Warum sollen wir uns explorativ verhalten?

Davon ausgehend, dass das zentrale, alles einschließende Bedürfnis des Menschen in der Kontrolle seines Lebensfeldes besteht (Lebenserhaltung), so entspricht exploratives Verhalten einer Ausdehnung von Kontrolle.

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45 Minuten

15 Minuten: Vorstellung des Konzeptes

15 Minuten: Gespräche in Zweiergruppen: Welche Bedürfnisse werden durch exploratives Verhalten befriedigt?

15 Minuten: Auswertung im Plenum

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1.Exploratives Verhalten führt zur Ausdehnung der kognitiven Kontrolle

Definition: Unter explorativer Haltung versteht man die Bereitschaft von Menschen, sich in Situationen zu begeben, die ein hohes Maß an Unbestimmtheiten enthalten.

Explorative Menschen suchen Felder auf, mit denen sie nicht vertraut sind, und versuchen, sich in diesen Feldern problemlösend zu behaupten. Jede auf diese Weise gewonnene Erfahrung wird zu einem abstrakten, kognitiven
Schema
verarbeitet. Je mehr Erfahrungen, desto mehr Schemata, desto breiter die kognitive Landkarte. Eine breite kognitive Landkarte sichert Kontrolle über mehr Bereiche, sie ermöglicht eine schnellere Verarbeitung neuer Eindrücke und schützt vor emotionalen Einbrüchen. Sie sichert, dass neue Situationen erfolgreich bewältigt werden. Das Gefühl der Kontrolle festigt sich, das Selbstbewusstsein wächst und dadurch die Bereitschaft, unbekannte Felder anzugehen, also sich erneut explorativ zu verhalten.

Flow als Belohnung: Gefühl des Fließens, des Aufgehens in einer Handlung.

  • Unbekannte Felder betreten, Neues entdecken;
  • Situationen mit offenem Ausgang, für die man die Verantwortung trägt;
  • Probleme lösen, hohe Anforderungen bewältigen;
  • Ausschöpfen der eigenen Ressourcen;
  • Gefühl der Selbstentgrenzung;
  • Kontrolle über das eigene Handeln und das Umfeld.

2. Welche Kontrollbedürfnisse werden durch exploratives Verhalten befriedigt? Welche Hindernisse stehen uns im Alltag im Wege, wenn wir uns explorativ verhalten wollen? Mit welchen Massnahmen können wir (noch) mehr Kontrolle gewinnen?

Materialien:

Mehr zum Thema Exploratives Verhalten

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Educamp 2014, 45 Minuten

Kontakt

Prof.Dr.Jean-Pol Martin
Ludwigstraße 40
D-85049 Ingolstadt

jpm@ldl.de
Tel. +49.841.12816507
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pol_Martin
Blog: https://jeanpol.wordpress.com

Was Top-down mit uns anstellt.

Bottom-up die Welt verändern! Mehr Kontrolle gewinnen! – Können wir unsere Bedürfnisse in unserer Alltagswelt so befriedigen, dass wir uns glücklich fühlen? Welche Veränderungen müssten wir in unserer Lebenswelt vornehmen, um unsere Situation (noch) zu verbessern?“

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45 Minuten

15 Minuten: Vorstellung des Konzeptes

15 Minuten: Gespräche in Zweiergruppen: 1. Welche Bedürfnisse werden erfüllt? 2. Was muss noch verändert werden?

15 Minuten: Auswertung im Plenum

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1.Woher kommt das Top-down-Modell?

Das Kontrollbedürfnis als übergreifendes Motiv

Top-down

  • Von oben nach unten
  • Hochgradige Selbstreferenzialität
  • Eigene Mindsets und eigene Terminologie
  • Abschottung nach außen und Zugang nur über Insiderkontakte und gruppenkonformen Habitus
  • Hohe Affinität zur Autokratie/Oligarchie

Auswirkungen auf das Verhalten der Akteure

  • In der Partnerschaft
  • Im sozialen Umfeld

Auswirkungen auf die Gefühle der Betroffenen

  • Fremdbestimmung
  • Hiflosigkeit

Auswirkungen auf die Struktur der Gesellschaft

Hierarchie – Entstehung von Machtblasen (Verwaltungen, wissenschaftliche communities, Unternehmen, Parteien, Vereine…)

2. Wir wollen bottom-up

Materialien:

Mehr zum Thema Top-down vs. bottom-up

LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Interview mit Nicole Kern

Kontakt

Prof.Dr.Jean-Pol Martin
Ludwigstraße 40
D-85049 Ingolstadt

jpm@ldl.de
Tel. +49.841.12816507
http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pol_Martin
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LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Theorie-Austattung für die Gründung von autonomen, vernetzten Gruppen mit dem Ziel einer breiten bottom-up Transformation der Gesellschaft.

