Nostalgie: Moskau -> Kasan -> Burgas -> Istanbul um die Welt zu verbessern! (2005)

jpm antwortete am 29.08.05 (19:16):

Alles sehr spannend, allerdings internet teuer in diesem Hotel. Ich bin ganz stolz, denn es ist mir gelungen, allein mit Ubahn, Schnellzug und bei feet bis zum Hotel zu gelangen (bepackt wie ein Esel – viel Fluessiges als Geschenk). Das hat mich fast vier Stunden gekostet, dafuer habe ich ganz viele Moskauer ueberall gesehen. In der Metro fuehlte ich mich wie zu Hause in Paris. Die Metro wird uns alle vereinigen. Nur dass in Moskau es keine „Farbige“ gibt. Komisch und ein bisschen schade. Die Stadt gefaellt mir gut und ich finde toll, dass allmaehlich alle Grotstaedte sich angeleichen. Man kann sich ueberall wohlfuehlen. Ich habe ein paar interessante Geschichten erlebt, aber ich kann sie hier nicht erzaehlen, weil ich meine Mails holen muss, und noch andere Foren bedienen, usw… Oder doch, die eine Geschichte: ich ging auf der Strasse und ein Typ kommt aus einem Lokal raus (um die 60 rum). Er laesst ein maechtiges Buendel Dollars aus der Tasche herausfallen. Ein Mann vor mir sieht die Dollars und steckt sie ein. Ich zeige ihm, dass ich das nicht gut finde, und er will mir unbedingt die Haelfte aufdraegen. Ich sage, das interessiert mich nicht, aber er verfolgt mich regelrecht, um mir das Geld aufzudraengen. Ploetzlich kommt der andere und fragt, ob wir sein Geld gefunden haben. Der andere verneint und zeigt als Beweis seine Brieftasche, natuerlich ohne die Dollars, die er woanders eingesteckt hatte. Jetzt verlangt der andere, dass auch ich meine Brieftasche zeige. Ich lehne natuerlich ab und werde selbst ziemlich aggressiv um zu zeigen, dass ich meine Brieftasche nicht an zwei Gauner zeige, ich sage auch, dass ich die Polizei rufe und schau, ob und wem ich meine Brieftasche zeigen soll. Die beiden beruhigen sich, keiner will die Polizei rufen und sagen mir, alles sei OK. Auch der Dollarbesitzer wollte nicht die Polizei dabei haben. Wer traegt schon in der Tasche so ein grosses Buendel Dollars und laesst sich noch dazu aus der Tasche fallen?

(….)

Julia Galimova antwortete am 04.09.05 (14:39):

Hallo Roman, ich sitze neben Deinem Vater und…. er nervt mich nicht, komisch nicht wahr? Ich finde ihn super scharmant, Du must gluecklich sien so einen Vater zu haben. Aber verstehe ich schon wenn es der Vater ist dann sind die Beziehungen anders. Dein Vater hat Glueck mit Tataren….Tuerken auch… komisch oder?
Wir haben heute superschoenes Wetter und noch Stadtfest und viele junge Menschen auf den Strassen. Leider konnten wir den roten Platz nicht wirklich sehen. aber sprechen konnten wir gut. Und wie Dein Vater sagt, das wichtigste ist die Kommunikation. s ist mir gerade eingefallen, dass es extrawertierte und intrawertierte Menschen giebt….einige koennen ohne Kommunikation gar nicht existieren, andere – brauchen das eifach nicht. Ich glaube wir beide gehoeren zu den ersten. Das Proekt scheint interresaant zu sein, aber noch ziemlich weit, kann sein dass auch nict in deisem Jahrhundert. Es kann nicht kunstlich gemacht werden, aber wenn es auf natuerlich Weise geht dann braucht man richtig viel Zeit.
Na gut, ich habe schoen viel geschrieben. ich habe nich Paar Gedanken, aber ich schreibe sie spaeter.(…)

Hier der ganze Thread: LdL-ZUM-Foren

Weltverbesserung am Beispiel Ingolstadt

Resume 30 Jahre lang habe ich an der Verbesserung der Unterrichtsmethodik an Schule und Hochschule gearbeitet. Nachdem mir dieses Feld durch die Pensionierung entzogen wurde, bemühe ich mich um Optimierungen an meinem Lebensort.

