Christoph Anrich: Lernen durch Lehren in Verbindung mit den Neuen Menschrechten

© Christoph Anrich 08. März 2021

Die große Stärke von LdL ist das Gesamtkonzept, bei dem alle bedeutenden methodischen Möglichkeiten sich integrieren lassen. Das ist eben kein Konzept zusätzlich, sondern eine Lern- und Lehrmethode, die gleichzeitig eine Lehr- und Lernmethode ist, die neurowissenschaftlich das Lernen optimiert. Lernen wird interessant, weckt die Lust an den Inhalten und macht Spaß. Unter diesen Voraussetzungen lernt das Gehirn am besten. Das Denken wird nicht als schwer und sperrig erlebt, sondern als exploratives Erlebnis. Es gibt mir Mut und macht Freude. Durch die vielen kleinen Lernerfolge steigert sich die eigene Zufriedenheit und die intrinsische Motivation. Die Energie verliert sich nicht durch unnötiges Disziplinieren oder durch anstrengendes irgendwie „Durchhalten müssen“. Im Gegenteil, der Lernende erfährt sich als erfolgreichen Lehrenden. Das gibt Kraft und triggert das Belohnungssystem im Gehirn.
Für mich ist jedoch die Kombination von LdL mit den Bedürfnissen des Menschen der wertvollste Zugewinn. Beim Lernprozesse wird auf die natürlichste Weise gedacht. Die Komplexitätsreduktion ermöglicht die angemessenen Portionen der Lerninhalte, je nach Alter, Dauer der Gruppenarbeit und Schwierigkeit. Dabei kann, muss und soll sich jeder mit der eigenen Persönlichkeit kreativ einbringen. Das eigene Potential wird im Lerninhalt jedes Mal neu veredelt. Durch die Partizipation entfalten sich Grundprinzipen, die wir im Zusammenleben und bei sozialen Strukturen benötigen. Jeder bringt auf eigene Weise einen bedeutenden Beitrag für die Gemeinschaft.
Diese Einbindung in die Kleingruppe und anschließend in die gesamte Lerngruppe vermittelt grundlegende Fähig- und Fertigkeiten wie die Kommunikation, Empathie, die nonverbale Kommunikation, die Erkenntnis, dass es unterschiedliche Perspektiven und Herangehensweisen an ein Thema gibt. LdL stärkt die eigene Persönlichkeit. Die Teilnehmer erwerben Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl und erleben jedes Mal den Sinn bei wertvollen Einheiten, beim emotionalen, attraktiven Erlernen und Durchdenken. Gestärkt, mutig und farbig bunt, aber zielorientiert werden Inhalte erforscht, greifbar und zum Erlebnis. Durch die Methodenvielfalt sind Kopf, Herz und Hand, je nach Lerntyp unterschiedlich ausgeprägt, aber immer als Ganzes, vorhanden.
Die Lerngruppen müssen ihre Freiräume nutzen, aber auch ziel- und sinnorientiert ein Thema nicht nur streifen, sondern in der Tiefe erforschen, bearbeiten und ergründen, um eine gute Lösung zu finden. Die Summation der Erkenntnisse wird zunehmend ein Gesamtkonzept (Konzeptualisierung, Orientierungs- und Verfügungswissen). Dabei wird erfahren, mein Mut wird belohnt. Ich bin Teil der Lösung. Ich verstehe sowohl die zugrundeliegende Problematik als auch die gemeinsam erarbeitete (Teil-)Lösung. Diese Fähigkeiten führen zu mündigen Persönlichkeiten, die weder Radikalisierung noch Gewalt nötig haben, um Konflikte und die Herausforderungen des Lebens zu meistern.
In der Tat muss und kann man in diesen Lern-Prozess zentrale Fragen einbinden. Wie bleibe ich gesund? Wie erhalten wir die Umwelt? Alles zusammen sind gute
Voraussetzungen, um glücklich zu leben. Keine Garantie, aber sehr gute Start- und Rahmenbedingungen.
Ich könnte wohl am Stück ein kleines Buch über LdL in Verbindung mit NMR schreiben, weil ich selbst von beiden Konzepten überzeugt bin. Würde man LdL mit NMR sinnvoller verbinden, wären wir in der Lage, soziale und bedeutende Fragen des Zusammenlebens besser zu beantworten. Der Umweltschutz und die Gesundheit wären nicht Aufgaben einer kleinen Gruppe, die belächelt oder bewundert wird. Statt Spaltung wäre ein gemeinsames Interesse an der Umwelt und Gesundheit selbstverständlich. Gute Voraussetzungen, um mit mehr Verantwortung mit körperlichen, psychischen-mentalen und sozialen Wohlbefinden glücklicher sich selbst und alle anderen zu erleben.
Das ist in knappen Sätzen, woran ich arbeite. In meinen Fort- und Weiterbildungen mit erwachsenen Menschen, aber auch bei der Umsetzung des „Neuen Menschenrechts“ Gesundheit.
Beste Grüße aus Tübingen
Christoph Anrich

