Neue Menschenrechte. Postkarten zum Downloaden.

Karte Menschenrechte- PdF

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Simon Wilhelm Kolbe zu „meinen“ Menschenrechten

Ausgangspunkt: Ein Menschenbild für das 21.Jh.

Uli Sager meint:
„Jeder von uns könnte die Menschenrechte neu formulieren, aber das wird uns nicht weiterbringen. Es gibt eine UN-Agenda 2030 und die sollte gestärkt werden, damit sich die Staaten daran halten. Einige Städte verwenden diese Agenda als Vorlage. Das sollten wir unterstützen. Wenn jeder seinen eigenen Kram macht, dann kommen wir zu nichts.“

 

Was meinst du, Simon Wilhelm Kolbe?

Simon Wilhelm Kolbe, danke für die Frage:

Ich sehe deine Ausarbeitungen zu den „neuen Menschenrechten“ als ein wissenschaftlich fundiertes und humanistisch motiviertes Ansinnen die menschlichen Bedürfnisse in einem Format von „Menschenrechten“ zu verbreiten. Nach meinem Verständnis handelt es sich dabei aber nicht um eine fragwürdige Neufassung oder einen zu vernachlässigenden Individualweg. Sondern hier entsteht ein Angebot, dass Individuen, Institutionen und Organisationen mit Hilfe unterschiedlicher theoretischer Begründungen und Bezügen die Möglichkeit bietet, die eigene Agenda konkret optimieren zu können. Vor allem bietet die Komplexitätsreduzierung in Verbindung mit klaren Theorie- und Menschenrechtsbezügen eine Niederschwelligkeit an, die durch eine leichte Verständlichkeit charakterisiert ist. Das steht in keinem Widerspruch zu notwendigen globalen Maßnahmen, Diskursen, den Menschenrechten und anderen Formaten (e.g. Salamanca Erklärung, Bonner Erklärung oder Behindertenrechtskonvention). Diese sind, wie viele andere Gesetze und Verordnungen juristischer Natur und daher für viele nicht fassbar und umsetzbar. Die Bedürfnisdomänen von Martin sind jedoch klar benannt und haben eine Richtlinienfunktion. Die Existenz vieler anderer Erklärungsansätze ist ein Indiz für die Notwendigkeit von neueren Modellen. Also ist Martin im Recht, wenn er mit seiner Expertise versucht ein Modell zu zeigen, dass für alle gedacht ist, das verstanden werden kann, das reflektiertes Handeln ermöglicht und das individuelles und gesellschaftliches Streben nach Lebenszufriedenheit mit der Bearbeitung von Bedürfnisdomänen beantwortet sieht.

 

Ein weiteres Statement von Simon Wilhelm Kolbe am 13.12.2018

„Tatsächlich sind die „neuen Menschenrechte“ in meinen Augen ein sehr wichtiger Teil in der sozialpädagogischen Handlungsorientierung. Wir können an diesem Modell sehr schnell erkennen wo bei unseren Klienten*innen Bedürfnisse strukturell oder individuell nicht berücksichtigt oder vernachlässigt werden. Dann kann man in den einzelnen Settings gemeinsam mit den Betroffenen überlegen und daran arbeiten, diese Lücken bestmöglich zu schließen. Dabei spielt die Expertise der Betroffenen eine elemtare Rolle, sie können ihre Bedürfnisse äußern und die Sozialpädagogen haben die Aufgabe, die strukturellen Bedingungen zu erläutern und gemeinsam mit allen Beteiligten Handlungsoptionen zu entwickeln. Dabei vermitteln sie zwischen den Perspektiven der Behörden, Gesetzgebern, Klienten*innen, Anwälten, Medizin und Gesellschaft (uvm) . Diese haben dabei wiederum bestimmte eigene Bedürfnisausprägungen, die wir mit dem Modell nach Jean-Pol Martin genauso erarbeiten können. Damit kann man sehr gut auf einer gleichwertigen Verständnisebene kommunizieren und zusammenarbeiten.“

Ein Menschenbild für das 21.Jh.

Basistext: PdF-Download

Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360. ISBN 978-3-556-07336-0.

 

Vortrag

Politische Strukturen orientieren sich an den Menschenbildern, die in einer Gesellschaft  vorherrschen.  Diese sind noch stark von Religion und  Philosophie geprägt. Seit einigen Jahrzehnten haben die Gehirnforschung und die positive Psychologie neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Menschen gewonnen. Auf dieser Grundlage ist es möglich, ein neues, weltweit konsensfähiges Modell vorzuschlagen, auf das sich alle gesellschaftlichen Akteure beziehen können. Dies führt dazu, dass die tradierten Menschenrechte neu bestimmt und  als Grundbedürfnisse reformuliert werden. Damit wird das Recht auf Partizipation als Grundbedürfnis erkannt und die Bürgerbeteiligung bekommt eine ganz neue Dimension.