1. Ingolstadt als günstiger Resonanzraum

Systemtheoretisch betrachtet ist Ingolstadt ein guter Resonanzraum. Mit 130.000 Einwohnern ist die Stadt groß genug, um viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Bildungsniveaus zu beherbergen. Es gibt diverse Szenen und Subszenen. Andererseits ist die Stadt nicht zu groß, so dass die besonders Interessierten sich immer wieder in unterschiedlichen Kontexten treffen und intensiven Austausch pflegen.  Wenn es einem gelingt, an verschiedenen Punkten des Systems (z.B. Parteien, Bürgerinitiativen, Kunstvereine, Migrantenprojekte, Volkshochschule) bestimmte Themen gezielt und redundant einzuspeisen, so ist die Chance groß, dass die entsprechenden Ideen aufgegriffen, diskutiert und verbreitet werden.

2. Welche Ideen?

Nach mehreren Jahrzehnten Reflexion über menschliche Bedürfnisse und Verhalten zweifele ich nicht daran, dass wenn man Strukturen egal welcher Art anbieten will (Stadtplanung, kulturelles Angebot, Schulsystem, Parteienstruktur) der erste Schritt darin besteht, sich mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen intensiv zu befassen. Was braucht der Mensch um glücklich zu sein? Davon abgeleitet lassen sich Überlegungen über das Stadtbild und die städtische Architektur anstellen, Überlegungen über Fragen des Wachstums und des Energiekonsums, über Fragen der Ernährung und der Tierhaltung, usw… Es lassen sich im kleinen die Fragen angehen, die uns weltweit beschäftigen.

3. Die Akteure

Für die Aufnahme, Weiterentwicklung und Verbreitung von Ideen braucht man Akteure. Diese findet man in bestehenden Gruppen, wie beispielsweise Parteien, Vereinen oder sonstigen Assoziationen.  Es wäre naiv zu glauben, dass die Gedanken, die man vermitteln will, sofort verstanden und begeistert aufgegriffen werden. Man braucht ein bisschen Geduld, aber es lohnt sich dann sehr! Einige Gruppen liegen einem per se nahe und die Chancen, dass man auf Gehör trifft, sind dann besonders hoch. In meinem speziellen Fall (Vernetzung, Ökologie, Ressourcenorientierung) sind die Grünen die richtige Gruppe. Auch die Brückenbauer stehen mir naturgemäß sehr nahe. In anderen Bereichen (Volkshochschule, Bürgerhaus) bemühe ich mich ebenfalls, meine Ideen einzubringen.

Fazit: Wir stehen erst am Anfang, aber es ist sehr spannend!

Educamp Ilmenau 2009

Resume Von Freitag bis Sonntag war ich in Ilmenau auf dem Educamp.

1. Der Rahmen

Das Educamp hat bisher dreimal stattgefunden: zweimal in Ilmenau und einmal in Berlin. Die gesamte Stimmung ist basisdemokratisch, was bedeutet, dass jeder, der eine gute Ideen hat, spontan eine Session zu einem Thema anbieten kann. Ein solches Konzept mit vielen Unwägbarkeiten verlangt von den Organisatoren Talent, nicht nur was die technischen Abläufe angeht (je spontaner, desto  größer die Anforderungen an die Adaptationsfähigkeit der Strukturen) sondern zwischenmenschlich, um den Gästen das Gefühl zu vermitteln, dass sie und ihre – gelegentlich komplizierten – Wünsche willkommen sind. Dies gelingt Thomas BernhardtSteffen Büffel und Marcel Kirchner hervorragend. Man fühlt sich dort wie zu Hause, unter Freunden.

