Gesamtwerk: „Kollektive Wissenskonstruktion“

Vielleicht sollte ich darauf hinweisen, dass LdL die “Krone” eines Gesamtwerkes ist, an dem ich 30 Jahre lang gearbeitet habe. LdL liegt ein modernes anthropologisches Modell (insbesondere Maslow) zugrunde und beschreibt am Beispiel des Französischunterrichts alle Phasen eines aktiven Lernprozesses von der Unterstufe (meine Dissertation) über die Mittelstufe bis zur Oberstufe und zur Universität (meine Habilitationsschrift + unzählige Videos). Selbstverständlich wurde seit dessen Aufkommen auch Web20 zentral einbezogen. Das Gesamtwerk könnte den Titel tragen: “Kollektive Wissenskonstruktion von der Wiege bis zur Bahre”.

„Kennt Ihr den Weisen von Ingolstadt…?“ fragt Christian Füller!

Twitter: „kennt ihr den weisen von Ingolstadt! er kann sehr unduldsam sein. aber: er ist ein guter. #myexcitingfriends“

Christian Füller, journalist (taz et al) und autor. bildung, bildungsarmut und lernen2null

http://pisa-versteher.de
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67 Jahre Reflexion über glückbringende Strukturen

Auszug aus meiner Biographie:

Fleißig studieren, und dann das! – Daniel Cohn-Bendit

Ab Januar 1968 besuchte ich sehr pflichtbewusst die vorgeschriebenen Kurse. Es war meine letzte Chance und ich wollte mir nichts zuschulden kommen lassen. Auf dem Programm standen u.a. Fichtes Reden an die Deutsche Nation, Faust, Nietzsche. Nation und Elite, das passte ganz gut in meine Gedankenwelt. Wir behandelten auch Brecht und die Expressionistischen Dichter, auch das war in Ordnung. Ich wollte gute Noten bekommen und meine Prüfungen bestehen. Und gute Noten bekam ich auch. Schrittweise baute ich mein Selbstbewusstsein wieder auf, das in den vorangehenden Jahren so sehr gelitten hatte. Eines Tages, es war Mitte März, stieg ich in der Früh aus dem Bus, der uns von Paris nach Nanterre brachte, als ich zu meinem Entsetzen festellte, dass die schön weiß gestrichenen Wände der Eingangshalle mit schwarzen Grafitis versprüht waren. Es waren teilweise anarchistische Sprüche, (weiter)

LdL als Allheilmittel? Im Prinzip, ja!

Resume Seit 1981 setze ich LdL in allen Klassen und allen Lehrveranstaltungen ein.  Sowohl in disziplinär schwierigen Gruppen als auch in ruhigen aber passiven Klassen ist LdL die Rettung.

1. LdL als Rettung in disziplinär schwierigen Klassen

Vor langer Zeit unterrichtete ich mit 5 Wochenstunden eine 7.Klasse (33 Schüler) in Französisch.  Die Gruppe war gefürchtet, einige gestandene Kollegen wurden gelegentlich im Unterricht mit Kreide beworfen. Als ich LdL einführte war natürlich am Anfang Chaos, denn diese Methoden öffnet Freiräume, die schrittweise durch klare Anweisungen wieder geschlossen werden müssen. Die Schüler bekommen die Freiheit intensiv zu arbeiten und müssen es auch tun!:-))) Spätestens wenn sie nach vorne gehen und den neuen Stoff vorstellen, merkt man, ob ihre Partnerarbeit fruchtbar war oder nicht. Und hier hat man einen Ansatzpunkt, um umfangreich zu loben oder zu tadeln, je nach Arbeitsergebnis. Das ist bei anderen Unterrichtsformen nicht so leicht (wo kann man sonst so überschwenglich loben oder hart tadeln?).  Kurzum: mit LdL kann man unruhige Klassen so beschäftigen, dass sie ihre Energie kanalisieren und in die Arbeit (Vorbereitungen und LdL-Sequenzen) einbringen. Oft  sind disziplinär schwierige Klassen sehr kreativ. Mit der 7.Klasse damals habe ich sehr viel Spaß gehabt, nachdem ich sie dank LdL gezähmt hatte. Hier mein Tagebuch.

2. LdL in weniger aktiven Klassen

In wenig aktiven Klasse besteht die Gefahr, dass man nur mit zwei oder drei Leuten arbeitet und die anderen schrittweise ins Nichts abgleiten lässt.  Dieses Nichts manifestiert sich bald in einer Art beschäftigungsloser Unruhe. Mit LdL ist gewährleistet, dass jeder tournusmäßig zur Aktivität gezwungen wird und somit den Kontakt zum Stoff nicht verliert. Wenn es auch gelingt, einen sinnvollen Stoff anzubieten, wird die laue Motivation durch die relevanten Inhalte und den Zwang, turnusmäßig den Stoff zu vermitteln auf einem akzeptablen Level gehalten.

Fazit Mit LdL kann man alle Typen von Lernergruppen bedienen, auch die sehr undisziplinierten oder sehr zurückhaltenden. Daher: pädagogisches Allheilmittel? Ja, wenn man sich LdL zeitlich erlauben kann (viel Arbeit für den Lehrer).

LdL und die Weltverbesserung

Dieses Interview-Video wurde von Lutz Berger auf der Educamp in Ilmenau im April 2008 aufgenommen.