1. Lernen durch Lehren

Zu Beginn der 80er Jahre war ich Französischlehrer in Eichstätt und ich kam auf die Idee, Lehraufgaben an meine Schüler zu delegieren. Damit sollte in erster Linie ihr Sprechanteil erhöht werden.  Ferner würde das Verfahren die Motivation der Lernenden fördern, denn sie würden stärker beteiligt sein. Diese Ziele wurden erreicht. Insbesondere die Motivation der Lernenden wurde stark erhöht. Auf der Suche nach einer theoretischen Begründung dieses Motivationsanstieges, widmete ich mich der Bedürfnisforschung, stieß aber zugleich auf die damals noch peripher einbezogenen Neurowissenschaften.

2. Die Grundbedürfnisse

(Nach Maslow)

Screenshot_2018-11-18 Benutzer Jeanpol Vortrag2018 – Wikiversity

  • Physiologische Bedürfnisse: Schlafen, Essen, Bewegung, Sexualität
  • Bedürfnis nach Sicherheit: Physische Sicherheit (keine körperliche Bedrohung), Psychische Sicherheit (keine Demütigung, Arbeitsplatz, Wohnung)
  • Bedürfnis nach sozialer Einbindung: In einer Gruppe sein
  • Bedürfnis nach Anerkennung: Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein
  • Bedürfnis nach Selbstverwirklichung: Seine Potenziale realisieren
  • Bedürfnis nach Sinn: Warum lebe ich?

3. Informationsverarbeitung und Kontrolle als übergeordnetes Bedürfnis

Alle Grundbedürfnisse entsprechen Kontrolldimensionen im Sinne der Lebenserhaltung (Kontrolle über das eigene Leben):

  • Physiologische Bedürfnisse (Erhaltung des Organismus – Kontrolle über den Körper damit er lebenstüchtig bleibt),
  • Sicherheit (ist gleichzusetzen mit Kontrolle über Umfeld und unmittelbaren Lebensraum),
  • Soziale Einbindung (Freunde helfen mir, das Umfeld „im Griff zu behalten“),
  • Soziale Anerkennung (signalisiert mir, dass ich lebenstüchtig bin),
  • Selbstverwirklichung (ich dehne mein Kontrollfeld aus, z.B. indem ich ein Instrument spiele und mir neues Wissen aneigne),
  • Sinn (ich gewinne Kontrolle über mein Leben und empfinde es als kohärent)

Die Verarbeitung von Information ist Voraussetzung für eine kontinuierliche Anpassung des Organismus an den Zustand der Umwelt. Passt sich der Organismus nicht an den Zustand der Umwelt an, ist er nicht mehr lebensfähig. Die Informationsverarbeitung erlaubt also Kontrolle. Und sie wird auf der mentalen Ebene als „Flow“ empfunden.

4. Exploratives Verhalten und Flow

Um „mehr von der Welt“ zu haben, also mehr Felder zu „kontrollieren“, ist es günstig, wenn man sich explorativ verhält, also neue, unbekannte Bereiche betritt. Dadurch wird die „kognitive Landkarte“ ausgeweitet, das Selbstbewusstsein wird gestärkt und fördert wiederum das explorative Verhalten. Ein sich selbst verstärkender Prozess. Damit wir motiviert sind, uns explorativ zu verhalten, werden wir durch „Flow“ belohnt. Ein tolles Gefühl des Fließens.

5. Instrumente zur kognitiven Kontrolle liefern

Kontrolle/Unbestimmtheit

Ordnung/Chaos

Klarheit/Unschärfe

Einfachheit/Komplexität

Integration/Differenzierung

Gesellschaft/Individuum

Zwang/Freiheit

Konkretion/Abstraktion

Linearität/Nicht-Linearität

Zentralisierung/Dezentralisierung

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Der Mensch sehnt sich bewusst nach Ordnung, Klarheit, Einfachheit… Aber sehr schnell werden ihm solche Strukturen langweilig. Der Bauplan der Natur sieht vor, dass Lebewesen permanent trainieren, Unbestimmtheit, Chaos, Komplexität und Unklarheit zu reduzieren. Menschen sind so konstruiert, dass sie Chaos, Unbestimmtheit und Komplexität aufsuchen, um daraus Ordnung, Klarheit und Einfachheit zu schaffen.

6. Dialektisches Denken

Dialektisches Denken führt permanent zu einer Integration scheinbar widersprüchlicher Positionen, die sich auf einem (höheren) Niveau vereinen und weiterentwickeln. Gerade für politisch Handelnde kann diese Erkenntnis sehr fruchtbar sein, denn sie ermöglicht ein gemeinsames Angehen von Problemen über Parteien hinweg.

7. Konzeptualisierung

Unter Konzeptualisierung ist die Erstellung von kognitiven Schemata zu verstehen, die umfangreiche Informationen zu kompakten, handlungsmotivierenden Modellen bündeln

8. Denken und Glück aus Sicht der Philosophie

In der griechischen Antike die Befriedigung von Bedürfnissen als Quelle des Glücks hervorgehoben, wobei unterschieden wird zwischen niedrigeren und höheren Genüssen. Die wertvolleren Freuden werden dem Bereich des Denkens zugeordnet.

9. Projekt als glückgenerierende Struktur

Auf der Suche nach Aufgabenprofilen, die permanent Konzeptualisierung verlangen, hohe Potenziale zur Befriedigung der Grundbedürfnisse enthalten und gleichzeitig Flow-Gefühle dauerhaft induzieren stößt man rasch auf die Projektstruktur.

