Kleinere Brötchen, und doch große Kicks!

Resume Seitdem ich im Ruhestand bin, backe ich kleinere Bröchten. Die Intensität der Kicks bleibt dieselbe.

1.  Handlungsräume kognitiv definieren.

In diesem Schul-/Uni-Jahr ging die “Bedeutung” meiner Projekte decrescendo. Mit “Bedeutung” meine ich die Anzahl der Menschen, die involviert sind und die geographische Ausdehnung. Im Herbst 2008 standen die grandiosen Aktionen der Ludwigsburger Gruppe im Vordergrund, mit Spannagel und Lutz Berger an der Spitze. Sie kamen zu mir im Unterricht und machten LdL zu einem Internet-Hype. Im Frühjahr 2009 konnten wir uns auf dem Educamp in Ilmenau sehr gut positionieren und da kam das tolle Afrika-Projekt von Alexander Rausch und Ulrike Reinhard voll zur Geltung.  Im Mai wurde ein LdL-Tag in Ludwigsburg organisiert, für mich den Höhepunkt meiner wissenschaftlichen Karriere. Parallel dazu führte ich eine 11.Klasse in Französisch, die auf meine Angebot nicht anbiss, aber es war für mich eine ganz neue Erfahrung und dadurch lernte ich viel (wie geht man mit sowas um?). Dazu gehörte auch die Frankreichreise mit der Klasse und mit Studenten. Egal was wir uns einfielen ließen (z.B. Mister Bean oder der Exhibitionist), die Klasse blieb nett, aber indifferent. In Ulm hatte ich die Freude, eine sehr nette Gruppe von Senioren in die Blogarbeit einzuweisen, ob es Zukunftsperspektiven eröffnet, weiß ich nicht. Bei den Grünen versuche ich, mich nützlich zu machen, und nach einer längeren Einstiegsphase scheint es, dass es mir gelingen könnte. Ich durfte einen Vortrag halten und dieser kam Gott sei dank gut an. Mir kommt sehr zugute, dass ich dort eine einflussreiche Fürsprecherin habe und seit meinem Vortrag scheint sich ein gewisser good-will zu verbreiten. Morgen werde ich Unterschriften für ein Bürgerbegehren (Busse sollen in der Innenstadt fahren dürfen) sammeln. Hoffentlich schaffe ich das körperlich (Arthrose). Es sind, das darf ich vielleicht so sagen, “kleinere Brötchen”, aber für mich ganz wichtig. Nächstes Schuljahr werde ich auf jeden Fall eine neue 11.Klasse führen und ein Projektseminar (auch 11.Klässler).  All diese Handlungsräume sind nicht spektakulär, aber sie bringen mir viel Freude (Kicks). Und das kommt so:

2. Feed-back Kultur

Durch das Internet verlaufen Projekte meist in kompakten Zeiträumen und sehr intensiv. Wenn man mit Twitter, Blogs und eMails arbeitet ist es durchaus möglich, dass ein umfangreicheres Projekt innerhalb einer Woche angegangen und abgeschlossen wird, wobei fast Tag und Nacht zwischen den Akteuren kommuniziert wird. Und das ist, glaube ich, das Neue. Diese permanente Kommunikation zwingt eine Feed-Back-Kultur auf, die kontinuierlich Kicks verschafft. Allerdings setzt es voraus, dass die Akteure auch entsprechend handeln, also schnell Feed-Backs “verabreichen”.  Der heutige Tag war für mich beispielsweise voller “Kicks”, obwohl ich de facto kein Projekt durchgeführt habe, sondern nur an der Präsentation der Ergebnisse des MOSAIK-Projektes (Greca/Siebenhüter/Katharinen-Gymnasium/FOS/BOS-Ingolstadt) teilgenommen habe.  Dennoch habe ich mit Petra Kleine einen intensiven, kickreichen und für mich fruchtbaren Tweets- + Mailaustausch gehabt, Kicks erhielt ich auch von Alexander Rausch, von Johannes Hartmann aus Tansania, der am MOSAIK-Projekt mitgearbeitet hatte und mir liebe Grüße an Frau Heller ausrichten ließ, und jede Menge Kicks auch in Eichstätt selbst.  Und gerade jetzt noch einen Kick aus Ulm. Die Handlungsräume sind bescheidener als früher, aber die Kickmenge bleibt gleich, ja sie scheint sogar zu wachsen.

