Neue Menschenrechte: Text für Video 1

(Entwurf)

Guten Tag.

Mein Name ist Jean-Pol Martin. Von Beruf bin ich Lehrer und Unterrichtsforscher. In meinem Bereich bin ich durch die Unterrichtsmethode „Lernen durch Lehren“ (kurz LdL) bekannt. Vor bald 40 Jahren kam ich auf die Idee, meine Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig unterrichten zu lassen. Das Ziel war, die Langeweile, die  damals in den Schulen herrschte, zu vertreiben. Ich war überzeugt, dass die Probleme, die im Unterricht entstehen, nicht an der Überforderung der Schüler lag, sondern an der enormen geistigen Unterforderung.  Durch die Übernahme der Verantwortung wurde die  Motivation der Schüler spektakulär gesteigert. Ich beschloss, meine Doktorarbeit darüber zu schreiben. Ich wollte erforschen, warum durch eine so einfache Maßnahme, wie die Übertragung der Lehraufgaben auf die Schüler, ein solcher Erfolg erreicht wurde. Als erstes widmete ich mich der Motivationsforschung und da stieß ich auf Abraham Maslow und seine Bedürfnispyramide.

 

Die 5 Grundbedürfnisse nach Maslow

Wir haben also insgesamt 5 Bedürfnisebenen, nämlich 1. die physiologischen Bedürfnisse (Essen, Schlafen, Sexualität), 2. die Sicherheit 3. die soziale Einbindung, 4. die soziale Anerkennung 5. Die Selbstverwirklichung. Offensichtlich wurden die Bedürfnisse der Schüler durch die Aufgabe, den anderen den Unterrichtsstoff zu vermitteln, befriedigt.

Das Bedürfnis nach Informationsverarbeitung (Denken)

Ferner kam ich durch meine Lektüren auf ein weiteres Forschungsfeld, nämlich auf die Gehirnforschung. Daraus entnahm ich, dass der Mensch wie alle anderen Lebewesen auch darauf angewiesen ist, permanent Informationen zu verarbeiten. Er muss ständig in Kontakt bleiben zu der ihn umgebenden Umwelt. Nur so kann er sich an die Veränderungen anpassen und lebensfähig bleiben. Damit das Gehirn Informationen verarbeitet, muss dieser Vorgang Freude bereiten. Das Gehirn ist also süchtig nach Informationen und deren Verarbeitung. Das nennt man Denken. Wenn wir keine Informationen zu verarbeiten bekommen, langweilen wir uns und sind unglücklich.  Mit dieser Erkenntnis ergänzte ich die Pyramide von Maslow mit einem weiteren, zentralen Bedürfnis: dem Bedürfnis nach Denkaktivitäten.

Ein Menschenbild für das 21.Jh.

Ich hatte ein Menschenbild aufgestellt, das sehr einfach war, das aber alle Elemente enthielt, die ich benötigte, um mit Menschen erfolgreich umzugehen.

Die neuen Menschenrechte

Auf dem Hintergrund dieses Menschenbildes können Rechte abgeleitet werden.

Wie sollen politische Strukturen gestaltet werden, damit die Menschen ihre Bedürfnisse befriedigen und glücklich sein können?

Solche Strukturen zu schaffen ist Aufgabe der Politik!

 

Neue Menschenrechte: Programm

Programm der Wählerliste „Neue Menschenrechte“

(im Aufbau)

Motto: Ressourcenorientierung und Partizipation -> Bürgerbeteiligung   (Wegweiser Bürgergesellschaft)  –  Bürgerwissen   (Leitlinien Bürgerbeteiligung)

Theoretische Basis

Das Programm steht auf einer bedürfnistheoretisch und kognitionspsychologisch fundierten wissenschaftlichen Grundlage. Es stützt sich auf ein exakt definiertes Menschenbild mit den sich daraus ergebenden 6 Menschenrechten. Diese stellen die Leitlinie für alles politische Handeln. Alle politischen Entscheidungen sollen darauf ausgerichtet sein.

Inhalte

Sofern angebracht bediene ich mich bei allen Parteien, Bürgerinitiativen und Petitionen von einzelnen Bürgern. Die Qualität meiner Vorschläge liegt an der unterschiedlichen Priorisierung. Die Priorisierung nehme ich aufgrund meiner spezifischen Zielsetzung vor.

