Liebe Ulmer,

heute haben  Sie Ihre Weblogs eingerichtet, um Ihre Gedanken und Texte in einem angemessenen, persönlichen Rahmen vorzustellen. Im Laufe der Zeit werden Sie einen passenden Hintergrund (vielleicht ein eigenes Foto) auswählen und ein paar weitere widgets benutzen, z.B. einen Tag-Cloud. Jeder/jede von Euch wird einen Text hochladen zu einem von ihm/ihr gewählten Thema. Die Entwürfe liegen ja bereits vor: z.B. der Bericht von Christel zur Begegnung in Rumänien, der Beitrag zu Essen + Trinken von Holger und der Eintrag von Barbara zur Reise nach Kursk. Alle diese Texte können vom layout verbessert werden (fette Überschriften, Absätze, Schrägschrift), sie können durch Fotos veranschaulicht und mit Links angereichtert werden. Auch Youtube-Videos kann man ohne großen Aufwand einbauen.

Man kann auch einen Text als Zitat markieren.

Ich werde wie angekündigt am nächsten Montag um 13.00Uhr wieder dabei sein und freue mich darauf, Ihre schönen Blogseiten anzusehen. Wir werden uns natürlich auch intensiver mit den Inhalten befassen.

Bis dann! Und ich hätte gerne von Ihnen (das war ja unsere Übung) einen kleinen Kommentar!

Relevantes Wissen.

Resume Gestern hat mir Alexander Rausch eine Freude gemacht. Er meinte, meine Auftritte haben Erlebnischarakter. Das bedeutet, dass ich wohl in Zukunft weiter gefragt bin. Warum ist es so?

1. Warum ich mich auf Auftritte freue

Als Didaktiker und Pädagoge war ich immer schon bestrebt, meinen Schülern und Studenten relevantes Wissen zu vermitteln. Relevantes Wissen bedeutet Einsichten, die einem ermöglichen, gut mit dem Leben zurechtzukommen, also glücklich zu sein. Glücklich sein heißt, dass man in der Lage ist, seine Bedürfnisse – auch langfristig – zu befriedigen. Logischerweise ist der erste Schritt zu überlegen, was überhaupt Grundbedürfnisse sind und wie wir als Lebewesen „funktionieren“. 1986 habe ich nach intensiven Lektüren insbesondere der kognitiven Psychologie und der Soziologie (Luhmanns Systemtheorie)  ein Modell entwickelt, das Menschen beschreibt und den Umgang mit ihnen erleichtert. Da ich weiß, dass das Modell für die meisten a) neu b) gut nachvollziehbar und c) nützlich ist, bin ich bei Auftritten sehr gut drauf und spielerisch aufgelegt.

2. Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung

An anderer Stelle habe ich beschrieben, dass die Informationsverarbeitung ein Grundbedürfnis ist. Ich bin nur dann richtig glücklich, wenn ich permanent Informationen verarbeite. Das geht aber nur, wenn mich Menschen aus meiner Umwelt mit entsprechenden Stimuli versorgen. Und dies wiederum geht nur, wenn ich selbst diese Leute mit relevanten Informationen beliefere. In meinem Blog beispielsweise muss ich mich bemühen, Modelle anzubieten, mit denen meine Leser sofort etwas Konkretes anfangen können. Als Didaktiker und Pädagoge beliefere ich meine Leser mit didaktischen Einsichten, die sie in ihrem Unterricht umsetzen können, um ihr Leben glücklicher zu machen. Als Lieferant von guten Modellen bleibe ich im Gespräch, ich werde eingeladen, werde dadurch mit Stimuli versorgt. Und so kann ich dauerhaft mein Grundbedürfnis nach Informationsvearbeitung befriedigen.

3. Beispiele für relevantes Wissen

Eminent relevantes Wissen ist das oben erwähnte Menschenbild. Das ist das erste, was ich vorstelle, wenn ich einer Gruppe (Schüler, Studenten, Fortbildungsteilnehmer) gegenüber stehe. Ganz wichtig für Lehrer ist in diesem Zusammenhang die Einsicht, dass wir Menschen sehr gerne Unsinn machen, überall wo das möglich ist und bevorzugt natürlich im Unterricht. Wenn man uns aber spannende Handlungsfelder anbietet, die uns ermöglichen, unsere Bedürfnisse nach Informationsverarbeitung zu befriedigen, dann handeln wir in der Regel konstruktiv.  Als Lehrer fokussieren ich auf diese konstruktiven Beiträge. Und nun ein paar Beispiele für relevantes Wissen: wie der Mensch selbst, der sich im Spannungsfeld von antinomischen Bedürfnissen bewegt (Freiheit vs. Gleichheit, Bewegung vs. Ruhe, Klarheit vs. Unbestimmtheit, Integration vs. Differenzierung, Individuum vs. Gesellschaft), lösen sich in der Geschichte der Menschheit die Epochen ab: Mittelalter (Ängstlichkeit, Wunsch nach Ordnung, Blick nach oben zu Gott, Pessimismus) vs. Renaissance (Risikobereitschaft, Offenheit und Aushalten von Unbestimmtheit, Blick auf die Welt, Optimismus). Wer das versteht, kann die Epochen einordnen (auch Kunst, Literatur, Philosophie, pädagogische Vorstellungen).