Fazit Großes Projekt, kleineres Projekt: die Kickmenge und Kickintensität bleibt dieselbe.

Neue Brötchen backen.

Resume Nach meinem Abschiedsfest in Eichstätt, nach dem LdL-Tag in Ludwigsburg ist die Zeit gekommen, neue Bröchten zu backen.

1. Saubere Schnitte

Ich mag keine Ausfranzungen. Für mich war das von Joachim Grzega und Michael Kratky im Juli 2008 organisierte Abschiedsfest ein wunderschöner Schlusspunkt zu meiner Uni-Karriere. Der von Christian Spannagel und seine Studenten in Ludwigsburg gestaltete LdL-Tag markierte (für mich) einen herrlichen Abschluss zu meinem Projekt, die Arbeit von 30 Jahren sichtbar zu machen, zumal ich gleichzeitig in meinem Blog ein kompaktes Referenzwerk schaffen konnte, ohne Rest.  Natürlich werde ich mich sehr für die Rezeption interessieren, ich denke dabei besonders an Dörte Giebel, und selbstverständlich auch an alle, die bisher mitgewirkt haben und weiter ihren eigenständigen Weg gehen (z.B. aktuell Herr Larbig).

2. Die neuen Brötchen

Die 11c entwickelt sich weiter. Die Klasse verfügt nun über ein sehr umfangreiches und vertieftes Wissen über die relevantesten Bereiche heutigen Weltverständnisses: Geschichte Europas bis heute (insbesondere Europawahlen), wichtigste philosophische Positionen, aktuelle Brennpunkte der Weltpolitik (insbesondere Amerika, Indien, China).  Inzwischen schicken mir Schüler über Twitter links zu interessanten Artikeln aus Politik und Wirtschaft, heute früh beispielsweise diesen über direkte Demokratie.  Anfang Juni machen wir eine Frankreichtour, mit 7 Studenten, 14 Schülern und einem Bus.  Die Saat geht also auf.

Bei den Grünen (zusammen mit GEW) werde ich am 25.06. einen Vortrag über LdL und Neuron halten (“Von der Blaubeere zum Blackberry”).

In Ulm läuft der virtuelle Seniorenkurs ganz gut an.

Fazit Nach den Grossereignissen ist wieder Mikroforschung angesagt. Am Dienst des Lerners!

Ohne Not denkt der Mensch nicht: Grzega und Spannagel

Resume Am intensivsten denkt man nach, wenn man sich in einer Notsituation befindet. Man sucht, manchmal verzweifelt, nach Lösungen. Auch in der Wissenschaft.

1. Aktionsforschung

Will man sich dazu zwingen, intensiv nachzudenken, begibt man sich am besten in eine Notsituation, denn ohne Not denkt der Mensch nicht (so Bertolt Brecht). Die Aktionsforschung ist in der Pädagogik und der Didaktik der anstrengendere Weg, zur Erkenntnis zu gelangen. Vor allem, wenn man sich selbst zum Gegenstand der Forschung macht. Man begibt sich in das zu optimierende Feld (Unterricht) und versucht, durch trial and error Verbesserungen einzuleiten.

2. Joachim Grzega

Seit mehreren Jahren arbeitet Joachim Grzega in seinen universitären Veranstaltungen nach LdL. In unzähligen Kursen hat er nach ein paar Sitzungen Befragungen durchgeführt und immer wieder Lob, aber auch heftige Kritik erfahren. Diese Kritik schmerzt, lässt einen nicht ruhen. Solange man keine Lösung gefunden hat, leidet man, existentiell. Es gibt keinen anderen Weg, tiefgreifende Erkenntnisse zu gewinnen und grundlegende Änderungen und Verbesserungen zu entwickeln. Am grünen Tisch leidet man nicht. Daher auch die relative Folgenlosigkeit der am grünen Tisch entwickelten Vorschläge.

3. Christian Spannagel

Vor kurzem hat Christian Spannagel in einer Vorlesung mit 120 Teilnehmern die Neuronen-Technik eingeführt. Ein mutiges, gewagtes Experiment. Und er hat sich ein Feed-Back geben lassen! Viel Lob, und nicht wenig Kritik. Diese Kritik hat er aufgegriffen und umfangreiche Umgestaltungen angesteuert. Bravo! Er wird sein Konzept wieder testen, er wird wieder Lob und Kritik ernten, er wir sein Modell erneut verändern und dann in seinem Kurs testen, immer wieder. Das ist Aktionsforschung und der Königsweg der Pädagogik und Didaktik. Die Schmerzen inklusiv!