10. Die Globalisierung und die Ausdehnung der Konzeptualisierungsräume

Die Digitalisierung und die Globalisierung haben neue Räume eröffnet. Hier bietet sich an, das Internet metaphorisch als Makrohirn zu definieren und zu erkennen, dass die Menschen aufgrund der neuen Kommunikationsmöglichkeiten weltweit in raschen und stabilen Interaktionen treten können, wie dies Milliarden von Neuronen im Gehirn tun.

11. Konzeptualisierung als Grundbedürfnis und Menschenrecht

Die Glücksforschung führt zu der Erkenntnis, dass das menschliche Glück von der Befriedigung der von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse abhängt. Allerdings wird bei Maslow das Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung) nicht aufgeführt. Das liegt daran, dass die Neurowissenschaften erst in den letzten Dekaden die Funktionsweise des Gehirns ins Bewusstsein gerückt  haben. Wenn das so ist, so müssten die Menschenrechte neu formuliert werden.

Neue Menschenrechte

Die „Erklärung der Menschenrechte“ wurde 1948 verfasst und unterlag anderen Prämissen als heute. Die Terminologie ist philosophisch und religiös geprägt. Dies ist an den unscharfen Begriffen zu erkennen. So ist das zentrale Konzept der Würde unbestimmt, eröffnet für unzählige Deutungen Raum und ist kaum operationalisierbar. Dies trifft auch zu für andere Kernbegriffe der aktuellen Menschenrechte wie Brüderlichkeit, Gleichheit, Gerechtigkeit. Ein Bezug auf die Grundbedürfnisse eröffnet andere Möglichkeiten für eine Umsetzung im Alltag und in der Gesetzgebung. Ist eine Glücksbedingung des Menschen die Reflexion und die Partizipation an der kollektiven Reflexion über die Zukunft der Menschheit, so müsste diese Tätigkeit an prominenter Stelle in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehen.

Meine Vorschläge hierzu:

(Unter jedem Abschnitt stehen die Nummern der Artikel aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die sich inhaltlich an den jeweiligen Text anbinden lassen):

Präambel:Glück
Ziel aller Maßnahmen weltweit ist die Schaffung von Strukturen (wirtschaftlichen, politischen, ethischen), die für ein Mehr an Entfaltung für die Natur und an Glück für alle Lebewesen sorgen. Die nachfolgenden Artikel bilden dazu Voraussetzungen.

Allg. Erklärung der Menschenrecht: entfällt

Artikel 1: Denken

Zentrales Grundbedürfnis des Menschen ist das Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung).
Es müssen Bedingungen geschaffen werden, damit alle Menschen Zugang zu Informationen und zur Möglichkeit der Konzeptualisierung erhalten. Denken setzt die Realisierung der Artikel 2 bis 6 voraus.

Allg. Erklärung: Artikel 18, 19, 26, 27

Artikel 2: Gesundheit

Alle Maßnahmen sollen weltweit getroffen werden, damit Lebewesen ihre physiologischen Bedürfnisse (z.B. Schlaf, Hunger, Sexualität) befriedigen können. Mit der Natur als Reservoir wird sorgfältig und schonend umgegangen.

Allg. Erklärung: Artikel 24, 25

Artikel 3: Sicherheit

Es wird weltweit angestrebt, Strukturen zu schaffen, die für ein Maximum an Sicherheit für alle Lebewesen sorgen. Mit der Natur wird auch in diesem Zusammenhang schonend umgegangen.

Allg. Erklärung: Artikel 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 22, 28

Artikel 4: Soziale Einbindung

Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen sich in einem sozial stützenden Umfeld bewegen können. Es sollen Strukturen geschaffen werden, die Selbstverwirklichung sozial unterstützen.

Allg. Erklärung: Artikel  1,  16, 20, 22, 25, 26, 27

Artikel 5: Selbstverwirklichung und Partizipation

Es ist weltweit dafür zu sorgen, dass Lebewesen alle ihre Potenziale zur Entfaltung bringen können. Dabei ist schonend mit der Natur umzugehen. Die Entfaltung des Einzelnen kann nur im Rahmen der ihn umgebenden Strukturen erfolgen. Es muss die Möglichkeit bestehen, Einfluss auf diese Strukturen zu nehmen, also teilzunehmen. Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass möglichst viele ihre intellektuellen, emotionalen und materiellen Ressourcen dafür zur Verfügung stellen.

Allg. Erklärung: Artikel 12, 13, 17, 18, 19, 20, 21, 23, 24, 25, 26, 27

Artikel 6: Sinn

Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen ihr Leben als sinnvoll und befriedigend empfinden können.