4.  Weiteres relevante Wissen: „Allgemeinbildung“

Um den Alltag besser in den Griff zu bekommen ist es wichtig, dass man über ein Grundwissen verfügt, mit dem man historische und aktuelle Ereignisse  verstehen und einordnen kann. Daher vermittele ich meinen Schülern Grundkenntnisse in Geschichte, sofern sie das Verständnis der heutigen Welt erleichtern: Palästinakonflikt, Liberalismus vs. Dirigismus, Materialismus vs. Idealismus, Christentum und Islam, Hedonismus vs. Asketismus, Zentralismus vs. Federalismus, usw. Und nun biete ich in der Volkshoschule einen Kurs an, der innerhalb von zwei Semestern alle wesentlichen Ereignisse der Weltgeschichte auf den Punkt bringt. Auf diese Weise soll jeder Teilnehmer über ein klares Raster (Strukturwissen) verfügen, das ihm einen spielerischen Umgang mit der Entwicklung der Welt ermöglicht und ihm die kognitive Durchdringung auch seines eigenen Lebens erleichert.

Fazit Relevantes Wissen ermöglicht die Einordnung der Alltagserlebnisse in einen größeren Kontext und macht uns handlungsfähiger, also glücklicher.

Wikipedia: bereits jetzt die wichtigste Wissensquelle weltweit.

Resume Lange bevor es Wikipedia gab war ich der Überzeugung, dass es eines Tages eine einzige Datenbank geben würde, in die alle Wissensträger der Welt ihre Texte einspeisen. Dafür spricht der gesunde Menschenverstand.

1. Anthropologische Voraussetzungen

Jeder Mensch sucht Anerkennung. Das Edelste, was der Mensch produziert, ist Erkenntnis und dafür möchte er belohnt werden. Einige machen daraus einen Beruf und werden fürs Forschen bezahlt. Bis heute veröffentlichen sie ihre Ergebnisse in mehr oder minder obskuren Fachzeitschriften, die nur ein paar Kollegen erreichen. Es ist ein Rätsel, warum sie ihre Texte nicht in die Wissensbank einspeisen, die jeder kennt und jeder als erstes aufsucht, die Wikipedia. Wenn die Forscher einmal ihre Ängste und Bedenken überwunden haben, werden sie ganz wild darauf sein, den Wikipedia-Artikel zu verfassen, der ihr Spezialgebiet abdeckt. Der wichtigste, aktuellste und meistgelesene Artikel über die Methode, die ich mit Hilfe vieler Kollegen entwickelt habe, also „Lernen durch Lehren“ (LdL)  ist der Wikipedia-Artikel (monatlich etwa 3000 Zugriffe). Diesen Text habe ich auch in viele Sprachen übersetzen (z.B. Chinesisch, oder Russisch) und in die entsprechenden Wikipedias einpflegen lassen.

2. Ökonomische Voraussetzungen

Es ist im Sinne der Ökonomie, wenn Fachleute sich entschließen, ihr Wissen in die einzige Datenbank einzuspeisen, die weltweit aufgesucht wird, nämlich die Wikipedia. Sie können ihre Texte ständig aktualisieren und stehen permanent unter Beobachtung. Jederzeit kann jemand, der sich ebenfalls als Spezialist für das jeweilige Thema ansieht, den Text modifizieren oder ergänzen. Dass die Wissenschaftler dieses geniale Instrument noch nicht entdeckt und angenommen haben, liegt daran, dass sie noch im alten Paradigma leben (top-down). Immer schon hinkte die etablierte Wissenschaft hinter dem tatsächlichen Stand der Innovationen. So musste beispielsweise François Ier, der französische Renaissancekönig, parallel zu den aus dem Mittelalter stammenden Universitäten neue Anstalten schaffen, die nützliches Wissen hervorbrachten und verbreiteten (Collège de France). Die alten, mittelalterlichen Unis befassten sich und ihre Studenten dann weiter mit irrelevantem Kleinkram.