2. Ein paar Sätze an

@Claudia Als wir uns noch kurz vor dem Bahnhof unterhielten, habe ich etwas scheinbar Widersprüchliches gesagt: ich sagte, dass man durch Bloggen schnell zu einem tieferen Austausch kommt und die essentials (Menschenbild und fundamentale Ziele) einer Person rasch erfährt. Dann bestünde die Gefahr, dass man das Interesse verliert, weil man die Person kenne und nichts Neues mehr erwarte. Andererseits behaupte ich, dass durch Bloggen eine Vertiefung der Beziehungen entsteht, was Nachhaltigkeit fördert. Letzteres stimmt, aber nur dann, wenn nach den vertieften Einsichten dann zügig gemeinsame Ziele und Projekte angesteuert werden. Daher auch der Begriff nachhaltige Projektbeziehungen.

@Michael Nach unseren Gesprächen und unserer gemeinsamen Session fühle ich mich noch mehr verpflichtet, Qualität zu bringen. Vor allem, wenn wir dann tatsächlich ein Projekt gemeinsam durchführen.

@Felix Ähnliches gilt für dich: wenn ich euch als Denkpartner behalten will, darf ich nicht nachlassen!:-)))

3. Alexanders Vorstellung des Bénin-Projektes

Vodpod videos no longer available.

more about „showplayer.swf (application/x-shockwa…„, posted with vodpod

4. Mein Gefühl danach

und eine Bestätigung…

apanat, on April 16th, 2009 at 5:33 am Said:

In der Tat ist es dir gelungen, über Wikipedia, deinen Blog, Twitter und andere Netzbeiträge stärkere Arbeitsbeziehungen herzustellen, als ich sie bei Wikipedia und Blogs üblicherweise mitverfolge.
Ich kann deshalb Wikipedianer schon verstehen, die finden, dass du Wikipedia nur für deine Ziele benutzen willst.
“Wir schreiben eine Enzyklopädie”.
Du willst “Weltverbesserungsprojekte”, und die Wikipedia ist nur eines davon.
Weiter viel Erfolg dabei! Der Stoff dafür wird nie ausgehen.

Apanat ist ein ausgesprochener Kenner der Szene.

Tiefe Schichten ansprechen: zwei Beispiele

Resume In dem unüberschaubaren Angebot im Netz hat man nur eine Chance, nachhaltige  (Projekt-)Beziehungen aufzubauen. Man muss Existentielles anbieten.

1. @Petrakleine

Mit Petra Kleine habe ich vor 29 Jahren einige Monate am Aufbau der Grün-Alternativen Partei in Ingolstadt zusammengearbeitetet. Dann trennten sich unsere Wege, aber ich verfolgte ihre erfolgreichen Aktivitäten aus der Zeitung. Vor ein paar Wochen bin ich in die politische Arbeit wieder eingestiegen. Mit Petra ging es sehr schnell. Ich präsentierte sofort meine Metaphern und vor allem mein Menschenbild und meine Ziele („Weltverbesserung“). Es gelang mir, Petra zum Twittern zu verführen. Vor kurzem twitterte sie:

@jeanpol o.k.- das was mich eigentlich anmacht ist auch nicht metaphorik, die macht spass – sondern die #weltverbesserung incl. lebenslust

2. @dieGoerelebt

Vor einigen Wochen überraschte mich Dörte Giebel, die ich nicht kannte,  in Twitter mit der Mitteilung, sie würde schon länger meine Tweets und meine Blogeinträge lesen und schätzen! Welche Emergenz! Welche Freude! Und gestern hat sie einen Blog eingerichtet mit folgendem Eintrag (Auszug):

Mein Vorbild für diesen Blog ist Jean Pol Martin, emeritierter Französischdidaktiker an der Universität Eichstätt-Ingolstadt, der mit seinem Weblog eine öffentliche Schnittstelle für seine wissenschaftlichen Ideen und seine Projekte schafft – immer “gut geerdet” durch die Anbindung alles Virtuellen an Handlungen in real life. In diesem Sinne möchte ich mit meinem Blog die auf Twitter begonnene Vernetzung fortsetzen und intensivieren – und dies nicht festgelegt auf eine einzige Rolle (bzw. berufliche Funktion), sondern als “ganzer Mensch”. Mein Ziel ist die möglichst authentische Kommunikation über Themen, die mich – und eventuell auch noch ein paar andere da draußen – bewegen.

Fazit Sowohl mit Petra Kleine als auch mit Dörte Giebel war es möglich, in relativer kurzer Zeit eine tiefe, existentielle Verbindung aufzubauen. Ich hoffe, das ist der Auftakt zu einer nachhaltigen (über meinen Tod hinaus) dauernden (Projekt-)Beziehung.

