Piraten (im Idealfall!:-): kollektive Reflexion ergebnisoffen*!

Resume: Im Gegensatz zu den traditionellen Parteien organisieren die Piraten ihre kollektive Reflexion ergebnisoffen. Sie wissen nicht vorher, was am Ende herauskommen soll.

1. Organisation kollektiver Reflexion

Die Piraten organisieren kollektive Reflexion ergebnisoffen. Sie identifizieren Probleme, definieren sie so präzise, dass sie kollektiv diskutiert werden können und sorgen dafür, dass sich Reflexionsgruppen bilden. Sie stellen eine Infrastruktur zur Verfügung, die intensive Interaktionen zwischen möglichst vielen Menschen ermöglicht. Dabei wird metaphorisch die Architektur des Gehirns als Modell herangezogen, wobei die einzelnen Diskutanten als „Neuronen“ fungieren.

Welche Neuronen werden involviert und welche nicht?

Hier spielt der Begriff der Ressourcenorientierung eine wichtige Rolle. Damit die kollektive Reflexion möglichst viele Impulse erhält, sollen alle (auch „vagabundierende“) Denkressourcen mobilisiert werden (crowd sourcing). Damit auch abstruse Positionen in den Blick geraten, dürfen z.B. Mitglieder von Parteien wie der NPD zu Wort kommen. Hier stehen Pate liberale Denker wie John Locke, John Stuart Mill und Karl Popper. Für diese ist es wichtig, Gegenpositionen zum Ausdruck kommen zu lassen.

2. Anthropologische Basis:

Freiheit

Für die genannten Denker spielt der Begriff „Freiheit“ eine eminente Rolle. Nur in Freiheit kann der Mensch sich voll entfalten und „glücklich“ werden. Humboldt: „Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist die Freiheit die erste und unerlässlichste Bedingung.“

Teleologisches Weltbild vs. Ergebnisoffenheit

Für Aristoteles, das Christentum, Hegel und Marx entwickelt sich die Welt auf ein vorgegebenes Ziel hin (teleologisches Weltbild). Daher ist es legitim, dass der Mensch als Individuum gegenüber dem Fortgang der Geschichte zurücktritt, ja sogar geopfert wird (bei Lenin ein paar Millionen für das Ziel einer klassenlosen Gesellschaft). Für Popper ist die Entwicklung offen. Man weiß nicht, in welche Richtung das Ganze geht und arbeitet sich im trial and error Verfahren voran.

Traditionelle Parteien neigen – ohne sich wirklich dessen bewusst zu sein – zur Teleologie. CDU, Grüne, FDP usw. wissen wie die Welt aussehen sollte.

Die Piraten wissen es nicht. Sie bringen viele Menschen/Neuronen zusammen, die in intensiver Interaktion die Probleme von Fall zu Fall klären und somit die Fortsetzung des Weltprozesses voranbringen. Das ist ergebnisoffene, kollektive Reflexion.

3. Ablauf eines Prozesses kollektiver Reflexion

1. Ein Handlungsfeld wird bestimmt. Ein Problem wird identifiziert und näher definiert.

2. Das Problem wird als Perturbation in eine Gruppe (Resonanzfeld) eingespeist.

3. Es werden möglichst viele Akteure mobilisiert (Aufmerksamkeitsökonomie).

4. Die Akteure interagieren ergebnisoffen bis eine Lösung emergiert.

5. Die Lösung wird in das Handlungsfeld eingespeist und getestet.

6. Das veränderte Feld weist neue Probleme auf… usw…

Fazit Auch dieser Blogeintrag ist ergebnisoffen. Er kann kollektive weiterberarbeitet werden in dem von Pirat @inkorrupt HIER eingerichteten Pad!

* „Ergebnisoffen“ heißt, dass man keine impulse ausschließt und datengesteuert (nicht konzeptgesteuert) informationen verarbeitet.

Link  Menschenbild

Video: Menschenbild-Vortrag

#om10 – Jean Pol Martin – das Ich ins Netz exportieren

Flow geht weiter: #om10 Youtube-Interview

Piraten: Openmind 10 – ein Traum!

Resume Am Wochenende war ich in Kassel auf einem programmatischen Treffen der Piratenpartei. Per Zufall deckten sich die Themen exakt mit dem, womit ich mich seit vierzig Jahren intensiv befasse!

1. Hintergrund: warum openmind 10 in Kassel?

Nach den Informationen, die ich dort erhielt, war das Kasseler Treffen mit etwa 120 TN aus der ganzen Bundesrepublik dafür bestimmt, eine Reflexionsphase einzubauen nach den vorangehenden alltagspolitischen Aktivitäten. Man wollte die zentralen Frage andiskutieren, wie beispielsweise das Menschenbild der Piraten, ihr Begriff von Freiheit und Wahrheit, was sie unter Bildung verstehen, das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft… Es wurden auch spezifische, für Piraten aufgrund ihrer Netzaffinität besonders relevante Themen behandelt, wie das Urheberrecht und der Datenschutz.