Fazit Ich zweifle nicht daran, dass in absehbarer Zeit jeder Wissenschaftler bemüht sein wird, den Wikipedia-Artikel über sein Spezialgebiet zu verfassen oder zumindest zu prägen. Ich selbst habe sehr früh meine Themen besetzt und die affinen Artikel mitredigiert.

Wikipedia: „Wir schreiben eine Enzyklopädie, basta!“

Resume Da die Schulferien beginnen, befasse ich mich als Exkurs mit einem anderen, für mich zentralen Thema: der gemeinsamen Wissenskonstruktion. Und für mich könnte die Wikipedia eine Riesenkonstruktionsmaschine sein. „Könnte“!

1. Die Enzyklopädisten waren Revolutionäre

Beim Wort „Enzyklopädie“ kommt einem als erstes in den Sinn die bekannteste und wirksamste Wissenskonstruktionsmaschine des politisch aufstrebenden Bürgertums im 18. Jahrhundert in Frankreich. Die Enzyklopädie fasste im geisteswissenschaftlichen Bereich durchaus nicht „etabliertes“ Wissen zusammen, sondern ganz neues, ungesichertes, im wesentlichen hypothetisches. Und gerade, weil das Wissen nicht gesichert war, lösten die Texte einen gewaltigen Reflexions- und Forschungsschub nicht nur in Frankreich, sondern in alle europäischen Ländern. Die Enzyklopädie war Schnittstelle und Anlass einer breiten Laien/Experten Kommunikation.

2. Die Wikipedianer sind im Kern konservativ

Die meisten Wikipedianer, auch wenn sie noch Studenten sind, sind im Geiste des alten Paradigmas sozialisiert worden. Es wurde ihnen gepredigt, dass nur vielfach durch Autoritäten (Quellen) belegte Informationen als abgesichertes Wissen zu betrachten seien. An den Universitäten wurde und wird noch bis heute ein Heer spießiger, bürokratischer Kleingeister gezüchtet, das lieber mit zehn Fussnoten belegte Platitüden veröffentlicht, als selbständig einen eigenen Gedanken in einer Seminararbeit zu entfalten. Auf diese Weise werden in erster Linie Kontrollreflexe ausgebildet: die wissenschaftlichen Aufsätze sind voll mit absolut unanfechtbaren, aber absolut irrelevanten Selbstverständlichkeiten und Details. Und nun kommt das Interessante: ausgerechnet Leute, die dieses mentale Korsett verinnerlicht haben und teilweise zu Kontrollfanatiker mutiert sind, bemächtigen sich eines Instruments, das wie bereits die französische Enzyklopädie, für eine Revolution der Wissenskonstruktion  prädestiniert ist und vor allem auf Offenheit und Risikobereitschaft setzt (open source). Dabei möchte ich ausdrücklich betonen, dass gerade das „Spießige“ an vielen Wikipedianern meiner eigenen Arbeit in der Wikipedia extrem zugute kommt: sie decken die Notwendigkeiten ab,  die ich in meinem „Risikofanatismus“ vernachlässige. Offenheit und Kontrolle müssen beide sein, aber der Akzent müsste von Kontrolle auf Offenheit verlegt werden.

3.  Beschleunigung des Emergenzprozesses

Im alten Paradigma der Papierwissenschaft dauerte es mehrere Jahre, teilweise Jahrzehnte bis ein Begriff, der von Spitzenforschern geschaffen  wurde, um neue Phänomene zu beschreiben, sich in der Community etablierte. Das lag in erster Linie daran, dass  Gedankenaustausch und Wissenstransfer mithilfe von Aufsätzen und Büchern sehr langsam war.  Heute ist es durch das Internet möglich, diesen Prozess enorm zu beschleunigen. Und dafür könnten die Wikipedia eine zentrale Rolle spielen.

4. Wikipedia erster und alleiniger Publikationsort?

Aus welchem Grund auch immer: es wird massiv Weltwissen in die Wikipedia eingespeist. Nun ist das Wikipedia-Dogma dass nur „etabliertes“ Wissen (also Wissen, das in der Papierwissenschaft allgemein verankert ist)  in die Wikipedia Eingang finden darf (aus den oben genannte Gründen einer falschen Auffassung des Begriffs „Enzyklopädie“). Durch diese Vorgabe beraubt sich die Wikipedia der Möglichkeit, der erste Ort zu sein, wo lebendiges, gerade im Entstehen befindliches Wissen zu finden ist.  Die Wikipedia könnte die erste Suchadresse sein, wenn ein in der Wissenschaft neu auftretender Begriff dort als Artikel eingegeben werden dürfte. Wenn die Wissenschaftler wüssten, dass aktuelle wissenschaftliche Neuerungen in der Wikipedia zu finden sind, würden sie sofort einsteigen und das Aktuellste, das sie produzieren, einbrigen: dadurch würde die Qualität der Wikipedia insgesamt wachsen.