Warum ich twitter brauche: zur Organisation kollektiven Denkens.

Resume Als Wissenschaftler sehe ich meine Aufgabe darin, kollektive Reflexion anzuregen und zu organisieren. Dazu brauche ich Inhalte (Handlungsziele), Menschen (Neuronen) und Kommunikationstools (Gehirnarchitektur).

1. Die Ziele (Inhalte)

Aus Gründen, die ich bereits an anderen Stellen beschrieben habe, bin ich stets auf der Suche nach umfangreichen informativen Stimuli. Die finde ich, wenn ich Projekte durchführe. Um Projekte durchzuführen wiederum, brauche ich Menschen. Ich muss also Menschen mobilisieren. Es hat sich erwiesen, dass Menschen gerne an „Weltverbesserungsprojekten“ mitarbeiten.  Solche Projekte sind z.B. die Verbesserung des Schulsystems durch die Verbreitung neuer Kommunikationstools (Web2.0) oder durch die Einführung neuer Methoden, wie Lernen durch Lehren (LdL).  Solche Projekte sind aber auch politische Aktionen gegen die Zerstörung von Ressourcen, wie die Grünen sich auf die Fahne geschrieben haben.

2. Die Menschen (Neuronen)

Wenn Menschen gemeinsam Projekte durchführen, müssen sie kollektiv reflektieren. Das geht am besten, wenn sie schnell und möglichst permanent kommunizieren, wie Neuronen im Gehirn. Ich selbst bearbeite folgende Themen und versuche kollektive Reflexion mit folgenden Menschen durchzuführen (ich liste nur die Projekte und Personen auf, die mich aktuell beschäftigen):

  • Verbesserung der Methodik in Schule und Hochschule dank der Methode Lernen durch Lehren: Knotenpunkt: cspannagel und Lutzland, melgottschalk sowie ekirlu (zusammen mit weiteren Akteuren, die ich nicht mehr überblicke)
  • „Weltverbesserungsprojekte“ nach dem IPK-Muster: Knotenpunkte: kratky (zusammen mit etwa 80 Studenten) und mindlounge (zusammen mit weiteren Akteuren)
  • Intensivierung der Kommunikation unter Grünenmitgliedern: Knotenpunkte speedwuschel und frumpy63
  • Internetprojekte mit Senioren an der Universität Ulm: Knotenpunkt steht noch nicht fest
  • Permanente Reflexion ohne konkretes Projekt mit apanat und Itari sowie Birkenkrahe, dieGoerelebt und Filterraum
  • Sehr vertiefter Austausch über Unterricht mit mccab99 und herr_larbig

3. Ohne Twitter geht es nicht

Bei einer so großen Anzahl von effektiven und möglichen Projektpartnern, die man ansprechen möchte oder die man mit anderen Inhalten (Links) oder Personen verknüpfen will (Organisation kollektiver Reflexion)  ist es unabdingbar, dass man die Übersicht über ihre Aktivitäten behält und auf den Augenblick wartet, der für eine Kontaktaufnahme günstig erscheint. Wenn ich einen Partner mit Hilfe von Twitter verfolge, kann ich seine emotionale und intellektuelle Bereitschaft erkennen, sich auf ein Kontaktangebot von mir einzulassen. Ich kann auch einschätzen, inwieweit er belastbar ist und eventuell freie Kapazitäten hat, um mit mir eine Aktion durchzuführen. Einen solchen Überblick kann ich mir nur mit twitter verschaffen!

Fazit Twitter ist gegenwärtig das einzige Medium, das ermöglicht, sich einen umfassenden Eindruck über die Verfassung eines  Kontaktpartners zu verschaffen, also über seine aktuelle Kontaktbereitschaft und aktuelle Belastbarkeit.

Relevantes Wissen.

Resume Gestern hat mir Alexander Rausch eine Freude gemacht. Er meinte, meine Auftritte haben Erlebnischarakter. Das bedeutet, dass ich wohl in Zukunft weiter gefragt bin. Warum ist es so?

