Umsetzung des bottom-up-Prinzips dank web2.0.

Nach den Kommentaren zu meinem letzten Blogeintrag (Vorbereitung auf die Podiumsdiskussion auf der cebit10) fasse ich zusammen:

1. Web2.0 und socialweb an der Hochschule

Bereits heute gibt es überzeugende Beispiele für den Einzug von bottom-up an der Hochschule dank Web2.0. So öffnet als Aktionsforscher und Professor in Heidelberg Christian Spannagel sein gesamtes Aktivitätsfeld für die Web-Öffentlichkeit. Er greift alle von außen kommenden Impulse auf und setzt sie in seine Forschung und Lehre um. Er ist das Paradebeispiel für den Einzug von Web2.0 in die Hochschule. In kleinerem Rahmen experimentieren Oliver Tacke und Alexander Perl in Braunschweig mit der Einbeziehung von social-tools, z.B. Twitter in ihren Veranstaltungen. Ein weiterer Schritt ist es, wenn ganze Seminarprojekte virtuell durchgeführt werden (IPK). In allen diesen Fällen wird die Studentenperspektive (bottom-up) eingefangen.

2. Web2.0 in den Schulen

Schrittweise halten Web2.0-tools auch Einzug in die Schule. Dies betrifft beispielsweise die Lernplattform Moodle. Allerdings:

Die Innovation kann nur in Ausnahmefällen von den Schulen selbst (also von den Lehrkräften dort) angestoßen und umgesetzt werden – jedenfalls nicht als großer Wurf und radikal. Dazu sind die Lehrkräfte viel zu sehr in die existierende Struktur eingebunden. (@rip)

3. Web2.0 außerhalb von Schule und Hochschule: ein paar Beispiele

Kennzeichen dieses Lernens außerhalb von Institutionen ist, dass es hochgradig selbstbestimmt und intrinsisch motiviert ist, dass es projektcharakter hat und kurze, arbeitsintensive Zeitspannen umfasst. Die Erfahrungen, die außerhalb des traditionnellen Bildungssystems gesammelt werden, sollen in Schule und Hochschule eindringen. Das wird eine gesamte Reorganisation des Lehrbetriebs nach sich ziehen, mit langen Phasen der virtuellen Lernkommunikation außerhalb und Phasen intensiver Präsenzkommunikation innerhalb der Lehrgebäude.

4. Haltungen

Neuronverhalten„: Offenheit, Risikobereitschaft, exploratives Verhalten, Geschwindigkeit und Vernetzung.

5. Educamp

Konferenzen, auf denen die neueren Möglichkeiten des Einsatzes von web2.0 aufgezeigt werden, sind beispielsweise Educamp, das selbst nach dem Barcamp-Prinzip funtkioniert, also mit grundsätzlicher bottom-up Struktur.

Warum Web2.0 mein ganzes Leben prägt.

Resume Am kommenden Montag werde ich im Bürgerhaus/Ingolstadt vor Senioren darstellen, warum Web2.0 so toll ist. Warum ist es so toll?

1. Identität: alles zusammenhalten

Als ich noch berufstätig war und unterrichtete, erhielt mein Leben durch die festen Termine und die thematische Eingrenzung eine klare Struktur. Ich musste jeden Tag in die Schule gehen und inhaltlich ging es um die französische Sprache und Kultur. Nebenbei führte ich Projekte durch, aber mein Leben blieb kohärent.  Trotzdem: auch damals fand ich, dass mithilfe von Wikis, Blogs und Twitter die Integration aller Lebensstränge erleichert wurde.  Mit Twitter wurden kleine Lebenspartikeln kommuniziert und dadurch festgehalten, in Wikis wurde Wissen konstruiert und im Blog alles inhaltlich zusammengehalten. Heute, wo ich keiner geregelten Arbeit mehr nachgehe, ist die Aufsplitterung noch viel größer.  Daher auch die erhöhte Notwendigkeit, alle parallel laufenden Aktivitäten zu integrieren.  Mit Twitter besteht die Möglichkeit, einen roten Faden in den Alltag einzufügen. In der Früh kündige ich Vorhaben an, die ich im Laufe des Tages realisiere. Es sind im Prinzip viele kleine Aktivitäten, deren Gemeinsamkeiten immer wieder hergestellt und beleuchtet werden müssen. Das passiert vor aller Augen, so muss man sich zur Kohärenz zwingen und das hilft, eine klare Identität zu bewahren.

