Ingolstadt: interkulturelle Öffnung der Verwaltung (History)

Der Ablauf:

1. September 2011:  Auftritt Sarrazin und Aktion der Grünen in Ingolstadt

2. November 2011:  Willkommenskultur: Vorbereitung auf den „Tag der Migranten“

3. Dezember 2011:  Tag der Migranten (Organisation Stadt Ingolstadt und Freiwilligen Agentur)

4.  Februar 2012:    Antrag der Ingolstädter Grünen: Interkulturelle Öffung der Stadtverwaltung

Wie es bei mir weitergeht:

1.  Modul Ingolstadt-Expertise (für alle, insbesondere für Jugendliche mit Migrationshintergrund)

2. IN-Fusion

Digital-native Forscher: die Organisation kollektiver Reflexion im Netz

Natürlich wurde in der Wissenschaft immer schon kollektive Reflexion organisiert. Allerdings war die Zahl der Beteiligten gering. Durch das Internet ist es möglich geworden, eine sehr hohe Anzahl von Menschen aus allen Wissensbereichen zu motivieren, an einem Thema für eine bestimmte Zeit gemeinsam zu arbeiten. Wie Neuronen im Gehirn. Dadurch wird sich die Arbeit des Wissenschaftlers radikal ändern. Er wird nicht mehr in Einsamkeit forschen und ab und zu publizieren, sondern er wird Problemräume definieren und

  • eine hohe Anzahl denkaktiver Menschen mobilisieren
  • diesen Menschen ein relevantes Thema zur Reflexion anbieten
  • als Cortex die Reflexion organisieren und dafür sorgen, dass im Zuge der kollektive Reflexion viel neues, relevantes Wissen emergiert
  • dazu wird er in hohem Maße Netzsensibilität benötigen

So hat beispielsweise CS:

Fazit: Durch das Internet sind Forschern ganz neue Aufgaben zugewachsen. Sie müssen kollektive Reflexion im Netz organisieren. Und dazu brauchen sie Netzsensibilität.

Konsumiere Menschen nicht! Auch nicht in Twitter!

Resume Die Andockmöglichkeiten, die im Web2.0 angeboten werden, verführen zum Menschenkonsum und Ressourcenverschwendung: es werden Energien, darunter auch Emotionen vergeudet. Was mache ich dagegen?

1. Meine Beobachtungen seit neun Jahren (Foren, Wikipedia, Educamp, Twitter)

Mein erstes Forum habe ich im März 2000 in der ZUM erröffnet.  Es meldeten sich verschiedene Menschen (Schüler, Kollegen und Studenten) und ich nahm mir damals vor, sofort auf die Beiträge einzugehen und niemals eine Kontaktaufnahme unbeantwortet zu lassen. Nur so konnte ich meine Gesprächspartner halten und ich wollte auch Respekt zeigen. Natürlich verschwanden die Besucher immer wieder, aber ich selbst habe sie nie im Stich gelassen. Ich wollte sie nicht konsumieren. Bei diesem Prinzip bin ich geblieben. Ich habe Web2.0-Projekte an der Uni initiert und auch da war mein Motto, Studentenanfragen sofort zu beantworten und anvisierte Projekte durchzuführen, auch wenn manchmal von 20 Studenten nur 2 übrig blieben. Ähnliches mein Verhalten in der Wikipedia, wo die Leute ohnehin bereits auf nachhaltige Arbeit eingestimmt sind.  Als ich mir vor einem Jahr auf der Educamp-Plattform einen account anlegte in der Überzeugung, hier würden die Leute besonders fix sein und angesichts des anvisierten Camps zuverlässig und intensiv kommunizieren, war ich überrascht: so ernst war die Kommunikationsplattform nicht gemeint. Als ich unter Nutzung der Tools meine „Freunde“ per Rundmails informieren wollte, stellte ich fest, dass auch diese Möglichkeit nicht wirklich ernst gemeint war. Es schien als ob man die Leute anziehen, aber nicht richtig bedienen wollte. Inzwischen ist ein Jahr vergangen und es hat sich im Educamp-Bereich viel getan.

2.  Anlocken und dann nachhaltig bedienen

Als Forscher gibt es diverse Erkenntnisse, die ich gerne verbreiten möchte. Dazu begebe ich mich in Felder, wo sich viele Menschen versammeln und ich versuche, Aufmerksamkeit zu erregen, z.B. durch Perturbationen. Meine Einstellung zu diesem Vorgang ist sehr klar: wenn von 100 Leuten 99 indifferent bleiben oder sich ärgern und eine Person positiv reagiert, dann hat es sich gelohnt (Spermatozoidenmetapher). Dieser Zugriff und allein dieser (also 100 Leute anpsrechen um nur einen Interessenten zu erreichen) könnte als zynisch empfunden werden. Alle anderen Schritte sind von Respekt geprägt: wenn jemand mit mir interagiert, dann hat er Anspruch auf meine ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung. Dies gilt für die von mir moderierten Foren, für meinen Blog, für diverse Plattformen auf denen ich Personen anlocke und für Wikis sowieso, weil dort intensiver zusammengearbeitet wird. Was Twitter angeht, so vertrete ich dieselbe Position: a) Leute durch Präsens und interessante Beiträge (auch Perturbationen) aufmerksam machen, b) wenn jemand sich auf Interaktionen einlässt, nachhaltig bedienen und wenn alles gut geht, c) mit ihm ein Projekt anbahnen. Natürlich hat das zur Konsequenz, dass ich nicht überall Foren und Plattformen eröffne, die ich dann nicht bedienen kann, sondern dass ich genau überlege, wo und warum ich eine neue Kommunikationsmöglichkeit schaffe.