5. Wikipedia als Ort für Laien-Experten-Kommunikation

Wie fruchtbar auch für die Wissenschaftler die Arbeit in der Wikipedia sein könnte, insbesondere die Veröffentlichung von Erkenntnissen und Begriffen, die zwar in einem Forscherkreis abgesichert, aber noch nicht „etabliert“ sind, möchte ich an einem konkreten Beispiel aufzeigen. Im März 2007 (angesichts der Beschleunigung eine Ewigkeit) fiel mir der Begriff „Netzsensibilität“ ein um eine neue Eigenschaft zu definieren, die sich seit Aufkommen des Internets herausbildet. Der Terminus wurde schnell von Wissenschaftlern aufgegriffen, deren Forschungsschwerpunkt naturgemäß in dem Bereich liegt, für den der Begriff gedacht ist, also im Bereich Kommunikation. Zu nennen sind u.a. Steffen Büffel, Christian Spannagel, Joachim Grzega, Michael Kratky und Alexander Rausch.  Da offensichtlich der von mir geschaffene Begriff von Nutzen für Experten ist, wollte ich einen Wikipedia-Artikel darüber verfassen. Außer der Tatsache, dass der Begriff nicht ausreichend etabliert ist, wurde der Eintrag zum Löschen vorgeschlagen mit dem Argument: „Ich wäre nicht in der Lage, einen vernünftigen und nicht trivialen Satz mit ‚Netzsensibilität‘ zu bilden. Muss man im Handyzeitalter jemanden an das Netz erinnern?“ und „Assoziationenblaster„. Hier wird deutlich, dass der von mir verfasste Wikipedia-Artikel „Netzsensibilität“ vieles voraussetzt und nicht ausreichend klärt, was darunter zu verstehen ist. Dieser Fall einer Laien/Experten-Kommunikation habe ich häufig erlebt und er führte stets zu einer Verbesserung meiner Texte (siehe auch „Lernen durch Lehren„).

Fazit Die Wikipedia eröffnet für Wissenschaftler die Möglichkeit einer Laien/Experten-Kommunikation, die die Wissenschaftler zur einer präziseren und verständlicheren Darstelltung ihres Wissens zwingt.

Ja, das ist es!

Resume Am letzten Freitag habe ich beschlossen, alle meine Stunden im Computerraum mit permanentem Internetzugang zu halten. Und das ist es!

1. Schüler-Wikiseiten im Netz

Es hat sich gezeigt, dass wenn die Schüler die Möglichkeit erhalten, in aller Ruhe relevante Inhalte in eine Wikiseite hochzuladen, sie sehr schnell ein hohes Qualitätsniveau erreichen. So hat beispielsweise eine Schülerin sehr rasch eine Grammatikübersicht erstellt und in ihre Seite eingespeist. Ferner wird es möglich, von den Schülern in Einzel- oder Parnerarbeit angefertigte Texte, zu einem gesamten Kompendium zusammenzuführen (beispielsweise Lückentexte über eine Geschichtliche Epoche), das dann der Klasse zentral zur Verfügung steht.

2. Kontinuierlicher Internetzugang und Einsatz des Beamers

Bei LdL fertigen die Schüler für ihren Unterricht Unterlagen an (Texte, Lückentexte, Bildervorlagen, Grafiken). Diese Unterlagen werden gleich in ihre Wikis hochgeladen. Diese Arbeit kann entweder im Unterricht in einem dafür eingeplanten Zeitabschnitt oder zu Hause erledigt werden. Bei den LdL-Sequenzen selbst werden die Wikiseiten per Beamer an die Leinwand projiziert und die Schüler erarbeiten den neuen Stoff mit ihren Mitschülern nach bewährter LdL-Manier.

3. Qualität der Inhalte und der Diskussion stark erhöht

Durch die Vielfalt des Bild- und Textangebotes werden Voraussetzungen geschaffen, die die Qualität des Unterrichtsdiskurses (Kommunikation und Gedanken) stark erhöhen.  Das Gefühl der Zusammenarbeit wächst ebenfalls hochsignifikant. Der Chef meiner Schule hat sich den Unterricht bei uns heute angesehen und er war – obwohl kein Schwärmer – recht angetan, glaube ich. Auf jeden Fall können wir mit seiner Unterstützung rechnen!