Allg. Erklärung: entfällt

Ein Vorteil dieser Neuformulierung der Menschenrechte besteht in ihrer Operationalisierbarkeit. Während „die Menschenwürde“ oder die „Freiheit“ wegen ihrer Abstraktheit schwer direkt einklagbar sind, lässt sich das „Recht auf gute Denkbedingungen“ leichter konkretisieren. So wird ein Inhaftierter, der keinen Zugang zu Informationen erhält, dem keine Arbeitsgruppe zur Verfügung steht, der geistig unterfordert wird, auf sein Recht auf Konzeptualisierung bestehen können. Dies gilt auch für eine große Anzahl von Berufstätigen, die  keine intellektuelle Herausforderung an ihrem Arbeitsplatz erleben. Wenn die Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Information und Konzeptualisierung zum Menschenrecht  erhoben wird, so verlangt es eine neue Organisation der Gesellschaft.  Sie hat das Ziel, die aufkommenden Probleme lösen und eine bessere Welt schaffen.

12. Bürgerbeteiligung als Konzeptualisierungs- und Glücksfeld

Um die neudefinierten Menschenrechte in die Realität umzusetzen, müssen alle Menschen sich gesellschaftlich betätigen. Dabei können sie alle ihre Grundbedürfnisse, insbesondere das Bedürfnis nach Konzeptualisierung und nach Sinn befriedigen. Insofern ist Bürgerbeteiligung eine Glücksquelle.

Dokumente

Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein?

Google-Scholar (Jean-Pol Martin)

Lernen durch Lehren: Youtube Videos

Wikipedia-Article „Learning by teaching“

Zugriffe auf „Learning by teaching“

Wir brauchen neue Menschenrechte (Artikel im Donaukurier)

Vortrag in Wikiversity

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948)

Einordnung des Konzeptes durch Simon Wilhelm Kolben

Einordnung des Konzeptes durch Andreas Broszio

LdL: Bezugswissenschaften (bezogen auf den Artikel Martin, 2018)

Die LdL-Theorie bezieht sich auf eine Reihe von unterschiedlichen Wissenschaften. Der Vorteil: sie ist ganzheitlich. Der Nachteil: sie wird von keiner wissenschaftlichen community rezipiert, weil sie sich außerhalb der bestehenden akademischen Disziplinen und Institutionen bewegt.

Die einzelnen Abschnitte des Artikels: „Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle“  (Martin, 2018)  lassen sich auf folgende Theorien/Wissenschaften beziehen:

1.

2.2. Glück: Grundbedürfnisse, Kontrolle, Flow und LdL

Bezug: Positive Psychologie – Bedürfnisforschung – Glücksforschung

2.

2.2.3:  Informationsverarbeitung und Kontrolle

Bezug: Neurowissenschaften

3.

2.2.4: Exploratives Verhalten und Flow

Bezug: Kognitive Psychologie – Emotionsforschung – Problemlösepsychologie

4.

2.2.5 Instrumente zur kognitiven Kontrolle liefern

Bezug: Systemtheorie

5.

2.2.6 Konzeptualisierung

Bezug: Gehirnforschung – Emotionsforschung – Denkpsychologie

6.

2.3. Denken und Glück aus Sicht der Philosophie

Bezug: Philosophie

7.

2.4. Projekt als glückgenerierende Struktur

Bezug: Glücksforschung

8.

2.5 Die Globalisierung und die Ausdehnung der Konzeptualisierungsräume

Bezug: Netzforschung

9.

2.6. Konzeptualisierung als Grundbedürfnis und Menschenrecht

Bezug: Politische Philosophie – Denkpsychologie – Glücksforschung

Meine Bürgerbeteiligungsmodelle seit 2011

Alles bottom-up!

1. Tag der Migranten

2. Modul Ingolstadt-Expertise

Ingolstadt Expertise

In der Herschelschule

Bild: Tiefere Einblicke in die Stadtgeschichte. Ingolstadt Ingolstadt (DK) Gestern Vormittag stellten zehn Schüler der Sir-William-Herschel-Mittelschule, die am Projekt „Ingolstadt Expertise“ teilgenommen hatten, ihre Ergebnisse vor. Initiiert worden war das Projekt von Prof. Jean-Pol Martin von der Freiwilligenagentur.

 

 

 

 

 

 

Mittelschule auf der Schanz

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3. Projekt Georgianum

 

Vortrag im Elisa

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4. Projekt Geistesgeschichte im Stadtmuseum

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5. Projekt Broschüre zur Geistesgeschichte

Bild könnte enthalten: 6 Personen, Text

„Konzeptualisierung als Glücksquelle“ (Martin 2018) in verständlicher Sprache

Zwei Fachleute, Sylva Jürgensen und Simon Wilhelm Kolbe haben meinen Artikel „Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)“ gelesen und wollen diesen Text vielen Menschen zugänglich machen. Daher haben sie beschlossen, den Artikel in „verständliche Sprache“ zu übersetzen.

Entwurf (Stand 22.09.2018)

Verständliche Sprache

Einleitung: (Einfach):

Texte oder Fachartikel zu verfassen ist schwer. Texte und ihren Sinn zu verstehen und lesen zu können ist noch viel schwerer. Für einige Menschen ist es einfacher und manche Menschen aber nicht. Sie können nicht so gut lesen, weil sie zum Beispiel schlecht sehen oder sogar blind sind. Andere können nicht so gut verstehen weil sie eine Behinderung haben oder weil sie aus einem anderen Land sind. Viele Menschen waren auch noch nie oder nicht lange in der Schule und können deswegen nicht so gut lesen. Es gibt aber auch Menschen die können sich nicht so gut konzentrieren oder vielleicht gibt es auch welche die einfach keine Lust haben, viel zu lesen.

