Von der Gier zum Verzicht: da hilft die Philosophie!

Resume Der Übergang in den Ruhestand ist für Workaholics schrecklich. Man wird in eine richtige Sinnkrise gestürtzt. Was hilft mir?

1. Die Gier

An diversen Stellen habe ich beschrieben, dass ein stabiler, spannender Job einem ermöglicht, alle von Maslow beschriebenen Grundbedürfnisse auf hohem Niveau zu befriedigen. Bei besonders günstigen Bedingungen kann man von einem Kick zum anderen rasen (Flow-Rausch). Bei mir war es seit etwa 40 Jahren der Fall. Ich versuchte, mich immer in neue Problemsituationen zu begeben, um gezwungen zu sein, durch intensive Informationsverarbeitung Lösungen zu generieren. Das Verarbeiten von Informationen dynamisiert und beglückt. Es macht gierig.

2. Von der Gier zur Bescheidung

Als ich in den Ruhestand ging, wusste ich, dass ich die Gier nicht mehr auf hohem Level befriedigen könnte. Zwar bemühte ich mich sehr darum, „drinnen“ zu bleiben, aber trotzdem musste ich Abstriche machen und „kleinere Brötchen“ backen.  Parallel zu den beruflichen drastischen Reduktionen verliefen weitere, erhebliche Einschnitte im Lebensstandard, die ich ebenfalls wegstecken musste. Das Glücksmuster Befriedigung von Gier konnte nicht mehr funktionieren. Was dann?

3. Abhilfe: die Geschichte der Philosophie in den Griff bekommen

Unter den vielen Massnahmen, die ich getroffen hatte, um mir ausreichend Informationsverarbeitungsdruck zu sichern, war mein Angebot eines Online-Philosophie-Workshops und eines Philosophiekurses an der Volkshochschule. Da ich Philosophie nicht studiert habe, wusste ich, dass dadurch intensivste Informationsverarbeitung angesagt war.  Sich einen Überblick über die Geschichte der Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart zu verschaffen und einen Kurs darüber zu halten, war ein hohes Ziel mit Stressqualität.  Gerade aber die Aufgabe, einen solchen Berg kognitiv „in den Griff“, also unter Kontrolle zu bekommen, versprach Flow! Und das kam auch so. Fast jeden Tag erhielt ich durch neue Einsichten große Freuden. Nicht, dass die Inhalte selbst mir viel Hilfe für den Alltag brachten, es war viel Unsinn dabei. Aber beispielsweise zu verstehen,  warum Platon von Popper scharf kritisiert wird oder warum Wittgensteins Satz „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ meist missverstanden wird, gibt einem ein gutes Kompetenzgefühl.  Das ließ mich viele sonstige Alltagsschwierigkeiten vergessen.

4.   Epikur: ein Glas Wasser

Auch wenn die meisten Philosophen in puncto Alltagshilfe wenig zu bieten haben, sie haben alle über das Glück nachgedacht und einige haben auch interessante Vorschläge gemacht. So meint Epikur, dass man sich über die Quellen der Bedürfnisbefriedigung freuen soll, die einem zugänglich sind. Mit einem Glas Wasser kann man den Durst wunderbar stillen. Wein muss es nicht sein, der Mehrwert an Lustbefriedigung ist durch Wein nicht so hoch wie man meint!

Fazit Nach der Gier kommt die Bescheidung. Auch darin kann man sich gut einrichten. Cum grano salis!:-))

Senioren ans Netz! Im Ingolstädter Burgerhaus (Do.15:00Uhr)

Resume Das internet eröffnet Möglichkeiten, auf längere Sicht Kontakt mit Menschen aufrechtzuerhalten, die ähnliche Interessen teilen. Welche Tools kann man einsetzen?

Ort und Zeit: Bürgerhaus (Neuburger Kasten) 15:00-17:00Uhr

1. „Anthropologische“ Prämissen

Bedürfnisse

2. Kommunikation

a) Twitter

b) Foren

c) Skype

3. Wissenskonstruktion

a) Wikipedia

b) Weblogs

c) youtube

4. „Anspruchsvolle“ Inhalte und Partizipation

a) Philosophie für Senioren und das dazugehörige Wiki

b) Gastbeiträge auf Parteienhomepages

5. Verhaltensbasics

NeuronRessourcenorientierung

6. Links

a) Meine „Senioren“-Seite

b) Horst Sievert

c) Annetheres

d) Herbert Schmidt

7. Folgetreffen: Freitag, den 26.02., um 10.00Uhr  im Computerrraum des Bürgerhauses (Neuburger Kasten)

Fazit Das Internet bietet vielfältige Angebote für interessante Kommunikation!

Entwicklungsaufgaben auch mit 66? Ja, auch mit 66.

Resume Im Laufe ihres Lebens müssen junge Menschen bestimmte Entwicklungsaufgaben bewältigen. Seitdem es das Internet gibt, gilt dies auch für Ältere.

1. Sexualität, Beruf, Familiengründung

Im Allgemeinen zählt man drei Stufen bei der Entwicklung junger Menschen, nämlich die Bewältigung der Pubertät, die berufliche Ausbildung und die Gründung einer Familie. Diese drei Etappen sind mit tiefgreifenden Umorganisationen der Persönlichkeit und der Identität verbunden. Dazu könnte man noch die Konstituierung eine stabilen Wertesystems zählen, aber dies wird selten als dramatischer Prozess erlebt, denn radikale Paradigmenwechsel, wie es beispielsweise der Fall war in der Folge der 1968er Ereignisse, sind selten. Meist bleiben die Kinder auf der politischen Linie der Eltern. Eine letzte radikale Umorganisation erfolgt mit dem Schritt in den Ruhestand, aber es betrifft eben keine jungen Menschen mehr sondern alte. Dieser Schritt wird auch selten als Entwicklung gestaltet und wahrgenommen.

2. Schritt in den Ruhestand als Entwicklungsaufgabe

Seit der Verbreitung des Internets und seitdem ältere Menschen die zu dessen Nutzung notwendigen Kompetenzen besitzen, besteht für sie die Möglichkeit, die Ressourcen an Erfahrung und Reflexion, die sie im Laufe der Jahrzehnte angesammelt haben, in den allgemeinen Denkkreislauf einzuspeisen. Auch sie haben eine gewaltige „Ressource Geist“ anzubieten. Und der junge Teil der Bevölkerung erkennt dies instinktiv. Das bedeutet, dass im Internet alte Menschen gebeten werden, ihre Denkressourcen zur Verfügung zu stellen. Diese Nachfrage zwingt wiederum die Älteren zu einem Entwicklungsschritt. Sie müssen ihre Denk- und Erfahrungsschätze so anbieten, dass diese nutzbar für die Allgemeinheit werden. Und die Jungen helfen ihnen dabei. Die Reflexion über die eigene Vergangenheit gewinnt an Qualität, weil der Prozess von den Jungen begleitet, ja abgetrotzt wird. Für den Älteren ist es eine Art Apotheose, indem in einem letzten Gewaltakt die Quintessenz eines Lebens herausgefiltert und eine neue, qualitativ höhere Interpretation geleistet wird.

Fazit Im Internet entsteht eine Nachfrage nach Denkressourcen, die auch ältere Menschen erfasst. Diese werden bedrängt, Ihre Erfahrungen so aufzubereiten, dass diese auch für andere nutzbar werden. Das bietet den Älternen die Chance, einen ultimativen Entwicklungsschritt zu vollziehen.