Was mich gerade besonders freut (spannagel)

Quelle

Dörte: Hast du für das, was du tust, eigentlich Vorbilder – seien es Menschen oder Projekte –, an denen du dich orientierst?

Christian: Ich lerne gerne „am Modell“: Ich schaue, was andere machen, und wenn mir das gefällt, mache ich das auch. Jean-Pol Martin ist ein solches Vorbild. In vielem, was ich tue, kopiere ich ihn eigentlich nur. Oder ich denke, dass ich auf eine kreative Idee gekommen bin, und dann zückt er ein Beispiel von vor zehn Jahren raus, bei dem er genau das schon gemacht hat. Dinge werden neu erfunden, das ist ganz normal. Manchmal frage ich mich, welche Idee überhaupt von mir selbst ist. Es ist kein böser Wille dabei, aber es gibt Situationen, in denen freue ich mich über eine eigene Idee, und später merke ich, dass ich das eigentlich von jemand anders habe. Das ist dann schon ein bisschen enttäuschend – ich bin doch sooo toll! :-) Im Ernst: Man darf sich selbst nicht zu ernst nehmen. Soziale Netze dienen doch der gemeinsamen Entwicklung, und die persönliche und die gemeinsame Entwicklung sind untrennbar miteinander verbunden, wenn man sich in Sozialen Netzwerken öffnet.

Advertisements

Ideologiefreie Definition von Bildung

Quelle: Spezielle Definitionen

Definition von Bildung:

„Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, die Menschen ermöglichen, mit einströmenden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig zu halten.”

Kann man diese Definition auf 140 Zeichen verkürzen, so dass sie twitterfähig wird?

Christian Spannagels Fragen

Mir ist nicht ganz klar: Ist Bildung „das Erstellen von Konzepten“? Oder die Bereitschaft dazu? Oder das Ergebnis davon? Oder die Voraussetzung dafür? Oder der Prozess dahin? 🙂 … Vorschlag zur Umformulierung, dann lässt sich leichter drüber diskutieren (zumindest würde ich so die Definition eher verstehen): „Bildung ist Fähigkeit (bzw. deren Erwerb) gepaart mit der entsprechenden Bereitschaft, gemeinsam Konzepte zu erstellen und dabei gelassen mit Daten umgehen zu können, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten.“ —Spannagel 22:49, 24. Apr. 2012 (CEST)

Antwort

@Spannagel: deine Definition ist eine gute Annäherung. Ich versuche es noch einmal:

Bildung als dynamischer Prozess:

1. Die Welt stellt uns permanent vor neue Probleme (einströmende Daten). 2. Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurden ständig Problemlösungen gemeinsam erarbeitet (Bildung als Prozess) die als Vorrat vorliegen (Bildung als Ergebnis). 3. Dieser Vorrat an Lösungen (Konzepten) ermöglicht, die neu einströmenden Daten konzeptgesteuert anzugehen. 4. Allerdings reicht dieser Vorrat nicht aus, um alle neuen Probleme zu lösen. Also muss man gemeinsam neue Lösungen erarbeiten (Bildung als Prozess). 6. Diese Lösungen reichern den Vorrat an Lösungen und Konzepten an. 7. Es stellen sich neue Probleme, usw… Bildung ist sowohl Ergebnis als Prozess. Daher auch die Ambiguität des Begriffs selbst. Wie die Zeit, die man nicht anhalten kann, kann man auch den Bildungsprozess nicht anhalten. Er fließt kontinuierlich… „Gebildete Menschen“ sind also solche, die über einen umfangreichen Satz an aktuell relevanten Problemlösungen (Wissen, Strategien) verfügen, die ihnen ermöglichen, neue auftretenden Probleme zu lösen, und neue Problemlösungen zu erarbeiten, wobei das Ziel all dieser Aktivitäten das Erreichen von individuellem und kollektivem Glück ist. Ein solches Konzept (Bildungsbaustein) ist beispielsweise mein Menschenbild, weil es integriert genug ist, um alle relevanten Aspekte einzuschließen und differenziert genug ist, um operationalisierbar zu bleiben. Das Menschenbild ermöglicht, menschliche Verhaltensweisen einzuordnen und vorauszusehen (konzeptgesteuerte Informationsverarbeitung). —Jeanpol 06:47, 25. Apr. 2012 (CEST)

Projekt als idealer Lernraum

Die Erarbeitung von Problemlösungen ist Wissenskonstruktion. Lernen erfolgt am effektivsten im Rahmen von Wissenskonstruktion, also als Antwort auf ein relevantes Problem der Lebenswelt. Die intensivste Auseinandersetzung mit der realen Lebenswelt erfolgt im Rahmen von Projekten. Daher: Projekt als bevorzugte Struktur für die Induzierung von Lernprozessen. Und da die Produktion von Problemlösungen wiederum zu Glücksgefühlen führt, haben wir die logische Kette: Projektstruktur führt zu permanenten Problemlösungenprozessen und Produktion von Konzepten/Wissen (=Bildung) und die Produktion von Bildung wird auf der neuronalen Ebene mit Adrenalinausschüttung (Glück) belohnt. Wenn das nicht der Fall wäre, würden wir nicht die Energie aufbringen, Problemfelder aktiv anzugehen. Daher auch mein Ansatz: „Projekt als glückbringende Struktur“. Und im ersten Educamp (Lernraum) wollte ich ständig mit dir in Koatakt bleiben, damit wir intensiv in den unterschiedlichen Problemsituationen „konezptualisieren“ konnten, also Wissen/Bildung produzieren!:-) —Jeanpol 09:59, 25. Apr. 2012 (CEST)

Spannagels LdL-Wokshop in Berlin!

