Jean-Pol Martins Blog

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Warnung vor Selbstidealisierung!


Resume Macht eröffnet bessere Chancen, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Wer sagt, er interessiert sich nicht für Macht, weiß nicht, wie er selbst funktioniert!:-)

1. Kein Interesse an Macht?

Wenn wir eine Machtposition anstreben, behaupten wir meist, dass wir selbstlos und nur zum Wohle der Allgemeinheit handeln. Wenn man aber die Bedürfnispyramide von Maslow betrachtet sieht man, dass Macht eine optimale Befriedigung aller Bedürfnisse sichert: wer Macht besitzt kommt als erster dran beim Büffet, bei der Wahl von Sexualpartnern, beim sozialen Anschluss und beim Ansehen, bei der Selbstverwirklichung und sogar beim Sinn, denn man hat die Möglichkeit, sinnvolle/altruistische Projekte zu realisieren und sich dabei wohl zu fühlen. Da es aber nicht sozial akzeptiert ist, dass man offen zugibt, Macht oder gar Ruhm anzustreben, präsentiert man als einzige Motivation die, die die größte Anerkennung verspricht: „Ich will die Macht nicht für mich, sondern wegen der (guten) Sache“. Man präsentiert also ein idealisiertes Bild von sich. Und man glaubt auch daran, also man glaubt, dass man selbstlos ist. Das ist natürlich verhängnisvoll, denn man durchschaut sich selbst nicht und meint, man sei „besser“ als alle anderen.

2. Sich nicht ethisch überfordern

Wenn jemand mir also sagt, er sei an Macht oder an Ruhm nicht interessiert, glaube ich ihm nicht. Für unser Projekt ist diese Erkenntnis wichtig, denn wir sollten uns selbst nicht „ethisch“ überfordern. Ich selbst habe bereits erklärt, warum ich an Aufmerksamkeit interessiert bin: ich möchte mein Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung auf hohem Niveau befriedigen. Und das geht nur über Projekte. Die einzige Frage, die sich stellt, ist ob diese Projekte auch für die anderen von Vorteil sind. Ist es der Fall, dann kann es doch jedem egal sein, aus welchem Grund ich mich hier einbringe. Oder?

Fazit: es ist legitim, wenn man wie jedes andere Lebewesen auch seine Grundbedrüfnisse befriedigen will („Meerschweinchenmetapher„). Man soll dies aber nicht nach außen anders darstellen (Selbstidealisierung). Wenn man die eigene – „egoistische“ – Motivation offen beschreibt und die anderen Menschen sehen, dass auch sie von den damit verbundenen Aktivitäten profitieren, werden sie das in Ordnung finden.


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41 Antworten zu “Warnung vor Selbstidealisierung!”

  1. Ja, solche Überlegungen schätze ich 😉
    Zwischen Macht und Altruismus gibt es allerdings noch etwas: Die Befriedigung, eine Aufgabe oder ein Projekt gemeinsam mit anderen befreidigend und vielleicht sogar sehr gut gelöst und durchgeführt zu haben. Auf diese Weise entsteht ein gemeinsamer Flow, ein Zustand, der so viel Kraft gibt und durch nichts zu ersetzen ist.

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  2. Ja, gute Zusammenarbeit wird auch mit Flow belohnt. Aber ich wollte vor allem auf Gefahren der Selbstlügen hinweisen. Wir verkennen oft unsere eigene Motivation und handeln dadurch „unökonomisch“. Es ist nicht sinnvoll, wenn ich nach außen vorgebe, „idealistische“ Motivationen zu besitzen und selbst auch an meine idealistische Motivation glaube. Daher auch meine Selbstbeschreibung hier: ich führe diese Projekte durch, weil ich angst vor Langeweile habe. Das ist meine Hauptmotivation, nicht das Wohl der Menschheit.

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  3. Hallo Jean-Pol, interessanter Beitrag und hier meine neuronalen Gedanken dazu:

    Ehrlichkeit zu sich selbst!
    Zu sich selbst und anderen ehrlich zu sein, ist für mich eh der Schlüssel für ein erfüllteres Leben. Solange ich mir meiner Motive bewusst bin und diese offen nach Außen vertrete, empfinde ich ein inneres Gleichgewicht. (Nicht nur, aber auch.) Leider gibt es genügend Menschen, die lieber in ihren hierarchischen Strukturen denken (oder sonstige Stereotype) als an Ehrlichkeit. (Machtgefälle Prof. vs. Studentin ^^). Das nur zum Thema Ehrlichkeit – man eckt an und auch das muss man aushalten und ggf. seine Konsequenzen daraus ziehen.

