„Neue Menschenrechte“ – Leporello – PdF

PdF zum Herunterladen:

Ein Menschenbild für das 21.Jh. – Die 6 Grundbedürfnisse werden zu Menschenrechten

Macht Gefängnis Sinn? Mit Lydia Halbhuber-Gassner und weiteren Diskutanten

Auf der Grundlage der von mir aufgestellten „Neuen Menschenrechte“ wird deutlich, dass eine Gefängnisstrafe die Befriedigung praktisch aller Grundbedürfnisse verunmöglicht. Gibt es zu Gefängnisstrafen keine Alternativen?

Unten wird der Ablauf einer Diskussion zur Sinnhaftigkeit von Gefängnisstrafen in Facebook wiedergegeben. Ich habe während der Diskussion Lydia Halbhuber-Gassner, eine ausgewiesene Expertin in dem Bereich Haftprävention und Resozialisierung von Staftätern, gebeten ihre Meinung zu diesem Thema zu äußern.

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Hier der Link zu der Tagung: Macht Gefängnis Sinn?
Und nun die Meinung von Lydia Halbhuber-Gassner:
War eine interessante Fachtagung der evangelischen Kolleg*innen. Ich war auch als Referentin eingeladen. (…) Es gibt kein Patentrezept. Vor allem nicht, indem man Menschen einsperrt. Was soll auch dabei rauskommen, wenn man kriminelle Menschen auf engstem Raum für viele Jahre zusammen einsperrt? Es kommt ganz sicher bereits im Gefängnis wieder zur solchen Straftaten. Ich erinnere an den Fall in NRW, wo Jugendliche im Gefängnis einen Inhaftierten am Wochenende zur Tode gefoltert hatten. Sie konnten ihn über sehr viele Stunden so quälen ohne dass es die Justiz bemerkt hatte. Auch wenn das natürlich ein Extremfall ist, muss man sich fragen welche Besserung des Einzelnen erwartet man vom Gefängnis??? Nochmals es gibt kein Patentrezept, aber viele kleine: Menschen mit sog. Bagatelldelikten gehören nicht ins Gefängnis! Da gibt es bessere Alternative: gemeinnützige Arbeit, Täter-Opfer-Ausgleich. Bei Jugendlichen gibt es noch viele weitere Alternativen: Betreuungsweisungen, Sozialtraining usw. (Daher ist das Jugendstrafrecht mit seinem Erziehungsauftrag so wichtig). Bei schweren Taten gegen Körper und sexuelle Selbstbestimmung muss die Bevölkerung natürlich vor weiteren Taten geschützt werden. Wegsperren allein bringt nichts, denn irgendwann werden die meisten wieder entlassen. (Sicherungsverwahrung gibt es natürlich nicht sofort für jeden dieser Täter, dazu müssen weitere Bedingungen erfüllt sein). Wichtig ist Behandlungsvollzug, der natürlich Geld kostet. Aber eigentlich billiger als erneute schwere Straftat ist – nicht nur fiskalisch, sondern auch hinsichtlich weiterer Opfer. Auch wenn er nicht bei jedem Täter erfolgreich ist. Weit effektiver ist Prävention. Wir wissen, dass viele der Täter zuvor Opfer waren: Opfer von schwerer Vernachlässigung, körperlicher und/oder sexueller Misshandlung in der Familie, Einrichtung oder Heim waren. Da müssen wir viel früher reagieren und viel schneller Hinweisen nachgehen. Und Migranten/ Ausländer werden übrigens viel schneller inhaftiert. Sie kommen bereits viel bereits schneller in U-Haft weil sie mitunter keinen festen Wohnsitz haben oder es Fluchtgefahr besteht. Durch selektive Wahrnehmung werden sie auch schneller inhaftiert (Schleierfahndung, selektive Wahrnehmung) und haben weit seltener mit richterlicher Milde zu rechnen. Ist dies mal tatsächlich der Fall, dann macht es sofort bundesweit Schlagzeilen.
In FB ist es nicht möglich noch detaillierter auf alle Fragen eingehen.
(…)
Ich würde gerne mal mit euch über einen Perspektivwechsel sprechen. Ich sehe und spüre gerade die Gefühle eines Opfers einer Straftat. Es ist schwer genug, die seelischen Schäden mit ins weitere Leben zu nehmen. Und ich weiß, dass es die Art von Gerechtigkeit, die ich mir als Opfer wünsche, letztendlich nicht gibt. Mit welcher Art von Strafe für den Täter kann ich leben? Und dann erfahre ich, dass er nicht ins Gefängnis kommt, weil das „eine schlechte Behandlung“ ist. Wie wurde ich denn behandelt?
(…)
Fred Over das ist absolut verkürzt und so absolut unrichtig!
Es führt hier zu weit das zu diskutieren. Nur paar Hinweise: Täter-Opfer-Ausgleich hat Opfer im Blick. Die geforderte Prävention bei kindlichen Opfern hat Opfer im Blick. Gelungene Resozialisierung hat potentielle Opfer im Blick. Intensive Arbeit mit Tätern hat zum Ziel Empathie für Opfer und die Auswirkungen zu wecken. Nur paar Spotlights
Lydia Halbhuber-Gassner Richtig. Zu gering bemessen der Raum hier. Nur soviel noch: Ich unterstütze natürlich den Resozialiserungsgedanken des  Jugendstrafrechts. Und zu Jean-Pol Martin möchte ich sagen, dass ich im heutigen, modernen (?) Strafvollzug eine Misshandlung nicht sofort erkennen kann. Rechtssprechung vor Gericht kann – um der Opfer willen – nicht unbedingt schön für den/die Angeklagten sein.
(…)
Lieber Jean-Pol Martin , das ist übrigens auch sehr interessant. Geht man davon aus, dass die Kriminalitätsbelastung zumindest in Europa ungefähr gleich hoch sein dürfte, sieht man wie unterschiedlich die Länder mit Straftätern umgehen. Letztendlich muss man gar nicht so weit gehen. Die Gefangenenrate ist schon in Deutschland sehr unterschiedlich. Es gibt da ein eindeutiges Nord-Süd-Gefälle. Gefangenenraten im internationalen VergleichIm europäischen Vergleich variierten die Gefangenenraten im Jahr 2009 zwischen 44 pro 100.000 der Bevölkerung in Island und 618 in Russland. Man kann auf der einen Seite Länder unterscheiden mit sehr niedrigen Gefangenenraten (bis zu 80 pro 100.000 der Bevölkerung) wie Island (44), Slowenien (65), oder die Schweiz (76) und die skandinavischen Länder (Dänemark, 66; Finnland, 67; Norwegen, 70; Schweden, 74). Es folgt eine Gruppe von Ländern mit bis zu 100 Gefangenen pro 100.000 der Wohnbevölkerung. Hierunter fallen die meisten westeuropäischen Länder (Irland, 85; Deutschland, 90; Belgien, 94; Frankreich, 96; Italien, 97; Österreich, 99). Eine weitere Gruppe von Ländern mit einer Gefangenenrate zwischen 100 und 170 pro 100.000 der Bevölkerung bilden England/ Wales (154), die Niederlande (100), Portugal (105), Schottland (149) und Spanien (164) sowie einige wenige osteuropäische Länder: Bulgarien (124), die Slowakei (151) und Ungarn (152). Schließlich ist eine Ländergruppe auszumachen, die ausschließlich die mittel- und osteuropäischen Länder umfasst mit Gefangenenraten, die mehr als doppelt bis dreifach so hoch liegen wie der westeuropäische Durchschnitt. Hierunter fallen Tschechien mit 210, Polen mit 224, die baltischen Staaten mit 273 pro 100.000 der Bevölkerung in Estland, 319 in Lettland und 234 in Litauen sowie die Ukraine mit 314. „Spitzenreiter“ sind Weißrussland mit 385 und die Russische Föderation mit 618 Gefangenen pro 100.000 der Bevölkerung
(…)
Ich gestehe das ich als bekennender Humanist hier an meine Grenzen stoße. Wie soll ich denn auf Verbrecher reagieren? Wie soll ich den Bürger schützen? Und ich Rede von Verbrechen. Ich bin durchaus der Meinung das Wirtschaftsverbrechen mit Gefängnis zu bestrafen Max. Unsinnig ist. Aber es gibt genügend Verbrechen die meiner Meinung nach nicht anderes geandet werden können.
(…)
Holger Zirkelbach Deine Frage ist schon sehr differenziert: wie auf Verbrechen reagieren? Ich gehe davon aus, dass Du damit schwere Straftaten gegen die körperliche und sexuelle Selbstbestimmung meinst und nicht jede Bagatelltat. Denn Containing fällt auch schon unter SCHWEREN Diebstahl. Es wäre doch schon viel gewonnen, wenn wir uns darauf verständigen könnten, dass die einfachen Straftäter (Diebstahl, Beförderungserschleichung, Verstoß gegen Betäubungsmittelgesetz usw.) eher nach Alternativen zum Gefängnis schreien. Dadurch wären die Gefängnisse von den Menschen „entlastet“, die meist viel Kräfte bündeln: Aufnahme, Aufnahmegespräch, Gesundheitscheck, Begleitung durch die ersten Tage…und alsbald dann Entlassungsvorbereitung usw. damit wären viel mehr Ressourcen für die Arbeit mit schwer Kriminellen. Und ja, es wird leider immer Täter geben, vor denen die Öffentlichkeit geschützt werden muss. Aber diese stellen nur einen kleinen Teil der Gefängnispopulation dar.
(…)
Lydia Halbhuber-Gassner genau so meine ich das. Eine Straftaten, usw. Hier ist Gefängnis Käse. Menschen die anderen Körperlichen Schaden zufügen usw. Da sehe ich keine Alternative
Holger Zirkelbach auch da muss man differenzieren. Körperlichen Schaden kann ich jemandem im Rahmen von Schlägerei zufügen. Gerade hitzige junge Männer, manchmal auch Frauen, wissen mit ihrer Wut, Frust, Ärger nicht anders umgehen, als sich zu kloppen; frei nach dem Motto wo Worte fehlen. Auch da sehe ich im Gefängnis keine Lösung. Hilfreicher ist Antigewalttrainig, Sozialtraining welche Konfliktlösungsstrategien helfen mir weiter.
Lydia Halbhuber-Gassner sicherlich gibt es hier Grauzonen. Auf der anderen Seite würde ich für Sexualdelikte, Mord die Strafen drastisch erhöhen, bzw. Die Mindeststrsfe erhöhen.
(…)

 

Ein von Lydia Halbhuber-Gassner herausgegebenes Buch:

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Educamp 2014: Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein?

Neue Menschenrechte. Postkarten zum Downloaden.

Karte Menschenrechte- PdF

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Isabelle Le Bourhis mit SchülerInnen im Ministerium – Treffen mit Minister Michael Piazolo

Aus Facebook:

 

18 Std.

Es ist vollbracht!
Isabelle Schuhladen Le Bourhis war mit ihrer Schülergruppe im Kultusministerium und hat den Minister, Herrn Michael Piazolo, getroffen!

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.
Bild könnte enthalten: im Freien
Bild könnte enthalten: Innenbereich
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+2

Isabelle Schuhladen Le Bourhis an Lernen durch Lehren

Glänzender Tag
Herr Piazolo kennt jetzt LdL!🤩🤗💡👍

  • Michael Piazolo Unbedingt so weiterarbeiten. Wenn es den Schülerinnen und Schülern gefällt, sie etwas selbstständig dazulernen und noch der Lehrplan erfüllt wird, ist es doch prima. Mir hat es jedenfalls hat die Begegnung Spaß gemacht.
  • Jean-Pol Martin Michael Piazolo Super, dass Sie so reagieren! Immer wieder wurde die Methode vom Ministerium wahrgenommen und unterstützt. Zuletzt sehr kräftig unter Frau Hohlmeier. Mit Ihnen könnte sie wieder einen Hype in Bayern erleben. Sie ist weltweit sehr etabliert und mit meinem Namen eng verbunden. Ein Alleinstellungsmerkmal auch für Bayern!
  • Isabelle Schuhladen Le Bourhis Im Ministerium wurde uns ausführlich erklärt, wie das Kultusministerium arbeitet, wer da mitarbeitet, wie Entscheidungen getroffen werden… wie Anschlussprüfungen entstehen, die aktuellen Themen im Bildungsbereich…

Paradigmenwchsel: als erster Politiker bezieht sich seit 2017 Christian Lange ausdrücklich auf meine „Neuen Menschenrechte“

Auszug aus der Haushaltsrede 2018

„(…) Aber auf meiner Agenda steht auch etwas viel Wichtigeres für diese Stadt: Es sind die Menschen, für die wir hier sitzen. Die Menschen, die in Ingolstadt leben – sie haben uns als Volksvertreter gewählt.

In meiner Haushaltsrede aus dem letzten Jahr habe ich gesagt, dass die Menschen sich in unserer Stadt sicher fühlen wollen, dass sie sich darauf verlassen wollen, dass wir ihre Bedürfnisse kennen und diese auch ernst nehmen. Das bedeutet, dass ich mich aus Sicht der Bürger mit deren Bedürfnissen und Erwartungen auseinandersetzen muss. Dazu habe ich mich im vergangenen Jahr an den Menschenrechten meines Freundes Jean-Pol Martin orientiert. Er hat in sechs ganz einfachen Rechten eines jeden Menschen zusammengefasst, was für alle in einer Gesellschaft wichtig ist. Zur Erinnerung: Diese sechs waren das Recht auf Denken, Gesundheit, Sicherheit (insbesondere Einkommen und Wohnen), soziale Einbindung, Selbstverwirklichung und Partizipation sowie das Recht auf ein sinnvolles und sinngebendes Leben. Aus diesen neuen Menschenrechten leite ich die Fragen für Kommunalpolitik ab, die wir alle als Volksvertreter heute stellen sollten.

Dabei stellen sich für mich einige besonders entscheidende Fragen für Ingolstadt:

Was muss und kann eine Stadtverwaltung tun, um das Zusammenleben aller Menschen in Ingolstadt zu verbessern?
Was muss und kann eine Stadt tun, um politischen Extremismus – wie zum Beispiel den der AfD – zurückzudrängen oder gar nicht erst in der Stadt entstehen zu lassen?
Was muss und kann eine Stadt tun, um zu verhindern, dass immer mehr Menschen sogenannte „Kunden“ der Ingolstädter Tafel werden?
Was muss und kann eine Stadt tun, um Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, ein menschenwürdiges Leben auf unserem Stadtgebiet zu ermöglichen und diesen Menschen mehr Hilfe zur Integration anbieten zu können?
Was muss und kann eine Stadt tun, damit der Verkehr in dieser Stadt tatsächlich wieder funktioniert, Fahrradfahren zum Vergnügen wird und der ÖPNV ein Angebot zur Verfügung stellt, dass attraktiv genug ist, um den „Modal Split“ in unserer Stadt deutlich zu Gunsten des sogenannten „Umweltverbundes“ (Bus, Rad, zu Fuß) zu verändern?
Was muss und kann eine Stadt tun, um den Menschen in unserer Stadt eine ernsthafte Bürgerbeteiligung anzubieten, die Einfluss auf kommunale Entscheidungen nimmt?
Was muss und kann eine Stadt tun, um zu verhindern, dass in Ingolstadt Menschen, die einen Vollzeitjob haben, nicht in der Lage sind, von ihrem Einkommen ihre Familie und sich zu ernähren?
Was muss und kann eine Stadt tun, um zu verhindern, dass weiter steigende Mieten dazu führen, dass Menschen aus der Stadt getrieben werden?
Was muss und kann eine Stadt tun, dass sich die Menschen, die in ihr leben, mit dieser Stadt identifizieren und dass Stadtidentität als Thema der gesamten Stadtgesellschaft gesehen wird?“ (…).

Tobias Illigs Interview: JPM über Lernen, Motivation, Führungskräfte

 

Isabelle Schuhladen Le BourhisSehr schönes Interview, das die Komplexität des LdL-Konzeptes perfekt rüber bringt! Ich bin ein großer Fan von JPM, habe bei ihm in EI studiert, bin jetzt auch Lehrerin und lebe im LdL-Modus. Gestern habe ich ein One Best Thing bei der Tagung #eduswabia in Gersthofen gehalten. Für viele klang es vor ein paar Jahr sehr verrückt, heute aber haben viele erkannt, dass dies der richtige Weg ist: Komplexität suchen, konzeptualisieren, neue Lösungen entwickeln und dann: diesen Menschen eine Bühne anbieten, wo sie ihr neues Wissen, das sie gemeinsam konstruiert haben, zu präsentieren. Dadurch bekommen sie die Möglichkeit, sich zu vernetzen, neue unbekannte Felder zu entdecken und so geht es weiter! Explorativ sein!“
Die Theorie dazu (2018, nur 15 Seiten)

Basistext: PdF-Download

Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360. ISBN 978-3-556-07336-0.