live for life

Resume Gestern wurde ich von Schülern aus meinem ehemaligen LK-Französisch eingeladen. Sie haben ein „Weltverbesserungs-Projekt“ gestartet, das exakt meinen Vorstellungen entspricht.

1. Die Idee

Das Konzept von „live for life“ basiert auf folgenden Punkten:

  • Unterstützung von sozialen Projekten weltweit (aktuell Sudan)
  • Jeder kann Aktionen organisieren und dadurch einen aktiven Beitrag leisten
  • Beispiel : Fußballturniere , Partys, Nachhilfestunden, etc…
  • Live for Life ist kein traditioneller Spendenverein sondern dient als:
    • Plattform zum Austausch von Ideen, Kontakten
    • Helfer bei der Organisation

Individuell einbringen und zusammen mehr erreichen!

(Zitiert aus: Satzung)

2. Und was sollen wir dabei?

Bisher waren die Aktionen sehr erfolgreich. Es lohnt sich, dieses Projekt zu unterstützen und möglichst viele Menschen darauf aufmerksam zu machen.  Und auch direkt helfen ist möglich: zum einen verfügen die Teilnehmer noch nicht ausreichend über Verneztungs-know-how (Web2.0 tools, insbesondere twitter). Wenn sie Bedarf signalisieren, werde ich versuchen, sie mit tools und ein paar Theorieelementen (insbesondere Neuron) auszustatten. Ferner werde ich Menschen kontaktieren, die sich gerne in dieses Projekt einbringen möchten.

Fazit Verborgene Juwele in die Öffentlichkeit bringen ist eine schöne Aufgabe.

Tiefe Schichten im Menschen ansprechen.

Resume In der Fülle des Angebotes im Netz ist es unabdingbar geworden, schnell die richtige Auswahl zu treffen. Mit wem kann ich eine tiefere, fruchtbare Beziehung eingehen? Es sind drei Schritte.

1. Erster Schritt:  sofort die eigenen essentials offenbaren

Natürlich kommt es darauf an, welche Art von Beziehung man sucht. Wenn man beispielsweise an Austausch über Technik interessiert ist, muss man im Netz nicht gleich seine Philosophie offenbaren. Aber es wäre schade, wenn man twitter und blogs nur dazu benützen würde, kleine Tips auszutauschen. Ich sehe den eigentlichen Vorteil der virtuellen Welt darin, dass man tiefe (Projekt)-Beziehungen mit Menschen eingehen kann, die man real nie hätte treffen können. Nicht nur, weil sie geographisch entfernt sind, sondern auch, weil sie – selbst wenn sie in derselben Stadt leben – in der Hetze des Alltags nie die Zeit hätten, sich mit einem real und in der Tiefe zu befassen. Da ich auf der Suche nach solchen Beziehungen bin, muss ich selbst sofort das, was mein Leben steuert und bestimmt, offenlegen. Nur so habe ich die Chance, die Leute an Land zu ziehen, die für künftige Projekte in Frage kommen. Wer mit meinem Menschenbild und meinen Metaphern nichts anfangen kann, wird das Weite suchen, zu seiner und meiner Entlastung.

2. Zweiter Schritt: sofort existentiell relevante Projekte anbieten

Wenn jemand sich auf mein Menschenbild einlässt und wir eine ausreichende Schnittmenge gefunden haben, können wir gleich Projekte angehen. Im Lehrermilieu ist es naheliegend, dass man sich mit unterrichtsoptimierenden Maßnahmen (Methoden oder Input von Inhalten) befasst und gemeinsam versucht, diese umzusetzen. Da diese Vorhaben stets die tiefste Dimensionen berühren (professionelles Selbstbild, Ethik) entsteht eine Beziehung, die gleich existentiellen Charakter gewinnt. Das bedeutet nicht, dass der/die andere für das eigene Leben von zentraler Bedeutung wäre, denn hier müssten die oberen Wesens-Schichten einbezogen werden (Alltagsleben, Familie, Ferien etc), aber sie sind Ansprechpartner für das, was einen im professionellen Bereich beschäftigt. Und das ist eine Menge.

3. Dritter Schritt: Nachhaltigkeit anstreben

Ist es gelungen, a) Konsens über ein Menschenbild mit entsprechendem Globalziel (z.B. „Weltverbesserung“) und gemeinsamen Metaphern zu erreichen, b) ein existentiell relevantes Projekt anzusteuern, so bleibt nur noch die Frage, wie lange diese Beziehung fortgeführt werden kann. Je länger die gemeinsame Erfahrung, desto größer das Vertrauen und die Effektivität der Zusammenarbeit. Twitter ermöglicht, dass man zahlreiche Menschen erreicht, Blogs ermöglichen, dass man diese Menschen existentiell anspricht. Und dann werden mit Hilfe von Mixxt-Plattformen und Wikis die Projekte durchgeführt. Je nachhaltiger, desto besser für die Stabilität der Beziehungen.

