Siegfried Dengler: die Kreativstadt.

Resume Wer als Bürger die eigene Stadt (noch) attraktiver machen möchte, sucht nach Perspektiven: ein Weg ist, Kreative anzuziehen und zu behalten.

1. Siegfried Denglers Buch

In seiner Schrift „Kultur als Chance und Impuls für die Stadtentwicklung“ (Leipzig 2010) hebt der Ingolstädter Siegfried Dengler u.a. die Bedeutung von „Kreativen“ hervor.  Seine Frage: „Wer sind die Kreativen, wo leben sie und in welchem Zusammenhang steht Kreativität mit regionaler und städtischer Entwicklung?“ Ich bediene mich aus seinem Werk:

2. Kreativität

Unter Kreativität versteht man gemeinhin die Fähigkeit, schöpferisch zu sein und dabei neue Lösungen für bestehende oder neue Aufgabenstellungen zu finden.

3. Die Arten von Kreativität

Richard Florida (2002) unterscheidet drei Arten von Kreativität:

– technologische Kreativität, Invention und Innovation,

– ökonomische Kreativität, Entrepreneurship,

– künstlerische und kulturelle Kreativität.

Florida vertritt die These, dass sich die drei Arten von Kreativität gegenseitig beeinflussen, verstärken und in der Lage sind, die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt und einer Region zu beeinflussen. Nicht nur die unternehmerisch tätigen Kreativen sind von Interesse, sondern auch die anderen beiden Gruppen, da sich diese gegenseitig anziehen würden. Kreative Menschen richten sich bei der Wahl ihres Wohnortes nicht ausschließlich nach dem Arbeitsplatzangebot, sondern mindestens gleichbedeutend wären Faktoren wie die Vielfalt des kulturellen Angebotes, Toleranz und Offenheit gegenüber neuen Ideen, anderer Herkunft, sexueller Orientierung und Kleidungsstilen. Kreative legen mehr Wert auf kleinteiliges und reichhaltiges kulturelles Angebot, ein attraktives Nachtleben als auf traditionelle Kulturbereiche. Als Indikatoren für die drei T der ökonomischen Entwicklung – Technology, Talent, Tolerance – führt Florida verschiedene Maßzahlen ein. Zum Beispiel der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung, den Anteil der Menschen in künstlerischen Berufen („Bohemien“) oder den Anteil homosexueller Paar in der Bevölkerung. Nach Florida sind die Kreativen auf wenige Standorte konzentriert und der Grund dafür, dass besondere wirtschaftliche Impulse von diesen Agglomerationen ausgehen. Die kreative Klasse setzt sich aus Menschen zusammen, deren hauptsächliche Arbeit darin besteht, Probleme zu identifizieren, neue Lösungen zu entwickeln beziehungsweise vorhandenes Wissen neu zu kombinieren.

4. Hauptgruppen

Florida untereilt die Kreative Klasse in zwei Hauptgruppen, die Klasse der Hochaktiven und die der Kreativen Professionals. Der Kern der Kreativen Klasse, die Hochkreativen, erzeugen Wissen, sind innovativ, erfinden, melden Patente an. Zu ihnen gehören Ingenieure, Architekten, Naturwissenschaftler, Computerspezialisten, Ärzte, Lehre, Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaftler. Die Gruppe der Kreativen Professionals arbeitet überwiegend in wissensintensiven Berufen beispielsweise als Anwälte, Manager, Techniker oder medizinischen Angestellte. Eine Sonderrolle wird den „Bohemiens“ zugewiesen, die den künstlerisch aktiven Teil der Kreativen Klasse darstellen. Künstler, Musiker, Publizisten, Artisten und Designer tragen zwar meist nicht direkt zur wirtschaftlchen Entwicklung bei, bilden aber einen wichtigen Indikator für die Offenheit und Vielfältigkeit einer Region und erhöhen die Anziehungskraft auf die Hochkreativen und Kreativen Professionals.