Herr Jean-Pol Martin (das spricht man „Schan-Pool Martän“) ist Professor an einer Universität und hat schon viele Texte und Bücher über eine besondere Art zu Lernen geschrieben. Diese Methode hat er Lernen durch Lehren genannt. Er glaubt, dass Menschen besser lernen, wenn sie sich gegenseitig dabei helfen und selbst zum Lehrer oder zur Lehrerin werden. Er ist sogar der Meinung, dass die Menschen, die das machen, dabei glücklich werden. Jean-Pol hat ein bestimmtes Menschenbild entwickelt, dass er für ganz wichtig hält. Darüber hat er einen langen Aufsatz geschrieben.

Viele Menschen finden das, was der Jean-Pol macht ziemlich gut und erzählen das auf der ganzen Welt. Ganz viele Leher und Lehrerinnen machen das Lernen durch Lehren auch schon in ihrem Unterricht. Von diesen Menschen haben sich einige zusammen mit Jean-Pol Gedanken gemacht und folgendes beschlossen:

Jeder Mensch hat das Recht, zu lesen und zu verstehen, was Jean-Pol Martin für ein Menschenbild entwickelt hat. Jean-Pol hat das aber sehr kompliziert geschrieben, weil er ein Mensch ist, der ganz kompliziert denken und schreiben kann. Damit mehr Menschen ihn verstehen, haben sich einige Leute zusammengesetzt und versucht seinen wichtigsten Text zu übersetzen. Einmal in verständliche Sprache und ein weiteres Mal die wichtigsten Teile in „leichte Sprache“.

Einleitung

Planvolles Handeln macht glücklich

Politiker und Politikerinnen sollen Menschen glücklich machen. Das ist eine schwere Aufgabe. Dafür brauchen die Menschen ein gemeinsames Menschenbild mit dem alle einverstanden sind und das für alle Menschen gleich ist. Dafür muss man verschiedene Sachen untersuchen und beachten: Die Bedürfnisse von Menschen. Was die Menschen brauchen um glücklich sein und wie das Gehirn funktioniert.

1.Glück

Viele Menschen haben über das Glücklichsein geschrieben. Manche  sagen: Glück ist, wenn ich mich längere Zeit insgesamt wohl und froh fühle, auch wenn es mal schwierig wird oder besonders schön. Dieses Wohlfühlen kommt durch die Befriedigung von Bedürfnissen und was unser Körper dann macht, nämlich Wohlfühlhormone ausschütten (z.B. Dopamin, Oxytocin, Adrenalin).

Herr Czikzentmihalyi (1999) fand heraus, dass Menschen unter bestimmten Bedingungen richtig starke Glückserlebnisse haben können, die das längere Wohlbefinden unterstützen. Er nannte diese Erlebnisse Flow. To flow ist Englisch und bedeutet fließen. Man fließt über vor Glück und erlebt den Moment sehr intensiv. Wenn man möchte, dass Menschen glücklich werden, so ist es günstig ihnen Rahmenbedingungen zu geben, in denen sie Flow-Erlebnisse haben können.

1.1. Die Grundbedürfnisse nach Maslow

Die Glückspyramide von Maslow

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Ein Herr Maslow (1981) hat ein Modell entwickelt, welche Bedürfnisse für Menschen so wichtig sind, dass sie etwas tun wollen. Wenn die Bedürfnisse befriedigt werden, dann sind die Menschen zufrieden. Es gibt unterschiedliche Stufen, die aufeinander aufbauen. Maslow fand heraus, dass man auf den Stufen weiter nach oben kommt, je mehr Bedürfnisse auf den unteren Ebenen erfüllt sind. Überlebenswichtig ist es für jeden Menschen zu Atmen, zu Essen und zu Schlafen (Physiologische Bedürfnisse). Jeder Mensch möchte sich sicher fühlen, da wo er gerade ist (Sicherheit). Jeder Mensch möchte mit Menschen zusammen sein, die er mag und die ihn mögen (Soziale Beziehungen), er möchte gesehen und wertgeschätzt werden für sein Handeln (Soziale Anerkennung). Das Bedürfnis eigene Ideen umzusetzen und Gutes für sich zu tun, nennt man Selbstverwirklichung. Wenn alle diese Bedürfnisse erfüllt sind, können Menschen sich damit beschäftigen, welchen Sinn dieses Leben hat und ob es noch größere Zusammenhänge gibt (Sinn).

1.2. Das Bedürfnis nach Kontrolle

Bestimmte Forscher (Österreich 1981, 24ff; Dörner 1983,433), die sich mit Gefühlen beschäftigten, fanden heraus, dass das Gefühl die Kontrolle zu haben sehr wichtig für Menschen ist. Es ist das Gefühl „die Situation im Griff zu haben“.

Mit Gefühlen reagieren Menschen auf Reize und Erfahrungen wie den Verlust von Kontrolle – (hier erlebt man Angst, Schreck, Furcht) oder den Wiedergewinn von Kontrolle (hier erlebt man Stolz, Triumph, Freude).

