Das Streben nach Macht – auch in Twitter?

Resume Ich definiere Macht als die Möglichkeit eines Zugriffs auf Quellen der Bedürfnisbefriedigung. Dazu zählen soziale Ressourcen und Informationen.  So gesehen finden auch in Twitter Verteilungskämpfe statt (ob es den Twitterern gefällt oder nicht).

1. Macht als  Möglichkeit des Zugriffes auf Quellen der Bedürfnisbefriedigung

Nach einem weitverbreiteten Verständnis des Wortes bezeichnet Macht die Fähigkeit von Individuen und Gruppen, auf das Verhalten und Denken sozialer Gruppen oder Personen – in ihrem Sinn und Interesse – einzuwirken„, soweit di Wikipedia-Definition. Natürlich werden in dieser Beschreibung nur bestimmte Aspekte hervorgehoben, so dass sie nicht operationalisierbar ist. Ich versuche eine Definition zu finden, die alle Wirkungsbereiche abdecken. Wie immer ist die Maslowsche Bedürfnispyramide sehr hilfreich. Wenn man davon ausgeht, dass die Maslowsche Pyramide alle Bedürfnisse erfasst, und wenn man ferner meint, dass alle menschlichen Handlungen nur ein Ziel haben, nämlich die Bedürfnisbefriedigung, dann ist das Streben nach Macht permanent und legitim. Auch in Twitter. In Twitter werden Bedürfnisse nach sozialer Einbindung,  sozialer Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn befriedigt, sowie nach Informationsverarbeitung (einem Grundbedürfnis, das ich in Ergänzung zu Maslow eingeführt habe). Soweit so gut. Das Problem ist nur, dass die von Twitter befriedigten Bedürfnisse keine Grenzen kennen (im Gegenteil zu den physiologischen Bedürfnissen). Wir wollen immer mehr Followers, immer mehr Zuspruch, immer mehr Informationen. Und da das Angebot an interessanten Followers und interessanten Informationen begrenzt ist, gibt es Verteilungskämpfe. Einige Twitterer emergieren im Twitterhirn und andere nicht.

2. Warum diese Beschreibung den Twittern nicht schmeckt.

An anderer Stelle habe ich beschrieben, dass wir uns im Spannungsfeld antinomischer Bedürfnisse bewegen: wir wollen Ruhe aber gleichzeitig Bewegung, wir wollen für uns sein, aber gleichzeitig auch in der Gruppe partizipieren, wir wollen unsere Bedürfnisse befriedigen, aber so, dass niemand daran Anstoß nimmt (Gefahr, dass das Bedürfnis nach sozialer Einbindung nicht befriedigt wird). Wenn wir sowohl einen breiten Zugriff auf die durch Twitter angebotenen Ressourcen (soziale Ressourcen, Informationen) wünschen, gleichzeitig aber diesen Machtanspruch ohne Konflikte behaupten wollen (Konflikte könnten uns einen Teil der Ressourcen wieder entziehen), so müssen wir einerseits ein Teil des Feldes soweit wir können dominieren, andererseits dieses Verhalten als altruistisch motiviert präsentieren.  Ein solches Ansinnen („ich bin zwar überall präsent, ich strebe aber nicht nach Macht“) ist zum Scheitern verurteilt, weil widersprüchlich, auch in den Augen der Betrachter. Daher ist es günstiger, wie ich bereits an anderer Stelle beschrieben habe, sowohl den Machtwille zu offenbaren als auch die Grenzen dieses Machtwillens transparent aufzuzeigen.

Fazit: es ist legitim nach Macht zu streben. Allerdings sollte der eigene Machtwille reflektiert und transparent gemacht werden. Was mich angeht, ich suche nach Denkpartnern, die mich ausreichend mit interessanten Gedanken und Problemen  (Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung) versorgen. Und der Zugang zu diesen Partnern  als Quelle der Bedürfnisbefriedigung ist eine Form von Macht.  Diese „Macht“ aufrechtzuerhalten ist für mich tägliche Arbeit.