1.Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung)

1.1. Agile Strukturen

Es wird angestrebt, agile Strukturen in Verwaltungen, Unternehmen, Schulen und Hochschulen  in Ingolstadt zu verbreiten:

Entwicklung der Agilität

Aus meiner Sicht ist die Fähigkeit, die Menschen schon sehr früh erwerben sollen, die Kompetenz zur Konzeptualisierung. Damit meine ich, dass man sich aktiv in Handlungsfelder begibt, Probleme identifiziert, qualifizierte Partner zur Problemlösung sucht, gemeinsam Informationen sammelt und sortiert (was im Netz geschieht), und gemeinsam Problemlösungen erarbeitet (Konzeptualisierung).
Der Hauptakteur hat also die Aufgabe, sich permanent einen Überblick über die aus einem bestimmten Feld stammenden Informationen zu verschaffen, ein Problem identifizieren, Partner zu suchen und die kollektive Reflexion zu organisieren bis eine Lösung gefunden wurde. (…)“ (JP.Martin, zitiert von Margret Ruep, 2020)

1.2. Bürgerbeteiligung

– Bürgerbeteiligungsrat:  (Antrag der Grünen (April 2018) zusammen mit der BGI und der ÖDP)

Compliance-Richtlinien:   (Anträge der BGI)

1.3. Einsatz von KI bei der Vorbereitung von politischen Entscheidungen

2. Gesundheit

2.1 Grünring  (SPD-Antrag)  Grünring (Grüne-Antrag)

2.2. Radverkehr (BGI-Anträge)  Radverkehr (ÖDP-Antrag)

2.2. Petition C02 in Ingolstadt  (LINKE/Christian-Linus Pauling)

Wir fordern den Oberbürgermeister dazu auf, 2035 als Frist für die CO2-Neutralität der Stadt festzulegen. Ingolstadt soll in Bayern eine Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel einnehmen und zum grünen Herzen des Bundeslandes werden. (…)“

3. Sicherheit

3.1. Arbeit

3.2. Wohnen

3.3. Integration

4. Soziale Einbindung

4.1. Petition Heilig Geist Spital  (Bernd Rachner)

Die Heilig Geist Spital Stiftung wurde vor nunmehr 700 Jahren gegründet. Kurz vor dem Jahrestag scheint die Stiftung in einem maroden finanziellen Zustand zu sein. Wir, die Freunde der Heilig Geist Spital Stiftung, die betroffenen Bewohner und Angehörige, aber auch alle interessierten Bürger der Stadt fordern Sie auf (…)“

4.2. ÖPNV  (BGI-Programm, siehe S.19ff)

4.3. Integration/Asyl:  Ankerzentren   (Antrag Grüne-BGI-SPD-ÖDP)

4.4. Kulturpolitik: Kammerspiele und die 6 Bedürfnisse, insbesondere soziale Integration und Partizipation

5. Selbstverwirklichung und Partizipation

5.1. Bürgerbeteiligung  (Wegweiser Bürgergesellschaft)

6.Sinn

Der Sinn ergibt sich aus der Möglichkeit zur Teilhabe an 1-5 gemäß den persönlichen Lebensumständen und Zielsetzungen jedes Einzelnen.

 

Beispiele für Bürgerbeteiligung

Thema 1: Die Situation der Flüchtlinge in Ingolstadt. Deutschunterricht und berufliche Integration

Organisation:  Verwaltung, Stadträte, Bürgergesellschaft (Ehrenamtliche, Experten)

1. Ziel der Bürgerbeteiligung

Das Thema Asyl wird uns lange begleiten. Es ist emotional besetzt und birgt  Konfliktpotenziale. Die Bürgerbeteiligung soll zu einer rationaleren Auseinandersetzung mit dem Thema innerhalb der Ingolstädter Bevölkerung beitragen.

– Es werden Informationen über die  bisher erzielten Erfolge gesammelt und es werden die noch vorhandenen Defizite aufgezeigt

– Ideen und Ressourcen aus der Bevölkerung werden mobilisiert, um eventuellen Defiziten zu begegnen.