Kontrolle zu haben ist lebenswichtig. Die Kontrolle völlig zu verlieren würde bedeuten zu sterben. Das Gefühl der Kontrolle meldet den Menschen, was sie tun könne, um ihr Leben zu erhalten. Ihr Leben zu erhalten ist die Motivation, warum Menschen handeln.

Alle Bedürfnisse, die Herr Maslow herausgefunden hat, folgen auf allen Stufen dem Bedürfnis nach Kontrolle zur Lebenserhaltung.

Auf der Ebene der Physiologischen Bedürfnisse pflegt man den Körper, damit er gesund bleibt (Zähne putzen, frühstücken..) Auch das Bedürfnis nach Sexualität dient der Lebenserhaltung, hier der Art.

Auf der Ebene der Sicherheit fühlt sich der Mensch wohl, wenn er nicht bedroht wird und seinen Lebensraum unter seiner Kontrolle – „im Griff“ -hat.

Auf der Ebene der sozialen Einbindung und Anerkennung möchte der Mensch Kontrolle haben über seine Handlungsmöglichkeiten in seinem Lebensumfeld. Wenn er viele gute Kontakte zu seiner Familie, Freunden und Kollegen hat, gibt es mehr Möglichkeiten für ihn sein Leben im Griff zu haben. Wenn der Mensch anerkannt wird, verstärkt es sein Selbstbewusstsein und sein Gefühl der Kontrolle, dass sein Leben gut bleiben wird.

Auf der Ebene der Selbstverwirklichung möchte der Mensch seine Kontrolle ausdehnen und seine Begabungen in die Welt bringen, z.B. durch Kunst und Musik. Es drängt den Menschen seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und den Raum zu erobern. Dasselbe gilt für Sportbegeisterung, das Aneignen von Wissen oder Reisen. Der Mensch kann sozusagen immer mehr Bereiche seiner eigenen größer werdenden Welt „kontrollieren“.

Auch das Bedürfnis nach Sinn kann unter dem Kontrollbedürfnis eingeordnet werden.  Wenn der Mensch das Gefühl hat, die Dinge, die ihm im Leben passieren, haben einen Sinn, dann hilft ihm das sein eigenes Leben und die Umwelt zu verstehen und zu handeln.  Somit hat der Mensch die Kontrolle und die Sicherheit, die Regeln des Lebens allgemein zu entdecken und in sein Leben einzubauen.

1.3 Informationsverarbeitung und Kontrolle

Die Verarbeitung von Informationen ist das Mittel um das Gefühl der Kontrolle aufrecht zu erhalten. Der Mensch muss die Informationen, die aus dem Umfeld auf ihn einwirken ständig verarbeiten und kontrollieren, sonst wäre er nicht lebensfähig. Herr Portele  (1975) forschte, wie die Verarbeitung von Informationen gute Gefühle auslösen können. Das wichtigste ist, dass das Gehirn mit den genau richtigen Informationen versorgt wird. Er fand heraus, dass Menschen versuchen zu viele Informationen zu vermeiden oder sie zu verkleinern.  Kommen zu wenig Informationen, versuchen sie mehr Informationen zu erhalten. Menschen möchten also ein genau richtiges Maß an Informationen bekommen, damit es ihnen gutgeht und sie positive Gefühle haben. Um das gute Maß zu bekommen, muss der Mensch ständig immer neue Reize und Informationen aufnehmen. Dieselben Reize werden schnell als bekannt einsortiert und verarbeitet, daher endet der Prozess des Abgleichens der Informationen nie.

Es macht also Spaß Informationen zu verarbeiten, aber eben nur unter besonderen Bedingungen:

-Nicht zu viele Informationen auf einmal, aber auch nicht zu wenige, -nicht zu schwere Informationen, aber auch nicht zu einfache,

-nicht zu schnell aber auch nicht zu langsam.

Um gut motiviert handeln zu können, ist es wichtig, dass Menschen die Möglichkeit bekommen

-sich selbstständig Informationen und Reize zu holen

-solche Informationen zu finden, die ihnen helfen, den Ausbau ihrer  Verarbeitung zu unterstützen.

1.4. Kontrolle erweitern und Flow

Menschen möchten nicht nur die Kontrolle über ihr Leben haben um es zu erhalten, sondern sie möchten die Kontrolle erweitern über viele Bereiche. Menschen sind motiviert in diesen Bereichen zu handeln und diese besser zu verstehen. Sie möchten andere Länder dieser Erde kennenlernen und sogar den Weltraum, der unsere Erde umgibt. Sie möchten Erkenntnisse über die Vergangenheit haben und sie möchten wissen, was die Zukunft bringt.

Herr Dörner (1983,331ff.) erforschte die Merkmale erfolgreicher Menschen und fand heraus, dass sie mutig waren, sich in Situationen zu begeben, die ihnen unbekannt waren und die sie erstmal nicht kontrollieren konnten.