Fazit Wenn du in Pädagogik und Didaktik Neues schaffen willst, musst du leiden!

Kein Synergierausch, und dennoch…

Resume seit vielen Jahren arbeite ich auf einen Synergierausch hin. Gestern waren fast alle Ingredienten beisammen. Fast…

1. Was beisammen war

Zum Synergierausch braucht man: einen geschlossenen Raum (damit Resonanz entsteht), Körper, die ähnliche Basiskomponenten aufweisen und redundante Impulse, damit das Ganze in Schwingung gerät. Ludwigsburg war ein geschlossener Raum, eine große Anzahl von Körpern verfügte über ähnliche Basiskomponenten (gemeinsame Terminologie) und es wurden redundant Impulse eingespeist. Für mich persönlich war dieses Treffen ein Traum: noch nie kamen soviele Menschen zusammen, die mit “meinen” Denkstrukturen und Metaphern (“Gleichnissen”) vertraut sind. Diese Zusammenkunft war das Werk von Christian Spannagel und seinem Studententeam. Joachim Grzegas Vortrag beeindruckte mich schwer aufgrund seiner sehr umfassenden LdL-Erfahrungen und LdL-Konzeptualisierungen (Grundschule, Fachoberschule, Gymnasium, Hauptschule, Uni). Grzega ist nun DER LdL-Spezialist. Ich verzichte darauf, alle Menschen zu nennen, die gestern dabei waren und zu denen ich aufgrund unserer langjährigen Zusammenarbeit ein enges persönliches, vor allem intellektuelles Verhältnis habe. Stellvertretend sei Barbara Stockmeier genannt, der ich als Schülerin in der 11.Klasse vor 12 jahren begegnete und die seitdem mit großem Engagement am meinem Denken bleibt und für dessen Verbreitung wirkt.

2. Warum es doch nicht zum Synergierausch kam

Der LdL-Tag in Ludwigsburg war eine Fortbildungsveranstaltung für Lehrer. Es kamen sehr viele Interessierte, die weder mit LdL noch mit der Terminologie vertraut waren. Innerhalb kürzester Zeit musste also a) aufgezeigt werden, dass LdL mehr ist als nur eine schüleraktivierende Methode (damit die Lehrer Sympathie für LdL entwickeln), b) aufgezeigt werden, dass die benutzten Metaphern nur hilfreiche Instrumente zur Verdeutlichung von Vorgängen im Unterricht sind und keine Geheimsprache zur Abgrenzung (damit die Lehrer bereit sind, die Metaphern spielerisch zu verwenden) und c) die ganze Chose mit geeigneten Mitteln (Musik, LdL-Song) zu einem Kuchen zusammenbacken, damit alle Spaß haben und willig sind, sich als Gesamtgruppe emotional (kurzfristig) zu vereinen. Sicherlich wäre der Prozess viel schneller vorangeschritten, wenn alle Anwesenden auch gleichzeitig Kommunikationsfreaks gewesen wären (Educampstimmung).

3. Wir waren dicht davor: Schwellenpotenzial fast erreicht

Im Laufe des Nachmittages schien es, dass die “Neuen” dem LdL-Konzept und der Neuronen-Terminologie immer mehr abgewannen. Ich denke, dass es nicht viel gebraucht hätte, und wir hätten das Schwellenpotenzial erreicht. Es hätte eine emotionale Integration stattgefunden, mit Aussicht auf Synergierausch.

Fazit Gut präsentiert entfalten LdL und die Neuronen-Terminologie Attraktivität für unsere Lehrer-Kollegen. Das war gestern der Fall in Ludwigsburg. Es fehlte wenig, und ich hätte meinen Synergierausch bekommen. Für mich persönlich war es ohnehin ein Traum!

Heute in Ludwigsburg: Synergierausch?

Heute besteht eine gute Chance, dass wir in Ludwigsburg einen Synergierausch erleben:

Wenn eine große Anzahl von Neuronenensembles in Resonanz geraten, wird es im Gehirn als Flow dekodiert. Analoges geschieht im Unterricht, wenn vor dem Hintergrund eines hohen gemeinsamen Wissenssubstrats Inhalte im Rahmen intensiver themenzentrierter Interaktionen aktiviert und in Konvergenz gebracht werden. Die Konvergenz anspruchsvoller, von allen nachvollziehbaren Gedanken führt zu einer Symbiose aller Beteiligten, die Resonanz in den einzelnen Individuen und in der Gruppe bewirkt. Dieses Phänomen kann man auch bei kollektiven Events wie Konzerten oder politischen Veranstaltungen beobachten. Sowohl das Klassenzimmer als auch das Internet eröffnen die Möglichkeit, aus ganz unterschiedlichen Quellen Synergien zu bilden, die dem Einzelnen eine Zufuhr von Impulsen in sehr rascher Abfolge abliefern. Wenn beispielsweise eine gemeinsame Terminologie (“Ressourcenorientierung”, “Emergenz”, “Aufmerksamkeitsökonomie”, “Resonanz”, “Neuronale Netze”) im Zusammenhang mit der gemeinsamen Durchführung von Projekten in einem Raum aktiviert wird, dann geraten die interagierenden Akteure in Resonanz und dies wird emotional als Flow empfunden. Wenn aber dieses Gefühl der Übereinstimmung dank des Internets an ganz unterschiedliche Orten international und synchron ausgedehnt wird, dann kann die Partizipation zu einer Art Synergierausch führen.

Aus: Jean-Pol Martin (2009): Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität. In: Guido Öbel (Hg.)(2009): LdL (Lernen durch Lehren) goes global: Paradigmenwechsel in der Fremdsprachendidaktik unter Beruecksichtigung kulturspezifischer Lerntraditionen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 115-127

Und plötzlich emergiert @Cervus! Wow!

Resume Lisa Rosa, Peter Ringeisen, Cervus, Filterraum, Claudia Boerger, Andreas Mertens, und ein paar andere… Alle haben gedrängt: “lass doch die Neuronen-Metapher weg”! Danke Leute, die Botschaft hat mich erreicht!

1. Was ankommt und was nicht…

Als Mensch, der an der Universität sozialisiert wurde und 40 Jahre lang wissenschaftliche Texte verfasst hat, sind mir Konzeptualisierung und Produktion von abstrakten Modellen mit entsprechender Terminologie in Fleisch und Blut übergegangen. Die Wissenschaftssprache ist zu meiner Muttersprache geworden. Paradoxerweise sind die wissenschaftlichen Begriffe sogar emotional geladen:  “Schwellenpotential” hat für mich mehr Evozierungskraft als “Blumenstrauß”, “Kartoffelpüree” oder “Geburtstag”.  Und den meisten Wissenschaftlern geht es ähnlich. Will ich mein Publikum verwöhnen, so setze ich einen drauf und spiele mit den Assoziationen und Termini wie ein Kabarettist. Je skurriler, desto lustiger. Besonders das Kleinhirn und das limbische System haben mir es angetan. Nur: warum soll mein Publikum diese Sprache ebenfalls so lustig finden? Trete ich vor Lehrern auf, so wollen sie von mir erfahren, mit welchen Techniken ich Lernfortschritte bei meinen Schülern erreiche. Sie sind wohlwollend und akzeptieren den einen oder anderen Fachbegriff, aber zu viel ist zu viel.

2. Wie ich das endlich kapiert habe

Vorausgeschickt: natürlich sind für mein Denken und Handeln diese abstrakten Schemata und diese Metaphern sehr hilfreich.  Sie liefern mir eine Grammatik, mit der ich meinen Alltag durch den Einsatz des einen oder anderen Schemas bewältige. Aber gleich mit dieser “Grammatik” im Rahmen eines Vortrages für Lehrer zu beginnen ist unklug. Das habe ich erst definitiv verstanden, als ich massive Hinweise von bloggenden und twitternden Kollegen erhalten habe. Lisa Rosa hielt auf lange Strecken das Thema am Kochen, Peter Ringeisen leitete die Wende ein – ich kenne ihn seit mehreren Jahren als wohlwollenden Begleiter und sein Posting enthielt genau die Argumente, die  zu diesem Zeitpunkt gefragt waren -, Maik Riecken bestätigte dies (“zunächst konkrete Unterrichtserfahrungen, dann die Konzeptualisierung”),  Michael Wald betonte, dass die von mir benutzte Begrifflichkeit nur bei Leuten ankommt, die damit vertraut sind, Claudia Boerger bekräftigte die Ansicht, dass die Begriffe abschreckend wirken und eine negative Haltung mir gegenüber induzieren, Apanat baute mich – wie so oft – wieder auf, Andreas Mertens schließlich beschrieb, wie er selbst sein Publikum mit der von ihm vertrauten Terminologie manchmal verfehlt: “Ich tappe auch immer wieder in diese Falle“.