Der Anfang von LdL (spezifisch für den Fremdsprachenunterricht)

1.Für eine Übernahme von Lehrfunktionen durch Schüler (1986)

2.Schüler in komplexen Lernumwelten (1988)

LdL/NMR-Theorie für Anfänger („Weltverbesserungsansatz“)

Aufsätze

1.„Weltverbesserungskompetenz“ als Lernziel? (2002)

2. Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)

Terminologie (bei Bedarf)

6 zentrale Begriffe im Rahmen meines Modells

LdL-Glossar

Das LdL/NMR-Team

Akteur*innen

Materialien

Neue Menschenrechte: Leporello

LdL/NMR-Theorie für Fortgeschrittene (Neue Menschenrechte)

Aufsätze

1.Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität (2009)

2.Neubegründung und Reformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (2020)

3. Neue Menschenrechte: Artikel 1 – Das Recht auf Denken (2021)

Für Besessene

Alle meine Aufsätze (38 an der Zahl)

6 Module für Sessions auf Workshops und Barcamps – Jeweils 45 Minuten

1. Top-down vs. bottom-up 2.Dialektisches Denken 3.Zentripetal vs. zentrifugal 4.Exploratives Verhalten. 5.Neuronenverhalten 6.Antinomien

Weiterführende Literatur

Kolbe, S.W., Martin, J.-P., Ruep, M. (Hrsg.) (2020): „Neue Menschenrechte“? – Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriel Schäfer Verlag. Herne.

LdL/NMR-Theorie für Anfänger

Aufsätze

1.„Weltverbesserungskompetenz“ als Lernziel? (2002)

2. Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)

Terminologie (bei Bedarf)

LdL-Glossar

Das LdL/NMR-Team

Akteur*innen

Materialien

Neue Menschenrechte: Leporello

Kärtchen:

LdL/NMR-Theorie für Fortgeschrittene

Filed under: Aktionsforschung, Bürgerbeteiligung, Glück, Informationsverarbeitung, Integration,

Zentripetale vs. zentrifugale Kräfte

Systeme bleiben dadurch stabil, dass sich zentripetale und zentrifugale Kräfte im Gleichgewicht halten. Gelingt es nicht, so löst sich das System auf (die zentrifugalen Kräfte sprengen das System) oder es erstickt. Diese Metapher hilft, zahlreiche Phänomene innerhalb der Gesellschaft zu beschreiben.

Innerhalb von Gruppen entstehen explizit oder implizit Hierarchien, die u.a. die Wirkung haben, dass die Gruppe am Leben gehalten wird. Die Führung hat die Aufgabe, die Ziele der Gruppe im Auge zu behalten und die Aktivitäten der Gruppe so zu gestalten, dass die Ziele erreicht werden. Dies gilt für Vereine, für Unternehmen, für Institutionen, für Jugendbanden und für Staaten. Meist ergibt sich, dass die Ziele, die von der Führung verfolgt werden, von denen der einzelnen Gruppenmitglieder tendenziell abweichen. Dies kann daran liegen, dass die Mitglieder per Zufall in die Gruppe gerieten und von Anfang an den Zielen gegenüber ablehnend oder indifferent standen, dies kann auch daran liegen, dass die Ziele der Gruppe, die von der Führung immer wieder an die sich verändernde Situation angepasst wurden, sich allmählich von den Wünschen des Einzelnen entfernt haben. Auf jeden Fall besteht immer eine Situation, die zu einem Gegenüber von zentripetalen und zentrifugalen Kräften führt. Es entwickelt sich ein Prozess, der bewirkt, dass eine Position eine Gegenposition hervorruft, die im Sinne eines Konsenses dialektisch integriert werden muss. In der Regel ist es die Führung, die durch ihre Funktion permanent die Ziele der Gruppe im Fokus behält (Integration), Vorschläge unterbreitet und auf Widerstand stößt, weil die Einzelnen ihre partikularen Ziele verfolgen (Ausdifferenzierung), die nur selten völlig konform mit dem Ziel und Wohl der Gruppe gehen.

Wozu soll man sich explorativ verhalten?