2. Methode: das Bürgerpanel

Ein Bürgerpanel besteht in seinem Kern aus einer regelmäßig (3-4 mal jährlich) stattfindenden, repräsentativen Befragung von Bürgerinnen und Bürgern. In einem ersten Schritt wird eine repräsentative Gruppe von 500 bis 1000 Bürgerinnen und Bürgern, die sich einverstanden erklärt haben, über einen Zeitraum von 3 bis 4 Jahren regelmäßig an 3 bis 4 jährlichen Befragungen zu kommunalen Themen teilzunehmen, für den sog. Befragtenpool rekrutiert und befragt.“

3. Ablauf in Ingolstadt

– Ein erstes Treffen mit Experten und Ehrenamtlichen wird im Juni 2019 stattfinden. Daraus soll die Steuerungsgruppe entstehen.

-Es werden Informationsmaterialien und Fragebögen für die beteiligten Bürger erstellt.

-Das Bürgerbeteiligungskonzept wird der Stadt Ingolstadt vorgelegt.

Thema 2: Verkehrskonzept in Ingolstadt – ÖPNV

Organisation:  Verwaltung, Stadträte, Experten, Bürgergesellschaft

1. Ziel der Bürgerbeteiligung

Das aktuelle Verkehrskonzept weist ehrhebliche Defizite auf. Die verschiedenen Parteien haben zum Teil sehr unterschiedliche Vorschläge. Die große Sachkompetenz der Bürger als Benutzer sollte nachhaltig mobilisiert werden.

2. Methode: Planungszelle

Durch die Methode erhalten zufällig ausgewählte Bürger/innen eine Gutachterrolle, in der sie – unterstützt durch den Input von Experten und Interessenvertretern – verschiedene Lösungsansätze für eine vorgegebene Fragestellung diskutieren und abwägen. Gemeinsam treffen die Bürgergutachter/innen informierte Entscheidungen, die dem Auftraggeber in einem Bürgergutachten als Empfehlung vorgelegt werden.

3. Ablauf in Ingolstadt

(im Aufbau)

O-T(h)öne führte ein Interview mit Professor Jean-Pol Martin zur neuen Stadtratsliste

 

Eine neue Stadtratsliste in Ingolstadt für die Kommunalwahl 2020

Herr Professor Martin, Sie beabsichtigen, bei der Kommunalwahl im Jahr 2020, in Ingolstadt mit einer eigenen Stadtratsliste anzutreten, wie soll diese heißen?

Sie soll heißen „Neue Menschenrechte“.

Warum gerade dieser Name der Stadtratsliste?

Der Arbeitstitel „Neue Menschenrechte“ soll hervorheben, dass die Gruppe ein bestimmtes Menschenbild zur Grundlage politischer Entscheidungen heranziehen möchte. Im Fokus stehen die Grundbedürfnisse, im Wesentlichen von Abraham Maslow in den 50er Jahren herausgearbeitet. Dazu habe ich eigene Ergänzungen vorgenommen. Die „Neuen Menschenrechte“ sind also ein Instrument zur Bewertung politischer Vorschläge.

Was sind die Ziele der neuen Stadtratsliste im Stadtrat?

Die über die Liste gewählten Stadträte und Stadträtinnen sollen bei anstehenden Entscheidungen prüfen, welche Optionen aus ihrer Sicht den genannten Bedürfnissen der Bürger am besten entsprechen. Natürlich stellt sich die Frage, welche Bürger sie in den Blick nehmen. Als gewählte Vertreter und Vertreterinnen werden sie einen besonderen Akzent auf die Bedürfnisse der Bürger legen, die über keine Lobbys verfügen und weniger Beachtung finden.

Ist es denn nötig, zur Verwirklichung dieser Ziele, eine neue Stadtratsliste zu gründen? Könnten Sie Ihre Ziele nicht in bestehenden Parteien und Gruppierungen im Stadtrat verwirklichen?

Sehr gerne hätte ich meine Überlegungen in existierende Parteien eingebracht. Ich habe das auch immer wieder versucht. Aber Parteien sind keine philosophischen Seminare. Sie handeln pragmatisch und kämpfen um Wählerstimmen. Sie bieten keinen Raum für anthropologische Reflexionen und lassen sich nicht gerne auf Experimente ein.

Mit welchem Wahlprogramm wollen Sie die Wählerschaft überzeugen, Ihrer Liste die Stimme zu geben?