Wer soll die Neuen Menschenrechte durchsetzen?

Frage von Johanna Pareigis

Lieber Jean-Pol, was sagst du dazu: wer soll die Menschenrechte durchsetzen?
LG, JoHanna

Meine Antwort:

Du, liebe Johanna, und ich.

Du, indem du
1. die Menschen um dich herum mithilfe der Kärtchen anregst, zu überlegen, welche Bedürfnisse sie haben und in welchem Maße sie befriedigt sind;
2. sie anregst zu überlegen, welche strukturelle Veränderungen notwendig sind, damit sie Chancen haben, ihre Bedürfnisse zu befriedigen;
3. sie motivierst, politisch vor Ort zu handeln, um zu testen, ob ihre Ideen für strukturelle Veränderungen umsetzbar sind.

Ich, indem ich

Erfahrungen sammle und permanent konzeptualisiere. Wie jetzt gerade!
Das ist ganz einfach!
LG, Jean-Pol

Christoph Anrich: „LdL als lebenslange Chance“

Wir müssen gute Lern- und Lehrprozesse aufgreifen. LdL bietet diesbezüglich gewaltige Chancen. Im zweiten Schritt sollte man in wesentlichen Lebenswelten mit den Betroffenen Maßnahmen thematisieren, wie man die konkreten Lebenssituationen verbessern kann. Dadurch gelingt es, die wesentlichen Themen, wie Gesundheit, Menschenrechte, Umweltschutz, Partizipation an der Gesellschaft und Aspekte der Sicherheit und Mitbestimmung in den jeweiligen Gruppen angemessen zu durchdenken. Ziel und Sinn muss sein, in den spezifischen, aber klaren Lebenssitutionen jeweils eine sinnvolle, motivierende Entwicklung nicht nur anzuregen, sondern stimmige Überzeugungen auch tatsächlich umzusetzen. Wir habe über LdL lebenslang die Möglichkeit, uns in bedeutende Entwicklungen selbst und aktiv einzubringen. Die Gestaltung einer lebenswerten Welt motiviert und begeistert. Sie vermittelt Sinn.

Link: „Christoph Anrich: Bildung und Lernen – Lernen durch Lehren (LdL)“

Christoph Anrich: „Lernen durch Lehren (LdL)“

© Christoph Anrich Fachsportlehrer

Bildung und Lernen –Lernen durch Lehren (LdL) – nach Prof. Dr. Jean-Pol Martin

Ziel unserer Aus-und Fortbildung ist ein gutes Orientierungswissen mit effektivemVerfügungswissen für die Umsetzung in der Praxis.

1.Wie kann Lernen und Denken in den unterschiedlichen Ebenen in einer guten Weise gefördert werden?

2.Was müssen wir beachten, bzw. können, damit die Fortbildung technisch gelingt (z.B. Gruppenräume für Gruppenarbeit nutzen)?

3.Welche interaktiven (digitalen) Tools können wir anwenden?

4.Wie gelingt es, 450 Unterrichtseinheiten attraktiv für die Teilnehmer zu gestalten?

5.Wie lernen diese neurowissenschaftlich betrachtet optimal?

6.Welche Aspekte von Lernen durch Lehren (LdL) sind für uns hilfreich?

Der ganze Text:

Innovationen 1980-2021…

Bottom-up

Alle Innovationen beruhen auf einer bottom-up Perspektive. Bei Lernen durch Lehren unterrichten nicht mehr die Lehrer sondern die Schüler. Das neue Menschenbild konzentriert sich auf die Bedürfnisse, insbesondere die Selbstverwirklichung und die Partizipation. Die Ingolstädter Geistesgeschichte zeigt den Prozess der intellektuellen Emanzipation der Bürger am Beispiel einer Stadt. Die Neuen Menschenrechte liefern einen bedürfnistheoretisch und kontrolltheoretisch fundierten Hebel, um gemeinsam „glückbringende“ Strukturen von unten nach oben durchzusetzen. Um diesen Hebel zur Anwendung zu bringen, müssen besonders die Bedingungen für produktives Denken geschaffen werden.

