Theorieschnipsel?

@jdierberg sagt: „Ein wenig ist es so, dass ich dich besser finde als manche deiner Theorieschnipsel“ http://tinyurl.com/33pk33w

@Jutta: Das Problem bei Theorien, die aus einer großen Anzahl von Bausteinen zusammengestellt sind, ist dass man sie nur in toto verstehen und beurteilen kann. Wenn man jeden Einzelteil betrachtet, wirkt es oberflächlich. Wenn man das Ganze sieht, dann merkt man, dass jede Alltagshandlung mit allen anderen Teilen des Konzeptes aufs Engste verwoben ist. So glaube ich, dass ich auf Anfrage jeden Satz, jeden Schritt mit meiner Gesamtheorie begründen kann. Das war mein Anspruch im Unterricht und das ist mein Anspruch für mein ganzes Leben: jeder Schritt von Früh bis Abend. Jeder Schritt!

30 Tage für 30 Jahre: das war’s

Resume Es hat nur 30 Tage gedauert, und alle Ideen, die ich in den letzten 30 Jahren entwickelt und erprobt habe, konnten hier veröffentlicht werden. Mal sehen, wie es weitergeht.

1. Und das kam so:

Als Forscher interessiert mich nur eines: ich will neues, für die Menschheit relevantes Wissen konstruieren und dieses Wissen verbreiten.  Dazu brauche ich Partner. Wo finde ich sie und wir verfahre ich, damit sie bis zum Schluss (Produktion und Verbreitung von ‚“Wissenscontainern„) dabei bleiben? Umfangreiche Erfahrungen habe ich im Rahmen einer intensiven Wikipedia-Arbeit gesammelt. Die dort geleistete Wissenskonstruktion ist mühsam aber sehr lohnend, weil am Ende des Konstruktionsprozesses fast perfekte Produkte vorliegen, z.B. der Artikel „Lernen durch Lehren“ (hier ein typischer Fall „legitimer Selbstreferenzialität„:-))). Ferner habe ich vor langer Zeit das Modul IPK erstellt, das Studenten mit viel Druck und großer Zielstrebigkeit ebenfalls zur gemeinsamen Konstruktion von Wissen führt. In Wikipedia arbeiten nur 3 bis 4 Leute an einem Artikel, im IPK maximal etwa 100  Leute (weltweit) an Themen, die sie selbst wählen. Ich brauche aber mehr. Da traf es sich ganz gut, dass ich vor einem Jahr in die Educamp-Welt von Steffen Büffel eingeladen wurde.

2. Educamp-Leute motivieren, gemeinsam Wissen zu konstruieren?

Natürlich ist die Educamp-Population eine ganz andere als in der Wikipedia-Sphäre. Während die Wikipedia-Leute zusammen finden, um Wissen zu konstruieren (sie sehen das zwar anders „wir konstruieren kein Wissen, sondern wir bilden bereits vorhandenes Wissen ab!„, aber de facto konstruieren sie Wissen) und während die IPK-Studenten – gelegentlich gegen ihren Willen – Wissen konstruieren müssen, so wollen die Educamp-Leute in erster Linie kommunizieren und zwar vorwiegend über die Kommunikation und die dazugehörigen Tools selbst. Sie wollen auch die virtuelle  Kommunikation in die  Schule hineintragen. Das finde ich ganz toll, denn Educamp ist der Rahmen, wo das von mir und anderen erstellte Wissen diffundiert werden kann. Im Gegensatz zu den Educamp-Leuten ist allerdings meine These, dass man am besten kommunikative Kompetenz vermitteln kann, wenn man Situationen schafft, in denen die Teilnehmer sich nach kommunikativen Tools sehnen! Und das sind Wissenskonstruktionsprojekte. Der Haken dabei: es macht extrem viel Spaß zu kommunizieren in Twitter oder auf Kommunikationsplattformen, aber es macht weniger Spaß, konzentriert an einem Wissenskonstruktionsprojekt zu arbeiten.