    Neuronenphilosophie – Selbstverwirklichung vs. Selbstidealisierung!
    Deshalb gefallen mir die Verhaltensmuster der Neuronen so gut. Das geht es nicht darum, welchen Status das einzelne Neuron hat, sondern was diese beiträgt. Öffentliche Diskurse, Ideenvermittlung und Vernetzung die eben die persönlichen Eitelkeiten ignorieren. Selbstverwirklichung steht für mich im Vordergrund, nicht die Selbstidealisierung.

    Meine Motivation!
    Meine Motivation ist die der Leistung und Anerkennung – eben Abseits vom allgemeinen Verständnis vom Mutter Dasein. Und auch in diesem Kontext als Familienoberhaupt benötige ich die Bestätigung, aber da bieten die Kinder ihren ureigenen Spiegel meiner Leistung.

    Projekte im Fokus, nicht die Person!
    Wenn also meine Aktivitäten dazu führen, dass meine Bedürfnisse befriedigt werden, dann habe ich zweimal gewonnen. Ideen entwickeln – Ideen veröffentlichen – Austausch und Optimierung – Erfolg. Wenn der Erfolg ausbleibt, bezogen auf das Endprodukt, reflektieren welche Komponenten schief gelaufen sind und neu starten.

    Opportunismus für die Macht?
    Mir stellt sich in diesem Zusammenhang noch die Frage inwiefern die Selbstidealisierung mit Opportunismus verknüpft ist. Wenn ich nach Macht streben würde, müsste ich doch meine eigenen Ideale insofern über Bord werfen, als dass die Mehrheit meine Machtposition billigt und fördert. Ehrlich? da fall ich lieber noch Hundertmal auf den Popo.

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  4. Opportunismus für die Macht? Mir stellt sich in diesem Zusammenhang noch die Frage inwiefern die Selbstidealisierung mit Opportunismus verknüpft ist. Wenn ich nach Macht streben würde, müsste ich doch meine eigenen Ideale insofern über Bord werfen, als dass die Mehrheit meine Machtposition billigt und fördert. Ehrlich? da fall ich lieber noch Hundertmal auf den Popo.

    – Selbstidealisierung ist meistens authentisch: also man glaubt wirklich, dass man nur aus altruistischen Motiven handelt. Man durschaut sich selbst nicht. Was die Macht angeht, so kann man sich dessen bewusst werden, dass man sie anstrebt. Macht ist nichts anderes als die Möglichkeit, etwas, was man gut findet, zu realisieren oder realisieren zu lassen. Und wenn das Ziel auch für andere sinnvoll ist, dann ist die Macht des Einzelnen förderlich für die Gemeinschaft. Deshalb verleiht das Volk auch freiwillig Macht an Politiker, damit sie die sinnvollen Forderungen des Volkes durchsetzen.

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  5. Du schreibst in Antwort auf Melanie, „Wenn ich nach Macht streben würde, müsste ich doch meine eigenen Ideale insofern über Bord werfen,…“ In deinem Vorlesungstext schreibst du „Wenn jemand mir also sagt, er sei an Macht oder an Ruhm nicht interessiert, glaube ich ihm nicht.“ Mir war dein Statement im Vorlesungstext lieber.Jeder strebt nach Macht,’in der Informationsökonomie heißt das Aufmerksamkeit. Das ist der einzige Grund, warum ich im Netz schreibe, weil ich will, dass man mir zuhört. In Präsentsveranstaltungen weiß ich wie viele mir aktiv zuhören. In meinem Blog kann ich es anhand der Kommentare vermuten. Bei Twitter wird es in einem Follower-Wert ausgegeben, das hat zwar auch viel mit dem Tauschprinzip zu tun, ich followe dir, du followst mir, dennoch lesen sie meine 140 Zeichen. Und warum will ich das, weil das was ich zu sagen habe wichtig ist, für mich und ich unterstelle für viele andere auch, die leider nicht wissen, dass es mich gibt, also Aufmerksamkeit.

    Gute Nacht.