Fazit Wenn ich Menschen zu Interaktionen verlocke, entstehen bei ihnen Erwartungen. Sie haben mir Energie geschenkt und möchten eine Gegengabe. Wenn ich nicht mehr reagiere, habe ich sie reingelegt.

Auf der Jagd nach vagabundierenden Ressourcen

Resume Wer anspruchsvolle Projekte durchführen will, braucht so viele Partner wie möglich. Er muss überall Menschen ansprechen und ihnen attraktive Ziele anbieten. In Schulen und Unis sind es Schüler, Studenten und Kollegen. In der virtuellen Welt kann man „vagabundierende Ressourcen“ binden.

1. Ohne Partner kein Erfolg, auch mit den besten Ideen

Als ich 1981auf die Idee kam, die Sprachlosigkeit meiner Schüler im Französischunterricht dadurch aufzuheben, dass sie sich den Stoff gegenseitig vermitteln und als ich über die damit erzielten Erfolge rege publizierte (Dissertation 1985), gabe es in meinem Fach Französischdidaktik kaum Resonanz (über die Resonanzfähigkeit der Hochschule siehe „Lernziel Prokrastination„). Wollte ich also meinen Ansatz bekannt machen, musste ich andere Wege gehen und Lehrer mobilisieren. Auf Fortbildungsveranstaltungen sprach ich Kollegen an und immer wieder ließ sich jemand für das Vorhaben „wir verändern die Schulwelt durch LdL“ begeistern. So entstand 1987 die LdL-Kerngruppe, die damals aus 12 Leuten bestand und heute noch existiert. Ohne diese 12 Leute gäbe es LdL in der Schul- und Unilandschaft nicht.

2. Was sind das für Leute und wie binde ich sie nachhaltig ein?

Die Kollegen, die sich im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen für LdL begeistern ließen, waren nicht die Dümmsten!;-))) Das waren die anderen auch nicht, aber ich musste das Glück haben, dass jemand gerade unter der Passivität der Schüler in seinem Unterricht leidet und nach schüleraktivierenden Methoden sucht. Wer nicht litt, war kein potenzieller Partner für mich. Ich fasse zusammen: es kamen Lehrer in Frage, die a) engagiert und klug waren und b) unter der Situation im Unterricht leiden. Und was musste ich machen? Ich musste mein Versprechen einhalten. Und das Versprechen war: ich werde euch mit guten Materialien vesorgen, ich werde Treffen organisieren, ich werde über Jahrzehnte hinweg stabil sein und eisern unser Ziel verfolgen. Ich werde sehr sorgfältig mit euren Kräften umgehen, denn ihr seid nicht meine Angestellten und meine einzige Chancen, euch zu behalten, besteht darin, eure Bedürfnisse zu befriedigen. Und wir werden Großes verwirklichen (Bedürfnis nach Transzendenz).

3. IPK als Zwangsveranstaltung

Als das Internet aufkam wurde mir sofort klar, dass ich in der virtuellen Welt weitere Partner finden kann. Meine Anforderungen sind groß, und Eichstätt ist klein. Ferner wollte ich die LdL-Idee der Kollektiven Wissenskonstruktion aus dem Klassenzimmer hinausdehnen und es war naheliegend, ein weltweites Netz aus Studenten zu bilden, die gemeinsam Wissen erstellen. Das IPK-Modul war geboren. Wie LdL ist IPK so strukturiert, dass alle Grundbedürfnisse der Studenten befriedigt werden. Allerdings ist der Energieaufwand, den die Studenten aufbringen müssen, sehr groß. Andererseits reduziert sich für uns als Kursleiter die Überzeugungsarbeit und die Abwehr von Prokrastination (die bei ganz freiwilligen Projekten stets droht), durch den Zwang der Studenten, den Kurs bis zum Schein durchzuhalten. IPK ist sehr anspruchsvoll und stark zielorientiert. Die Formel ist nicht „Der Weg ist das Ziel“, sondern „Das Ziel ist das Ziel“. Die Resultate sind qualitativ entsprechend hoch. Und die Studenten sind nach viel Geschimpfe und Gejohle richtig stolz, wenn sie  ihre Forschungsergebnisse präsentieren.

4. Und Neuron, Maschendraht, Blog, Twittern, Wiki…?

Wie bei LdL und IPK ist das Ziel bei Neuron und Maschendraht, die Welt zu verbessern: es geht auch darum, kollektiv relevantes Wissen zu konstruieren. Und die Leute? Im Gegensatz zur LdL-Kerngruppe sind es nicht Personen, die ein dringliches Interesse haben, durch die Zusammenarbeit die Not ihres eigenen Alltags zu lindern. Im Gegensatz zu den IPK-Studenten ist für sie Neuron- und Maschendraht keine Zwangsveranstaltung. Wie lockt man Leute heran? Hier empfiehlt sich den Ressourcen-Blick aufzusetzen und das Neuron-Verhalten zu automatisieren. Wie hält man sie dann zusammen? Das A und O: schauen, dass bei der Mitarbeit bedeutsame Bedürfnisse (insbesondere intellektuelle und soziale) befriedigt werden und immer wieder auf die Ziele hinweisen, denn im Twitter- und Blog-Kontext sind dissipative (zentrifugale) Kräfte stark am Werk. Es gibt viele Parties, und alle sind verlockend!

Fazit: um die Leute bei der Stange zu halten, muss das Angebot attraktiv, die Ziele müssen klar und offen sein. Man selbst muss dem Bedürfnis nach Nachhaltigkeit und Stabilität besonders entprechen. Und damit jeder einsteigen und die Reflexion voranschreiten kann, darf man Umwege aushalten und keine Angst vor Redundanz haben.