In diesen Situationen haben sie probiert möglichst viele von den Informationen, die sie schon einmal verarbeitet hatten, anzuwenden.  Jede neue Erfahrung aus der unbekannten Situation wurde mit den bereits bekannten Informationen verglichen und neu zusammengefügt.  Dabei entstand ein größerer Plan zum Handeln mit mehr Möglichkeiten. Ein größerer Plan stabilisiert das Gefühl von Kontrolle über mehr Bereiche. Gleichzeitig spürt der Mensch, dass er die unbekannte Situation unter Kontrolle hat und Herausforderungen bewältigen kann. Er fühlt sich nun noch sicherer und selbstbewusster und motivierter neue unbekannte Situationen zu erleben. Dieses mutige Verhalten sich in unbekannte Situationen zu begeben wird belohnt durch das positive Flow-Gefühl.

Dafür gibt es folgende Voraussetzungen:

-Unbekannte Felder betreten, Neues entdecken;

-Situationen mit offenem Ausgang, für die man die Verantwortung trägt;

– Probleme lösen, hohe Anforderungen bewältigen;

-mehr Kontrolle über das eigene Handeln und das Umfeld.

Jede herausfordernde Tätigkeit kann zu Flow führen, Erlebnisorientierte Erfahrungen wie Segeln und Reiten können Flow herstellen.  Unterricht geben, Vorträge und Workshops geben können Flow herstellen, wenn man die Kontrolle halten kann.

(…)

1.6 Konzeptualisierung

Die Abläufe und die Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind mit guten Gefühlen verbunden. Mit dem sogenannten Flow, das ist ein Gefühl von großem Glück und Konzentration bei einer bestimmten Tätigkeit, wird man vor allem bei der Konzeptualisierung belohnt. Konzeptualisierung bedeutet, dass man in seinen Gedanken bestimmte Muster erstellen kann, die umfangreiche Informationen vereinfachen, verständlich und umsetzbar machen. So ein Prozess heißt Komplexitätsreduktion. Komplexitätsreduktion ist schwere Arbeit für das Gehirn, weil man sehr viele Informationen vereinfachen und sortieren muss. Mit der Komplexitätsreduktion möchte man möglichst viele Menschen erreichen: Zum Beispiel weil sie keine Zeit haben so viele Informationen zu lesen. Oder weil sie die Informationen gar nicht haben. Oder weil sie die Informationen nicht verstehen können. Die Komplexität von einem Thema zu reduzieren fühlt sich sehr gut an. Man wird nämlich mit einen Flow belohnt. Wenn man Informationen verarbeitet, hat man ein Gefühl von Kontrolle. Wenn man aber Konzeptualisierung betreibt, dann hat man viel bessere Kontrolle. Diese Kontrolle fördert und erhält das Leben von einem Menschen. Je länger und je mehr man konzeptualisieren kann desto besser.

(…)

2. Eigenes Forschen in Projekten macht glücklich

Jean Pol hat herausgefunden, dass  Projekte sich sehr gut eignen, um gut forschen und lernen zu können und das es sogar glücklich macht. Projekte sind große Forscheraufträge zu einem Thema. Die Menschen, die etwas zu diesem Thema wissen wollen, sind die Forschergruppe. Beim gemeinsamen Forschen zu einem Thema werden viele Bedürfnisse befriedigt, weil die Forscher selber entscheiden, was, wieviel und wie sie lernen wollen und wie sie mit dem neuen Wissen Ideen umsetzen können.   Anders als im normalen Unterricht macht das Erledigen von Aufgaben in Projekten als eigener Forscher den Menschen Spaß und sie wollen immer mehr wissen und mehr eigene Ideen umsetzen. Es macht Menschen glücklich, wenn sie merken wie viel sie in einem Projekt gelernt haben, welche Wirkungen ihre Ideen hatten und wieviel Spaß sie dabei hatten.

3. Weltweites Forschen ist möglich

Viele Menschen nutzen heute das Internet und sind mit vielen anderen Menschen in Kontakt. Im Internet kann ich Menschen überall auf der Welt immer wieder sehr schnell erreichen. Jean-Pol vergleicht das Internet daher mit einem Riesengehirn. Bevor Menschen handeln, haben sie eine Idee. Diese Idee besteht aus vielen Gedanken und diese Gedanken bestehen aus vielen Kontakten von Nervenzellen in unserem Gehirn. Diese Zellen heißen Neurone. Jean Pol sagt, dass Menschen im Riesengehirn Internet eigentlich so gut zusammenarbeiten können wie diese Neurone damit es viele neuegemeinsame Ideen gibt.

Damit das Riesengehirn Internet wie unser Gehirn funktionieren kann, hat Jean-Pol Menschen sich lustige Regeln für Neuronen ausgedacht.