Als Wahlprogramm dienen die 6 aufgestellten „Neuen Menschenrechte“, die als Ziel aller unserer Bemühungen gelten werden: 1. Denken 2. Gesundheit 3. Sicherheit (Arbeit, Wohnen) 4.Soziale Einbindung 5. Selbstverwirklichung und Partizipation 6.Sinn.

Was wären Ihre ersten 5 Anträge im neuen Stadtrat zur Umsetzung Ihrer politischen Ideen?

Der erste Antrag wird der Einrichtung eines Bürgerbeteiligungsrates gewidmet. Auch in Ingolstadt ist die Stadtspitze bemüht, Bürgerbeteiligung zu etablieren, aber mit einer Behäbigkeit, die nicht angemessen ist. Nach Artikel 1 der „Neuen Menschenrechte“ ist das Denken zentrales Grundbedürfnis. Die Bürger wollen mitdenken. Sie sind intelligent und informiert, sie haben Lösungsvorschläge anzubieten. Ferner entspricht die Bürgerbeteiligung Artikel 4 (Soziale Einbindung), Artikel 5 (Selbstverwirklichung und Partizipation) und Artikel 6 (Sinn). Weitere Anträge werden die soziale Einbindung betreffen, beispielsweise den Erhalt des Stifts in der Fechtgasse an diesem Standort. Weitere Anträge möchte ich so früh nicht nennen, denn alle Schritte der Liste werden Ergebnis einer gemeinsamen Reflexion sein. Und wie die Situation in einem Jahr steht, können wir jetzt nicht prognostizieren.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie die 385 Unterstützerunterschriften, die im Rathaus persönlich geleistet werden müssen, zusammen bekommen, damit Sie überhaupt zur Kommunalwahl zugelassen werden?

Ich stehe ganz am Anfang und habe keine kommunalpolitische Erfahrung. Wir befinden uns mitten in einem Paradigmenwechsel in der Technik und folglich in der Gesellschaft. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und Überraschungen. Es sind Chancen. Wir brauchen einen anderen, einen präziseren Blick auf den Menschen, wenn wir Strukturen schaffen wollen, die dem Wohl der Bürger dienen. Mit meinem Modell liefere ich dieses Menschenbild als Entscheidungsgrundlage. Ob ich damit Bürger überzeugen kann, wird sich herausstellen.

Wie viele Stadtratssitze halten Sie für Ihre neue Stadtratsliste für möglich, wenn Sie zur Wahl zugelassen werden?

Diese Frage habe ich mir nicht gestellt. In einem Jahr werde ich leichter antworten können. Im Augenblick bin ich dabei, wenn Sie von Sitzen sprechen, mir einen Stuhl für den Stand in der Fußgängerzone auszusuchen.

Ist auch eine Kandidatur zur Oberbürgermeister/Innenwahl angedacht, um so auch mehr Stimmen für Ihre Liste zu bekommen?

Mein  Lebensmotto ist „no risk, no fun“ und mein wissenschaftliches Vorgehen  ist „trial and error“.

Wann und wo kann man mit Ihnen in Kontakt treten, um sich persönlich über Ihre Ziele und die der neuen Stadtratsliste zu informieren?

Ab Mitte Mai werde ich einen Stand am Samstag in der Fußgängerzone aufstellen. Wer auf Facebook aktiv ist, kann der Gruppe „Neue Menschenrechte“ beitreten.

Danke für das Gespräch.

Danke für das Interview!

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„Neue Menschenrechte“ – Leporello – PdF

Aktualisierte Version (1.04.2019) siehe: Neue Menschenrechte – Leporello 1.04.2019

PdF zum Herunterladen:

Ein Menschenbild für das 21.Jh. – Die 6 Grundbedürfnisse werden zu Menschenrechten

Digitale Innovationen in der Lehrerausbildung. (Martin 2018 zum ersten Mal zitiert).