Fazit Mit dem Einzug in den Computerraum hat sich eine Tür eröffnet, die – zumindest in meiner Vorstellung – zu blühenden pädagogischen Landschaften führt.

LdL + Web2.0: Wissensmetabolismus im Klassenzimmer

Resume Seit dem Aufkommen des Internets wusste ich: in Zukunft werden die Schüler Informationen aus der Aussenwelt holen und intensiv im Klassenzimmer interagieren (LdL), um aus Informationen Wissen zu schaffen. Und jetzt ist es soweit!

1. LdL: mit Informationen Wissen konstruieren

Im Gegensatz zu Referaten oder Präsentationen wird bei „Lernen durch Lehren“ der Stoff von den Schülern so aufbereitet, dass er den Mitschülern vermittelt wird. Die aus den Unterrichtsmaterialien entnommenen Informationen sollen nicht nur vorgestellt, sondern sie sollen in der Klasse durch intensive Reflexionen und Interaktionen zu (Handlungs-) Wissen umgeformt werden (Wissensmetabolismus).

2. Das Problem bis vor einer Woche

Mit LdL hatte ich also die eine Seite des Problems gelöst: die Schüler blieben nicht Rezipienten der Informationen, sondern sie wurden zu Mitkonstrukteuren von Wissen. Allerdings stellte sich ein anderes Problem: die Schüler waren bei ihrer Wissenskonstruktion auf die Informationen angewiesen, die ich ihnen zur Verfügung stellte. War ich beispielsweise der Meinung, dass die Behandlung der Renaissance für die Schüler wichtige Einsichten bringt (epochaler Paradigmenwechsel mit zahlreichen Parallelen zur heutigen Epoche), so teilte ich Texte aus, deren Informationsgehalt naturgemäß sehr begrenzt war (Blätter, Bücher). Es war für  die Schüler unmöglich, wenn sie beispielsweise auf den Begriff „Humanismus“ stießen, mehr Informationen zu erhalten, als die im Text vorhanden.  Es frurstrierte die Schüler, die tiefer einsteigen wollten. Andere wiederum waren von meinen Texten überfordert. Ferner war ich sehr auf den Vorgang der Informationsverarbeitung fixiert und verlangte absolute Disziplin, was gelegentlich zu Konflikten führte.
3. Die Lösung
Mein Wunsch war immer, dass die Schüler vom Klassenzimmer aus jederzeit Informationen aus dem Netz holen können, insbesondere wenn sie ihre LdL-Sequenzen vorbereiten. Wenn es darum geht, dass Schüler Wissen konstruieren, dann brauchen sie mehr und schneller Informationen/Bausteine, als die, die ich ihnen per Papier liefern kann. Ich weiß nicht, warum ich immer auf Laptops fixiert war. Der Computerraum tut es auch. Jetzt bin ich in jeder Stunden drinnen und die Schüler habe jederzeit Internetzugang. Und der Ablauf ist folgender:
Vorbereitung der LdL-Sequenz mit Hilfe des Internets:
Die Schüler bekommen von mir einen kleinen Abschnitt (z.B. aus der Geschichte) zur Vorbereitung.  Wenn im Text Personen oder Begriffe enthalten sind, die sie nicht kennen, recherchieren sie (meist Wikipedia). Im Hinblick auf die spätere LdL-Sequenz laden sie in ihre Wikiseite Materialien (Grafiken, Fotos, Links, Lückentexte, Fragen zum Text). So zum Beispiel: Dennis Eberlein
– Durchführung der LdL-Sequenz
Wenn die Gruppe ihre LdL-Sequenz durchführt, kann sie zum einen per Beamer ständig auf Internet- Infos und Veranschaulichungen klicken, ferner kann sie Arbeitsaufträge erteilen, die sie bereits in ihre Seiten hochgeladen haben, oder sie können ihre Mitschüler bitten, in ihren eigenen Wikiseiten Arbeitsaufträge zu erledigen.
4. Arbeitsklima völlig verändert
Zwar habe ich bisher nur zwei Stunden im Computerraum verbracht, aber ich sehe die großen Klima-Veränderungen, die durch die Kombination LdL + Web 2.0 eingeleitet werden können. So herrschte endlich im Klassenraum die Atmosphäre, die ich mir immer gewünscht habe: die Schüler gehen zu ihrem Computer, arbeiten entspannt und zielbezogen, stehen auf und gehen zu einem Mitschüler, um ihn fachbezogen zu fragen, all das auf französisch (meine Forderung). Die störanfälligen Zentralphasen (alle müssen zuhören und mitmachen) werden stark reduziert zugunsten der dezentralen Arbeit und konzentrieren sich hauptsächlich auf die LdL-Sequenzen.
Fazit Dass die Kombination LdL + Web2.0 einen hohen  Mehrwert bringt, davon bin ich überzeugt. Insbesondere das Klassenklima muss dadurch noch stark verbessert werden. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Dank Web2.0: Wissenscontainer an einem Tag erstellt!