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6 Antworten

  1. da core!

    Es gibt allerdings noch eine Sichtweise, die man nicht ganz vernachlässigen sollte. Ich bin da erst wieder gestern drauf gestoßen, als ich etwas in Morgaines Blog http://traudichwasneues.blogspot.com/ kommentierte: Das System muss auch weiterhin funktionieren. In ihrem Blog motivierte Morgaine darüber nachzudenken, ob man nicht durch „Schenken“ seine Lebenseinstellung positiv verändern kann. Nun ist Schenken immer mit einer Pflicht verbunden. Wer also weder „zurück schenken kann“ noch „seine Dankbarkeit ausdrücken“ kann, für den ist ein Geschenk zugrunde richtend (Janusgeschenk), deswegen darf das wohlgemeinte Geschenk nicht System-auflösend sein.

    Ähnlich sehe ich das mit der Macht. Wenn das Machtgleichgewicht empfindlich gestört wird, dann wird das System gestört. Nichts gegen Revolutionen, aber auch sie folgenden eigentlich einem Macht-systemischen Ansatz.

    Wer also an der Macht interessiert ist, der muss sich auch darum sorgen, dass seine „Untertanen“ genug Raum zum Atmen haben. Mir fallen noch so viele weitere Dinge dazu ein, aber ich stopp mich mal an dieser Stelle.

  2. @itari
    Ja, du bist klug und erfahren.

  3. Nach dieser Definition bedeutet es (Macht) zunächst, dass Menschen zu ihrem eigenen Vorteil auf andere Menschen „zugreifen“ können („…einzuwirken“) – um ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
    Damit ist ja noch nichts darüber gesagt, ob sie das mit, oder ohne Einwilligung des Gegenübers tun!
    Weiter geht es mit der Erklärung über Maslows Theorie der Bedürfnisse: Wenn wir der folgen, dann können wir auch davon ausgehen, dass wir „Macht“ ausüben (müssen), um unsere Bedürfnisse befriedigen zu können (und in dieser Theorie geht es ja um nichts anderes).

    Wie so häufig, wenn es um negativ belastete Begriffe geht (wir hatten das erst kürzlich mit Hierarchien), stößt das zunächst auf Ablehnung. Von daher ist natürlich ein Artikel über Machtbestreben und Twitter zunächst befremdlich…

    Im Fazit kommt dann das Entscheidende, die Erklärung: Also Macht, wie beschrieben, transparent und offen dargelegt, ohne den anderen zu bemächtigen!, scheint in diesem Zusammenhang legitim zu sein… (würde ich dann die Parallele ziehen zu Beeinflussung von Menschen untereinander – das tun wir auch ständig, ob wir das wollen oder nicht!)

    Ob ich das Wort Macht dafür verwenden würde? Nein, wohl eher nicht, da es auf viel zu viel Gegenwehr stößt… und viele Erklärungen folgen müssen… von wegen Macht im Wechselspiel, ohne zu bemächtigen, im Ausgleich zu….

    Worum geht es? Den Machtbegriff zu neutralisieren? Dann könnte sich eine Diskussion lohnen… noch interessanter könnte es sein die Pyramide und den Machtbegriff neu zu erfinden 😉

    PS: Antwort zur Frage – Ja.

  4. @Alexander
    Es geht auch darum zu zeigen, dass wir selbst aufgrund des Bauplans der Natur Handlungen unbewusst vollziehen (beispielsweise andere Instrumentalisieren) die wir bewusst ablehnen. Jeder von uns strebt nach Macht und übt auch Macht aus, will aber nicht, dass man dieses sein Verhalten so benennt, weil es negativ besetzt ist. Daher muss man sich selbst schonungslos beobachten und die eigenen – gesellschaftlich verpönten – Verhaltensweisen erkennen und offenlegen. Ich behaupte also hiermit, dass ich über Twitter vrsuche, Macht auszuüben und ich behaupte gleichzeitig, dass jeder das hier tut, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht.

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