Digitale Innovationen und Kompetenzen in der Lehramtsausbildung (#la-digital2019)
Universität Duisburg Essen, 25./26. Februar 2019

Nutzung digitaler Medien in Kooperationsprojekten fachdidaktischer Seminare mit Schulen

Dr. Katja Heim, Akademische Rätin im Bereich Fachdidaktik Englisch an der Universität Duisburg-Essen. katja.heim@uni-due.de
Stephanie Edel Farinha, Studiendirektorin am Burggymnasium in Essen und Fachleiterin für Englisch im Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) in Essen. stephanie.edel.farinha@krabbat.de
1. Das Projekt im Überblick
Die Kooperation zwischen den beiden Akteurinnen mit den Zielen, durch gemeinsame Projekte von fachdidaktischen Seminaren und Schulklassen nicht nur kurzfristige Win-Win-Situationen für die jeweiligen Kontexte zu schaffen, sondern auch durch das Umsetzen neuer Ideen zusammen mit den zukünftigen Lehrkräften die Innovierung von Englischunterricht voranzutreiben, reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Das Projekt, das im Rahmen des Workshops vorgestellt wird, fand im Februar 2017 statt, mit dem Gesamtziel, dass Studierende der UDE Kleingruppen von Schülerinnen und Schülern so autark wie möglich bei der Umsetzung eines Projekts zum Thema Global Issues unterstützen sollten. Digitale Medien wurden im Verlauf durchgängig verwendet: u.a. zur Organisation des Projekts (Moodle, Padlet), für die Recherche (Online Ressourcen) zum Erstellen von Produkten (Padlet, Moodle sowie weitere Tools), bei der Überarbeitung, für die Veröffentlichung (Padlet) sowie für die Evaluation des Projekts (Moodle). Die vielfältige Mediennutzung war Mittel zum Zweck, eingesetzt mit dem Ziel, die Schülerinnen und Schüler als Intercultural Agents (Heim & Ritter, 2012) dazu zu befähigen, sich auch über die Nutzung digitaler Medien am globalen Diskurs zu beteiligen.

2. Ziele des Projektes auf schulischer und universitärer Ebene
Konkretes Ziel des Projekts auf Schulebene war es, dass Gruppen von Schülerinnen und
Schülern sich durch das gegenseitige Bereitstellen selbst gestalteter interaktiver Informationsseiten zum Themenkomplex Global Issues informieren und zum Nachdenken über zentrale Fragestellungen (z.B. zu Climate Change o. Plastic Pollution) anregen. Unterstützt wurden die Schülerinnen und Schüler durch das Bereitstellen von Materialien (Hard Scaffolding) sowie durch die begleitenden Hilfestellungen der Studierenden (Soft Scaffolding) (Saye and Brush, 2002). Im Projekt sind so drei Padlets entstanden:
https://padlet.com/katja_heim/fairtradenews,
https://padlet.com/katja_heim/mv4ejlrs7wow;
https://padlet.com/katja_heim/pgxg45eembur.

Aus hochschuldidaktischer Sicht konnten vor allem für die Entwicklung folgender Bereiche Zielsetzungen formuliert werden:
– Sachkompetenz sowie Methodenkompetenz in der Durchführung von Projekten durch
a) das Erleben eines universitären Seminars in Projektform, b) das Bereitstellen von Literatur zum Thema und c) die Beteiligung an der Durchführung eines Projekts in Rahmen des schulischen Englischunterrichts.
– Handlungskompetenzen im Bereich der Nutzung digitaler Medien im Unterricht.
– Sozialkompetenz durch das gemeinschaftliche Durchführen eines Projektes im Unterricht.

