selbst durch Fettdruck hervorgehobenen)

Sandra Neumaier: Glück und die Neuen Menschenrechte. Praxisbeispiele

100 Notable alumni: Paris-Nanterre, Erlangen-Nürnberg, Eichstätt-Ingolstadt

100 Notable alumni of University of Paris-Nanterre

100 Notable alumni of University of Erlangen-Nuremberg

Notable alumni of University of Eichstätt-Ingolstadt

Neue Menschenrechte: Schulung

Gerhard Piezinger: ipad/tablett-klasse mit LdL

Ich:

„Schön, dass Sie sich für meine Theorien interessieren!“

Gerhard Piezinger:

„Natürlich. Seit 1994, seitdem ich bei Ihnen studiert habe. LdL halte ich immer noch für einen radikalen und tatsächlich wertvollen Ansatz.“

ipad-klasse.orgHey teacher leave them kids alone

Hey teacher leave them kids alone

Jens Eichert: „(…) sei gewiss, dass Deine NMR keinen plötzlichen Projekttod erleiden werden. Aus meiner Haltung und dem Blick auf das Leben sind sie nicht mehr wegzudenken. 😉“

Meine Mail an Jens Eichert:

01.09.2021

Lieber Jens,

im Augenblick trägst du zusammen mit Nicole das ganze Projekt mit deinen Aktivitäten und deiner Motivation.
Dafür bin ich dir sehr dankbar. Manchmal sterben die tollsten Projekte einen plötzlichen Tod.
Das ist sehr unvorhersehbar.
Oder sie erleben einen plötzlichen Hype. Man muss als Projektleiter permanent pushen und auf alles gefasst sein.
Jedenfalls bringst du alles extrem voran!
Ich bin gespannt, wie es weitergeht!
Liebe Grüße
Jean-Pol

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Die Antwort von Jens:

Eigentlich wollte ich schon ins Bett gehen, doch auf deine Worte möchte ich nun doch sofort eingehen.

Um es mal kurz in NMR-Sprache auszudrücken:

Ich bin durch in die Inhalte in meinem Denken beflügelt und empfinde wieder Spaß an der Exploration, weil ich in dem, was ich leidenschaftlich gerne tue, gesehen, respektiert und unterstützt werde. Es geht mir sowohl physisch als auch psychisch gut (abgesehen von der chronischen Müdigkeit, die sich aus meiner intensiven Arbeit ergibt 😃 ). Ich fühle mich sicherer, weil ich hinter fast all den Dingen zu 100% stehen kann, die ich zurzeit tue. Ich bin der Konstrukteur meiner Gegenwart und Zukunft geworden.

Auch zu Artikel 4-6 könnte ich viele Zeilen schreiben. Das kannst Du dir sicherlich denken.

Lieber Jean-Pol, ich kann Dir nicht genug für das danken, was Du geschaffen und in den persönlichen Gesprächen in mir ausgelöst hast. Ich habe schon vor sehr vielen Jahren den Wunsch bzw. Drang in mir gespürt, etwas Größeren für diese Welt zu erschaffen. Irgendetwas, dass man auch nach meinem Tod nicht vergessen wird. Ein Hinderungsgrund an der Umsetzung war stets mein Mangel an Selbstbewusstsein und der fehlende Plan. Beides entwickelt sich seit Monaten rasant und ich komme kaum mit der Verarbeitung hinterher. Aber das ist eine äußerst positive Überforderung, mit der ich sehr gut leben und arbeiten kann.

Viele Gedanken durchstreifen noch meinen Kopf, doch für heute mache ich erstmal Schluss.

Hab eine angenehme Nachtruhe und sei gewiss, dass Deine NMR keinen plötzlichen Projekttod erleiden werden. Aus meiner Haltung und dem Blick auf das Leben sind sie nicht mehr wegzudenken. 😉

Gute Nacht!

Jens

LdL, NMR: Kurzbeschreibungen

Lernen durch Lehren (LdL)

„Lernen durch Lehren (LdL) ist eine Unterrichtsmethode, bei der die Lernenden sich den Stoff gegenseitig vermitteln. Begründer ist der Didaktiker Jean-Pol Martin, der die Methode von 1981 bis 2018 zu einem pädagogischen Gesamtkonzept entwickelte und von Eichstätt aus verbreitete. Seit 2021 liegt das LdL-Projekt in den Händen von Isabelle Schuhladen Le Bourhis.“

Neue Menschenrechte (NMR)

„Die Neuen Menschenrechte (NMR) entstammen einer Idee des Eichstätter Didaktikers Jean-Pol Martin, des Begründers der Methode Lernen durch Lehren (LdL). Basierend auf der LdL-Theorie ordnet er die 30 Menschenrechte den 6 Grundbedürfnissen zu (2018). Erste Schritte zur Verbreitung entstanden mit dem Sammelband „Neue Menschenrechte? – Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes.“ (Hg. Simon Kolbe et al., 2020). Gegenwärtig werden die NMR durch eine Gruppe von 25 Expert:innen weiterentwickelt und bekannt gemacht.“