Resume Angesichts der Volatilität der Beziehungen auf Twitter und Kommunikationsplattformen ist es günstig, wenn man auch ganz kurze Wissenskonstruktionsprojekte durchführt.

1.  Wissenscontainer in kurzer Zeit erstellen

Wenn eine Gruppe von Leuten sich in Twitter und Blogs länger mit einem Thema befassen emergieren einige Akteure, die auf diesem Gebiet besondere Sachkompetenz und/oder Erfahrungen besitzen. Was ist naheliegender, als im Sinne der kollektiven Wissenskonstruktion ein Wiki aufzumachen und diese Experten zu bitten, in sehr knapper Form ihr Wissen dort einzuspeisen? Dadurch erhält man einen „Wissenscontainer“ den man als Baustein überall einfügen kann.

2. Wissenscontainer zum Thema „Web2.0 in der Schule“

Gestern habe ich René Scheppler, Felix Schaumburg und Alexander Rausch gebeten, Ihre Erfahrungen mit web 2.0 an der Schule in ein Wiki einzugeben. Das Ergebnis kann man HIER betrachten. Die Kurzautoren können jederzeit ihren Beitrag ergänzen und aktualisieren, Links einfügen und ihnen bekannte Experten einladen, einen ebenfalls kurzen Eintrag zu tätigen.

Fazit Wenn ein paar ausgewiesene Experten innerhalb kürzester Zeit die Quintessenz ihres Wissens in ein Wiki eingeben, hat man ein gutes Produkt, das als Wissenscontainer überall eingefügt werden kann.

Alexander, du hast recht (Web2.0 in der Schule, Fortsetzung)

Resume In meinem vorangehenden Beitrag habe ich über meine Web2.0 Erfahrungen als Lehrer und Dozent berichtet und festgestellt, ohne Zwang ginge es nicht. Alexander Rausch meint, wir seien in einer Übergangsphase.

1. In Zukunft wird web 2.0 in schulen und unis selbstverständlich sein

Mit Recht weist Alexander Rausch darauf hin (Kommentar 7), dass wir uns in einer Übergangsphase befinden:

Wir leben in Parallelwelten (altes / neues Paradigma): Noch ist es natürlich eine Übergangsphase und der Einsatz von Web 2.0 in der Schule sehr fremd. Wenn der Einsatz völlig normal geworden ist (die Tische integrierte Bildschirme haben…;-)), dann wird das Lernen und Lehren mit Web 2.0 völlig normal werden und die Lehrpläne entsprechend aussehen und ausgerichtet sein…

Natürlich ist es nicht unbedingt ein Trost für diejenigen von uns, die internetlos im Klassenzimmer sitzen, aber das eröffnet immerhin Perspektiven, auf die wir hinarbeiten können. Soeben habe ich für das ganze Jahr und alle meine Stunden den Computerraum reserviert. So werden meine Schüler bei Fragen und Unklarheiten jederzeit ins Internet gehen können. Da ich nach LdL arbeite, werden sie auch ins Internet gehen wenn sie sich auf eine Stunde vorbereiten, die sie „als Lehrer“ durchführen müssen.

2. Mögliche Konfliktsituationen entschärft

Beeindruckend im Film von Reinhard Kahl „Treibhäuser der Zukunft“ ist besonders die Szene, wo Schüler der Bodenseeschule ins Klassenzimmer hineinkommen, den Lehrer begrüßen und gleich zu ihrem Tisch gehen und anfangen zu arbeiten. Dasselbe möchte ich erreichen, indem Schüler, bevor sie einen Stoff vermitteln, ins Internet gehen und vertiefte Recherchen durchführen. Ich gehe davon aus, dass die Recherchen ohne Druck, ganz natürlich verlaufen und eine angenehme, entspannte Atmosphäre entsteht. Dann erfolgen die Präsentationen/Lehreinheiten, und man freut sich darauf, wieder gemeinsam im Plenum arbeiten zu können. Hier erfolgt ganz natürlich Differenzierung, denn jeder kann nach eigenem Bedarf in die Tiefe gehen, bevor er die Ergebnisse den anderen vermittelt. Und dabei verliert das Prinzip LdL nicht an Gewicht, denn die Schüler sollen nach ihren Recherchen die neuen Inhalte den anderen vermitteln und prüfen, ob das angekommen ist.