Fazit Viele Menschen ansprechen und gleich die essentials offenlegen, existentiell relevante Projekte anbieten und dann dranbleiben, ein Leben lang!:-)))

Fabrikneu: sechs IPK-Wissenscontainer

Resume Nach zwei Monaten harter, intensiver Arbeit liefern die 60 Studentinnen aus dem internationalen, virtuellen Modul „Internet- und Projektkompetenz“ (IPK) ihre Wissensprodukte ab.

1. Zur Erinnerung: das IPK-Modul

Im Rahmen des Moduls IPK werden Studenten aus verschiedenen Ländern zusammengebracht, um gemeinsam innerhalb eines Semsters virtuell an Forschungsfragen zu arbeiten. Es handelt sich also um internationale, kollektive Wissenskonstruktion. Hierbei lernen die Studenten, wie man auf Foren kommuniziert, sich eine Benutzerseite in Wikiversity einrichtet, gemeinsam mit Hilfe von Wikis Wissen konstruiert und die Ergebnisse im Netz veröffentlicht (siehe: „I have learning so much from doing this project“). Das Modul verlangt sehr viel sowohl von den Studentinnen als auch von den Dozenten, die für den nötigen, permanenten Druck sorgen müssen.

2. Die Wissenscontainer des IPK-Durchgangs Oktober-Dezember 2008

60 Studentinnen im Bereich Grundschulpädagogik aus Bulgarien (Sofia), Deutschland (Eichstätt) und USA (Charlotte, North Carolina):

Thema 1:The teachers emotional influence on first-graders

Thema 2: Areas of spezialisation for elementary teachers

Thema 3: Types of instruction and learning theories

Thema 4: Open education

Thema 5: Elementary education program requirements

Thema 6: Interaction between children and nature

Fazit: Die Konstruktion von Wissenscontainern im Rahmen des IPK bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Zwang und Freiheit. Am Ende: „I have learning so much from doing this project“. Und sechs Powerpoints, die das Ergebnis internationaler Studentischen Forschung zur Verfügung stellen.

„I have learned so much from doing this project“

Resume: Bulgarische, deutsche und amerikanische Studentinnen kommen virtuell zusammen, forschen gemeinsam 2 Monate lang und publizieren ihre Ergebnisse im Internet (Powerpoint). Das ist bestpractice.

1. Anspruchsvolle Ziele zwingen zur intensiven Kommunikation

Im Rahmen des Moduls „Internet- und Projektkompetenz“ (IPK) kommen Studentinnen aus verschiedenen Ländern zusammen und konstruieren gemeinsam fachbezogenes, neues Wissen. Ich nehme als Beispiel den aktuellen IPK-Kurs: es handelt sich um 60 Lehramtsstudentinnen aus Bulgarien, den USA und Deutschland, die im Fach Grundschulpädagogik gemeinsam Forschungsfragen angehen. Einige von ihnen gewählten Themen sind: „Open education“, „Types of instruction and learning theories“, „Interaction between children and nature“, „The teachers (emotional) influence on first graders“. Um solche Themen allein oder in einer kleinen Arbeitsgruppe zu behandeln, wäre in einem normalen Seminar kein großer Abstimmungsaufwand notwendig. Ganz anders in einem internationalen, virtuellen Seminar. Es muss intensiv kommuniziert werden, ob man das will oder nicht.

2. Fünf Abstimmungsphasen und der permanent auszuübender Druck

Nach einer ersten Phase der Euphorie („I am really excited to be working on this project with my group!!!!“) geht es an die Arbeit:

– Die Studentinnen müssen sich auf einem ZUM-Forum vorstellen: Wie geht das? Wie melde ich mich an? Wieso habe ich noch keine Anmeldebestätigung erhalten? Mein Beitrag ist verschwunden, wo ist er nun? Muss es überhaupt sein, die blöde Anmeldung?

– Die Studentinnen müssen sich eine Benutzerseite in der Wikiversity einrichten: Wie geht das? Wie melde ich mich an? Wie lade ich mein Foto hoch und muss es überhaupt sein? Muss es überhaupt sein, die blöde Wikiversity-Benutzerseite?

– Die Studentinnen müssen sich austauschen und sich über ein Thema einigen: Wie geht das? Wo finde ich Leute, die mein Thema bearbeiten wollen? Ich habe eine Frage ins Forum gestellt und keiner antwortet! Sorry, ich bin im falschen Forum! Muss es überhaupt sein, das ganze im blöden Forum zu machen, geht es nicht per Mail?