1. Warum ich mich auf Auftritte freue

Als Didaktiker und Pädagoge war ich immer schon bestrebt, meinen Schülern und Studenten relevantes Wissen zu vermitteln. Relevantes Wissen bedeutet Einsichten, die einem ermöglichen, gut mit dem Leben zurechtzukommen, also glücklich zu sein. Glücklich sein heißt, dass man in der Lage ist, seine Bedürfnisse – auch langfristig – zu befriedigen. Logischerweise ist der erste Schritt zu überlegen, was überhaupt Grundbedürfnisse sind und wie wir als Lebewesen „funktionieren“. 1986 habe ich nach intensiven Lektüren insbesondere der kognitiven Psychologie und der Soziologie (Luhmanns Systemtheorie)  ein Modell entwickelt, das Menschen beschreibt und den Umgang mit ihnen erleichtert. Da ich weiß, dass das Modell für die meisten a) neu b) gut nachvollziehbar und c) nützlich ist, bin ich bei Auftritten sehr gut drauf und spielerisch aufgelegt.

2. Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung

An anderer Stelle habe ich beschrieben, dass die Informationsverarbeitung ein Grundbedürfnis ist. Ich bin nur dann richtig glücklich, wenn ich permanent Informationen verarbeite. Das geht aber nur, wenn mich Menschen aus meiner Umwelt mit entsprechenden Stimuli versorgen. Und dies wiederum geht nur, wenn ich selbst diese Leute mit relevanten Informationen beliefere. In meinem Blog beispielsweise muss ich mich bemühen, Modelle anzubieten, mit denen meine Leser sofort etwas Konkretes anfangen können. Als Didaktiker und Pädagoge beliefere ich meine Leser mit didaktischen Einsichten, die sie in ihrem Unterricht umsetzen können, um ihr Leben glücklicher zu machen. Als Lieferant von guten Modellen bleibe ich im Gespräch, ich werde eingeladen, werde dadurch mit Stimuli versorgt. Und so kann ich dauerhaft mein Grundbedürfnis nach Informationsvearbeitung befriedigen.

3. Beispiele für relevantes Wissen

Eminent relevantes Wissen ist das oben erwähnte Menschenbild. Das ist das erste, was ich vorstelle, wenn ich einer Gruppe (Schüler, Studenten, Fortbildungsteilnehmer) gegenüber stehe. Ganz wichtig für Lehrer ist in diesem Zusammenhang die Einsicht, dass wir Menschen sehr gerne Unsinn machen, überall wo das möglich ist und bevorzugt natürlich im Unterricht. Wenn man uns aber spannende Handlungsfelder anbietet, die uns ermöglichen, unsere Bedürfnisse nach Informationsverarbeitung zu befriedigen, dann handeln wir in der Regel konstruktiv.  Als Lehrer fokussieren ich auf diese konstruktiven Beiträge. Und nun ein paar Beispiele für relevantes Wissen: wie der Mensch selbst, der sich im Spannungsfeld von antinomischen Bedürfnissen bewegt (Freiheit vs. Gleichheit, Bewegung vs. Ruhe, Klarheit vs. Unbestimmtheit, Integration vs. Differenzierung, Individuum vs. Gesellschaft), lösen sich in der Geschichte der Menschheit die Epochen ab: Mittelalter (Ängstlichkeit, Wunsch nach Ordnung, Blick nach oben zu Gott, Pessimismus) vs. Renaissance (Risikobereitschaft, Offenheit und Aushalten von Unbestimmtheit, Blick auf die Welt, Optimismus). Wer das versteht, kann die Epochen einordnen (auch Kunst, Literatur, Philosophie, pädagogische Vorstellungen).

