Ich weiß was, was du nicht weißt (2). LdL und die Ökonomie der Aufmerksamkeit.

Resume Wenn ich möchte, dass meine Ideen verbreitet werden, muss ich meine Schüler, Studenten und Kollegen mit relevanten Neuigkeiten (z.B. LdL) ausstatten. Über LdL können sie ihr Bedürfnis nach Anerkennung (Aufmerksamkeit) befriedigen: sie wissen was, was die anderen nicht wissen.

1. … und das geht so:

Als Didakiker und Welverbesserer möchte ich, dass meine Partner relevantes Wissen konstruieren. Um sie zu motivieren rege ich sie an, zunächst kleinere Projekte anzugehen, die zu neueren Erkenntnissen führen, und die dadurch entstandenen Produkte überall zu diffundieren. Sie erstellen also einen kleinen Wissensbaustein und erhalten dafür als Belohnung soziale Anerkennung. Vielen ist das zu anstrengend und langwierig. Sie erstellen lieber gar kein Produkt und verzichten auf die Aufmerksamkeit. Wenn ich eine Klasse unterrichte, kann ich sie sanft zwingen, Neues zu erstellen, auch wenn sie das selbst nicht als solches empfinden. Ich setzte LdL als Unterrichtsmethode ein und schrittweise verändern sich die Schüler. Das merken sie nicht, aber spätestens wenn das Fernsehen sich für sie interessiert, in den Unterricht kommt und Fragen stellt, werden sie sich eines bewusst: wir wissen was, was die anderen nicht wissen, und das scheint relevant zu sein. Natürlich genießen sie die Aufmerksamkeit (siehe mein Menschenbild) und die Dynamik ist eingeleitet. Sie fangen an, Neues zu erstellen, um erneut Anerkennung zu erhalten usw.

2. Im Netz ist es komplizierter

Dieses Muster versuche ich auch im Netz anzuwenden: ich suche nach Leuten in Twitter, auf Mixxt-Plattformen und auf Educamps, die bereit wären, mit mir zusammen ein kleines Wissenskonstruktionsprojekt durchzuführen. Das ist unendlich schwerer als wenn man über eine Gruppe von Schülern und Studenten verfügt, die man zu Beginn „zwingen“ kann, bestimmte, oft mühsame Schritte zu gehen. Im Netz steigen die Leute sofort aus, sobald es anstrengend wird. Ein Beispiel dafür liefert die Plattform Neuron:  sie wird besucht von einer Reihe sehr kompetenter Leute, aber sobald längere Zeit systematisch an Wissenskonstruktion gearbeitet werden muss, verschwinden sie. Verständlich, aber ich will ja eine Strategie entwickeln, um dem entgegenzuwirken.

3.  Sie konstruieren zunächst kein neues Produkt, sondern übernehmen meines…

Da die Leute – zumindest in diesem Kontext – partout keine neuen Wissensbausteine selbst entwickeln wollen, biete ich meine an, z.B. LdL. Zunächst finden die von mir angedockten Twitterer und Educamper meine Theorie und meine Praxis sehr interessant, aber es gibt vieles Interessantes im Netz. Als Spannagels Studenten beschlossen, die Kommunikationsplattform Maschendraht aufzubauen und als Produkt LdL zu verbreiten, wurden sofort Stimmen laut, LdL sei nicht das einzige interessante Projekt, es gäbe viele anderen Leuchttürme. Ich wusste, jetzt wird eine Runde gedreht, bis man feststellt, dass LdL doch mehr in sich trägt, als zunächst angenommen. Und so kam es auch.

4. Und jetzt doch was Neues: um LdL herum

Wenn Menschen motiviert werden sollen, nachhaltig ein Projekt zu verfolgen und sich damit zu identifizieren, muss schnell dafür gesorgt werden, dass sie eigene Produkte erstellen auch wenn es – wie hier der Fall – in einem zunächst fremden Rahmen (LdL) geschieht. Nur so können sie sagen: ich weiß was, was du nicht weißt. Schrittweise muss der Aufmerksamkeitsfokus von LdL verlagert werden auf die Eigenleistung der Menschen, die sich damit befassen. LdL rückt in den Hintergrund, bleibt aber überall präsent und wird mit großer Wucht verbreitet, ob die Verbreiter sich dessen bewusst sind oder nicht. Wer sich intensiv mit LdL befasst hat, weiß etwas, was die anderen nicht wissen. Er hat Aufmerksamkeit verdient und bekommt sie auch. Wir treten in eine Phase, wo viel Neues über LdL entstehen wird. Das Interview mit dem Leiter des Willibald-Gymnasiums in Eichstätt beispielsweise beleuchtet völlig neue Aspekte von LdL sowie der Blogeintrag von Spannagel über den Eichstätter-Besuch.

Fazit Aufmerksamkeit erhält man, wenn man was weiß, was die anderen nicht wissen. Man muss also entweder selbst neues Wissen erstellen, oder ein bereits vorhandenes neue Wissen verbreiten. Wenn das Thema genug hergibt, kann man im Rahmen des Vorhandenen selbst neue Wissensprodukte konstruieren und damit Anerkennung erzielen. Das tun gerade die Spannagel-Studenten mit Hilfe von Lutz Berger.