Quelle: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)

„(…)

2.2.4 Exploratives Verhalten und Flow


Es besteht der Drang, die kognitive Kontrolle zur Lebensgestaltung nicht nur zu erhalten sondern auch auszudehnen. Es werden weitere Handlungsfelder gesucht und kognitiv durchdrungen. Dies gilt für den Raum, aber auch für die Zeit. Man möchte andere Länder kennen aber auch andere, vergangene Epochen und auch in die Zukunft blicken. Diese Haltung sollte im Unterricht unterstützt werden. Dörner (1983, S. 331 ff.) untersucht die Merkmale erfolgreicher Problemlöser und hebt ihre explorative Haltung hervor. Unter explorativer Haltung versteht man die Bereitschaft von Menschen, sich in Situationen zu begeben, die ein hohes Maß an Unbestimmtheiten enthalten. Die logische Kette lässt sich folgendermaßen beschreiben: explorative Menschen suchen Felder auf, mit denen sie nicht vertraut sind, und versuchen, sich in diesen Feldern problemlösend zu behaupten. Jede auf diese Weise gewonnene Erfahrung wird zu einem abstrakten, kognitiven Schema verarbeitet. Je mehr Erfahrungen, desto mehr Schemata, desto breiter die kognitive Landkarte. Eine breite kognitive Landkarte sichert Kontrolle über mehr Bereiche, sie ermöglicht eine schnellere Verarbeitung neuer Eindrücke und schützt vor emotionalen Einbrüchen. Sie sichert, dass neue Situationen erfolgreich bewältigt werden. Das Gefühl der Kontrolle festigt sich, das Selbstbewusstsein wächst und dadurch die Bereitschaft, unbekannte Felder anzugehen, also sich erneut explorativ zu verhalten. Exploratives Verhalten muss belohnt werden. Das mit explorativem Verhalten im Erfolgsfall erreichte Kontrollgefühl findet seinen Höhepunkt in dem von Csikszentmihalyi (1999) beschriebenen Flow-Effekt. Aus seiner Sicht ist Flow ein Gefühl des Fließens, des Aufgehens in einer Handlung. Die Voraussetzung sind folgende:


• Unbekannte Felder betreten, Neues entdecken;
• Situationen mit offenem Ausgang, für die man die Verantwortung trägt;
• Probleme lösen, hohe Anforderungen bewältigen;
• Ausschöpfen der eigenen Ressourcen;
• Gefühl der Selbstentgrenzung;
• Kontrolle über das eigene Handeln und das Umfeld.

Im Prinzip kann jede anspruchsvolle explorative Aktivität zu Flow führen. Sportarten wie Segeln oder Reiten weisen die Merkmale auf, die Flow induzieren. Unterricht halten, Vorträge, Workshops sind meist mit Flow verbunden, wenn man die Kontrolle über den Prozess behält. (…)“

Ergänzungen zu Maslow

Sollen weltweit Strukturen geschaffen werden, die für die Entfaltung und das Glück der Menschen förderlich sind, so müssen sie folgende Kriterien erfüllen:

Ausgangspunkt: Neue Menschenrechte (Kärtchen – Punkte 2 bis 6 von Maslow inspiriert)

Ergänzungen:

1. Sie müssen Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung (Denken) in hohem Maße fördern, insbesondere durch Partizipation und Bürgerbeteiligung.

2. Sie müssen den kontinuierlichen Aufbau von Kontrolle ermöglichen.

3. Sie müssen exploratives Verhalten und den Ausbau von kognitiven Landkarten fördern.

4. Sie müssen dialektisches Denken anregen und notwendig machen.

Quelle: Neubegründung und Reformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte S. 123 (2020)

Nicole Kern: Was bedeuten die NMR für jugendliche „Systemsprenger“?

In: Simon W. Kolbe, Jean-Pol Martin, Margret Ruep (Hrsg): Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriele Schäfer Verlag. Herne. 2020. (149-171), 2020

NMR. Artikel 1. Das Recht auf Denken

Christoph Anrich zum Begriff der Kontrolle im Zusammenhang mit den Neuen Menschenrechten

„Wir müssen die Kontrolle über die Bedürfnisse der Menschen erhalten, denn sonst diktiert der Strukturwandel, wie wir leben. Das wäre kein Problem, wenn der Maßstab stimmen würde. Die Neuen Menschenrechte bieten ein sinnvolles Fundament, auf dem die Wandlungen innerhalb der digitalen Transformation besser gelingen. Damit Sicherheit und Gesundheit, demzufolge auch Lebensfreude erfahren werden können, müssen wir die verschiedenen Sichtweisen stimmig gewichten. Diese Kontrolle hilft, um Prioritäten nachvollziehbar zu erklären. Darüber müssen wir reden und schreiben. In allen Lebenswelten benötigen wir eine Orientierung, um klug entscheiden zu können. Es ist gegenwärtig bedeutsam, dass die Chancen von stimmigen Konzepten die Menschen ermutigen, das Sinnvolle zu tun.“