2. Was steht an in den nächsten Tagen und Wochen?

– Fortsetzung der politischen Aktivitäten bei den Grünen (donnerstags)

– Studium Generale (VHS, montags)

– Bürgerhaus: Versuch, eine IPK-Gruppe ins Leben zu rufen (weitere Links für Seniorenarbeit)

– Vortrag über LdL in Trient: 27. Oktober

– Skype-Vortrag über LdL mit Norvegen: 10. November

– Fortsetzung meiner Biographie

Fazit Dank Twitter, Wikis und Blogs kann ich den Überblick über meine Aktivitäten viel besser behalten und mich motivieren, weiterzupushen.

CS: „Web2.0 und LdL haben ähnliche Merkmale.“

Auf der Suche nach Argumenten für den Einsatz von LdL stoße ich immer wieder auf „kleine Juwele“. Kleine Juwele sind Aspekte, die entscheidend für die Attraktivität von LdL sind und bisher nicht ausreichend von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden.

Aus dem Blog von Andreas (andi1984 ): Interview mit Christian Spannagel

3. Frage: In deinem Blog beschäftigst du dich ja in der letzten Zeit vermehrt mit dem Thema LDL. Was genau ist LDL und was fasziniert dich daran?

LdL heißt “Lernen durch Lehren” und ist eine Unterrichtsmethode, die von Jean-Pol Martin entwickelt worden ist. Jean-Pol habe ich auf dem EduCamp kennen gelernt. Das ist eine Tagung, die sich eigentlich um das Web 2.0 dreht. Beim genaueren Hinsehen bemerkt man aber, dass das Web 2.0 und LdL ganz viele ähnliche Merkmale haben. Bei LdL unterrichten sich die Schüler gegenseitig. Das darf man sich nicht referatartig vorstellen, sondern eher so: Die Schüler sitzen in einem Kreis und diskutieren interessante Themen. Dabei übernehmen Schüler z.B. die Gesprächsführung.  Oder sie präsentieren ihren Mitschülern bestimmte Inhalte, die anschließend gemeinsam besprochen werden. Oder sie bereiten Hausausgaben vor, die von den anderen bearbeitet werden müssen, und dann leiten sie die Besprechung der Ergebnisse. Dabei herrscht also eine sehr offene, anregende, diskussionsfördernde Stimmung. Dabei macht es auch nichts, wenn man Quatsch sagt – die anderen Schüler können einen ja berichtigen. Der Lehrer rügt diese Fehler auch nicht oder gibt schlechte Noten dafür – er ist mehr “Regisseur” oder “Souffleur” und unterstützt die Schüler in ihrer gemeinsamen Arbeit und in ihren Diskussionen. Hierin liegt auch die Gemeinsamkeit mit dem Web 2.0: In beiden Umgebungen können Menschen ihre Gedanken äußern, mit anderen in Kontakt treten und “gemeinsam denken” oder sogar Projekte gemeinsam durchführen.“

Konsumiere Menschen nicht! Auch nicht in Twitter!

Resume Die Andockmöglichkeiten, die im Web2.0 angeboten werden, verführen zum Menschenkonsum und Ressourcenverschwendung: es werden Energien, darunter auch Emotionen vergeudet. Was mache ich dagegen?

1. Meine Beobachtungen seit neun Jahren (Foren, Wikipedia, Educamp, Twitter)

Mein erstes Forum habe ich im März 2000 in der ZUM erröffnet.  Es meldeten sich verschiedene Menschen (Schüler, Kollegen und Studenten) und ich nahm mir damals vor, sofort auf die Beiträge einzugehen und niemals eine Kontaktaufnahme unbeantwortet zu lassen. Nur so konnte ich meine Gesprächspartner halten und ich wollte auch Respekt zeigen. Natürlich verschwanden die Besucher immer wieder, aber ich selbst habe sie nie im Stich gelassen. Ich wollte sie nicht konsumieren. Bei diesem Prinzip bin ich geblieben. Ich habe Web2.0-Projekte an der Uni initiert und auch da war mein Motto, Studentenanfragen sofort zu beantworten und anvisierte Projekte durchzuführen, auch wenn manchmal von 20 Studenten nur 2 übrig blieben. Ähnliches mein Verhalten in der Wikipedia, wo die Leute ohnehin bereits auf nachhaltige Arbeit eingestimmt sind.  Als ich mir vor einem Jahr auf der Educamp-Plattform einen account anlegte in der Überzeugung, hier würden die Leute besonders fix sein und angesichts des anvisierten Camps zuverlässig und intensiv kommunizieren, war ich überrascht: so ernst war die Kommunikationsplattform nicht gemeint. Als ich unter Nutzung der Tools meine „Freunde“ per Rundmails informieren wollte, stellte ich fest, dass auch diese Möglichkeit nicht wirklich ernst gemeint war. Es schien als ob man die Leute anziehen, aber nicht richtig bedienen wollte. Inzwischen ist ein Jahr vergangen und es hat sich im Educamp-Bereich viel getan.