4.  Weiteres relevante Wissen: „Allgemeinbildung“

Um den Alltag besser in den Griff zu bekommen ist es wichtig, dass man über ein Grundwissen verfügt, mit dem man historische und aktuelle Ereignisse  verstehen und einordnen kann. Daher vermittele ich meinen Schülern Grundkenntnisse in Geschichte, sofern sie das Verständnis der heutigen Welt erleichtern: Palästinakonflikt, Liberalismus vs. Dirigismus, Materialismus vs. Idealismus, Christentum und Islam, Hedonismus vs. Asketismus, Zentralismus vs. Federalismus, usw. Und nun biete ich in der Volkshoschule einen Kurs an, der innerhalb von zwei Semestern alle wesentlichen Ereignisse der Weltgeschichte auf den Punkt bringt. Auf diese Weise soll jeder Teilnehmer über ein klares Raster (Strukturwissen) verfügen, das ihm einen spielerischen Umgang mit der Entwicklung der Welt ermöglicht und ihm die kognitive Durchdringung auch seines eigenen Lebens erleichert.

Fazit Relevantes Wissen ermöglicht die Einordnung der Alltagserlebnisse in einen größeren Kontext und macht uns handlungsfähiger, also glücklicher.

Kommunikation als Kickspender und Verführung! Auf die Ziele kommt es an!

Resume Kommunizieren macht Spaß, sehr viel Spaß! Oft vergessen Menschen, dass die Kommunikation nur dazu dient, zusammen mit anderen bestimmte Ziele zu erreichen. Auch die Kommunikation über Kommunikation ist noch kein relevanter Inhalt. Oh je!

1. Warum im virtuellen Raum soviel kommuniziert und sowenig realisiert wird

Ich habe bereits beschrieben, dass der Vorgang der Informationsverarbeitung durch den Organismus belohnt wird. Es macht Spaß, Informationen zu verarbeiten, sonst würde das Lebewesen dies nicht tun und bald nicht mehr mit der Umwelt klar kommen. Wie alle anderen Lebensfunktionen, die im Sinne der Lebenserhaltung viel Spaß machen müssen, damit wir es überhaupt tun  (z.B. auch Nahrungsaufnahme und Geschlechtsverkehr) ist die Aufnahme von Informationen hochgradig suchtinduzierend. Das kann man beispielsweise an der Videospielsucht beobachten. Wenn Menschen sich also vornehmen, gemeinsam ein bestimmtes Ziel zu erreichen, und dafür viel zu kommunizieren, ist die Gefahr immer gegeben, dass sie anfangen, permanent zu kommunizieren und dabei vergessen, warum sie es tun. Oder sie können sich auch ein gutes Gewissen verschaffen, indem sie über die Optimierung und Verbreitung von Kommunikationsmitteln kommunizieren, auch wenn sie für das zu erreichende Ziel ausreichend mit einem Telephon und einem Blatt Papier versorgt wären. Natürlich spreche ich hier nicht von den Menschen, die von berufswegen über Kommunikation reflektieren. Das ist ja ihr Job! Für sie, und nur für sie ist die Gestaltung von Kommunikationsmitteln der Inhalt. Alle anderen, insbesondere Lehrer, benutzen Kommunikationsmittel um mit ihren Schülern Inhalte zu barbeiten, im Idealfall sogar gemeinsam zu konstruieren. Da das eventuell festgelegte Ziel immer wieder aus den Augen gerät, lösen sich communities immer wieder auf und es bilden sich neue, ohne dass die Kommunikation gestört wird. Man rennt von einem Kommunikationsrausch zum anderen mit wechselnder Party-Besetzung.

2. Wikipedia als Gegenmodell: gemeinsame Wissenskonstruktion

Bei Wikipedia ist das Ziel sehr klar definiert: es wird gemeinsam Wissen konstruiert. Dieses Wissen wird in Form von Artikeln gespeichert. Alles andere ist zweitrangig. Jeder weiß, was von ihm erwartet wird, nämlich dass er sich an die strengen Regeln der Wikipedia-Arbeit hält: „wir erstellen eine Enzyklopädie, basta!“.  Zur Konstruktion von Artikeln wird natürlich sehr intensiv kommuniziert, aber dies erfolgt über ganz einfache, mintunter spröde Tools. Beim Schreiben von Artikeln ist die Autorenbesetzung zwar nicht durchgängig stabil, aber oft bilden sich Gruppen von zwei oder drei Autoren, die über Jahre hinweg an ihren Artikeln arbeiten. Natürlich kann man auch im Rahmen der Wikipedia Suchtverhalten entwickeln und sich dem Kommunikationsrausch hingeben, aber dies geschieht eher im Bereich der Wartung, insbesondere des Suchens und Stellens von Vandalen, oder in der Abwehr von Trolls. Wikipedia nenne ich deshalb ein „Gegenmodell“ zu Twitter und Blogs, weil die hedonistische Komponente fehlt. In der Wikipedia werden in spröder kommunikativer Ambiente außergewöhnliche Zielorientierung, Nachhaltigkeit und Durchhaltevermögen mobilisiert.

