PH Weingarten 07.06.2011

Resume Am kommenden Dienstag werde ich einen Vortrag im Rahmen des Studium Generale an der Pädagogischen Hochschule Weingarten halten.

„Glück im Horizont des Internets? Anthropologische Überlegungen aus der Sicht eines Aktionsforschers“

Der Referent war in seiner aktiven Zeit Didaktiker  und hat die Methode „Lernen durch Lehren“ entwickelt, bei der die Schüler sich gegenseitig den Lernstoff beibringen.  Um eine solide empirische Basis zu erhalten, hat er Französischklassen als Langzeitstudien unterrichtet, mehrere Klassen fünf  Jahre, eine Klasse sogar sieben Jahre lang. Ohne ein kohärentes anthropologisches Modell  lassen sich Gruppen auf lange Sicht nicht erfolgreich führen. Was brauchen Menschen, um glücklich zu sein? Bei seinen Recherchen fiel ihm auf, dass über die klassischen, von Maslow beschriebenen Bedürfnisse hinaus man ein „Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung“ ausmachen kann. Nachdem der Referent in den Ruhestand ging, bemühte er sich Strukturen aufzubauen, die sein Bedürfnis nach intensiver Informationsverarbeitung weiterhin befriedigten. Das geht nur mit dem Internet, allerdings in Kombinationen mit Aktivitäten in der offline-Welt.

1. Ausgangspunkt: Aktionsforschung

Aktionsforscher begeben sich in Lebens- und Handlungsfelder mit der Absicht, an deren Optimierung aktiv zu wirken.

2. Anthropologisches Konstrukt

Erster Baustein: Die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow

#Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

Zweiter Baustein: Kontrollbedürfnis als übergreifendes Motiv

Dritter Baustein: Gegensatzpaare als Instrument kognitiver Kontrolle

Vierter Baustein: Merkmale erfolgreicher Problemlöser – Flow als Belohnung

3. Die Situation nach der Pensionierung

Befriedigung von Grundbedürfnissen? – Nicht leicht!

Physiologische Bedürfnisse – Sicherheit – Soziale Einbindung – Soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Informationsverarbeitung – Sinn

4. Die Strategie: glückbringende, „tugendinduzierende“ Strukturen?

Ausgangspunkt: Wissen -> Tugend -> Glück  (Demokrit – Sokrates – Aristoteles – Epikur – Stoa usw.)

a) PhilosophiekurseGeschichte der Philosophie Alltagsreflexion

Bedürfnisse: Anspruchsvolles Ziel (hoher Druck) – Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

b) Arbeit bei den Grünen:  z.B. Menschenbild

Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

c) Freiwillige Agentur: Die Brückenbauer

Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

Verknüpfung: Beispiel:  „Live for Life“ bei den Grünen am 09.06.2011

5. Die Tools: Informationsverarbeitung und kollektive Reflexion

Blog: Philosophie Grüne in IngolstadtDie BrückenbauerSenioren

Facebook

Twitter

Wikis

6. Literatur„Lernen durch Lehren im Fokus – Berichte von Einsteigern und Experten“

FazitWenn Informationsverarbeitung zu den zentralen Grundbedürfnissen des Menschen gehört, dann können die Räume des Internets in Verbindung mit Offline-Projekten zu einer erstrangigen Quelle der Bedürfnisbefriedigung gestaltet werden.

Tugend, Forschung und Glück?

Resume Natürlich wird dieser Blogeintrag wieder sehr egozentrisch und monomanisch wirken. Sei’s drum! Vielleicht gibt er ein paar Denkimpulse für die aktuelle Diskussion um Guttenbergs Doktorarbeit.

1. Ausgangspunkt

Vorweg: ich sehe einen großen Unterschied zwischen einer Dissertation, die nur zum Zwecke der Karriereförderung außerhalb des wissenschaftlichen Betriebes angefertigt wird, und einer Arbeit, die von Wissenschaftlern verfasst wird. An den ersten lege ich keine ethischen Ansprüche, an den „Forschern“ dagegen recht hohe.

Kurz nachdem ich 1980 an die Uni Eichstätt gewechselt hatte, kam ich auf die LdL-Idee.  Einer der dortigen Profs empfahl mir, diesen Ansatz zum Gegenstand meiner Dissertation zu wählen. Kein schlechter Ratschlag, denn ich wollte ursprünglich ein ganz anderes Thema bearbeiten. Diese LdL-Sache schien mir einfach zu dünn. Wie dem auch sei: ich steigerte mich hinein und als alter 68er war ich durchdrungen durch die Mission, die Welt zu verbessern und dabei den Weg der Tugend zu wählen. Damals wusste ich noch nicht, dass die antiken Denker den Weg der Tugend empfehlen, wenn man – wie alle Lebewesen – nach Glück strebt. Die Hypothese, Tugend würde zum Glück führen, trug ich also intuitiv in mir, wohl ausgelöst durch die vielen erbaulichen Lektüren, die ich im Laufe meiner Sozialisation verinnerlicht hatte. Und Tugend stand sowohl im Zentrum der christlichen wie auch der kommunistischen Lehre, aus denen ich mich gespeist hatte.

