Spannagel in Maputo. Er kann’s nicht lassen!

Das Eis wurde schließlich durch ein aktives Plenum gebrochen, wie ich es noch nicht erlebt habe. Ich habe die Studierenden in zwei  Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe sollte sich Pro-Argumente für den Einsatz von Fermi-Aufgaben in der Schule überlegen, die andere Gruppe Contra-Argumente. Nach 10 Minuten Vorbereitungszeit habe ich zwei Studierende nach vorne geholt (zum Schreiben und zum Aufrufen, wie man’s beim aktiven Plenum ja macht), und habe die Runde eingeleitet mit „And now: Fight!“ Und dann ging’s los. Es waren (glaub ich) 20 Minuten erhitzte Diskussion, und die Studierenden haben sich richtig ereifert. Ich habe sie übrigens auf Portugiesisch diskutieren lassen, weil ich wollte, dass sie möglichst frei sprechen (Mein Kollege Prof. Cherinda hat mir während der Diskussion immer wieder einiges nebenbei übersetzt). Letztendlich glaube ich, dass die Studierenden dabei wirklich Spaß hatten (ich werde sie aber noch fragen). Anschließend habe ich ihnen noch das Erich-Hammer-Video als Beispiel gezeigt, auf Englisch übersetzt und daran erläutert, wie man die Methode auch im Mathematikunterricht einsetzen kann, und habe ihnen ein wenig über die Neuronenmetapher und Klasse als Gehirn (Jean-Pol Martin) erzählt. Ich finde es toll, dass das aktive Plenum praktisch von alleine gelaufen ist, und durch den Extrakt an der Tafel habe ich auch kontrollieren können, ob alles einigermaßen mit rechten Dingen zuging. Das heißt, das aktive Plenum funktioniert nicht nur mit Verkehrsplanern, sondern auch dann, wenn der Dozent eine andere Sprache spricht. :-) Und  – auch schon oft erlebt – am Ende standen wesentliche Argumente tatsächlich an der Tafel (Bild 1, Bild 2), von den Studierenden selbst entwickelt und ohne, dass ich irgendwas dazu sagen musste. Hätte ich auch gar nicht können, ich kann ja kein Portugiesisch. :-)

Video: Menschenbild-Vortrag

#om10 – Jean Pol Martin – das Ich ins Netz exportieren

Das Ich ins Netz exportieren? #om10

Resume Ich wurde eingeladen, am 2.Oktober 2010 einen Vortrag auf dem von der Piratenpartei in Kassel organisierten Openmind-Treffen zu halten. Adressaten sind „Netzpolitiker, -aktivisten und -philosophen“.

1. Anthropologische Basis

Jeder Reflexion über die aktuelle und künftige Organisation der Gesellschaft setzt ein konsensfähiges Menschenbild voraus.  Dies gilt besonders für Parteien, die sich das Ziel setzen, Strukturen zu schaffen, in denen Menschen die größtmöglichen Glückschancen besitzen. Was ist Glück? In welchen Strukturen fühlen sich Menschen wohl? Was verfolgt der Mensch mit seinen Handlungen? Dazu habe ich 1994 ein Konstrukt entwickelt:  Menschenbild

2. Das Internet als Gehirn

Um am Leben zu bleiben ist der Mensch darauf angewiesen, permanent Probleme zu lösen. Die beste Problemlösemaschine ist das Gehirn. Metaphorisch auf die Welt übertragen wäre das Internet ein Gehirn und die einzelnen Menschen wären Neuronen. Durch permanente Interaktion zwischen den Menschen/Neuronen werden Problemlösungen und Wissen generiert. Allerdings verlangt dies von den Menschen/Neuronen spezifische Verhaltensweisen:   Wie verhalten sich Neuronen?

3. Entmaterialisierung und Postprivacy

Im Sinne der Aktionsforschung möchte ich an meinem eigenen Beispiel zeigen, wie es aussieht, wenn man dem Post-Privacy Prinzip in vielen Punkten folgt.