2. Für mich ein idealer Kontext

Auch wenn ich ein emotional gruppenmäßig gebundener Grüne bin (ich mag die Ingolstädter Grünen), als Alt-68er finde ich die Piratenpartei sehr anziehend!  Die Leute, die ich in Kassel angetroffen habe, waren sehr, sehr fitt intellektuell! Ein Hochgenuss!  Mein Thema war „Das Ich ins Netz exportieren“  wobei die Grundlage mit meinem Menschenbild und die Neuronenmetapher zunächst geliefert werden musste. Im Saal waren etwa 45 TN. Einige kannten mich aus dem Schulbereich (LdL) und andere aus dem Netz (vorwiegend twitter). Darüber hinaus saßen beispielsweise Jürgen Ertelt, der mich seit den macdays in Josefstal warmherzig supportet, aber auch Oliver Tacke mit dem ich recht eng zusammenarbeite. Und schließlich ein paar Leute, die ich vor Ort kennengelernt hatte und ich super fand.

3. Mein Angebot: kognitionspsychologisch und philosophisch fundiertes Menschenbild

Nachdem ich 40 Jahre an einem operationalisierbaren Menschenkonstrukt gearbeitet habe und damit glückstechnisch viel Erfolg hatte (nach Meinung von Schülern, Studenten und Kollegen), war es sehr günstig, dass ich aus Langeweile nach der Pensionierung mich mit Philosophie befasst habe. Mein Ziel war, mein Menschenbild auch philosophisch zu untermauern. Das ist insofern toll, weil ich bei meinen Schilderungen nicht nur immer wieder auf Maslow, Dörner oder Martin hinweisen, sondern auch Epikur, Aristoteles, Locke und Nietzsche heranziehen kann. Und alle stützen mein Modell!.-)) Ein Beispiel: in einer Session wurde die Frage  „Ideologie und Emanzipation“, in einer anderen „Gesellschaft der Individuen“ erörtert. Klar, dass einige leicht extreme Modelle diskutiert wurden, wie die Anarchie…  Es wurde immer wieder erwähnt, der Mensch „sei noch nicht soweit“, um die Modelle erfolgreich zu implementieren.  Kann ich gut nachvollziehen. Aber die Redner übersahen die Tatsache, dass es einfach anthropologische Konstanten gibt, die man unbedingt berücksichtigen muss! Das zeigt die Geschichte und schon Aristoteles hatte dies hervorgehoben! Wir bewegen uns im Spannungsfeld von Antinomien, und nobody is so perfect, dass er auf Dauer ein guter Anarchist sein kann! Und die Leute umerziehen wollen wir doch nicht, oder?:-))

Resume Es war herrlich! Wie es weitergeht weiß ich nicht, aber ich nehme das einfach mit!

Das Ich ins Netz exportieren? #om10

Resume Ich wurde eingeladen, am 2.Oktober 2010 einen Vortrag auf dem von der Piratenpartei in Kassel organisierten Openmind-Treffen zu halten. Adressaten sind „Netzpolitiker, -aktivisten und -philosophen“.

1. Anthropologische Basis

Jeder Reflexion über die aktuelle und künftige Organisation der Gesellschaft setzt ein konsensfähiges Menschenbild voraus.  Dies gilt besonders für Parteien, die sich das Ziel setzen, Strukturen zu schaffen, in denen Menschen die größtmöglichen Glückschancen besitzen. Was ist Glück? In welchen Strukturen fühlen sich Menschen wohl? Was verfolgt der Mensch mit seinen Handlungen? Dazu habe ich 1994 ein Konstrukt entwickelt:  Menschenbild

2. Das Internet als Gehirn

Um am Leben zu bleiben ist der Mensch darauf angewiesen, permanent Probleme zu lösen. Die beste Problemlösemaschine ist das Gehirn. Metaphorisch auf die Welt übertragen wäre das Internet ein Gehirn und die einzelnen Menschen wären Neuronen. Durch permanente Interaktion zwischen den Menschen/Neuronen werden Problemlösungen und Wissen generiert. Allerdings verlangt dies von den Menschen/Neuronen spezifische Verhaltensweisen:   Wie verhalten sich Neuronen?

3. Entmaterialisierung und Postprivacy

Im Sinne der Aktionsforschung möchte ich an meinem eigenen Beispiel zeigen, wie es aussieht, wenn man dem Post-Privacy Prinzip in vielen Punkten folgt.

Jean-Pol Martin:  WikipediaJPM-BiographieYoutubesBlog als Vorlesung

Lernen durch Lehren: WikipediaLdL-ForenYoutubes

Aktuelles:  Online-Worskop PhilosophieHomepage der Grünen IngolstadtMigrantenprojekt BrückenbauerSenioren

Fazit: Alle Aktivitäten lassen sich schrittweise ins Netz verlagern. Möglicherweise entsteht dadurch ein virtuelles Ich, das stabiler und zeitüberdauernder ist als das reale.