Warum ich twitter brauche: zur Organisation kollektiven Denkens.

Resume Als Wissenschaftler sehe ich meine Aufgabe darin, kollektive Reflexion anzuregen und zu organisieren. Dazu brauche ich Inhalte (Handlungsziele), Menschen (Neuronen) und Kommunikationstools (Gehirnarchitektur).

1. Die Ziele (Inhalte)

Aus Gründen, die ich bereits an anderen Stellen beschrieben habe, bin ich stets auf der Suche nach umfangreichen informativen Stimuli. Die finde ich, wenn ich Projekte durchführe. Um Projekte durchzuführen wiederum, brauche ich Menschen. Ich muss also Menschen mobilisieren. Es hat sich erwiesen, dass Menschen gerne an „Weltverbesserungsprojekten“ mitarbeiten.  Solche Projekte sind z.B. die Verbesserung des Schulsystems durch die Verbreitung neuer Kommunikationstools (Web2.0) oder durch die Einführung neuer Methoden, wie Lernen durch Lehren (LdL).  Solche Projekte sind aber auch politische Aktionen gegen die Zerstörung von Ressourcen, wie die Grünen sich auf die Fahne geschrieben haben.

2. Die Menschen (Neuronen)

Wenn Menschen gemeinsam Projekte durchführen, müssen sie kollektiv reflektieren. Das geht am besten, wenn sie schnell und möglichst permanent kommunizieren, wie Neuronen im Gehirn. Ich selbst bearbeite folgende Themen und versuche kollektive Reflexion mit folgenden Menschen durchzuführen (ich liste nur die Projekte und Personen auf, die mich aktuell beschäftigen):

  • Verbesserung der Methodik in Schule und Hochschule dank der Methode Lernen durch Lehren: Knotenpunkt: cspannagel und Lutzland, melgottschalk sowie ekirlu (zusammen mit weiteren Akteuren, die ich nicht mehr überblicke)
  • „Weltverbesserungsprojekte“ nach dem IPK-Muster: Knotenpunkte: kratky (zusammen mit etwa 80 Studenten) und mindlounge (zusammen mit weiteren Akteuren)
  • Intensivierung der Kommunikation unter Grünenmitgliedern: Knotenpunkte speedwuschel und frumpy63
  • Internetprojekte mit Senioren an der Universität Ulm: Knotenpunkt steht noch nicht fest
  • Permanente Reflexion ohne konkretes Projekt mit apanat und Itari sowie Birkenkrahe, dieGoerelebt und Filterraum
  • Sehr vertiefter Austausch über Unterricht mit mccab99 und herr_larbig

3. Ohne Twitter geht es nicht

Bei einer so großen Anzahl von effektiven und möglichen Projektpartnern, die man ansprechen möchte oder die man mit anderen Inhalten (Links) oder Personen verknüpfen will (Organisation kollektiver Reflexion)  ist es unabdingbar, dass man die Übersicht über ihre Aktivitäten behält und auf den Augenblick wartet, der für eine Kontaktaufnahme günstig erscheint. Wenn ich einen Partner mit Hilfe von Twitter verfolge, kann ich seine emotionale und intellektuelle Bereitschaft erkennen, sich auf ein Kontaktangebot von mir einzulassen. Ich kann auch einschätzen, inwieweit er belastbar ist und eventuell freie Kapazitäten hat, um mit mir eine Aktion durchzuführen. Einen solchen Überblick kann ich mir nur mit twitter verschaffen!

Fazit Twitter ist gegenwärtig das einzige Medium, das ermöglicht, sich einen umfassenden Eindruck über die Verfassung eines  Kontaktpartners zu verschaffen, also über seine aktuelle Kontaktbereitschaft und aktuelle Belastbarkeit.

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15 Antworten

  1. Ich stimme voll zu, solange man dabei daran denkt, die Verfassung von zig Kontaktpartnern einzuschätzen. Sonst wäre ein Telefongespräch m.E. besser. Der Blick in die Augen ist schließlich nicht medial zu leisten.

  2. […] Twitter von web writing magazin, die ebenfalls häufig kommentiert wurde. weiterer Nachtrag: Martin schreibt über die Chancen, mit Twitter die Kooperationsbereitschaft von Personen einzuschätzen. Meine […]

  3. @apanat
    Das geht in der Tat um die Menge der Kontaktpersonen!

  4. Organisation des kollektiven Denkens: Ja, dafür ist twitter derzeit auch für mich das Tool. Wer den Twitterfall kennt und dort bestimmte Themen eingibt, der erhält eine Menge kollektive Denkweisen…

    Ich bin derzeit am Reflektieren der ganzen Web2.0 Tools. Twitter als Beispiel: Wie soll ich weiterhin verfahren? Schon jetzt ist es so, dass viel Zeit ins Land geht, wenn ich mich intensiv mit Twitter beschäftige.

    Ich kenne natürlich die Diskussion darum und schreibe jetzt nur von mir! Es gibt verschiedene Bereiche, in denen ich mich bewege – wenn ich nun, sagen wir 300 Leuten folgen würde… wie kann ich dem gerecht werden? Allein die interessanten Links… Ich könnte auch 3.000 folgen und hätte dann vermutlich die Masse, um nur hin und wieder reinzuschauen und trotzdem vieles von dem zu lesen, was die 300 geschrieben hätten – oder etwa doch nicht?