Lasst 200 Gehirne interagieren! (Sagt Christian Spannagel)

Mittwoch, Februar 8, 2012 von cspannagel

Am Freitag und Samstag darf ich einen LdL-Workshop in Berliner Zentrum für Hochschullehre gestalten. Zwei ganze Tage mit einer Gruppe von ca. 14 Personen – welch ein Luxus! Titel des Workshops: Lasst 200 Gehirne interagieren! Lernen durch Lehren (LdL) in der Hochschullehre. Viel haben wir uns vorgenommen für diese Zeit: LdL und Menschenbild, LdL-Hochschulseminare, Aktives Plenum und flipped classroom, LdL und Web-2.0-Tools, öffentliche Wissenschaft, Aktionsforschung… und es hat sogar schon begonnen: Einige Teilnehmer haben vorbereitende Statements in das Wiki geschrieben, und wir haben angefangen, dort zu diskutieren. Der Workshop selbst ist dabei im Sinne von LdL gestaltet – die Teilnehmer werden eigene Phasen übernehmen, wir werden mehrere Situngen im aktiven Plenum abhalten und Web-2.0-Anwendungen werden „neuronenartig“ integriert.

Ich werde die ganze Zeit eine Twitterwall laufen lassen, um den „Kontakt mit der Außenwelt“ – d.h. euch :-) – herzustellen. Vielleicht werden wir im Rahmen des Workshops auch Twitter-Accounts anlegen – das hängt aber von den Wünschen und Interessen der Teilnehmer ab, die sich natürlich auch während des Workshops entwickeln dürfen. Das Hashtag ist #ldlberlin – also, haltet an diesen beiden Tagen die Augen offen, und ich würde mich freuen, wenn wir euch über Twitter mit einbinden können (ein Streaming macht zwei Tage lang wenig Sinn, vor allem weil wir auch viele Arbeitsphasen haben werden, in denen für Außenstehende nicht viel passiert). Somit: Stay tuned and listen to channel #ldlberlin :-)

 

Christian Popper?

Spannagel in Maputo. Er kann’s nicht lassen!

Das Eis wurde schließlich durch ein aktives Plenum gebrochen, wie ich es noch nicht erlebt habe. Ich habe die Studierenden in zwei  Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe sollte sich Pro-Argumente für den Einsatz von Fermi-Aufgaben in der Schule überlegen, die andere Gruppe Contra-Argumente. Nach 10 Minuten Vorbereitungszeit habe ich zwei Studierende nach vorne geholt (zum Schreiben und zum Aufrufen, wie man’s beim aktiven Plenum ja macht), und habe die Runde eingeleitet mit „And now: Fight!“ Und dann ging’s los. Es waren (glaub ich) 20 Minuten erhitzte Diskussion, und die Studierenden haben sich richtig ereifert. Ich habe sie übrigens auf Portugiesisch diskutieren lassen, weil ich wollte, dass sie möglichst frei sprechen (Mein Kollege Prof. Cherinda hat mir während der Diskussion immer wieder einiges nebenbei übersetzt). Letztendlich glaube ich, dass die Studierenden dabei wirklich Spaß hatten (ich werde sie aber noch fragen). Anschließend habe ich ihnen noch das Erich-Hammer-Video als Beispiel gezeigt, auf Englisch übersetzt und daran erläutert, wie man die Methode auch im Mathematikunterricht einsetzen kann, und habe ihnen ein wenig über die Neuronenmetapher und Klasse als Gehirn (Jean-Pol Martin) erzählt. Ich finde es toll, dass das aktive Plenum praktisch von alleine gelaufen ist, und durch den Extrakt an der Tafel habe ich auch kontrollieren können, ob alles einigermaßen mit rechten Dingen zuging. Das heißt, das aktive Plenum funktioniert nicht nur mit Verkehrsplanern, sondern auch dann, wenn der Dozent eine andere Sprache spricht. :-) Und  – auch schon oft erlebt – am Ende standen wesentliche Argumente tatsächlich an der Tafel (Bild 1, Bild 2), von den Studierenden selbst entwickelt und ohne, dass ich irgendwas dazu sagen musste. Hätte ich auch gar nicht können, ich kann ja kein Portugiesisch. :-)

Für Christian Spannagel (zu seiner Frage, wie Senioren…)

Frage von Christian Spannagel: „Welche Möglichkeiten bietet das Web für Senioren, etwas zu lernen?