2.  Anlocken und dann nachhaltig bedienen

Als Forscher gibt es diverse Erkenntnisse, die ich gerne verbreiten möchte. Dazu begebe ich mich in Felder, wo sich viele Menschen versammeln und ich versuche, Aufmerksamkeit zu erregen, z.B. durch Perturbationen. Meine Einstellung zu diesem Vorgang ist sehr klar: wenn von 100 Leuten 99 indifferent bleiben oder sich ärgern und eine Person positiv reagiert, dann hat es sich gelohnt (Spermatozoidenmetapher). Dieser Zugriff und allein dieser (also 100 Leute anpsrechen um nur einen Interessenten zu erreichen) könnte als zynisch empfunden werden. Alle anderen Schritte sind von Respekt geprägt: wenn jemand mit mir interagiert, dann hat er Anspruch auf meine ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung. Dies gilt für die von mir moderierten Foren, für meinen Blog, für diverse Plattformen auf denen ich Personen anlocke und für Wikis sowieso, weil dort intensiver zusammengearbeitet wird. Was Twitter angeht, so vertrete ich dieselbe Position: a) Leute durch Präsens und interessante Beiträge (auch Perturbationen) aufmerksam machen, b) wenn jemand sich auf Interaktionen einlässt, nachhaltig bedienen und wenn alles gut geht, c) mit ihm ein Projekt anbahnen. Natürlich hat das zur Konsequenz, dass ich nicht überall Foren und Plattformen eröffne, die ich dann nicht bedienen kann, sondern dass ich genau überlege, wo und warum ich eine neue Kommunikationsmöglichkeit schaffe.

Fazit Wenn ich Menschen zu Interaktionen verlocke, entstehen bei ihnen Erwartungen. Sie haben mir Energie geschenkt und möchten eine Gegengabe. Wenn ich nicht mehr reagiere, habe ich sie reingelegt.

2008: drei neue Denkinstrumente zur Schaffung bedürfnisbefriedigender Strukturen

Resume 2008 habe ich mir (und ich hoffe auch anderen) drei neue Denkinstrumente geschaffen: a) Informationsverarbeitung ist ein Grundbedürfnis, b) die Lösung für Probleme im Klassenzimmer ist die Kombination LdL + Web2.0 und c) Erfolg ist die Dauerhafte Sicherung von Ressourcen zur Bedürfnisbefriedigung.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

Als Pädagoge ist mein zentrales Anliegen die Frage, wie ich Menschen helfen kann, ihr Leben glücklich zu gestalten. Mit meinen 65 Jahren verfüge ich über genug empirisches Material. Eine für mich gesicherte Erkenntnis ist, dass Glück als dauerhafte (wenn auch nicht vollständige) Befriedigung der von Maslow beschriebenen Grundbedürfnisse zu definieren ist. Der Organismus belohnt den Akt der Bedürfnisbefriedigung in der Regel mit „Kicks“. Dabei behaupte ich, dass alle von Maslow aufgelisteten Bedürfnisse der Kategorie „Kontrollbedürfnis“ zuzuordnen sind. Allein mit diesem Denkinstrument kann ich mich dem Glück nähern, indem ich Situationen schaffe, in denen die genannten Bedürfnisse Chancen haben, zu einer Befriedigung zu gelangen. Nebenbei: kurzfristig kann man durch schnellen, gierigen Zugriff auf Ressourcen seinen Kick bekommen. Langfristig ist Mäßigung (Tugend) zu empfehlen. Gerade im Bereich der physiologischen Bedürfnisse, insbesondere der Sexualität ist dies besonders auffällig: die Treue sichert den dauerhaften Zugriff auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung. Meine neue Entdeckung im Jahr 2008: auch die Informationsverarbeitung ist ein Grundbedürfnis. Da es so ist, muss ich, wenn ich glücklich sein will, für die permanente Zufuhr von relevanten, komplexen Informationen sorgen. Das gilt nicht nur für mich als Privatmann sondern auch für die Organisation der Arbeit im Klassenzimmer. Wie kann man das Grundbedürfnis der Schüler nach optimaler Informationsverarbeitung sichern?