  1. Neuronen sind anderen gegenüber offen und sagen was sie denken.
  2. Neuronen geben ihr Wissen weiter und nehmen sich selbst nicht so wichtig.
  3. Neuronen haben keine Angst etwas falsch zu machen, daher reagieren sie schnell.
  4. Wenn Neuronen einen Kontakt haben, antworten sie sehr schnell.
  5. Neuronen versuchen immer wieder in Kontakt zu sein mit anderen Neuronen.
  6. Neuronen sind nicht beleidigt, wenn ein anderes Neuron eine andere Meinung hat.
  7. Neuronen machen ihr Projekt zu Ende.
  8. Wenn sehr viele Neuronen gleichzeitig in Kontakt sind, ist es schwierig klare gemeinsame Ideen zu haben. Vielleicht gibt es auch eine kleine Verwirrung, das stört die Neuronen nicht. Sie machen weiter bis sie sich sicher sind.
  9. Wenn sehr viele Neuronen in Kontakt sind, wissen sie, dass alle das gleiche Recht haben ihre Meinung so zu sagen, dass kein anderes Neuron dadurch verletzt oder verärgert wird.
  10. Man muss mit dem Riesengehirn Internet sehr vorsichtig umgehen. Es macht solchen Spaß in Kontakt zu sein und gemeinsam Ideen zu haben, dass es süchtig und krankmachen kann, wenn Neurone zu viel Kontakt haben. Daher muss man sich kontrollieren und Grenzen setzen, wann und wieviel Kontakt man hat.

 

(…)

 

Wir brauchen neue Menschenrechte

Diese „Neuen Menschenrechte“ sind im Gegensatz zu den existierenden nicht religiös oder philosophisch begründet, sondern sie knüpfen an Erkenntnisse der Glücksforschung, der Bedürfnisheorie, sowie der Neurowissenschaften.

Die unter den einzelnen Artikeln aufgeführten Nummern weisen auf Texte aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die sich zu den jeweiligen Abschnitten einfügen lassen.

Neue Menschenrechte

Jean-Pol Martin

Präambel:Glück
Ziel aller Maßnahmen weltweit ist die Schaffung von Strukturen (wirtschaftlichen, politischen, ethischen), die für ein Mehr an Entfaltung für die Natur und an Glück für alle Lebewesen sorgen. Die nachfolgenden Artikel bilden dazu Voraussetzungen.

Allg. Erklärung: entfällt

Artikel 1: Denken

Zentrales Grundbedürfnis des Menschen ist das Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung).
Es müssen Bedingungen geschaffen werden, damit alle Menschen Zugang zu Informationen und zur Möglichkeit der Konzeptualisierung erhalten. Denken setzt die Realisierung der Artikel 2 bis 6 voraus.

Allg. Erklärung: Artikel 18, 19, 26, 27

Artikel 2: Gesundheit

Alle Maßnahmen werden weltweit getroffen, damit Lebewesen ihre physiologischen Bedürfnisse befriedigen können (z.B. Schlaf, Nahrung, Sexualität). Mit der Natur als Reservoir wird sorgfältig und schonend umgegangen.

Allg. Erklärung: Artikel 24, 25

Artikel 3: Sicherheit (Einkommen und Wohnung)

Es wird weltweit angestrebt, Strukturen zu schaffen, die ein Maximum an Sicherheit für alle Lebewesen sorgen. Mit der Natur wird auch in diesem Zusammenhang schonend umgegangen.

Allg. Erklärung: Artikel 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 22, 28

Artikel 4: Soziale Einbindung

Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen sich in einem sozial stützenden Umfeld bewegen können. Es sollen Strukturen geschaffen werden, die Selbstverwirklichung sozial unterstützen.

Allg. Erklärung: Artikel  1,  16, 20, 22, 25, 26, 27

Artikel 5: Selbstverwirklichung und Partizipation

Es ist weltweit dafür zu sorgen, dass Lebewesen alle ihre Potenziale zur Entfaltung bringen können. Dabei ist schonend mit der Natur umzugehen. Die Entfaltung des Einzelnen kann nur im Rahmen der ihn umgebenden Strukturen erfolgen. Es muss die Möglichkeit bestehen, Einfluss auf diese Strukturen zu nehmen, also teilzunehmen. Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass möglichst viele ihre intellektuellen, emotionalen und materiellen Ressourcen dafür zur Verfügung stellen können.

Allg. Erklärung: Artikel 12, 13, 17, 18, 19, 20, 21, 23, 24, 25, 26, 27

Artikel 6: Sinn

Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen ihr Leben als sinnvoll und befriedigend empfinden.

Allg. Erklärung: entfällt

Begriffe aus dem alten Paradigma (Übersetzung):

Gerechtigkeit = gleichberechtigter Zugang zu Ressourcen der Bedürfnisbefriedigung

Freiheit  = keine Behinderung beim Zugang zu Ressourcen der Bedürfnisbefriedigung

Würde = entsteht wenn die Bedürfnisse befriedigt sind

Gleichheit = Element der Gerechtigkeit

Literatur

Martin, J.-P. (2002). Weltverbesserungskompetenz als Lernziel? In: Pädagogisches Handeln – Wissenschaft und Praxis im Dialog. 6. Jahrgang, Heft 01/2002, S. 71–76.

Martin, J.-P. (2009): Lernziel Partizipation und Netzsensibilität. In: Oebel G. (2009) (Hrsg.): LdL – Lernen durch Lehren goes global: Paradigmenwechsel in der Fremdsprachendidaktik und kulturspezifische Lerntraditionen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac. S.115-127

Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360. ISBN 978-3-556-07336-0.

Wir brauchen neue Menschenrechte (Gastbeitrag im Donaukurier)

Anwendung in der Politik

Ausführlichere Fassung (mit etwas Theorie)

Wissenschaftlicher Aufsatz (Handbuchartikel): Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle.