Konzeptualisieren und Personalisieren

Resume Angesichts des Informationshypes muss man, wenn man sich Gehör verschaffen will, sein Angebot inhaltlich verdichten und symbolisch schärfen. Das bedeutet: kontinuierliche Konzeptualisierung und Personalisierung.

1. Permanent konzeptualisieren

Will der einzelne die im Netz abgefeuerten Statements überblicken und fruchtbar nutzen, so muss er permanent konzeptualisieren, also rekurrente Strukturen erkennen und zu stabilen Schemata umformen. Wenn diese Schemata als Handlungsanweisungen dienen sollen, weil sie beispielsweise den Alltag optimieren, so ist es günstig, wenn man sie in Metaphern kleidet, weil sie sich so besser diffundieren lassen. Das permanente Konzeptualisieren ist notwendig, um mit der Beschleunigung aller lebensrelevanter Prozesse kognitiv Schritt zu halten (vgl. auch „Netzsensibilität oder nur Riecher?“). Nur eine permanente kognitive Adaptation sichert, dass wir die Kontrolle über die Prozesse erhalten.

2. Diffundieren über Personen

An anderer Stelle habe ich beschrieben, dass man im Netz angesichts der Fülle der Informationen und Selbstbeschreibungen zwar Ideen und Wissensbausteine aufgreift und verwertet, aber diese kaum noch mit den Produzenten verbindet.  Die Autorenschaft einzelner Personen wird kaum noch registriert. Ähnlich verhält es sich im Gehirn wenn Neuronen, die niemand persönlich kennt, abfeuern!:-)) So weit, so gut. Allerdings stellt sich die Frage, wie man als einzelner oder als Gruppe ein komplexeres Gedankengebilde in dem Informationsvirrwarr positionieren kann. Komplexe Modelle lassen sich schlecht in überall verstreuten, kleinen, autorenlosen Wissenspäckchen vermitteln. Hier verlangt es schon nach einer Person oder einer Gruppe, die die Wissensentität redundant in verschiedenen Feldern präsentiert und bei Bedarf erläutert. Es empfiehlt sich, das Gebäude, die Metapher oder das Projekt, mit einer Person zu verknüpfen, die das Produkt symbolisch repräsentiert und auf die in diversen Kontexten fokussiert werden kann.

Fazit Die enorme Menge an Ideen und Informationen, die ins Netz eingespült werden, zwingt einzelne und Gruppen zur permanenten Konzeptualisierung. Will man die Konzepte diffundieren, so empfiehlt es sich, sie in eine Metapher zu kleiden und über Personen zu verbreiten.

Personenkult? Nein, sondern Fokussierung auf handelnde Personen

Resume Wie, warum und für wie lange emergieren Personen? Wie, warum und für wie lange emergieren Konzepte, Begriffe und Ideen?

1. Personenkult?

Aus diversen Gründen kam bei Teilnehmern und Beobachtern unseres Neuron-Projektes das Gefühl auf, wir würden Personenkult betreiben. Man solle mehr die Inhalte in den Vordergrund rücken und nicht die Verbreitungsstrategien oder die besonders aktiven Handelnden. Die Diskussion findet man hier:  Personenkult-Diskussion.

2. Meine Position:

Inhalte vs. Personen und Strategien? Das Neuron-Projekt hat sich als Ziel gesetzt, Menschen zusammenzuführen, die gemeinsam an der Lösung von Problemen arbeiten (Weltverbesserung), wie dies auch im Gehirn geschieht (Neuronen interagieren und produzieren Problemlösungen).  Inhalt dieser „Vorlesung“ ist die Beschreibung der Strategien, die die Projektakteure anwenden, um ihr Ziel (Vernetzung von Menschen) zu erreichen. Insofern lassen sich Personen, Inhalte und Strategien nicht trennen.

Wie emergieren Personen, wie emergieren Ideen. Im äußerst volatilen virtuellen Raum emergieren Ideen und Personen. Der Ablauf ist folgender: Personen, die Träger einer Idee sind,  emergieren durch Handlungen. Sie werden dadurch sichtbar, dass sie ihre Ideen (Produkte) redundant in vielfältigen Kommunikationsräumen anbieten. Je stärker diese Ideen auch kohärente Präskriptionen und Handlungsvorschläge aufweisen, desto größer die Chance, dass sie nachhaltig aufgegriffen werden. Die Ideen werden weitergetragen, unabhängig von der Person, die sie angeboten hat, und gehören dann zum Kollektiv. Will die Person selbst weiterhin „emergiert“ (also im Cortex) bleiben, muss sie unablässig neue Ideen produzieren. Hat sie keine Ideen mehr, verschwindet sie wieder in untere Ebenen des Kollektivgehirns (z.B. in den Temporallappen oder in das Kleinhirn:-(((

– Natürlich können Einzelpersonen nicht ohne Unterstützung einer ganzen Reihe von weiteren Projektakteuren erfolgreich handeln. Aber bei der Beschreibung des Projektes ist man zur Komplexitätskompression genötigt und fokussiert auf eine Person als Symbol für die gesamte Gruppe (pars pro toto).

Fazit: Will man das Projekt vorantreiben, dann muss man dafür sorgen, dass Personen mit besonders projektförderlichen Handlungen solange im Fokus der Aufmerksamkeit bleiben, bis ihre Aktivität ihr Ziel erreicht hat. Das ist kein Personenkult, sondern Ideenpush, wobei die Person als Vehikel für die Idee genutzt wird.