Ruhephasen nach Veränderungen.

Nachdem ich auf dem educamp in Aachen abermals auf die Notwendigkeit des „überall penetrant Einspeisens“ von Begriffen und Ideen hingewiesen hatte, lernte ich Folgendes:

Von Felix:

Allerdings weiß ich auch, dass eine Pause manchmal gut tut. Epochenunterricht steht für diese Theorie: Man muss pushen und sich intensiv mit einer Thematik auseinandersetzen – und sie dann auch erstmal einige Zeit Ruhen lassen. Erst hier wirken die Gedanken und führen, mit etwas Abstand, zu nachhaltigeren Lernerfolgen.

und ähnliches von Oliver:

Was allerdings auch in der Organisationstheorie vorkommt, ist eine Ruhephase nach Veränderungen. Der Prozess heißt dort Unfreezing-Moving-Freezing, ganz alte Kiste. Zuerst soll man ein System auftauen, es für einen Wandel bereit machen. Dann wird etwas bewegt. Und dann gibt man dem Neuen eine Phase der Ruhe, in dem die neuen Dinge sacken können, man sich daran gewöhnt, wie man damit umgeht. Das System friert wieder ein. Die Neuronenmetapher würde ich im Mittelteil einsortieren, hier passiert was. Aber, wie wir gelernt haben, überfordert das auf Dauer. Man braucht auch Ruhephasen zum Sackenlassen.

Schließlich geht auch Gibros Hinweis in diese Richtung:

Aus dem ewig Gleichen das Neue zu extrahieren ist schwierig,

Ich hoffe, ich werde mir das merken!:-)

Impulse geben…

Resume Neulich scheinen Konzepte, die ich teilweise seit mehreren Jahrzehnten mit mir schleppe, das Interesse einer größeren Öffentlichkeit zu treffen.

1. Menschenbild

Nachdem ich mein Menschenbild auf dem Bundestreffen der Piraten vorgestellt habe,  verweist Pirat Aksel A. regelmäßig auf dieses Stichwort hin:

@bhabegger frei nach @jeanpol muss ich mein Menschenbild revidieren, ist klar. Trotzdem ekelt es mir vor diesem „Sport“@jeanpol Und wir brauchen ein #menschenbild, das Boxen erklärt 😦 ICH verstehe es nicht.

2. Kontrollbegriff

Von Anfang an umstritten war meine Interpretation der Kontrolle als übergeordnetes Motiv der von Maslow beschriebenen Grundbedürfnisse. Nach langem Debattieren haben sich die Mittwochsphilosophen, insbesondere Jutta Dieberg und Franz-Xaver auf diesen Vorschlag eingelassen und vertiefen die Überlegungen über das Konzept der Kontrolle als zentrale Kategorie zur Erklärung menschlichen Verhaltens.

3. „Bildung“

Vor nicht sehr langer Zeit habe ich versucht, eine kurze, kognitionspsychologisch geprägte Definition des Begriffs Bildung zu liefern.  Oliver Tack hat meinen Vorschlag aufgegriffen und ist dabei, ihn auszubauen.

@jeanpol Hier kommt noch einmal Schwung in deine Beschreibung von Bildung http://is.gd/g5oat

Fazit Ich denke, die Konjunktur ist günstig für die Verbreitung meiner Vorstellungen!:-)

Session mit Oliver Tacke: weitere Elemente einer Skype-Didaktik

Resume Die Qualität von Skype-Sessions hängt sehr stark von der Vorbereitung ab.

1. Aufmerksamkeit als wertvolles Gut

Natürlich sollte man Kommunikationssequenzen im Internet nicht überbewerten. Der Grad der Aufmerksamkeit, der einem Tweet (in Twitter) gewidmet wird, ist meist sehr gering und Tweets werden auch entsprechend spontan eingespeist.  Wenn man aber die Chance bekommt, die ganze Aufmerksamkeit eines hochqualifizierten Publikums für einige Minuten oder gar für längere Zeit zu erhalten, so empfiehlt es sich, ein durchdachtes Setting aufzustellen (vgl. auch O.Tacke).

2. Gestern

Gestern wurde ich von Oliver Tacke per skype in das Doktorandenseminar seines Fachbereiches in Braunschweig eingeladen. Es saßen dort der Professor und eine Reihe von Doktoranden. Oliver Tacke hatte am  Freitag LdL vorgestellt und die Methode wurde kontrovers diskutiert. Es war geplant, dass Oliver mich in das Seminar einskypt, damit ich auf die offenen Fragen eingehe. Nun funktionierte die Verbindung an diesem Tag nicht. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb wuchsen die Neugier und das Interesse für dieses Thema. Es wurde beschlossen, dass ich am Montag erneut per Skype in das Seminar eingeladen werde. Am Montag klappte es mit der Verbindung und aufgrund der optimal aufgebauten Erwartungshaltung konnte ich alle Inhalte „einspeisen“, die mir bezüglich LdL und der dieser Methode zugrundeliegenden Anthropologie zentral erscheinen.

Auf diese Weise wurde die Session am Montag besonders fruchtbar:

* Durch die Diskussionen am Freitag hatten sich viele Fragen bereits im Vorfeld geklärt und es blieben nur die zentralen Aspekte im Fokus

*Durch die Verzögerung war eine Inkubationsphase eingetreten und die Teilnehmer hatten weiter über LdL nachgedacht

*Die Neugier war am Montag größer als am Freitag

*Nach der im Vorfeld erfolgten Klärungsphase konnte ich am Montag alle Inhalte einbringen, die mir wichtig sind und in der Gruppe nicht bearbeitet werden konnten  (Subsidiaritätsprinzip)

Fazit Skype-Interventionen bieten eine große Chance, zentrale Inhalte sehr ökonomisch in eine Gruppe einzuspeisen. Daher loht sich eine genaue Vorbereitung durch den Gastgeber und durch den Intervenenten.

Zu diesem Thema siehe auch: Aufmerksamkeitsfenster