– Die Studentinnen müssen eine Gruppenseite einrichten, damit der Prozess nachvollziehbar ist und die Ergebnisse gesammelt werden können: Wie geht das? Das genügt doch, wenn wir unsere Benutzerseiten haben! Ich habe nicht nur diese Projekt, ich habe auch andere Verpflichtungen! Muss es unbedingt sein, diesen blöden IPK-Kurs zu machen?

– Die Studentinnen müssen am Ende ihrer Forschung eine Powerpoint gemeinsam erstellen: Wie geht das? Das genügt doch, wenn die Ergebnisse in der Gruppenseite stehen! Muss es unbedingt sein diese blöde Powerpoint erstellen und präsentieren?

Fazit: Nach zwei Monaten intensiver Arbeit und oft – kulturell bedingt – konfliktreicher Kommunikation haben 60 Studentinnen international neues Wissen konstruiert:I have learned so much from doing this project„.

Kommunikation als Kickspender und Verführung! Auf die Ziele kommt es an!

Resume Kommunizieren macht Spaß, sehr viel Spaß! Oft vergessen Menschen, dass die Kommunikation nur dazu dient, zusammen mit anderen bestimmte Ziele zu erreichen. Auch die Kommunikation über Kommunikation ist noch kein relevanter Inhalt. Oh je!

1. Warum im virtuellen Raum soviel kommuniziert und sowenig realisiert wird

Ich habe bereits beschrieben, dass der Vorgang der Informationsverarbeitung durch den Organismus belohnt wird. Es macht Spaß, Informationen zu verarbeiten, sonst würde das Lebewesen dies nicht tun und bald nicht mehr mit der Umwelt klar kommen. Wie alle anderen Lebensfunktionen, die im Sinne der Lebenserhaltung viel Spaß machen müssen, damit wir es überhaupt tun  (z.B. auch Nahrungsaufnahme und Geschlechtsverkehr) ist die Aufnahme von Informationen hochgradig suchtinduzierend. Das kann man beispielsweise an der Videospielsucht beobachten. Wenn Menschen sich also vornehmen, gemeinsam ein bestimmtes Ziel zu erreichen, und dafür viel zu kommunizieren, ist die Gefahr immer gegeben, dass sie anfangen, permanent zu kommunizieren und dabei vergessen, warum sie es tun. Oder sie können sich auch ein gutes Gewissen verschaffen, indem sie über die Optimierung und Verbreitung von Kommunikationsmitteln kommunizieren, auch wenn sie für das zu erreichende Ziel ausreichend mit einem Telephon und einem Blatt Papier versorgt wären. Natürlich spreche ich hier nicht von den Menschen, die von berufswegen über Kommunikation reflektieren. Das ist ja ihr Job! Für sie, und nur für sie ist die Gestaltung von Kommunikationsmitteln der Inhalt. Alle anderen, insbesondere Lehrer, benutzen Kommunikationsmittel um mit ihren Schülern Inhalte zu barbeiten, im Idealfall sogar gemeinsam zu konstruieren. Da das eventuell festgelegte Ziel immer wieder aus den Augen gerät, lösen sich communities immer wieder auf und es bilden sich neue, ohne dass die Kommunikation gestört wird. Man rennt von einem Kommunikationsrausch zum anderen mit wechselnder Party-Besetzung.

2. Wikipedia als Gegenmodell: gemeinsame Wissenskonstruktion

Bei Wikipedia ist das Ziel sehr klar definiert: es wird gemeinsam Wissen konstruiert. Dieses Wissen wird in Form von Artikeln gespeichert. Alles andere ist zweitrangig. Jeder weiß, was von ihm erwartet wird, nämlich dass er sich an die strengen Regeln der Wikipedia-Arbeit hält: „wir erstellen eine Enzyklopädie, basta!“.  Zur Konstruktion von Artikeln wird natürlich sehr intensiv kommuniziert, aber dies erfolgt über ganz einfache, mintunter spröde Tools. Beim Schreiben von Artikeln ist die Autorenbesetzung zwar nicht durchgängig stabil, aber oft bilden sich Gruppen von zwei oder drei Autoren, die über Jahre hinweg an ihren Artikeln arbeiten. Natürlich kann man auch im Rahmen der Wikipedia Suchtverhalten entwickeln und sich dem Kommunikationsrausch hingeben, aber dies geschieht eher im Bereich der Wartung, insbesondere des Suchens und Stellens von Vandalen, oder in der Abwehr von Trolls. Wikipedia nenne ich deshalb ein „Gegenmodell“ zu Twitter und Blogs, weil die hedonistische Komponente fehlt. In der Wikipedia werden in spröder kommunikativer Ambiente außergewöhnliche Zielorientierung, Nachhaltigkeit und Durchhaltevermögen mobilisiert.

