Laura Cau: „Wie man sich die Hand gibt“ (Eichstätter Kurier)

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Interkulturelles Training nach der Sommerpause: Christine Pietsch (links) und Laura Cau planen für ihr Projekt „Wurzelgemüse“ eine Vortragsreihe, in der die Herkunftsländer von Flüchtlingen vorgestellt werden. Und zwar zusammen: Das heißt, Iraner sprechen über Syrien oder Deutsche über Afghanistan. – Foto: Poese

Es ist eine bunte Truppe, die sich seit vergangenem Januar immer wieder trifft. Die Gruppe „Wurzelgemüse“ nennt sich ganz bewusst „ein transkulturelles Projekt“. An eine Institution gebunden ist sie nicht und Deutsche und Geflüchtete begegnen sich dort auf Augenhöhe. Die Organisatoren helfen dabei, alles am Laufen zu halten, aber die Inhalte bestimmen alle zusammen. „Wir handeln so, wie wir es gerne hätten: demokratisch“, sagt Christine Pietsch. Es gehe um „Begegnung für alle“ und auch um eine „politische Grundbildung“, sagt die Ehrenamtskoordinatorin des Landkreises, die sich in diesem Projekt aber ganz privat engagiert. Auch Laura Cau, Förderschullehrerin in Eichstätt, setzt sich ehrenamtlich für „Wurzelgemüse“ ein. Dank der Kooperation mit Bernd Zengerle vom Jugendzentrum hat die Gruppe im Haus der Jugend eine Heimat gefunden. Dort geht auch das neue „Wurzelgemüse“-Projekt über die Bühne: eine interkulturelle Vortragsreihe.Darin soll es um die Herkunftsländer der Flüchtlinge gehen. Wer blickt durch beim Wirrwarr der Politik in Syrien? Wie lebt es sich in Afghanistan? Wie ist das Männer-, wie das Frauenbild in den einzelnen Ländern? Und scheinbar banale Dinge wie: Wo gibt man sich wann die Hand oder warum vielleicht nicht? Weil kaum jemand weiß, wie so etwas in anderen Ländern abläuft, geht die Begegnung zwischen den Kulturen manchmal schief. „Aufgrund dieser Missverständnisse gibt es ungute Vorkommnisse, die man vermeiden könnte“, meint Pietsch. Genau da setzt die Vortragsreihe an. In kleinen Gruppen werden Flüchtlinge zusammen mit Deutschen Präsentationen über ihre Herkunftsländer ausarbeiten. Die Inhalte bestimmen sie selbst. Deutsch lernen läuft dabei ganz nebenbei, denn natürlich sollen alle Vorträge auf Deutsch gehalten werden. Die Gruppen sind gemischt. „Es kann schon sein, dass dann ein Iraner etwas über Syrien erzählt“, sagt Laura Cau. Denn Vorurteile gebe es ja nicht nur zwischen Deutschen und Flüchtlingen, sondern auch zwischen Geflüchteten aus unterschiedlichen Ländern. Wenn alle Vorträge fertig sind, sollen Schulen oder das Arbeitsamt sie später auch als interkulturelles Kompetenztraining buchen können.

Bis es so weit ist, gibt es aber noch viel zu tun. In einem ersten Workshop am kommenden Donnerstag stellt Laura Cau den Teilnehmern zunächst die Methode vor, mit der das Ganze funktionieren soll. Sie heißt „Lernen durch Lehren“ und stammt von Jean-Pol Martin, einem Experten für Didaktik von Fremdsprachen, der vor seinem Ruhestand an der Katholischen Universität lehrte. „Die Schüler sind alle gleich und auf Augenhöhe“, erklärt Cau, „der Lehrer wird zum Begleiter.“ Das Konzept – sozusagen das Gegenteil von Frontalunterricht – ermöglicht es, dass jeder Teilnehmer eben das einbringt, was er am besten kann. Ob er lesen und schreiben kann, ist dabei nicht so wichtig. Weil die Methode so offen ist und auch Ungeplantes zulässt, können die Teilnehmer sich ihr Wissen selbst erarbeiten, gestalten und im Dialog miteinander lernen.

Für den Dialog braucht es allerdings noch ein paar deutsche Teilnehmer. Cau erklärt, was Jugendliche oder junge Erwachsene aus dem Projekt mitnehmen können: „Einen Blick in andere Kulturen, Handlungsfähigkeit mit anderen Kulturen und Schlüsselkompetenzen wie Präsentationsfähigkeit.“ Das könne in vielen Lebenslagen hilfreich sein, für Schüler, aber auch für angehende Lehrer, oder für jeden, der künftig anderen Kulturen mit weniger Scheu begegnen will.

Der Wokshop beginnt am Donnerstag, 15. September, um 17 Uhr im Haus der Jugend, Wasserwiese 3 in Eichstätt. Laura Cau stellt die Methode „Lernen durch Lehren“ vor, außerdem wird über weitere Termine abgestimmt. Mehr Informationen bei Christine Pietsch, Telefon (08421) 70-170 oder auf der Facebookseite „Wurzelgemüse EI“.