1984: Lernen durch Lehren

2004: Internet- und Projektkompetenz (IPK)

2014: Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein?

2015: Ingolstadts Geistesgeschichte

2018: Neue Menschenrechte

2021: Art.1: Das Recht auf Denken

Vorbereitung des Auftrittes am 04.03. bei Dr.Johanna Pareigis

Anmeldung unter www.secure-lernnetz.de/formix Kennziffer SIN0785 Der Einladungslink wird nach Anmeldung vor der Veranstaltung zugesendet.

Einführung durch Johanna

1.Isabelle: Was ist LdL?

Was machen die Schüler genau, insbesondere diejenigen, die den neuen Stoff vorstellen? Welche Kompetenzen zeigen sie damit? Was macht der Lehrer? Wie hat er die Stunde vorbereitet? Auszug aus Fernsehbericht 1984: 2:41-6:44

2.Isabelle: LdL-Theorie.

Isabelle verteilt Theoriebausteine auf verschiedene TN-Gruppen. Diese Bausteine werden nach einer knappen Vorbereitungszeit von den einzelnen Kleingruppen im Plenum vorgestellt. Isabelle erläutert, wie sie die Theorie in ihren Klassen einführt. Aufsätze: Weltverbesserungskompetenz als Lernziel? Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Gücksquelle.

3.Nicole: Neue Menschenrechte

Nicole arbeitet mit den Kärtchen. Arbeitsauftrag für kleinere Gruppen: sind unsere Bedürfnisse befriedigt? Sind die Bedürfnisse unserer Schüler*innen befriedigt? Was müsste verändert werden, um die Umweltbedingungen zu optimieren, die wir zur Befriedigung unserer Bedürfnisse vorfinden? Und wie ist es in der Gesellschaft? Was ist die Top-down Problematik! Was sind die falschen Mindsets?

Abschluss im Plenum

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Weiterführender Theoriebaustein: Top-down UND Bottom-up als dialektischer Prozess

Kurzbibliographie: Lernen durch Lehren (LdL) und Neue Menschenrechte (NMR)

Nicole Kern: Was bedeuten die „Neuen Menschenrechte“ für jugendliche „Systemsprenger“? In: Simon W. Kolbe, Jean-Pol Martin, Margret Ruep (Hrsg): Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriele Schäfer Verlag. Herne. 2020. (149-171)

Jean-Pol Martin: Weltverbesserungskompetenz als Lernziel? In: Pädagogisches Handeln – Wissenschaft und Praxis im Dialog. 6. Jahrgang, Heft 1, 2002, S. 71–76

Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360. ISBN 978-3-556-07336-0.

Isabelle Schuhladen:  Lernen durch Lehren: eine Methode für das 21. Jahrhundert. In: Simon W. Kolbe, Jean-Pol Martin, Margret Ruep (Hrsg): Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriele Schäfer Verlag. Herne. 2020. (190-215)

Isabelle Schuhladen: Lernen durch Lehren, ein agiles Konzept in der Praxis. In: Tim Kantereit, Christof Arn, Heinz Bayer, Veronika Lévesque, Douglas MacKevett (Hrsg) : Agilität und Bildung. Visual Ink Publishing. 2021. (140-147)

NMR-Artikel 1: Recht auf Denken. Kontrolle (Theorie-Überblick)

Denken: Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung

Zentraler Begriff: Kontrolle (=>Lebenserhaltung) – Kontrollinstrument: Gehirn (=>Denken)

Damit wir als Gesellschaft unsere Probleme lösen, müssen wir unser kollektives Denken permanent optimieren.  Das kollektive Denken erfolgt in den Führungsschichten. Wir müssen mehr intellektuelle Ressourcen mobilisieren. Wir brauchen mehr bottom-up.

Warum ist es so schwer?