3. Zwang muss wahrscheinlich trotzdem sein

Alexander Rausch beendet seinen Kommentar mit dem Satz:

Bis dahin wird vermutlich auch Zwang kein Thema mehr sein: Dann, wenn die Kinder den angeboren Spaß an Wissensdurst und Lernen nicht mehr verlernen!(wie Paradox: erst verlernen wir es ihnen, um uns dann zu beschweren…)

Ich denke, dass zwar die Stimmung im Unterricht und bei der Arbeit sich sehr entspannen wird, aber es wird dennoch notwendig sein, die Schüler und Studenten zur „Arbeit“ anzuhalten. Aufsätze und Artikel zu schreiben, und noch vielmehr Projekte konsequent bis zum Ende durchzuführen sind für jeden Menschen anstrengend und jeder von uns drückt sich gerne davor, auch wenn das Thema einen sehr interessiert. Ohne „Zwang“ wird es also nicht gehen, nur dass der ganze Prozess weniger konfliktuell verlaufen wird.

4. Beispiele für gelungenen Web2.0-Einsatz in der Schule

Auf zahlreiche gelungene Web20-Projekte mit Schülern weist die Kollegin Maria Eirich auf der Kommunikationsplattform „Maschendraht“ hin. Über eine Laptopklasse in Hamburg kann man sich mit diesem Video informieren.

Fazit Noch eine kleine Anstrengung, und wir werden für unsere Schüler und für uns die Lernbedingungen schaffen, die wir alle verdienen.

Theoriegeleitete Alltagsbewältigung: Zielgruppe Lehrer

Resume Nachdem ich im Band 1 meiner Vorlesung alle Wissensbausteine geliefert habe, die ich in den letzten 30 Jahren erstellt habe, werde ich jetzt Tag für Tag beschreiben, wie ich weiter Wissen konstruiere und verbreite.

1. Relevantes Wissen?

Relevantes Wissen ist Problemlösewissen und entsteht meist unter Leidensdruck. Daher ist es für Professoren, die mit Lehrerbildung befasst sind, unabdingbar dass sie selbst eine Klasse kontinuierlich unterrichten: nur  so können sie a) das reale Leiden erfahren, das jeden Lehrer in der Praxis erwartet, und dadurch b) existentiell daran interessiert sein, Lösungen zu finden.

2. „Lernen durch Lehren“ als Teil einer Problemlösung

Als ich 1980 unter der Situation litt, dass ich im Unterricht verbal und auch sonst überaktiv war, während meine Schüler passiv blieben, kam ich auf die LdL-Idee. LdL löst eine ganze Reihe von Problemen, aber nicht alle. Wenn die Schüler die LdL-Techniken freudevoll aufgegriffen  und verinnerlicht haben, stellt sich nach etwa zwei Monaten das Problem, dass ihre Präsentationen oft monoton sind und stark abhängig von den jeweiligen Schülern. Das bedeutet nicht, dass sie zurück zum Frontalunterricht wollen, aber sie brauchen neue Anreize. Meine Lösung ist, dass ich den Schülern Inhalte anbiete, die relevant für das Verständnis der Welt sind, aber das Problem der Heterogenität bleibt: einige Schüler finden die Beschäftigung mit der Finanzkrise sehr interessant, die anderen finden das unglaublich langweilig.

3. Auf die Inhalte kommt es an

Im Unterricht wie in jedem anderen Kontext auch erfolgt Informationsverarbeitung. An anderer Stelle habe ich beschrieben, dass Informationsverarbeitung ein Grundbedürfnis aller Lebewesen ist. Da die Schüler keine andere Wahl haben, als sich mit den Informationen zu befassen, die im Unterricht zur Bearbeitung aufgezwungen werden, ist die Qualität dieser Inhalte von höchster Bedeutung. Der Lehrer kann unmöglich die Interessen aller Schüler treffen. Daher muss er eine Selektion vornehmen, die zumindest sichert, dass die von ihm angebotenen Inhalte relevant für das aktuelle und künftige Leben der Schüler ist. Für die 11.Klasse habe ich völlig außerhalb des Lehrplans folgende Wahl getroffen: wir befassen uns geschichtlich mit der Renaissance, weil diese Epoche die größten Parallelen zur gegenwärtigen Zeit aufweisen (Paradigmenwechsel); ferner behandeln wir Themen, die durch die Aktualität geliefert werden: Obamas Wahl, die Finanzkrise, die Piraterie an der Somalische Küste und jetzt gerade die Konflikte zwischen Hindus und Moslems in Indien.