Jean-Pol Martin:  WikipediaJPM-BiographieYoutubesBlog als Vorlesung

Lernen durch Lehren: WikipediaLdL-ForenYoutubes

Aktuelles:  Online-Worskop PhilosophieHomepage der Grünen IngolstadtMigrantenprojekt BrückenbauerSenioren

Fazit: Alle Aktivitäten lassen sich schrittweise ins Netz verlagern. Möglicherweise entsteht dadurch ein virtuelles Ich, das stabiler und zeitüberdauernder ist als das reale.

Josefstal 1.10. 16:30-18:00 macdays

Resume Ich wurde eingeladen, im Rahmen der macdays in josefstal einen Vortrag zum Thema „Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität“ zu halten.

*google: jpm

1. Partizipation als Menschenrecht (und -pflicht)

Aritkel 21 Absatz 1: „Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken..

Und Artikel 19: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Lernen durch Lehren

2. Bedürfnis nach Partizipation – Verhaltensbasics

*Anthropologisches Modell

*Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

*Verhaltensbasics

3. Selbstzeugnis

Spannagels Statement (youtube)

4. Die Tools

*Twitter

*Wikis

*Blogs

*Mixxt-Plattform

5. Beispiele für Partizipation in der Schule und danach

*UNO-Projekt

*Die Welt (insbesondere die Uni) verbessern

*Live4Life

*IPK

*IPK-Projekte

6. Identität und Selbspräsentation im Netz

*google: jpm

*Biographie

Fazit Noch nie war es so wichtig und leicht, zu partizipieren. Man muss es nur tun. Zum Beispiel hier: Twitterwall

Literatur

Der Ludwigsburger-Hype. 44 Tage später?

Resume Wie tief dringt ein Angebot in die Persönlichkeit hinein und wie nachhaltig werden Gedanken und Konzepte (auch Metaphern) verinnerlicht. Beispielsweise die Inhalte, die auf dem Ludwigsburger-LdL-Tag angeboten wurden?

1. Ethnomethodologisches Vorgehen

An diversen Stellen habe ich beschrieben, dass ich als Aktionsforscher ethnomethodologisch (phänomenologisch) arbeite: ich biete Lernumwelten an, die ich objektiv beschreiben kann, und versuche zu ermitteln, welche Auswirkungen diese Angebote auf die Persönlichkeit der Adressaten haben. So beispielsweise meine letzte Frankreichtour mit Schülern, Fahrer und Studenten. Natürlich gehe ich methodisch vorwiegend qualitativ vor: ich bin angewiesen auf die Selbstauskunft der betroffenen Subjekte. Dieser Zugang kann sich auf einzelne Projekte beziehen, aber auch auf ein ganzes Forscherleben. Ich selbst versuche zu ergründen, wieweit meine Arbeit seit 30 Jahren nachhaltige Auswirkungen auf die Persönlichkeit meiner Adressaten (Kollegen, Schüler und Studenten) hatte.

2. Die Belege

Täglich nehme ich das von Guido Öebel herausgegebene Buch „LdL goes international“ in die Hand. Es enthält umfangreiche Artikel von Guido Öbel selbst, aber auch von Johannes Guttenberger, der mein Schüler drei Jahre lang war (von der 11.Klasse bis zur 13.), von Michael Kratky, der fast 10 Jahre meinem Einfluss ausgesetzt war und von Joachim Grzega, einer Art alter Ego. Das Buch enthält mein ganzes Gedankengut, gespiegelt von anderen Menschen, starken Persönlichkeiten. Ich denke, diese Personen tragen die Konzepte in sich.