2. LdL + Web2.0:  optimale Befriedigung von Schülerbedürfnissen?

Wenn Schüler die Aufgabe bekommen,  die neuen Unterrichtsinhalte ihren Mitschülern zu vermitteln (Lernen durch Lehren) dann sichert dieses Ziel eine vertiefte Verarbeitung der Inhalte durch die Schüler. Sie müssen sich auch Strategien überlegen, um das Bedürnfis nach Informationsverarbeitung ihrer Mitschüler zu befriedigen. Wenn das Klassenzimmer keinen Zugang zu komplexen Informationen zulässt, weil beispielsweise kein Internetanschluss verfügbar ist, dann ist die Zusammenstellung spannender Texte erschwert. Der Vorgang der Informationsverarbeitung wird behindert und erreicht nicht die wünschenswerte Qualität („Kicks“). Daher muss jederzeit gesichert werden, dass die Schüler, die den Unterricht vorbereiten, wertvolle Informationen aus dem Internet holen. Ferner sollen die präsentierenden Schüler nicht auf die im Klassenzimmer eingeschränkten Darstellungsmöglichkeiten angewiesen bleiben, sondern selbst ihren Stoff multimedial im Internet aufbereiten (Wikiversity). Auf diese Weise wir ein breites Feld zur freien Informationsverarbeitung eröffnet. Im Klassenzimmer kann also durch die Kombination LdL + Web2.0 mehr „Glück“ entstehen.

3. Langfristiger Erfolg, was ist das?

Da ich auf der Suche nach „Glücks- und Erfolgsfaktoren“ bin, befasse ich mich auch mit der Geschichte verschiedener Völker und versuche herauszuarbeiten, was sie erfolgreich gemacht hat. Allerdings muss ich den Begriff „Erfolg“ so definieren, dess er operationalisierbar wird als Denkinstrument. Brauchbar scheint mir folgende Definition: „Erfolgreich ist, wenn man dauerhaft für die Befriedigung wesentlicher Bedürfnisse sorgen kann.“ In diesem Sinn wäre das Dritte Reich alles andere als erfolgreich, selbst in der Anfangsphase, dagegen wären Schweden und Deutschland  seit dem 2. Weltkrieg als Nationen sehr erfolgreich. Nach dieser Definition wären eine ganze Reihe von Bankern (um ein triviales Beispiel zu nennen) nicht erfolgreich, und zwar nicht erst seit der Krise, denn ich vermute, dass sie Erfolge in einem Teilbereich ihres Lebens mit einem Verzicht auf Bedürfnisbefriedigung in wesentlichen Dimensionen (z.B. emotional-sozial) bezahlen müssen.  Aufgrund dieser Definition lässt sich nun besser analysieren, unter welchen Bedingungen Populationen (beispielsweise die Athener) dauerhaft erfolgreich sind, um ein auf die heutige Situation angepasste Übernahme dieser Bedingungen zu ermöglichen.

Fazit Wenn man genauer weiß, was Menschen brauchen, um „glücklich“ zu sein, kann man Strukturen schaffen, die menschliche Bedürfnisbefriedigung begünstigen. Als Lehrer sollte man den Fokus auf die Befriedigung des Bedürfnisses nach Informationsverarbeitung legen.

Ja, das ist es!

Resume Am letzten Freitag habe ich beschlossen, alle meine Stunden im Computerraum mit permanentem Internetzugang zu halten. Und das ist es!

1. Schüler-Wikiseiten im Netz

Es hat sich gezeigt, dass wenn die Schüler die Möglichkeit erhalten, in aller Ruhe relevante Inhalte in eine Wikiseite hochzuladen, sie sehr schnell ein hohes Qualitätsniveau erreichen. So hat beispielsweise eine Schülerin sehr rasch eine Grammatikübersicht erstellt und in ihre Seite eingespeist. Ferner wird es möglich, von den Schülern in Einzel- oder Parnerarbeit angefertigte Texte, zu einem gesamten Kompendium zusammenzuführen (beispielsweise Lückentexte über eine Geschichtliche Epoche), das dann der Klasse zentral zur Verfügung steht.

2. Kontinuierlicher Internetzugang und Einsatz des Beamers

Bei LdL fertigen die Schüler für ihren Unterricht Unterlagen an (Texte, Lückentexte, Bildervorlagen, Grafiken). Diese Unterlagen werden gleich in ihre Wikis hochgeladen. Diese Arbeit kann entweder im Unterricht in einem dafür eingeplanten Zeitabschnitt oder zu Hause erledigt werden. Bei den LdL-Sequenzen selbst werden die Wikiseiten per Beamer an die Leinwand projiziert und die Schüler erarbeiten den neuen Stoff mit ihren Mitschülern nach bewährter LdL-Manier.