3. Der dritte Weg: die IPK-Struktur (oder Neuron)

In der Twitter/Blogger-Welt wird der Schwerpunkt auf den Akt der Kommunikation und der Vernetzung gelegt. Bei Wikipedia steht die Zusammenstellung und Präsentation des existierenden Wissens im Vordergrund.  Das IPK-Modul (auch Neuron-Konzept) bemüht sich um die Integration der beiden Komponenten, indem nicht nur wie in der Wikipedia existierendes Wissen präsentiert wird, sondern Wissen im Rahmen von Projekten hergestellt wird: Menschen kommen zusammen, definieren einen Bereich, über den sie Wissen erstellen wollen, entwickeln ein entsprechendes Design, führen das Projekt durch und speichern das gewonnene Wissen ins Netz. Sie lernen also zu kommunizieren, indem sie gemeinsam Wissen erstellen.

Fazit Kommunizieren lernt man am besten im Rahmen von Projekten mit dem Ziel, relevantes Wissen gemeinsam zu konstruieren. 

Ich weiß was, was du nicht weißt: wie bringt man Menschen zum Kommunizieren?

Resume: Um Probleme zu lösen, müssen wir ununterbrochen neues Wissen konstruieren. In Einsamkeit geht das nicht. Zur Produktion von neuem Wissen, müssen Menschen kommunizieren. Wie motiviert man Menschen zu kommunizieren, um neues Wissen herzustellen?

1. Ausgangspunkt: eine kleine Alltagsinnovation

Menschen innovieren ständig in ihrem Alltag. Beispielsweise wenn sie ein neuartiges Kochrezept entwickeln. Sie teilen diese „Innovation“ in ihrem Umfeld mit und wenn das gut ankommt, werden sie durch das positive Feed-Back motiviert, ihre Innovation a) zu optimieren und b) zu verbreiten. Je besser das neue Wissensprodukt und je bedeutsamer für möglichst viele Menschen, desto positiver und umfangreicher die Rückmeldung und die Motivation, neues, möglichst für viele Menschen relevantes Wissen herzustellen. Genauso ist es mit LdL verlaufen: a) 1980 kleine Innovation im Französischunterricht (ich lasse meine Schüler sich selbst unterrichten), b) ich kommuniziere das in meiner Umwelt, c) sehr positive Reaktion in meiner Umwelt, d) Optimierung von LdL, e) Verbreitung etc.

2. Innovationen in Ketten

Wenn die Alltagsinnovation (wie LdL) eine größere Relevanz hat, befassen sich viele Menschen damit und es entsteht der Wunsch und der Zwang zur permanenten Verbesserung. Daraus entwickeln sich kleinere und größere Sub- oder auch Superinnovationen, Innovationen in Ketten. Als beispielsweise das Prototyp LdL aus meiner Sicht „Produktionsreife“ ereicht hatte, entwickelte ich zusammen mit anderen Leuten das IPK-Modul, das, wie LdL, auf die Konstruktion kollektiven Wissens abzielt. Auch diese Innovation wurde in meiner direkten Umwelt angeboten und schrittweise akzeptiert. Wir haben also a) ein neues, relevantes Produkt erstellt (IPK), b) dieses Produkt in der Umwelt kommuniziert, c) entsprechende Aufmerksamkeit erhalten und daraus die Motivation entwickelt, weitere Innovationen zu erstellen und an die Umwelt anzubieten.