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  6. @Gibro
    Sorry, das war ein Missverständnis. Der Satz, den du zitierst, war von Melanie. Ich bin ja der Meinung, dass wir alle Aufmerksamkeit suchen. Ich habe den Beitrag nun optisch so verändert, dass man sieht, dass der Satz ein Zitat von Melanie war.

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  7. Machtstreben wird nicht sozial akzeptiert? Ach nee, in welchen verklemmten Kreisen bewegst dich? Ach ja stimmt – Hochschule *gg*. Macht wird bewundert – von allen, die ich kenne und das nicht nur heimlich. Und Macht ist auch nur eine Seite des Sex. Ohne Machtspiele kein guter Sex, würde ich mal sagen.

    Jetzt kommt noch ein wenig ‚Jurassic Park‘: Das Leben findet immer einen Weg … (Fortpflanzung) … in etwas höheren Säugetierpopulationen ist die Arterhaltung von ‚Geist‘ und ‚Kultur‘ auch was wert, auch wenns nicht direkte Nachkommen sind.

    Sorry nochmal: Alles ist Sex – ohne die paar Milligramm Testosteron gäb es keine Kultur (Frauen haben sowas auch). Und guter Sex findet im Kopf statt, das hat sich doch auch schon herumgesprochen – oder?

    Ich hoffe, dass dieser Blog jetzt nicht in falschen Google-Kategorien geführt wird *gg*

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  8. @itari
    Ich bewege mich weitgehend hier und ein Partner ist beispielsweise cspannagel. Er hat sich bisher immer gesträubt „Macht“ als Teil seiner eigenen Motivation zu beschreiben!:-))
    Der Blogeintrag war weitgehend für ihn verfasst!:-))
    Und das mit dem Sex: das scheint dein „péché mignon“ zu sein. Aber: nobody is perfekt!:-)))

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  9. Ich hoffe Chris nimmt die Enthüllung gelassen, weil er sich wohl nicht öffentlich zum Beitrag geäußert hat.

    Ansonsten geb ich alle Komplimente gerne zurück. Über tiefer gehende Perfektionen lasse ich mich mal gerade nicht weiter aus. Aber auch bist sicherlich recht attraktiv für manches Weib, da kann man(n) nichts gegen machen ^_^

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  10. @itari
    Und was meine Attraktivität angeht, so setzt das Alter klare Limits. Die Bilder von mir, die im Net kursieren, sind inzwischen 5 Jahre alt. Ich suche ein aktuelleres, damit keine falsche Vorstellungen entstehen!

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  11. Zwei Zitate schießen mir gerade durch den Kopf:

    „Im Grunde genommen ist Altruismus nicht unbedingt etwas positives. Ein Egoist würde niemals in den Krieg ziehen“ (muss auf 3sat gewesen sein).

    „Gott bewahre uns vor den Unschuldigen und Guten.“ (‚Der Stille Amerikaner‘, Graham Greene)

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  12. Ja, so ist es. Bei mir liegt der Schwerpunkt meiner Kritik an Selbstidealisierung darin, dass man sich selbst über die eigenen Motivationen und Absichten täuscht: man hält sich für moralisch besser als die anderen. Und das ist besonders ärgerlich.

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  13. gestern abend erst – beim ingolstädter kulturgespräch – entfuhr mir so ein stoßseufzer: jetzt grad wünsch ich mir Macht. Dann könnt ich die vielen guten leute und ideen auch unterstützen o. umsetzen und etwas machen.
    und was hätte ich davon: nachdem ich selbst keine kulturschaffende bin, hätte ich so einen legitimen Grund mit leuten zusammenszusitzen, deren tätigkeit mich interessiert/anzieht. weil eigentlich sind die kulturschaffenden am liebsten unter sich, das hat man schon sehr deutlich gemerkt.

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  14. Ich finde die Einleitung an diesem -wahren und wertvollen- Artikel darf man nicht übersehen:

    „Wenn wir eine Machtposition anstreben…“

    Bei mir stellt sich da gleich die Frage: „Wann strebt man eigentlich Macht an?“

    Es ist ja nicht so, dass wir immer überall automatisch Macht haben wollen. Dem Piloten überlass ich gerne und freiwillig die Macht über das Flugzeug. Analog bin ich froh, wenn mein Bürgermeister die – oft wohl auch langweiligen – Aufgaben in meiner Gemeinde managed.