1. Ausgangspunkt

Senioren, wie alle anderen Menschen auch, lernen in Handlungsfeldern, in denen sie mit Problemen konfrontiert werden. Sie müssen permanent Problemlösungen generieren und konzeptualisieren. Nun werden bei Menschen, die im Beruf stehen, die Probleme kontinuierlich von Handlungskontext geliefert. Bei Senioren ist es anders. Wenn sie ihre Problemlösefähigkeit erhalten wollen, müssen sie selbst aktiv nach Problemfeldern suchen. Sie müssen ihre Mitarbeit in Parteien, Vereinen und sonstigen berufsähnlichen Vereinigungen anbieten. Früher war es kaum möglich für einen Rentner das Aktivitätsniveau zu erhalten, das er vor der Pensionierung hatte. Seitdem es Web20 gibt, besteht die Möglichkeit, dass er sein Wissen, seine Erfahrung und seine Energie in sein früheres Berufsfeld einbringt. Allerdings setzt es voraus, dass die Gesellschaft entsprechende Strukturen systematisch aufbaut und bereithält.

2. Was bieten Senioren?

Senioren verfügen in der Regel über umfangreiche Erfahrungen und Wissen in einem Bereich. Während ihr aktives Berufsleben war es für sie zeitlich schwierig, über ihre Erfahrungen vertieft zu reflektieren, denn sie standen unter Handlungszwang. Im Rentenalter haben sie die Zeit, die Erfahrung zu Strukturwissen umzuformen. Beispielsweise habe ich mich selbst im Laufe meines Lebens viel mit Philosophie befasst, aber diesen Stoff habe ich nie durchdringen und zu klar strukturiertem Wissen umformen können. Jetzt habe ich die Zeit dazu. Und ich habe auch die Zeit, die Quintessenz meiner Reflexion weiterzuvermitteln.

3. Welche Aufgabe für Senioren?

– Man könnte Senioren mit kleineren Konzeptualisierungsaufgaben betrauen, wie das vor kurzem Lutz Berger mit mir getan hat oder Christian Spannagel gerade mit mir tut. Sie stellen mir eine Frage und ich nehme mir die Zeit, sie zu beantworten. Auch so wird Wissen konstruiert

– Man sollte sie aber auch in kleinere Projekte einbinden, damit sie sich nicht nur mit Theorie befassen sondern auch konkrete Probleme im Feld lösen müssen. Das geschieht für mich beispielsweise im Rahmen meiner Arbeit bei den Grünen.

Fazit Mit dem Web eröffnen sich also Möglichkeiten, Senioren in den allgemeinen Arbeitsprozess weiter einzubinden. Dazu müssen allerdings entsprechende Strukturen systematisch aufgebaut werden.

Was ist für mich Vernetzung?

Resume Heute gegen 18:30Uhr wird mich Christian Spannagel in seinen Vortrag in Heidelberg einskypen. Ich soll beschreiben, was für mich Vernetzung bedeutet.

1. Ausgangspunkt

Als Menschen stehen wir permanent vor Problemen, die wir lösen müssen. Vieles lässt sich ohne Hilfe bewältigen, aber ab einem bestimmten Komplexitätsniveau ist man auf Ressourcen von außen angewiesen. Man vernetzt sich mit anderen, um gemeinsam das Problem anzugehen. Metaphorisch übertragen kann man sagen, dass wir ein Netz von „Neuronen“ konstituieren, eine Art von Gehirn, das die Aufgabe hat, das Problem zu lösen.

2. Meine Aufgabe als Dozent

Meine Aufgabe als Lehrer und Dozent sehe ich darin, relevante Problemräume zu erkennen und zu definieren und meinen Schülern oder Studenten als Aufgabe anzubieten. Wenn ich nicht über eine reale Gruppe verfüge, versuche ich im Netz (Twitter, Kommunikationsplattformen)  Menschen („Neuronen“) zu kontaktieren und durch aktive Vernetzungen zu einem „Gehirn“ zu formen.  Meine Aufgabe besteht dann darin, dem „Gehirn“ das Problem anzubieten und die Interaktionen (kollektive Reflexion) zu moderieren bis das Problem gelöst ist. Projekte haben einen ähnlichen Ablauf:

– Definition eines Projektzieles

– Sammeln von Menschen, die dieses Ziel ansteuern sollen

– Organisation der Interaktionen und Denkprozesse bis zum

– Abschluss des Projektes

3. Redundantes Einspeisen von Konzepten

Für die Zielerreichung ist es günstig, wenn die Gruppe als Resonanzboden in Kohärenz gebracht werden kann. Verfügt die Gruppe über einen gemeinsamen Vorrat an Denkstrukturen und Begrifflichkeiten, so begünstigt es Synergieeffekte und Kongruenz. Man kommt innersystemisch schneller zu Ergebnissen und erreicht das Ziel zügiger. Auch darin besteht die Aufgabe des Dozenten: er stellt einen kohärenten Begriffsapparat zur Verfügung, so dass eine rasche Verständigung während des Prozessverlaufes gewährleistet ist.

Fazit: Vernetzungen strebe ich vor allem dann an, wenn ein konkretes Problem zu lösen ist. Natürlich ist es sinnvoll, Netze („Gehirne“) auf Vorrat zu konstituieren, die im Bedarfsfall gleich eingesetzt werden können.