3. Und pötzlich kommt @Cervus

In meinem eigentlichen Vortrag war von Neuron kaum die Rede, den Vortrag kannten aber meine Adressaten nicht. Sie hatten nur den Blogeintrag zur Kenntnis genommen. Ich setzte einen Link auf den Text und Peter Ringeisen las ihn. Er fand ihn sehr gut. Das war eine große Entlastung für mich. Und heute früh nach dem Aufstehen sehe ich in Twitter folgenden Kommentar: “ich emergiere :). les grad den ludwigsburg-vortrag, klingt super! der verzicht auf so manche neuronenmetapher stärkt ihn ungemein.” Das war @Cervus, den ich zwar followe, mit dem ich bisher aber kaum direkten Kontakt hatte. Und er hatte meinen Vortrag durchstudiert!

Fazit Dank Blogs und Twitter ist es möglich geworden, beim Verfassen von Texten Denkpartner einzubinden, die durch starken Druck radikale Änderungen einleiten.  Eine solche Denkpartnerschaft geht sehr in die Tiefe.

Ludwigsburg: der countdown läuft.

Resume Heute in einer Woche werde ich den Abschlussvortrag auf dem LdL-Tag in Ludwigsburg halten. Mein Thema: “Lange Inkubation, plötzliche Emergenz”. Hier ist Multitasking akut angesagt, denn ich bin mit anderen Sachen extrem beschäftigt (z.B. Umzug).

1. Das Thema

Das Thema ist von größter Relevanz. Was muss ich in ein System (einzelner Mensch, reale oder virtuelle Gruppe) einspeisen, damit dieses System sich so verhält, wie ich mir es wünsche? In meinem Vortrag fange ich mit der konkreten Beschreibung meiner Klasse an: Ich möchte, wie jeder Lehrer auch, dass meine Schüler Instrumente erwerben, damit sie im Leben gut zurechtkommen. Ich muss wissen, was sich in deren Köpfen und Herzen abspielt, damit ich mit meinem Angebot andocken kann? Was beschäftigt sie gerade? Wo kann ich anknüpfen, um ihre Aufmerksamkeit zu mobilisieren? Welche Inhalte sind für ihr Leben relevant? Mit welcher Art von Perturbation kann ich bewirken, dass sie sich öffnen, damit ich einen Blick in ihre Innenwelt werfen kann?

2. Perturbation, Inkubation und Emergenz

Den zweiten Teil meines Vortrages werde ich einer Analyse dieser Phänomene in der virtuellen Welt widmen. Während eine Schulklasse zumindest physisch als geschlossenes System vor mir liegt (die Schüler sind körperlich anwesend) und nicht entfliehen kann, ist die virtuelle Welt a priori völlig intransparent und absolut volatil. Will ich aus den Menschen, die sich im System bewegen, ein System (Online-Community) konstruieren, so ist eine sehr ausgefeilte Strategie unabdingbar. Vereinfacht beschrieben: ich muss Neuronen-Verhalten konsequent zeigen und kontinuierlich ressourcenorientiert arbeiten. Ferner muss ich angesichts der raschen Verfallszeit immer wieder Perturbationen in das System einbringen und das in Erregung geratene und orientierungslose System (“Gehirn”) in die von mir gewünschte Richtung lenken (“Cortexaufgabe”). Nur durch Perturbationen kann ich mir ein Bild des Innenlebens des Systems verschaffen. Allerdings muss ich Geduld haben und warten, bis nach einer gewissen Inkubationszeit die ersten Emergenzen erscheinen.