Fazit Konform zu den Überlegungen von Peter Kruse über die Schaffung intelligenter Systeme stellt Dengler fest, dass eine Stadt sich divergenten Impulsen öffnen muss. Die Divergenzen erhöhen die Kreativität. Dies gilt auch für Parteien: die Ingolstädter Grünen öffnen sich und steigern ihre Attraktivität!

9 Antworten

  1. schön zusammengefasst.
    bin natürlich etwas betrübt, dass du meine anstrengungen zur kreativen stadt seit 2008, auch zur ergänzung der drei florida-Ts um das vierte T nicht goutiert hast. – hab wahrscheinlich zu wenig pertubiert, nachdem im wahlkampf monatelang keiner das thema „kreative stadt“ erkannt hat.
    jetzt schau ich euch mal zu, aus ihr daraus macht

  2. Kreativität „lauert“ an jeder Ecke in der Stadt – oft sieht man sie gar nicht, weil man sich nicht an diese Menschen „traut“.

    Bestes Beispiel hier in Dresden ist die Semperoper, http://semperoper.de. Was auf den ersten Blick lediglich wie ein „normaler“ Kulturbetrieb aussieht – ist tatsächlich einer der „kreativen Bienenkörbe“ der Stadt.

    Innerhalb der ca. 800 Angestellten finden sich von der Opernsängerin, über Balletttänzerin hin zum Dirigenten und zum Bühnenbauer alle möglichen Berufe. Dazu kommt, dass große Teile des Ensembles aus aller Herren Länder kommen. Manche, Valda Wilson, http://twitter.com/valdissima, nehmen eine Boundary Spanning Rolle ein, sie sind Bindeglied zwischen der Oper und anderen Gruppen. Valda, die aus Australien stammt nutzt in wundervoller Weise das Medium Twitter, um dies zu erreichen. Meist ist es Boundary Spannern nicht bewusst (auch ich wurde erst vor einigen Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass ich diese Rolle innehabe).

    Boundary Spanners sind die „Verbinder“, die neue kreative Entwicklungen und Innovationen ermöglichen.

    Vielen Dank für den wunderbaren Beitrag und die Anregungen, wie Städte ihre eigene Kreativität wiederentdecken können.

    Grüße aus Dresden, Ralf

  3. @Petra: Die Überschrift heißt „Sigfried Dengler: die Kreativstadt“. Das ist doch ein Einstieg in die Thematik, jetzt aus meiner Sicht. Ist es nicht ein guter Anlass für dich, deine neuen Ideen hier und woanders einzubringen. Du weisst ja: redundant überall einspeisen…
    @Ralf: herzlichen Dank für die tollen Beispiele aus Dresden! Zufällig habe ich eine junge Bekannte, eine Französin, die an der Oper tanzt. Ihr Mann ist Maler und recht erfolgreich. Beide schwärmen von der internationalen, extrem offenen Stimmung!

  4. @Petra
    Also erzähle doch: was ist das vierte T? Willst du deine Gedanken nicht auf dem KV vortragen? Meine eigenen Ideen (z.B. LdL) habe ich dreißig Jahre lang hunderte von Malen erläutert, ohne die Geduld zu verlieren!

  5. man muss sich auch mal andere foren suchen, die einen wahrnehmen, unterstützen, inspieren …
    ich werde euch schon zuhören, wenn ihr das weiterentwickelt

  6. @ Jean-Pol,

    du kennst mich ja, ich bin ein Praktiker.🙂 Deshalb meine Frage: „Wie kommen wir zu Handlungsempfehlungen“?

  7. @Herbert
    Als erstes muss das Problem definiert werden und das haben wir gerade getan. Dann müssen Strategien entwickelt werden, und wir sind dabei…

  8. […] Ich stütze mich auf meinen Blogeintrag von gestern („Siegfried Dengler: die Kreativstadt„) und auf die Erkenntnis, dass Diversität Kreativität fördert. Gestern war ich auf dem […]

  9. […] Hamburg 2010 – Die Ingolstädter Grünen – Bottom-up in Ingolstadt: Kreativstadt – Ingolstädter […]

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