2. Mein Wertesystem ab 1982: Forschung und Tugend

Aus meiner Biographie:

Wer den Anfang meiner Biographie gelesen hat, merkt, dass ich mich ethisch ganz umgepolt hatte. Politisch war ich definitiv grün, weniger aufgrund der Orientierung an der Natur, als Großstädter hatte ich wenig Zugang zu ihr, sondern wegen des Venetzungsgedankens und der Fokussierung auf die Welt-Ressourcen, die wir schonen mussten. Familiär war alles OK, auch ethisch, und die materiellen und menschlichen Bedingungen waren schön klar und geregelt. Als Handlungsfeld bot sich voll und ganz die Forschung an. Ich organisierte alles im Hinblick auf meine wissenschaftliche Effektivität. So ergab sich, dass ich um fünf Uhr aufstand und gegen 21.00 Uhr ins Bett ging. Und zwar an Arbeitstagen wie am Wochenende, zu Weihnachten wie zu Christi Himmelfahrt. Bis heute. Den Spruch „publish or perish“ fand ich abscheulich und ich bemühte mich, erst dann einen Aufsatz zu verfassen, wenn ich wirklich über eine wichtige, neue Erkenntnis zu verfügen glaubte. Ich verpflichtete mich, nur dann jemanden zu zitieren, wenn der Gedanke wirklich organisch in meinen Aufsatz passte, und nicht um einen nützlichen Kollegen freundlich zu stimmen. Einmal machte ich eine Ausnahme, und ich bereue es heute noch: 1988 hatte ich Harald Weinrich, damals ein wichtiger Mann, in einer Fussnote erwähnt, obwohl es von der Sache her nicht zwingend war. Ich hatte ihm sogar einen Sonderdruck geschickt und er antwortete selbstverständlich nicht. Aber sein Name steht noch im Aufsatz als permanente Erinnerung an meine Korruptibilität. Auch bei Festschriftbeiträgen („Pissecke der Wissenschaft“) bemühte ich mich immer tatsächlich Neues zu schreiben, um den Kollegen wirklich zu ehren. Ich behaupte nicht, dass ich meinen Prinzipien immer treu blieb, aber sie lenkten sehr stark mein Handeln.

Fazit: Durch einen kognitiven Akt (Schaffen von Strukturen) kann man Bedingungen herstellen, die „tugend-“ und somit „glückinduzierend“ sind. Natürlich klappt das nicht immer!

Mein wissenschaftliches Credo seit 1982

Mein Wertesystem ab 1982: Forschung und Tugend

… Als Handlungsfeld bot sich voll und ganz die Forschung an. Ich organisierte alles im Hinblick auf meine wissenschaftliche Effektivität. So ergab sich, dass ich um fünf Uhr aufstand und gegen 21.00Uhr ins Bett ging. Und zwar an Arbeitstagen wie am Wochenende, zu Weihnachten wie zu Christi Himmelfahrt. Bis heute. Den Spruch „publish or perish“ fand ich abscheulich und ich bemühte mich, erst dann einen Aufsatz zu verfassen, wenn ich wirklich über eine wichtige, neue Erkenntnis zu verfügen glaubte. Ich verpflichtete mich, nur dann jemanden zu zitieren, wenn der Gedanke wirklich organisch in meinen Aufsatz passte, und nicht um einen nützlichen Kollegen freundlich zu stimmen. Einmal machte ich eine Ausnahme, und ich bereue es heute noch: 1988 hatte ich Harald Weinrich, damals ein wichtiger Mann, in einer Fussnote erwähnt, obwohl es von der Sache her nicht zwingend war. Ich hatte ihm sogar einen Sonderdruck geschickt und er antwortete selbstverständlich nicht. Aber sein Name steht noch im Aufsatz als permanente Erinnerung an meine Korruptibilität. Auch bei Festschriftbeiträgen („Pissecke der Wissenschaft“) bemühte ich mich immer tatsächlich Neues zu schreiben, um den Kollegen wirklich zu ehren. Ich behaupte nicht, dass ich meinen Prinzipien immer treu blieb, aber sie lenkten sehr stark mein Handeln…

Entnommen aus: Das JPM-Buch