1.Kontrolle als zentrales Bedürfnis (Lebenserhaltung)

2.Kontrolle induziert Top-down-Struktur

-Selbstreferenzialität

-Eigene Mindsets und eigene Terminologie

-Abschottung nach außen und Zugang nur über Insiderkontakte und gruppenkonformen Habitus

-Hohe Affinität zur Autokratie/Oligarchie

-Somit entsteht eine undurchdringliche Machtblase (Verwaltungen, wissenschaftliche communities, Unternehmen, Parteien, Vereine, stabile Gruppen…)

3.Mindsets: Top-down wird kulturell durch die Tradition gefestigt: Pythagoras, Platon, Augustinus, Christentum, Islam, Totalitarismus

4.Mehr bottom-up

-Von unten nach oben

-Gespeist aus allen möglichen Quellen

-Verschiedene Mindsets und Terminologien

-Offen nach außen und Zugang für jede/n

5.Politisch: Bürgerbeteiligung

6. Wir müssen bessere Beteiligungsstrukturen entwickeln, damit die kollektive Reflexion („Eliten“) an Qualität gewinnt.

7. Hebel: Neue Reflexion über unsere Bedürfnisse (NMR) führt zu Gestaltung von neuen, bedürfnisorientierten Strukturen.

AEMR sind top-down. NMR sind bottom-up.

Neue Mindsets von Anfang an vermitteln. Sofort mit den Kärtchen in der Grundschule anfangen.

Top-down UND bottom-up!

Seit Beginn der Menschheit herrscht das Top-down-System, weil es der Natur des Menschen entspricht (Kontrollbedürfnis). Dessen Merkmale:

Top-down:

  • Von oben nach unten
  • Hochgradige Selbstreferenzialität
  • Eigene Mindsets und eigene Terminologie
  • Abschottung nach außen und Zugang nur über Insiderkontakte und gruppenkonformen Habitus
  • Hohe Affinität zur Autokratie/Oligarchie

Somit entsteht eine undurchdringliche Machtblase (Verwaltungen, wissenschaftliche communities, Unternehmen, Parteien, Vereine, stabile Gruppen…)

Inzwischen sieht man immer deutlicher die Nachteile eines solchen Musters: Die beschriebene Struktur verhindert Veränderungen und die permanenten Anpassungen, die zur Erhaltung des Systems notwendig sind. Der Veränderungsdruck kommt von innerhalb des Systems oder aus der Umwelt. Modernisiert sich das System nicht, so führt es zu dessen Auflösung.

Nun wird überall versucht, ein Bottom-up Komponente zu integrieren:

Merkmale einer Bottom-up Struktur:

  • Von unten nach oben
  • Gespeist aus allen möglichen Quellen
  • Verschiedene Mindsets und Terminologien
  • Offen nach außen und Zugang für jede/n
  • Hohe Affinität zur Demokratie. Starke Ressourcenorientierung.

Somit entsteht ein offenes System, das allerdings wenig kohärente und nachhaltige Identität aufweist.

Anzustreben ist also eine gute Mischung Top-down/Bottom-up. Das Problem ist, dass im Gegensatz zur Top-down-Struktur, die seit Jahrtausenden völlig internalisiert ist, die Bottom-up Komponente recht neu ist und sich gegen heftige Widerstände durchsetzen muss. Ferner ist noch viel trial-and-error notwendig, bis die Mischung Top-down/Bottom-up gut funktioniert.

Isabelle in der Augsburger Allgemeinen

Isabelle Schuhladen, Realschule Meitingen: Wenn Schüler zu Lehrern werden

Quelle: Augsburger Allgemeine

Isabelle Schuhladen unterrichtet nach einer Methode, die in Lehrerkreisen gerade in aller Munde ist – und die sich problemlos im Distanzunterricht anwenden lässt: Lernen durch Lehren. „Das A und O dieser Methode ist, dass die Schüler sich den neuen Stoff gegenseitig erklären und reflektieren“, sagt die 43-Jährige, die an der Realschule Meitingen (Kreis Augsburg) Französisch unterrichtet. Die Annahme: „Wenn ich in der Lage bin, jemanden was zu erklären, kann ich auch davon ausgehen, dass ich es verstanden habe.“ Viele Jahre lang seien Schüler vor allem „mit Arbeitsblättern gefüttert“ worden, sagt Isabelle Schuhladen. Corona sei ein Weckruf, dass sich etwas ändern müsse. „In der Kultur der Digitalität nimmt der Lernende sein Lernprozess in die Hand.“