3. Evaluation des Projekts durch Lernende und Lehrende
Informelle Evaluationen zeigten, dass die Art der Kooperation für alle einen Gewinn darstellte. Für die Schülerinnen und Schüler stand in den Evaluationen vor allem die Unterstützung durch die Studierenden bei der Arbeit mit den digitalen Medien besonders im Vordergrund, ebenso wie die Relevanz der Inhalte für das eigene Leben, die Möglichkeit, kreativ zu arbeiten, die Relevanz der Arbeit mit den gewählten Medien und das gute Gefühl gemeinsam als Gruppe an etwas gearbeitet zu haben.
Für die fach- und universitätsübergreifende Diskussion im Netzwerk bietet das hier dargestellte Projekt viele Optionen, u.a. das Potenzial der Nutzung digitaler Medien im Rahmen von Projektarbeit. Auch die Elemente des Konzepts Lernen durch Lehren im Projekt (Martin 2018) bieten aus unserer Sicht großes Potenzial für weitere Diskussionen, ebenso wie die Akzeptanz des Soft Scaffolding durch die Studierenden im Verlauf des Projekts. Insgesamt soll dargelegt werden, wie durch die praktische Arbeit mit digitalen Medien im Unterricht sowie durch anschließende Reflexionen (vgl. Wallace, 1981) im Zuge einer solchen Kooperation sowohl auf Seiten der Studierenden als auch auf Seiten der Lehrkräfte in Schulen eine nachhaltige Innovierung von Unterricht in Gang gesetzt werden kann.
Literatur
Heim, Katja, Ritter, Markus. (2012). Teaching English: Computer Assisted Language Learning. Paderborn: Schöningh.
Martin, Jean Pol. (2018). Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360.
Saye, J. and Brush, T. (2002). Scaffolding critical reasoning about history and social issues in multimedia-supported learning environments. In: Educational Technology Research and Development, 50, 77-96. URL: http://dx.doi.org/10.1007/BF02505026. (8.10.2018).
Wallace, M.J. (1991). Training Foreign Language Teachers: A Reflective Approach. Cambridge: Cambridge University Press.

Paradigmenwechsel: als erster Politiker bezieht sich seit 2017 Christian Lange ausdrücklich auf meine „Neuen Menschenrechte“

Auszug aus der Haushaltsrede 2018

„(…) Aber auf meiner Agenda steht auch etwas viel Wichtigeres für diese Stadt: Es sind die Menschen, für die wir hier sitzen. Die Menschen, die in Ingolstadt leben – sie haben uns als Volksvertreter gewählt.

In meiner Haushaltsrede aus dem letzten Jahr habe ich gesagt, dass die Menschen sich in unserer Stadt sicher fühlen wollen, dass sie sich darauf verlassen wollen, dass wir ihre Bedürfnisse kennen und diese auch ernst nehmen. Das bedeutet, dass ich mich aus Sicht der Bürger mit deren Bedürfnissen und Erwartungen auseinandersetzen muss. Dazu habe ich mich im vergangenen Jahr an den Menschenrechten meines Freundes Jean-Pol Martin orientiert. Er hat in sechs ganz einfachen Rechten eines jeden Menschen zusammengefasst, was für alle in einer Gesellschaft wichtig ist. Zur Erinnerung: Diese sechs waren das Recht auf Denken, Gesundheit, Sicherheit (insbesondere Einkommen und Wohnen), soziale Einbindung, Selbstverwirklichung und Partizipation sowie das Recht auf ein sinnvolles und sinngebendes Leben. Aus diesen neuen Menschenrechten leite ich die Fragen für Kommunalpolitik ab, die wir alle als Volksvertreter heute stellen sollten.

Dabei stellen sich für mich einige besonders entscheidende Fragen für Ingolstadt:

Was muss und kann eine Stadtverwaltung tun, um das Zusammenleben aller Menschen in Ingolstadt zu verbessern?
Was muss und kann eine Stadt tun, um politischen Extremismus – wie zum Beispiel den der AfD – zurückzudrängen oder gar nicht erst in der Stadt entstehen zu lassen?
Was muss und kann eine Stadt tun, um zu verhindern, dass immer mehr Menschen sogenannte „Kunden“ der Ingolstädter Tafel werden?
Was muss und kann eine Stadt tun, um Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, ein menschenwürdiges Leben auf unserem Stadtgebiet zu ermöglichen und diesen Menschen mehr Hilfe zur Integration anbieten zu können?
Was muss und kann eine Stadt tun, damit der Verkehr in dieser Stadt tatsächlich wieder funktioniert, Fahrradfahren zum Vergnügen wird und der ÖPNV ein Angebot zur Verfügung stellt, dass attraktiv genug ist, um den „Modal Split“ in unserer Stadt deutlich zu Gunsten des sogenannten „Umweltverbundes“ (Bus, Rad, zu Fuß) zu verändern?
Was muss und kann eine Stadt tun, um den Menschen in unserer Stadt eine ernsthafte Bürgerbeteiligung anzubieten, die Einfluss auf kommunale Entscheidungen nimmt?
Was muss und kann eine Stadt tun, um zu verhindern, dass in Ingolstadt Menschen, die einen Vollzeitjob haben, nicht in der Lage sind, von ihrem Einkommen ihre Familie und sich zu ernähren?
Was muss und kann eine Stadt tun, um zu verhindern, dass weiter steigende Mieten dazu führen, dass Menschen aus der Stadt getrieben werden?
Was muss und kann eine Stadt tun, dass sich die Menschen, die in ihr leben, mit dieser Stadt identifizieren und dass Stadtidentität als Thema der gesamten Stadtgesellschaft gesehen wird?“ (…).