3. Meine Versuche seit dem Educamp im April 2008 in Ilmenau

Im Vorfeld von Ilmenau und in Ilmenau selbst war es möglich, eine kleine Gruppen von sehr aktiven Leuten zu bilden. Für mich persönlich ein Traum, denn die Freak-Ambiente ist genau die, die mich inspiriert und beflügelt. Superleute, die einen kognitiv und emotional stützen und fördern! Die Namen lasse ich aus, denn die Leute mögen solche Benennungen nicht.  Es ist auch gelungen, einen Konsens in Bezug auf die Ziele zu finden. Entsprechend wurde auch eine Kommunikationsplattform geschaffen: Neuron. Es wurden auch diverse Wissenskonstruktionsprojekte angedacht und begonnen. Im Augenblick hat sich das Gros der Gruppe stärker auf die Rekrutierung von Mitgliedern und die Schaffung von weiteren Kommunikations- und Verbreitungsplattformen hingewendet (siehe insbesondere  Maschendraht). Ich persönlich kann mich nur freuen, denn auch wenn mein Schwerpunkt auf der Wissenskonstruktion liegt, so bin ich sehr froh, wenn das Wissen diffundiert wird.

4. Die nonstop Vorlesung und die Produktion des Wissenscontainers „LdL/IPK-Theorie“

Ohne Theorie läuft nichts! Im Lauf des Projektes wurde ich dazu geführt, auf die Theorie zu rekurrieren, die ich seit 30 Jahren mühsam entwickelt hatte,  um die Phänomene vorauszusehen oder im Nachhinein zu deuten. Auf diese Weise haben das Projekt und die Teilnehmer wie Hebammen gewirkt, die mir geholfen haben, das Baby „LdL/IPK-Theorie“ innerhalb von 30 Tagen auf die Welt zu bringen. Es liegt nun vor und man kann bei Bedarf immer wieder auf bestimmte Theoriebausteine zurückgreifen.

5. Wie es weitergeht

Die Theorie kann nun redundant und in unterschiedlichen Projektkontexten immer wieder zur Erklärung von Phänomenen und die Planung von weiteren Schritten eingespeist werden. Das wird die Praxis reflektierbarer machen und die Theorie selbst wird sich bei jedem neuen Projekt anreichern und aktualisieren.

Dynamische Endlos-Vorlesung zur Weltverbesserung

Vorlesungen dienen in der Regel dazu, ein Lehrwissen, das von einem Wissenschaftler erarbeitet wurde, an die Hörer weiterzuleiten. Dies erfolgt linear und abgekoppelt von konkreten Handlungen, weil die sich weiterentwickelte Realität kaum Einfluss auf die Inhalte nimmt.

Bei der dynamischen Vorlesung ist es anders. Das von mir in den lezten dreißig Jahren erarbeitete Lehrwissen liegt vor und wird ebenfalls vermittelt. Allerdings geschieht es nicht-linear und als Antwort auf eine sich entwickelnde Situation (Weltverbesserungsprojekt, never ending story).

1. Das Lehrwissen liegt vor (Neuronenmetapher, LdL, anthropologisches Modell, Jesusmetapher, Glossar,…) wird aber im Rahmen eines größeren Projektes nach Bedarf eingespeist. Insofern ist die Dynamische Vorlesung nicht-linear.

2. Die dynamische Vorlesung entsteht im Dialog mit den Hörern, die jederzeit über Kommentare eine Vertiefung der Theorie verlangen können, sofern diese Vertiefung einer besseren Durchführung des Projektes dient. Insofern nehmen die Hörer stets Einfluss auf die Art des Stoffes, der ihnen vermittelt wird. Sie können auch durch Kommentare die Inhalte anreichern oder gar verändern.

3. Da die dynamische Vorlesung das theoretische Substrat zu einem Projekt liefert, der im Prozess begriffen ist, wird nur die Theorie eingespeist, die für den Fortschritt des Projektes nützlich ist, und keinen Satz mehr. Soviel Theorie wie absolut notwendig für eine erfolgreiche Praxis.

4. Die Praxis selbst nimmt sofort Einfluss auf die Qualität der Theorie, die ja kontinuierlich empirisch geprüft wird. Man erhält dadurch eine schlanke Praxis (nicht zuviele Irrungen dank der Theorie) und eine schlanke Theorie (kein Theorieüberhang).

Dies ist das ideale Setting für Aktionsforschung. Die Vorlesung wird weitergeführt, solange ich das Gefühl habe, dass ich damit zur „Weltverbesserung“ beitragen kann.