Von Katrin Poese

Eichstätt: „Wurzelgemüse“ bietet eine Vortragsreihe als interkulturelles Training Workshop am 15. September – Lesen Sie mehr auf:
http://www.donaukurier.de/lokales/eichstaett/Eichstaett-Wann-man-sich-die-Hand-gibt;art575,3265692#plx474363131

Laura Cau in Eichstätt: Wurzelgemüse

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Workshop „Lernen durch Lehren international“

 

Unter der Leitung von M.A. Laura Cau werden die Teilnehmer die Grundlagen der Methode erlernen, um sie in den darauffolgenden Veranstaltungen selbst anwenden zu können.
Bei „LdL“ übernehmen die Schüler Aufgaben des Lehrers, so dass ein Unterricht auf Augenhöhe stattfindet. Egal, aus welchem Land die Teilnehmer kommen, welche Vorerfahrungen sie haben und wie gut ihre Sprachkenntnisse sind: Bei „LdL international“ profitieren alle voneinander und arbeiten als Team.
Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Geflüchtete, sondern unbedingt auch an deutsche Jugendliche und junge Erwachsene, die sich unserem Projekt anschließen möchten. Auch interessierte (ehrenamtliche) Sprachlehrer sind herzlich eingeladen. Die Kosten für die Teilnahme übernimmt „Wurzelgemüse“.
Our new project starts with the workshop „learning by teaching international“. M.A. Laura Cau is gonna show you the basics of this method. With „learning by teaching“, students take the teacher’s tasks. It doesn’t matter where you come from and how good your knowledge of the german language is, because you’ll work in a team. By knowing this method, you can be part of our next big project which is not only useful to improve your german skills. You’ll also learn a lot about how to present yourself in the best way, how to work in a team and you’ll reach other important skills you’ll need for job or school.
The workshop is for free!
Please come, join us and bring your friends (germans too!).Bitte teilen und einladen!
Please share and invite!

„Nebenentdeckungen“ als kollaterale Forschungsergebnisse.

Wenn man sich mit dem Leben von Forschern befasst, stellt man meist fest, dass sie eine „Hauptentdeckung“ gemacht haben, und nebenbei noch eine ganze Reihe von Nebenentdeckungen, die aber nicht in ihr Fachgebiet fallen. Daher auch nicht von den Spezialisten beachtet werden.
Pro domo:
Als Fachdidaktiker habe ich 1982 LdL „entdeckt“. Zwar gab es schon viele Ansätze in diese Richtung, aber ich bin an diesem Thema 34 Jahre lang geblieben und gelte als „Begründer“ dieser Methode.
Sehr früh, 1983, habe ich mich mit Maslow befasst und erkannt, dass die von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse eigentlich dem alles umfassenden Bedürfnis nach Kontrolle zuzuordnen sind. Es war eine wichtige Erkenntnis, aber, da ich kein Bedürfnisforscher bin, hat die entsprechende Wissenschaft das natürlich nicht registriert. Immer noch bin ich der einzige, der die Position vertritt, dass die von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse dem Bedürfnis nach Kontrolle zuzuordnen sind (siehe auch „exploratives Verhalten“).
Die jüngste Nebenentdeckung, auf die ich besonders stolz bin, ist die Erkenntnis, dass ein Megagrundbedürfnis, das weder Maslow noch alle anderen Bedürfnis/Glücksforscher bisher erkannt haben, das Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung (und vor allem nach Konzeptualisierung) ist.
Das habe ich zum ersten Mal 2011 veröffentlicht, also vor 5 Jahren. Ich bin gespannt, wie lange die Spezialisten brauchen werden, um selbst auf diese Idee zu kommen!
Und jetzt zum entsprechenden Blogeintrag:

Smartphone: Sucht als einseitige Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung!

Natürlich konnte Maslow bei seiner Auflistung der Grundbedürfnisse noch nicht an das Bedürfnis nach Information denken. Dabei ist die Informationsverarbeitung einer der zentralen Bedürfnisse aller Lebewesen (siehe meinen Blogeintrag). Wenn man Sucht als „einseitige Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung“ definiert (auch das Verliebtsein ist eine solche Sucht), so ist die Fixierung auf Smartphones, Twitter usw. als Sucht erklärlich. Es ist die Fixierung auf eine Quelle der Befriedigung des Bedürfnisses nach Informationen.
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John Dewey zur Transzendenz: sehr aktuell!

Aus: Michael Hampe : Die Lehren der Philosophie – eine Kritik. Suhrkamp. 2014, S.276

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Kommunikation in hochemotionalisierten Kontexten

Kommunikation in hochemotionalisierten Kontexten (Türkei-Debatte, Asyl, Kommunalpolitik)

Jürgen Habermas: „Theorie des kommunikativen Handelns“ (hier sehr vereinfacht):

Es werden vier „Geltungsansprüche“ an Kommunikation gestellt:
1. Drück dich klar aus (Verständlichkeit)
2. Bezieh dich auf sichere Tatsachen (Wahrheit)
3. Äußere dich zum Thema und nur zum Thema (Normrichtigkeit)
4. Mache uns nichts vor (Wahrhaftigkeit)

Aus meiner Erfahrung muss man immer wieder drängen auf die Einhaltung von 2 und vor allem 3. Das habe ich wieder vor kurzem in einem hochkonfliktuellen und hochemotionalen Treffen erlebt: „Bitte äußere dich zum vereinbarten Thema und nur zu diesem“!

Ferner sollte man unbedingt folgende Regeln beachten (etwas schwieriger):

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Die englische (bessere) Version:

https://allesevolution.wordpress.com/2015/10/04/die-zehn-gebote-der-logik/

Identität. Wenn alles vorbei ist…

bleibt das:

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