4. Zur Verbreitung der Wissensbausteine

Morgen bin ich in Ulm eingeladen, und werde im Zentrum für Weiterbildung eine Veranstaltung über LdL durchführen. Hier meine Vorbereitung im Wiki.

Fazit Um den privaten und beruflichen Alltag zu bewältigen, braucht man eine gute Theorie, um emotionsbehaftete Problemsituationen „in den Griff“ zu bekommen. Aus der erfolgreichen Bewältigung von konkreten Situationen werden Lösungsschemata entwickelt, die die Theorie wiederum anreichern.

Gemeinsam Wissen konstruieren

Resume Die Probleme, die die Menschenheit zu lösen hat, werden akuter, aber wir können heute viel mehr Menschen zur Problemlösung mobilisieren, als es vor dem Internet der Fall war. Wir verfügen über tools und Arbeitsplattformen, die uns ermöglichen intensiv kollektiv Wissen zu konstruieren.

1. Rekrutierung

Im akademischen Kontext kann die Rekrutierung über Kurse erfolgen. In Schule und Hochschule können Kurse angeboten werden, die explizit die gemeinsame, virtuelle Wissenkonstruktion als Ziel festlegen, so z.B. das Modul „Internet- und Projektkompetenz“ (IPK).  Außerhalb des institutionalisierten Kontextes besteht die Möglichkeit, zur  Rekrutierung darin, Kommunikationsplattformen anzusteueren, die von vielen Menschen besucht werden. Da diese sich nach Interessen aggregieren, findet man relativ schnell eine Community, die bereit ist, bei der Wissenskonstruktion mitzuwirken. Dazu ein Beispiel: die Plattform Twitter erreicht eine sehr hohe Anzahl von Menschen, die permanent über ihre momentane Position berichten („bin aufgestanden: schönes Wetter, freue mich auf meinen ersten Kaffee„,  „sitze gerade vor Frankfurt im Stau“, „Kinder in die Schule gebracht“). Eine anschauliche Beschreibung der Twitterplattform im Leben eines Twitters beschreibt Christian Spannagel in einem Blogeintrag:  „Twitter, Chats, Großraumbüros und Jogginghosen“. Weitere, berufsspezifischere Plattformen findet man beispielsweise im Umfeld von Educamp (Bildungssystem im weiteren Sinne). Rekrutieren bedeutet, dass man aktiv Menschen anspricht und ihnen das Angebot unterbreitet, mit ihnen Wissen zu konstruieren.

2. Kommunikation

Wenn Konsens über die allgemeine Zielsetzung „Gemeinsame Konstruktion relevanten Wissens“ besteht, wobei als oberstes Ziel emphatisch die „Weltverbesserung“ angeboten wird (siehe anthropologische Voraussetzungen), geht es an die Arbeit.  Es müssen Wissensprodukte hergestellt und verbreitet werden. Mit dem Ziel der Wissenskonstruktion wurde in der Folge des Educamps in Ilmenau die Mixxt-Kommunikationsplattform Neuron erstellt.  Mit dem Ziel der Rekrutierung und Verbreitung entstand die Mixxt-Plattform Maschendraht.

3. Die Arbeitsplattformen und die Wissensprodukte

Die zu erstellenden und zu verbreitende Wissensprodukte sind beispielsweise die Unterrichtsmethode „Lernen durch Lehren„, die zwar als Ganzes bereits vorliegt, aber im Hinblick auf eine stärkere Verbreitung in kleine Päckchen heruntergebrochen werden soll. Als Beispiel für solche Produkte sei der in Einzelarbeit angefertigte LdL-Comic von Kathrin Gaißer, einer Studentin aus Ludwigsburg, sowie der LdL-Podcast von Lutz Berger. Kollektive Wissenskonstruktion benötigt aber elaboriertere Tools, also Wikis. Wir haben uns in der Wikiversity eingerichtet. Als Beispiel einer Wissenskonstruktionswerkstatt sei angeführt der Wiki „Informatik/LdL“ von Christian Spannagel und seinen Studenten in Ludwigsburg.  Sehr umfangreiche Wissenskonstruktionsplattformen findet man im Rahmen des IPK-Moduls.

4. Die Mitarbeiterskills

Damit die kollektive Wissenskonstruktion gelingt, müssen die Teilnehmer eine Reihe von Skills automatisieren. Diese Skills lassen sich über die Neuronmetapher und über die Ressourcenorientierung beschreiben.

Fazit Alle Voraussetzungen sind gegeben, damit wir zügig und effektiv an die Konstruktion relevanten Wissens herangehen. Let’s go!