    Worin liegen die Ursachen, dass man Macht anstrebt? Zunächst gibt es Motive („Der Pilot ist betrunken“) zum anderen glaube ich liegt so etwas auch in der Persönlichkeit eines Menschen. Wie spielt das zusammen? Gibt es einen „ewigen“ Typus von „Machthabern“ um den wir gar nicht herumkommen?

    Fragen über Fragen…

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  15. @andi
    Ich denke, dass jeder instinktiv eine form von macht anstrebt, weil man mit macht leichter als ohne macht seine grundbedürfnisse befriedigt, Das ist der sinn des Blogbeitrags.

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  16. Ich sehe das als Wunschdenken. Ich glaube, dass dies auch viel mit unterschiedlichen Persönlichkeitstypen zu tun hat, die auch biologische Ursachen haben könnten.

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  17. Nach David McClelland gibt es drei dominante Bedürfnistypen, die zu Motivation führen können: das Bedürfnis nach Leistung, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und das Bedürfnis nach Macht. Alle drei können je nach Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die lassen sich dann jeweils noch zwei Stoßrichtungen untergliedern.

    Zur Messung gibt es sogar ein Instrument, das sogenannte Multi-Motiv-Gitter.

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  18. mir scheinen diese drei kategorien unterschiedlichen ebenen zu gehören. Leistung führt zu macht. Und macht erleichtert die befriedigung von beduerfnissen wie sozialer anschluss und soziale anerkennung, aber auch physiologische bedürfnisse und selbstverwirklichung.

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  19. Da gibt es sicher Beziehungen, aber McClelland versuchte damit nicht, situativ unterschiedlich verlaufende Kausalketten zu untersuchen, sondern zu beschreiben, was Menschen antreibt. Die einzelnen Faktoren sind dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt.
    Nur als Hinweis zu den vermuteten Persönlichkeitstypen von @andizottmann.

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  20. Ich verstehe, aber das kann man so formulieren, dass menschen nicht dieselbe energie zur verfügung haben, um ihre bedürfnisse zu befriedigen. Leistung ist kein Bedürfnis, sondern ein weg, bedürfnisse zu befriedigen. Und macht ist ein abgeleitetes bedürfnis, nämlich ressourcen zu gewinnen, die einem ermöglichen, seine bedürfnisse zu befriedigen.

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  21. Nach McClelland beziehen einige Menschen Zufriedenheit hauptsächlich aus der Tatsache, dass sie etwas Tolles (er)schaffen. Als Beispiel vielleicht der Ingenieur, der an einer kniffeligen Aufgabe tüftelt und am Ende, heureka, ein Lösung für das Problem entwickelt und schon daraus seine Befriedigung zieht. Bei Maccoby entspräche das dem Typ „craftsman“. Nenn es von mir aus auch Wachstumsbedürfnisse. Sie werden nicht durch Machtgewinn oder Beziehungen zu anderen motiviert.
    Ja, möglicherweise könnten sie mit mehr Macht noch viel spannendere Dinge bearbeiten oder wenn man viele Kontakte zu anderen hat, aber darum geht es bei dem Modell nicht.

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  22. „Bei Maccoby entspräche das dem Typ „craftsman“.“
    – Es gibt aber aus meiner Sicht keinen Typ „craftsman“ sondern das ist eine anthropologische konstante, die bei einigen besonders ausgesprägt ist, bei anderen nicht so starkt. Und die Belohnung ist flow („Eureka“).
    „Nenn es von mir aus auch Wachstumsbedürfnisse.“
    – Genauso nenne ich es („Selbstverwirklichung als Ausdehnung von Kontrolle“). Kontrolle bleibt bei mir das alles einschließende motiv.
    „Sie werden nicht durch Machtgewinn oder Beziehungen zu anderen motiviert.“
    – Nicht primär, aber im hintergrund auch…
    „Ja, möglicherweise könnten sie mit mehr Macht noch viel spannendere Dinge bearbeiten oder wenn man viele Kontakte zu anderen hat, aber darum geht es bei dem Modell nicht.“
    – Ich verstehe. Aber das Modell hat dann weniger erklärungskraft als unseres.

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  23. Wie bereits gesagt, McClelland gibt die drei Klassen, in denen ein Bedürfnis dominant ist („Die einzelnen Faktoren sind dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt.“), die anderen aber nicht auf Null.

    McClelland versuchte lediglich zu erklären, welche Faktoren Menschen in Arbeitsorganisationen motivieren, nicht wie sie in bestimmten Situationen ein bestimmtes Ziel am besten erreichen.

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