Die Französischlehrerin gibt auch Fortbildungen in der Methode Lernen durch Lehren, kurz LDL, die auf den Didaktiker Jean-Pol Martin zurückgeht, bei dem Schuhladen einst in Eichstätt studierte. „Hochmotivierte Leute“, nähmen daran teil. „Sie sagen: Ja, diese Tipps sehe ich mir an.“

Isabelle Schuhladen praktiziert seit vielen Jahren "Lernen durch Lehren".
Isabelle Schuhladen praktiziert seit vielen Jahren „Lernen durch Lehren“. Bild: Schuhladen

Wie könnte so eine LDL-Schulstunde im Distanzunterricht aussehen? Beispiel aus Schuhladens 8. Klasse: Zwei Schüler haben eine interaktive Präsentation zu einem Thema vorbereitet, die Klasse ist stets aktiv und denkt mit. Bei der Online-Stunde über Microsoft Teams wird sie mit der Klasse gemeinsam weiter ausgefüllt, die letzte Folie gestaltet jeder Schüler als Hausaufgabe selbst. Und die Lehrerin? „Ich interveniere nur, wenn ich wirklich muss. Bei LdL herrscht eine Fehlerkultur: Wir gehen sehr offen mit Fehlern um, sie sind erlaubt und sogar erwünscht“.

Jede Klasse hat neben Microsoft Teams ein Padlet (eine Online-Plattform, die Redaktion), wo die Schüler ihre Produkte teilen und Feedback bekommen. Dank des Teilens bekommen die Schüler neue Impulse und ergänzen sich gegenseitig. Hier finden sie weitere Tipps und Ideen: zusätzliche Übungen zur Vertiefung, Podcasts, interessante Links passend zu den aktuellen Themen.

Auch Schüler müssten die neue Methode erst lernen, sagt die Lehrerin. „Das Schöne daran ist: Die Schüler lernen wieder, neugierig zu sein. Sie vernetzen sich mit anderen. Sie lernen Selbstverantwortung – und das ist es, was man im Leben braucht.“

Wie Isabelle LdL in Online-Fortbildungen einführt.

Es gelingt Isabelle Schuhladen Le Bourhis in ihren Online-Fortbildungen die anspruchsvolle LdL-Theorie, in der sie ihre Welt eingerichtet hat, faszinierend darzustellen. Sie erklärt, dass, wenn sie eine neue Klasse erhält, sie als erstes den sehr komplexen Aufsatz „Weltverbesserungskompetenz als Lernziel?“ in Abschnitten aufteilt und die Schüler*innen bittet, in kleinen Gruppen die Textpassagen zu verstehen und im Anschluss im Plenum der ganzen Klasse zu vermitteln. Dieser Prozess kann eine Woche oder länger dauern. Die Schüler*innen werden auf diese Weise mit der LdL-Theorie vertraut gemacht, die als Referenzbasis für den ganzen Unterricht dient. Zum Abschluss werden die Schüler*innen gefragt, ob sie nach dieser Methode arbeiten wollen.

In der Fortbildung selbst werden die TN also als erstes mit der LdL-Theorie konfrontiert, ohne zu wissen, was LdL genau ist und wie LdL funktioniert. Auf dem Hintegrund der Theorie erklärt Isabelle nun schrittweise, konkret welche Maßnahmen und Techniken LdL ausmachen. Also die Aufteilung des Lernstoffes auf Zweier- maximal Dreiergruppen. Jede Gruppe muss einen Abschnitt vermitteln, wobei der Stoff von den Schüler*innen didaktisiert wird, was LdL deutlich von einem traditionellen Projektunterricht unterscheidet. Die Schüler*innen prüfen, ob der Stoff verstanden und verinnerlicht wurde und verteilen Arbeitsaufträge in der Übungsphase.

Man erfährt auch, dass zu Beginn zwar mit dem Lehrwerk gearbeitet wird, denn es ist die Grundlage für den Wissenserwerb nach dem gültigen Lehrplan, aber dass nach der Lehrwerkphase die Schüler*innen selbst ihre Themen wählen, die Inhalte aus dem Netz heraussuchen und ihren Mitschüler*innen nach der LdL-Methode vermitteln.

Mit diesem Aufbau der Fortbildung lädt Isabelle also die TN ein, über den Weg der Theorie in ihre Alltagspraxis hineinzuschauen! Ein ganz origineller Zugang, der den Umweg über die etablierte „Wissenschaft“ erspart und dennoch zur Wissenschaft führt! Hervorragend!