Simon Wilhelm Kolbe zu „meinen“ Menschenrechten

Ausgangspunkt: Ein Menschenbild für das 21.Jh.

Uli Sager meint:
„Jeder von uns könnte die Menschenrechte neu formulieren, aber das wird uns nicht weiterbringen. Es gibt eine UN-Agenda 2030 und die sollte gestärkt werden, damit sich die Staaten daran halten. Einige Städte verwenden diese Agenda als Vorlage. Das sollten wir unterstützen. Wenn jeder seinen eigenen Kram macht, dann kommen wir zu nichts.“

 

Was meinst du, Simon Wilhelm Kolbe?

Simon Wilhelm Kolbe, danke für die Frage:

Ich sehe deine Ausarbeitungen zu den „neuen Menschenrechten“ als ein wissenschaftlich fundiertes und humanistisch motiviertes Ansinnen die menschlichen Bedürfnisse in einem Format von „Menschenrechten“ zu verbreiten. Nach meinem Verständnis handelt es sich dabei aber nicht um eine fragwürdige Neufassung oder einen zu vernachlässigenden Individualweg. Sondern hier entsteht ein Angebot, dass Individuen, Institutionen und Organisationen mit Hilfe unterschiedlicher theoretischer Begründungen und Bezügen die Möglichkeit bietet, die eigene Agenda konkret optimieren zu können. Vor allem bietet die Komplexitätsreduzierung in Verbindung mit klaren Theorie- und Menschenrechtsbezügen eine Niederschwelligkeit an, die durch eine leichte Verständlichkeit charakterisiert ist. Das steht in keinem Widerspruch zu notwendigen globalen Maßnahmen, Diskursen, den Menschenrechten und anderen Formaten (e.g. Salamanca Erklärung, Bonner Erklärung oder Behindertenrechtskonvention). Diese sind, wie viele andere Gesetze und Verordnungen juristischer Natur und daher für viele nicht fassbar und umsetzbar. Die Bedürfnisdomänen von Martin sind jedoch klar benannt und haben eine Richtlinienfunktion. Die Existenz vieler anderer Erklärungsansätze ist ein Indiz für die Notwendigkeit von neueren Modellen. Also ist Martin im Recht, wenn er mit seiner Expertise versucht ein Modell zu zeigen, dass für alle gedacht ist, das verstanden werden kann, das reflektiertes Handeln ermöglicht und das individuelles und gesellschaftliches Streben nach Lebenszufriedenheit mit der Bearbeitung von Bedürfnisdomänen beantwortet sieht.

 

Ein weiteres Statement von Simon Wilhelm Kolbe am 13.12.2018

„Tatsächlich sind die „neuen Menschenrechte“ in meinen Augen ein sehr wichtiger Teil in der sozialpädagogischen Handlungsorientierung. Wir können an diesem Modell sehr schnell erkennen wo bei unseren Klienten*innen Bedürfnisse strukturell oder individuell nicht berücksichtigt oder vernachlässigt werden. Dann kann man in den einzelnen Settings gemeinsam mit den Betroffenen überlegen und daran arbeiten, diese Lücken bestmöglich zu schließen. Dabei spielt die Expertise der Betroffenen eine elemtare Rolle, sie können ihre Bedürfnisse äußern und die Sozialpädagogen haben die Aufgabe, die strukturellen Bedingungen zu erläutern und gemeinsam mit allen Beteiligten Handlungsoptionen zu entwickeln. Dabei vermitteln sie zwischen den Perspektiven der Behörden, Gesetzgebern, Klienten*innen, Anwälten, Medizin und Gesellschaft (uvm) . Diese haben dabei wiederum bestimmte eigene Bedürfnisausprägungen, die wir mit dem Modell nach Jean-Pol Martin genauso erarbeiten können. Damit kann man sehr gut auf einer gleichwertigen Verständnisebene kommunizieren und zusammenarbeiten.“