3. Der dritte Weg: die IPK-Struktur (oder Neuron)

In der Twitter/Blogger-Welt wird der Schwerpunkt auf den Akt der Kommunikation und der Vernetzung gelegt. Bei Wikipedia steht die Zusammenstellung und Präsentation des existierenden Wissens im Vordergrund.  Das IPK-Modul (auch Neuron-Konzept) bemüht sich um die Integration der beiden Komponenten, indem nicht nur wie in der Wikipedia existierendes Wissen präsentiert wird, sondern Wissen im Rahmen von Projekten hergestellt wird: Menschen kommen zusammen, definieren einen Bereich, über den sie Wissen erstellen wollen, entwickeln ein entsprechendes Design, führen das Projekt durch und speichern das gewonnene Wissen ins Netz. Sie lernen also zu kommunizieren, indem sie gemeinsam Wissen erstellen.

Fazit Kommunizieren lernt man am besten im Rahmen von Projekten mit dem Ziel, relevantes Wissen gemeinsam zu konstruieren. 

Informationsverarbeitung und warum ich nach (mehr) Ruhm strebe

1. Informationsverarbeitung macht glücklich und warum es so sein muss

– Die Gehirnforschung zeigt (Gerhard Portele, 1975, also nicht gerade neu), dass die Verarbeitung von Informationen im Gehirn positiv dekodiert wird. Anders ausgedrückt: es macht Spaß, Informationen zu verarbeiten, Texte zu lesen verursacht Kicks. Natürlich nicht alle Informationen, sondern welche, die bestimmte Merkmale aufweisen: nicht zu einfach (Unterforderung), aber nicht zu komplex (Überforderung), quantitativ nicht zu zahlreich, aber auch nicht zu wenig, usw.). Auf diesen Punkt werde ich später inn einem eigenen Beitrag ausführlich eingehen, weil er zentral für die Gestaltung der Lernumwelt ist: die Lernumwelt muss so struktuiert sein, dass der Mensch aus ihr die richtige Dosis an informativen Stimulis aktiv holen kann.

– Dass die Informationsverarbeitung im Gehirn stark belohnt wird ist deshalb im Bauplan der Natur vorgesehen, weil wir sonst nicht reflektieren würden. Brecht sagt: „Ohne Not denkt der Mensch nicht“. Nun ist Denken unabdingbar für das Überleben, denn wir müssen uns ständig an die Veränderungen der Umwelt anpassen, also ständig Informationen verarbeiten. Auch die anderen vitalen Funktionen werden vom Organismus (Gehirn) stark belohnt. Sonst würden wir die Strapazen nicht auf uns nehmen. Wenn Essen oder Trinken nicht so positiv belohnt würde, würden wir diesen lächerlichen Vorgang nicht auf uns nehmen. Wir würden nicht Flüssigkeit (Wasser, Wein oder Bier) oder eine gelatinöse Masse (Kuchen, Fleisch, Fisch) durch eine Körperöffnung (Mund) in unser Körper hineinwürgen. Dasselbe gilt in noch höherem Masse für den Geschlechtsverkehr: wer würde die Vorarbeiten und den Vorgang selbst durchführen, wenn die Natur dies nicht mit einer großen Belohnung versehen hätte? Wer würde überhaupt auf die akrobatische Idee kommen?

2. Ruhm und Informationsverarbeitung

Wenn Informationsverabeitung „glücklich“ macht, dann müssen Menschen, die nach Glück streben, ihre Umwelt so einrichten, dass sie permanent mit informativen Stimuli versorgt werden. Da mit zunehmender Zufuhr von Stimuli der Organismus in bezug auf die Qualität der Impulse immer anspruchsvoller wird, ist es schwer eine entsprechende Menge und Qualität flächendeckend zu erhalten.

Ruhm sichert eine relativ stabile Versorgung mit Aufmerksamkeit, also mit anspruchsvollen, quantitativ hohen informativen Stimuli.

3. Mach die Menschen, die mit dir zusammenarbeiten, berühmt!

Wenn Menschen mit dir zusammenarbeiten, müssen sie belohnt werden. Sie müssen spüren, dass ihr Leben durch die Zusammenarbeit mit dir an Qualität gewinnt. Verschaffe ihnen also Aufmerksamkeit (informative Stimuli). Und das gelingt am besten im Rahmen von langfristigen „Weltverbesserungsprojekten“: Dauerflow! Allerdings müssen diese ganzen Aktivitäten einen Sinn haben. Der Sinn ist, dass unsere Problemlösekapazitäten dabei wachsen. Und hier sind wir bei der Welt, im selben Bot wie Obama!:-)))