3. Beispiele aus Twitter und Blogs: Liebe und Hass?

Meine permanenten Perturbationen werden auch als solche wahrgenommen. Wie in einem normalen Organismus auch reagiert das System unterschiedlich. Da die Perturbationen so angelegt sind, dass sie die Emotionen ansprechen (limbisches System) werden zunächst Gefühle mobilisiert. Als Beispiel dazu kann ich die Überschrift “Jesus als Modell für Verbreitungsaktivitäten” anführen, die damals für ein bisschen Agitation gesorgt hatte. Wichtig ist, dass, nachdem ich Bild-Zeitungs-mäßig Aufmerksamkeit erregt habe, inhaltlich Fleisch anbieten kann, also mit Modellen die Kognition meiner Leser zufrieden stelle. Natürlich werden dabei auch Leute verletzt, aber ich bin immer bereit zu erklären, warum ich so arbeite und werde meist auch verstanden. Wie dem auch sei, diese Perturbationen polarisieren und die Emergenzen zeigen eine Art Lagerbildung, die gelegentlich auch die Extremen Liebe und Hass einschließt. Auf meinem Vortrag werde ich konkrete Beispiele für die unterschiedlichen Emergenzen anführen und interpretieren.

Fazit Will man in der virtuellen Welt Gruppen (Systeme) aufbauen und steuern, so muss man bestimmte Techniken entwickeln und anwenden. Zentral ist dabei, dass man Einblick in das System gewinnt. Das geht so: Perturbieren, inkubieren lassen, die Emergenzen interpretieren.

PS:  Hier der Vortrag (under construction) und hier die Diskussion.

CS: “Web2.0 und LdL haben ähnliche Merkmale.”

Auf der Suche nach Argumenten für den Einsatz von LdL stoße ich immer wieder auf “kleine Juwele”. Kleine Juwele sind Aspekte, die entscheidend für die Attraktivität von LdL sind und bisher nicht ausreichend von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden.

Aus dem Blog von Andreas (andi1984 ): Interview mit Christian Spannagel

3. Frage: In deinem Blog beschäftigst du dich ja in der letzten Zeit vermehrt mit dem Thema LDL. Was genau ist LDL und was fasziniert dich daran?

LdL heißt “Lernen durch Lehren” und ist eine Unterrichtsmethode, die von Jean-Pol Martin entwickelt worden ist. Jean-Pol habe ich auf dem EduCamp kennen gelernt. Das ist eine Tagung, die sich eigentlich um das Web 2.0 dreht. Beim genaueren Hinsehen bemerkt man aber, dass das Web 2.0 und LdL ganz viele ähnliche Merkmale haben. Bei LdL unterrichten sich die Schüler gegenseitig. Das darf man sich nicht referatartig vorstellen, sondern eher so: Die Schüler sitzen in einem Kreis und diskutieren interessante Themen. Dabei übernehmen Schüler z.B. die Gesprächsführung.  Oder sie präsentieren ihren Mitschülern bestimmte Inhalte, die anschließend gemeinsam besprochen werden. Oder sie bereiten Hausausgaben vor, die von den anderen bearbeitet werden müssen, und dann leiten sie die Besprechung der Ergebnisse. Dabei herrscht also eine sehr offene, anregende, diskussionsfördernde Stimmung. Dabei macht es auch nichts, wenn man Quatsch sagt – die anderen Schüler können einen ja berichtigen. Der Lehrer rügt diese Fehler auch nicht oder gibt schlechte Noten dafür – er ist mehr “Regisseur” oder “Souffleur” und unterstützt die Schüler in ihrer gemeinsamen Arbeit und in ihren Diskussionen. Hierin liegt auch die Gemeinsamkeit mit dem Web 2.0: In beiden Umgebungen können Menschen ihre Gedanken äußern, mit anderen in Kontakt treten und “gemeinsam denken” oder sogar Projekte gemeinsam durchführen.”

Lernziel Wikipediakompetenz

Resume Nachdem das LdL-Verbreitungsprojekt auf guten Bahnen steht und meine Partner schrittweise “Verbreitungskompetenzen” erwerben, ist die Zeit gekommen, dickere Web2.0-Bretter zu bohren.  In der Zukunft wird eine wesentliche Fähigkeit für Wissenschaftler darin bestehen, ihr Wissen in die Wikipedia einzuspeisen.