3. Qualität der Inhalte und der Diskussion stark erhöht

Durch die Vielfalt des Bild- und Textangebotes werden Voraussetzungen geschaffen, die die Qualität des Unterrichtsdiskurses (Kommunikation und Gedanken) stark erhöhen.  Das Gefühl der Zusammenarbeit wächst ebenfalls hochsignifikant. Der Chef meiner Schule hat sich den Unterricht bei uns heute angesehen und er war – obwohl kein Schwärmer – recht angetan, glaube ich. Auf jeden Fall können wir mit seiner Unterstützung rechnen!

Fazit Mit dem Einzug in den Computerraum hat sich eine Tür eröffnet, die – zumindest in meiner Vorstellung – zu blühenden pädagogischen Landschaften führt.

…und es hat zoom gemacht!

Resume Tausend mal habe ich den Computerraum berührt, tausend mal ist nix passiert. Tausend und eine Nacht, und das hat zoom gemacht. Anfang eines Protokolls.

1. Veränderungen kleinschrittig dokumentieren

Den für mich einmaligen Prozess des Übergangs vom Klassenraum  in den Web2.0-Raum werde ich versuchen zu dokumentieren. Natürlich bin ich mir in diesem frühen Stadium nicht 100% sicher, dass sich wirklich alles ändern wird, aber die Intuition und die Fantasie sagen mir, dass etwas Großes bevorsteht: LdL + Web2.0, das ist es!

2. Meine Klasse 11c (naturwissenschaftlicher Zweig, 4 Wochenstunden)

14 (ja, nur 14!) intelligente, wissende und teilweise hochinteressierte Jugendliche, allerdings leider nicht für das Fach Französisch, bis auf zwei Schülerinnen, die es als Leistungskursfach wählen wollen. Französisch war, als ich die Klasse vor zweieinhalb Monaten übernahm, absolutes Hassfach. Die aktuelle Stimmung ist: „Französisch legen wir ab und die paar Monate werden wir noch hinter uns bringen.“  Auch mein intensiver Einsatz scheint die Situation nicht grundlegend verändert zu haben. Das zeigt doch wie wichtig die „Prägezeit“ für ein Fach ist. Das hätte ich in dieser Deutlichkeit nicht vermutet.  Wie dem auch sei: eine ideale Ausgangssituation für mein Vorhaben, denn a) die pädagogisch/didaktische Herausforderung ist sehr hoch (ich habe nur noch ein paar Monate, um die Abneigung in distanziertes Wohlwollen, vielleicht sogar bei einigen in Zuneigung zu verwandeln): das wird mich zwingen, besonders kreativ zu sein; b) da die Gruppe klein ist, werde ich mich gut um die einzelnen kümmern können (Förderung aller) und es wird möglich sein, je nach Niveau und Interesse, dank Web2.0 allen die Aufgaben anzubieten, die sie brauchen (Differenzierung).

3. Beobachtungen heute

„Bonjour!“. Ich saß im Computerraum am Lehrerpult und die Schüler kamen herein. Alle grüßten freundlich, teilweise auf französisch und setzten sich an ihren Computerplatz. Dass sie freundlich grüßen war neu. Nicht dass sie prinzipiell unfreundlich wären, aber die Stimmung war so, dass sie Lust hatten, zu grüßen. Dass sie entspannt zu ihren Computer gingen lässt sich biologisch erklären: an anderer Stelle habe ich bereits ausgeführt, dass Informationsverarbeitung ein Grundbedürfnis aller Lebewesen ist. Die Schüler gehen also ganz automatisch und fröhlich zu einer wichtigen Quelle der Bedürfnisbefriedigung: der Computer liefert ihnen den Stoff (Informationsverarbeitung verursacht Kicks). Das gesamte Klima ging in Richtung Wohnzimmer-, Arbeitszimmer-, Werkstattatmosphäre.  Leider entwickelte sich der Rest der Stunde in eine andere Direktion, als ich mir vorgestellt hatte, denn durch ein paar Missgriffe von mir funktionierte mein Lehrer-PC nicht, so dass wir einen ganz normalen LdL-Unterricht durchführten, ohne Wiki-Stütze.

Fazit Ich denke, das ist es! Aber trotzdem will ich nicht zu früh frohlocken! Morgen habe ich meine letzte Stunde vor Weihnachten und bin gespannt, wie sie mich grüßen. (Plätzchen und Kerzen ist nicht so meine Art!:-))