3. Das Maschendraht/Neuron-Projekt

Es hat sich ergeben, dass Christian Spannagel und Lutz Berger auf meine Arbeit aufmerksam wurden. Beide sind sehr fitt und möchten die neuen Kommunikationsmittel im Bildungssystem verbreiten. Um einzuüben, wie man am besten die neuen Tools benutzt, brauchen sie auch Kommunikationsinhalte. Für mich ein Traum, denn ich konnte ihnen ein gutes Produkt (LdL + Theorie) anbieten, das sie zu Übungszwecken einsetzen. In Spannagels Umfeld entstanden die Kommunikationsplattformen Neuron und Maschendraht. Lutz Berger erstellte u.a. ein LdL-Podcast.

Fazit: Alles super und wenn der Vorrat an neuem Wissen verbraucht ist, brauchen wir neue, relevante Inhalte, die wir jetzt schon konstruieren müssen.

Informationsverarbeitung und warum ich nach (mehr) Ruhm strebe

1. Informationsverarbeitung macht glücklich und warum es so sein muss

– Die Gehirnforschung zeigt (Gerhard Portele, 1975, also nicht gerade neu), dass die Verarbeitung von Informationen im Gehirn positiv dekodiert wird. Anders ausgedrückt: es macht Spaß, Informationen zu verarbeiten, Texte zu lesen verursacht Kicks. Natürlich nicht alle Informationen, sondern welche, die bestimmte Merkmale aufweisen: nicht zu einfach (Unterforderung), aber nicht zu komplex (Überforderung), quantitativ nicht zu zahlreich, aber auch nicht zu wenig, usw.). Auf diesen Punkt werde ich später inn einem eigenen Beitrag ausführlich eingehen, weil er zentral für die Gestaltung der Lernumwelt ist: die Lernumwelt muss so struktuiert sein, dass der Mensch aus ihr die richtige Dosis an informativen Stimulis aktiv holen kann.

– Dass die Informationsverarbeitung im Gehirn stark belohnt wird ist deshalb im Bauplan der Natur vorgesehen, weil wir sonst nicht reflektieren würden. Brecht sagt: „Ohne Not denkt der Mensch nicht“. Nun ist Denken unabdingbar für das Überleben, denn wir müssen uns ständig an die Veränderungen der Umwelt anpassen, also ständig Informationen verarbeiten. Auch die anderen vitalen Funktionen werden vom Organismus (Gehirn) stark belohnt. Sonst würden wir die Strapazen nicht auf uns nehmen. Wenn Essen oder Trinken nicht so positiv belohnt würde, würden wir diesen lächerlichen Vorgang nicht auf uns nehmen. Wir würden nicht Flüssigkeit (Wasser, Wein oder Bier) oder eine gelatinöse Masse (Kuchen, Fleisch, Fisch) durch eine Körperöffnung (Mund) in unser Körper hineinwürgen. Dasselbe gilt in noch höherem Masse für den Geschlechtsverkehr: wer würde die Vorarbeiten und den Vorgang selbst durchführen, wenn die Natur dies nicht mit einer großen Belohnung versehen hätte? Wer würde überhaupt auf die akrobatische Idee kommen?

2. Ruhm und Informationsverarbeitung

Wenn Informationsverabeitung „glücklich“ macht, dann müssen Menschen, die nach Glück streben, ihre Umwelt so einrichten, dass sie permanent mit informativen Stimuli versorgt werden. Da mit zunehmender Zufuhr von Stimuli der Organismus in bezug auf die Qualität der Impulse immer anspruchsvoller wird, ist es schwer eine entsprechende Menge und Qualität flächendeckend zu erhalten.

Ruhm sichert eine relativ stabile Versorgung mit Aufmerksamkeit, also mit anspruchsvollen, quantitativ hohen informativen Stimuli.

3. Mach die Menschen, die mit dir zusammenarbeiten, berühmt!

Wenn Menschen mit dir zusammenarbeiten, müssen sie belohnt werden. Sie müssen spüren, dass ihr Leben durch die Zusammenarbeit mit dir an Qualität gewinnt. Verschaffe ihnen also Aufmerksamkeit (informative Stimuli). Und das gelingt am besten im Rahmen von langfristigen „Weltverbesserungsprojekten“: Dauerflow! Allerdings müssen diese ganzen Aktivitäten einen Sinn haben. Der Sinn ist, dass unsere Problemlösekapazitäten dabei wachsen. Und hier sind wir bei der Welt, im selben Bot wie Obama!:-)))