1. Dicke Web2.0-Bretter: Wikipedia-Artikel

An verschiedenen Stellen habe ich meine Partner auf den hohen Lerngewinn hingewiesen, den man durch das Editieren eines neuen Artikels in der Wikipedia erzielen kann. Die Wikipedia-Kultur ist eine ganz besondere, harte, an die man sich gewöhnen muss. Ich bin immer überrascht, wie wenig unsere Web2.0-Experten mit der Wikipedia-Welt vertraut sind. In meinen Augen ist jemand, der sich im virtuellen Raum bewegt und nicht durch die Wikipedia-Schule gegangen ist, kein Web2.0-Experte. Ich zitiere jemanden, der sich inzwischen auf einem guten Weg befindet, nämlich Thomas Bernhardt: “Ich bin gestern mehr oder weniger ungewollt ins kalte “Wikipedia-Wasser” gestoßen worden, fand die Erfahrung aber ungemein lehrreich! So viel, wie ich gestern in 8 Stunden über die Wikipedia lernte, habe ich davor in zwei Jahren nicht.” Die Wikipedia-Kompetenz halte ich deshalb für so wichtig, weil ich der Überzeugung bin, dass in mittelbarer Zukunft jeder Wissenschaftler versuchen wird, sein Wissen in die Wikipedia, die Weltenzyklopädie, einzuspeisen. Und die meisten Einsteiger sind überrascht, dass ihre Artikel oft zur Löschung vorgeschlagen werden. Ohne Schulung ist es kaum noch möglich, heute in der Wikipedia zu publizieren.

2. Mein Übungsvorschlag: LdL-Artikel auf “lesenswert” upgraden lassen

Eine hervorragende Übung ist es, wenn man versucht, einen vorhandenen Artikel in der Wikipedia als “lesenswert” prädizieren zu lassen. Es ist eine regelrechte Kandidatur mit sehr hohen Hürden (noch viel schwerer zu erreichen ist das Prädikat “exzellent“, der vom Aufwand her mit einer Habilitation zu vergleichen ist). Mit einer “Lesenswert”-Kandidatur für den Artikel “Lernen durch Lehren” sind wir bereits einmal gescheitert. Das Urteil des Admins damals: ” Insbesondere diese Diskussion wie auch die Entwicklung des Artikels während der Kandidatur mit über 250 Veränderungen in der letzten Woche zeigen, dass bei dem Artikel noch großer Diskussionsbedarf besteht. (…). Für die weitere Entwicklung des Artikels sollte eine Diskussion mit den Kritilern dieses Artikels (nicht denen an LdL) im Vordergrund stehen und die entsprechenden Punkte sollten konsequent umgesetzt werden.” Da meine Partner sich vorgenommen haben, LdL weiter in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und an den Schulen zu verbreiten, da meine Partner ferner – berechtigterweise – den Status von Web2.0-Experten anstreben, wäre es eine hervorragende, beide Ziele vereinbarende Übung, den LdL-Wikipedia-Artikel als “lesenswert” pädizieren zu lassen.

Fazit: Menschen, die den Status eines Web2.0-Experten beanspruchen, kommen an einer Wikipedia-Schulung nicht vorbei. Lasst uns einsteigen!

Neue LdL-Produkte: Spannagel, Miehling, Lena Scharnagl

Resume Jahrelang wurde im LdL-Kontext keine wirklich neue Erkenntnis hervorgebracht. Die LdL-Kerngruppe hatte LdL in unterschiedlichen Fächern und Stufen erprobt, hatte LdL verbreitete, aber Koperkanisches “emergierte” seitdem nicht mehr. Und auf einmal…

1. Spannagel: “Mit einigen Fehlvorstellungen über LdL aufräumen

Im Rahmen ihres Informatik-Seminars bei Dr.Spannagel haben sich Lehramtstudenten aus der PH-Ludwigsburg mit LdL befasst und eine Exkursion nach Eichstätt durchgeführt. Als Vorbereitung auf den Besuch haben sie Texte und Unterrichtsaufnahmen zu LdL studiert und auf diese Weise eine bestimmte Vorstellung über die Methode entwickelt. Die Praxis aber, die sie bei mir erlebten, war eine ganz andere. Spannagel hat in seinem Blog beschrieben, was ihn überraschte:

* Unter LdL stellt man sich immer vor, dass Schüler eine ganze Stunde vorbereiten und diese dann halten – womöglich noch referatartig, was nichts anderes als Frontalunterricht mit anderen Mitteln wäre. Die Stunde, die wir gesehen haben, war aber gänzlich anders. Eine Schülerin hatte zu Beginn zunächst ein paar einführende Worte vorbereitet – der größte Teil der Stunde verlief aber eher als Diskurs anstatt als Präsentation: Die Schülerin hat immer wieder Fragen in die Runde gestellt, um die Mitschüler in ein Gespräch über das Thema (hier: Aufklärung) einzubinden. Jean-Pol hat dabei als Lehrer immer wieder eingegriffen und unterstützt.

* Es war auch nicht so, dass die Schülerin die ganze Stunde geführt hat. Im zweiten Teil der Stunde ist eine andere Schülerin nach vorne gekommen und hat die Hausaufgaben mit den Mitschülern gemeinsam besprochen. Dabei hat sie nacheinander Mitschüler aufgerufen und mit ihnen die Lösungen einen Lückentexts, der ebenfalls von Schülern als Hausaufgabe vorbereitet worden war, geklärt. Bei LdL können also mehrere Schüler flexibel und wechselseitig die Rolle der Lehrperson übernehmen.

*Eine weitere Fehlvorstellung, die man bei LdL haben kann, ist die, dass der Lehrer hinten sitzt und nichts weiter tut als beobachten. In dem von uns beobachteten Unterricht war es ganz anders. Ich würde sogar vom Gegenteil sprechen wollen: Der Lehrer (in diesem Fall Jean-Pol) schaltet sich ständig ein, unterstützt, gibt Tipps, fragt nach.

*LdL ist auch nicht Laissez-faire. Hier würde ich ebenfalls sagen: ganz im Gegenteil. Insbesondere wenn Schüler die Leitung übernehmen und jeder Schüleräußerung mit Respekt und Ernsthaftigkeit entgegnet werden soll, muss eine disziplinierte und absolut ruhige Atmosphäre herrschen. Jean-Pol spricht davon, dass er die “Basisdemokratie diktatorisch einführt”.

Diese Erkenntnisse sind neu.

2. Gerhard Miehling: “Einige Kollegen lehnen sich stark an ihn

Spannagels Studenten haben auch den Leiter des Willibald-Gymnasiums, OStD. Gerhard Miehling ausführlich interviewt. Auch dieses Produkt ist im LdL-Kontext völlig neu. Herr Miehling hat detailliert beschrieben, wie sich meine Arbeit am Gymnasium selbst auswirkt. Zu meiner Überraschung wird meine Aktivität viel stärker wahrgenommen als ich es vermutete. Nach Miehlings Aussage übernehmen viele Kollegen die in meinem Unterricht entwickelten Techniken. Dies gilt nicht für alle, aber insgesamt wird mein Wirken von den Kollegen positiv betrachtet. Ich dachte eher an wohlwollende Distanz.

Die Beschreibung meiner Wirkung innerhalb meiner Schule ist auch neu und lässt sich wohl auf andere LdL-Kollegen in anderen Schulen übertragen.

3. Lena Scharnagl: “Man fühlt sich wohl

Zum ersten Mal erhält eine Schülerin die Möglichkeit, sich länger und präzise über LdL zu äußern. Natürlich ist Lena besonders eloquent und fähig, den Unterricht zu analysieren. Ich kann in diesem Blog nicht alle Hinweise von Lena über meinen Unterricht aufzählen, der interessierte Leser muss das Youtube-Video selbst ansehen. Für mich überraschend war die Fokussierung Lenas auf den Wohlfühl-Aspekt. Darüber hinaus bringt mir das Interview die Bestätigung einiger Hypothesen, z.B. dass LdL als Methode leichter Anekdoten hervorbringt mit deren Hilfe man sich einen Stoff besser merkt.  z.B. mit einem Missgeschick, das einem Mitschüler bei der Darstellung eines Stoffes passiert. Das würde ohne LdL gar nicht vorkommen.

Fazit Mein ethnomethodologisches, phänomenologisches Vorgehen ist mühsam, aber macht sich bezahlt. Da und dort emergieren neue Erkenntnisse, die zwar zunächst nur für mich erkennbar sind, aber auf die ich hinweisen kann, damit sie diffundiert werden.

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