    Fazit:
    Twitter ist wirklich sehr gut dafür geeignet, wie im Posting beschrieben, dennoch bin ich gerade in einer twittersophischen Phase – da ich einerseits noch ganz vielen Menschen folgen würde, andererseits aber schon jetzt häufig nicht die Zeit habe, dem nachzugehen…
    Damit anfreunden einfach nur vorbeitwittern zu lassen und entweder da ist gerade etwas interessantes dabei, oder schau später nochmal… das fällt mit schwer…

    Ich bin gespannt, wie ich mich umtwitterisiere ;-))

  5. Hier noch etwas interessantes zum Thema, natürlich Twitternews via Thomas Bernhardt:
    http://www.wissenswerkstatt.net/2009/03/12/twitternde-wissenschaftler-gibt-es-akademisches-micro-blogging/

  6. @Alexander
    Vielen Dank für deinen Kommentar und den sehr interessanten Link. Ich wusste nicht, dass es diese Liste der twitternden Wissenschaftler gibt.

  7. Ich kann mit Twitter zur Zeit noch gar nichts anfangen – irgendwie finde ich es zu selbstdarstellend und teilweise grenzwertig im wirklichen qualitativen Informationsgehalt.
    „Emotional scannen“ kann ich ja auch nur Personen, die regelmäßig twittern. Für mich sind das zu viele Informationen mit zu wenig Relevanz für mein Ego, demnach empfinde ich diese Kommunikationsform für mich persönlich bisher als ineffizient.
    Aufgrund meiner privaten Situation muss ich aber extrem auf meine Ressourcen achten…

  8. @mccab99
    Klar, ich kann deine Einwände verstehen. Wir arbeiten, du und ich, in unterschiedlichen Kontexten.

  9. @apanet. „Der Blick in die Augen ist schließlich nicht medial zu leisten.“ Hmm … Webcam? Wobei man da nicht nur die Augen sehen könnte …

    @JP „ist es unabdingbar, dass man die Übersicht über ihre Aktivitäten behält …“ – joa, deshalb würde ich ja mal ein Planungstool empfehlen … aber du magst ja nur in deinen alten Lehrerkalender schauen 😉 Ich fände es gut, auch im Rahmen von Web 2.0 und der Missionierung von Schüler, Lehrern und Studenten auf die Tools zur Lebensplanung, Zeitplanung und Aufgabenplanung hinzuweisen.

    @Alexander Rausch: Ich würde mir da keinen Kopf machen, ob ich nun allen gerecht werde oder nicht. Das man nicht immer alles gleichzeitig kann und auch mal eben nicht allen Erwartungshaltungen entspricht (auch den eigenen nicht), ist doch völlig normal. Vielleicht ist Twitter ja ein schönes Szenario für das Erleben der eigenen Grenzen (und der eigenen Unvollkommenheit) im Rahmen von Kommunikationsbeziehungen. Und dann wäre es ja wiederum sehr wichtig für die eigene Selbstentwicklung. Wenn man das unterstellt, darf man sich auch nicht über die Beiträge der anderen Twitterer/Twitsen wundern, denn sie durchleben/verarbeiten ja auch ihre Twisen (Twitterkrisen) und geben sich deshalb in ihren Tweeds so … der Mensch ist ein Tweed in der Unendlichkeit der Kommunikation … jeder Tweet ist durchschnittlich 5 Minuten bedeutsam … kann irgendwas sonst so schön die Endlichkeit und Unbedeutsamkeit vermitteln?

  10. Alexander hat mich freundlicherweise (und natürlich via Twitter) auf diesen Artikel aufmerksam gemacht.

    Spannend. Grundsätzlich gilt doch, dass der Microblogging-Dienst (ebenso die die sog. „Neuen Medien“ im Allgemeinen) die Kommunikationsmöglichkeiten beträchtlich erweitert haben – an potentieller Kommunikation mangelt es nicht. Im Gegenteil: Twitter verschärft das Selektionsproblem für den Nutzer (und in einer viel basaleren Weise natürlich auch für den Nichtnutzer!). Dieses Problem äußert sich in Statements wie dem von Alexander oben: „… wie kann ich dem gerecht werden?“ Vermutlich nur durch strikte Reduktion der Knoten (sprich: weniger Usern folgen), Simultanverarbeitung in der Größenordnung ist meines Wissens nicht unsere Stärke. Physiologisch betrachtet.

    Der Preis am Ende: Informationen tendieren zu Redundanz – aber auch das ist Twitter. Wenigstens überraschen mich die Tweets regelmäßiger (oder: anders) als mein RSS-Reader – und Überraschung ist beste Voraussetzung für Kommunikation…

  11. @Itari und @Sebastian
    Absolut d’accord.

  12. Ich hab nirgends so schnell interessante Leute gefunden wie bei Twitter.

  13. @Michael Wald
    Man findet sie bei Twitter und hält sie durch einen Blog fest (wenn man Glück hat). Und wenn dazu noch Wiki kommt, dann kann man Wissen gemeinsam konstruieren.

  14. @jeanpol
    und das ist harte Arbeit die man nicht mal eben zwischen Tür und Angel erledigt.

  15. @Michael
    Ja, das ist ein full-time Job. Als Wissenschaftler bin ich verpflichtet, in die Zukunft zu sehen und alle Wege auszuloten, die vielversprechend für eine Verbesserung unserer Lebensverhältnisse sind. Und twitter + blog + wiki scheint so etwas zu bieten.

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