3. Und die Ludwigsburger-Connection?

Die Ludwigsburger (will sagen: Spannagel + Studenten + Lutz Berger, auch wenn Lutz nicht in Ludwigsburg angesiedelt ist) sind keine Schüler von mir. Die Inkubationszeit war relativ kurz. Ich weiß nicht, ob und inwiefern sie das von mir vertretene Gedankengut nachhaltig verinnerlicht haben. Natürlich haben sie das alles nicht 1 zu 1 übernommen, sondern sie haben es aufgegriffen und ganz schnell weiterentwickelt. Daher stellt sich für mich als Ethnomethodologe die Frage, was genau im Ludwigsburger Kontext von den Akteuren verinnerlicht wurde. Mich würde auch sehr interessieren, was die Besucher des LdL-Tages in Ludwigsburg mitgenommen und langfristig in ihre intellektuelle (und emotionale) Landschaft integriert haben. Hier denke ich besonders an Maik Riecken und an HerrLarbig. Wie komme ich an die Subjektperspektive ran?

4. Ein Versuch

Schreibe in maximal 140 Zeichen was dir einfällt, wenn du an den LdL-Tag am 09.05.09. in Ludwigsburg denkst. Wenn du willst, kannst du auch 140 Seiten schreiben:

Heute in Ludwigsburg: Synergierausch?

Heute besteht eine gute Chance, dass wir in Ludwigsburg einen Synergierausch erleben:

Wenn eine große Anzahl von Neuronenensembles in Resonanz geraten, wird es im Gehirn als Flow dekodiert. Analoges geschieht im Unterricht, wenn vor dem Hintergrund eines hohen gemeinsamen Wissenssubstrats Inhalte im Rahmen intensiver themenzentrierter Interaktionen aktiviert und in Konvergenz gebracht werden. Die Konvergenz anspruchsvoller, von allen nachvollziehbaren Gedanken führt zu einer Symbiose aller Beteiligten, die Resonanz in den einzelnen Individuen und in der Gruppe bewirkt. Dieses Phänomen kann man auch bei kollektiven Events wie Konzerten oder politischen Veranstaltungen beobachten. Sowohl das Klassenzimmer als auch das Internet eröffnen die Möglichkeit, aus ganz unterschiedlichen Quellen Synergien zu bilden, die dem Einzelnen eine Zufuhr von Impulsen in sehr rascher Abfolge abliefern. Wenn beispielsweise eine gemeinsame Terminologie („Ressourcenorientierung“, „Emergenz“, „Aufmerksamkeitsökonomie“, „Resonanz“, „Neuronale Netze“) im Zusammenhang mit der gemeinsamen Durchführung von Projekten in einem Raum aktiviert wird, dann geraten die interagierenden Akteure in Resonanz und dies wird emotional als Flow empfunden. Wenn aber dieses Gefühl der Übereinstimmung dank des Internets an ganz unterschiedliche Orten international und synchron ausgedehnt wird, dann kann die Partizipation zu einer Art Synergierausch führen.

Aus: Jean-Pol Martin (2009): Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität. In: Guido Öbel (Hg.)(2009): LdL (Lernen durch Lehren) goes global: Paradigmenwechsel in der Fremdsprachendidaktik unter Beruecksichtigung kulturspezifischer Lerntraditionen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 115-127

Die Warnung nehme ich ernst.

Resume Unterrichten ist eine sehr komplexe Tätigkeit. Um Prozesse und Abläufe besser begreiflich zu machen ist es nützlich, Bilder aus anderen Bereichen (Metaphern) heranzuziehen. Dieses Vorgehen birgt Gefahren.

1. Rückmeldung eines Kollegen

In meinem letzten Blog-Beitrag habe ich den Entwurf meines Vortrages am nächsten Samstag in Ludwigsburg skizziert.

Daraufhin erhielt ich folgende Warnung:

rip, on May 2nd, 2009 at 9:34 pm Said: (…)Ich möchte davor warnen, Leute mit dem Vokabular zu verschrecken, das für Lehrer (jedenfalls für mich) fremdartig und auch entfremdend und befremdlich wirkt. Ich finde LdL als Methode sehr gut. Aber ich muss mich wirklich dazu zwingen, einen Artikel zu Ende zu lesen, in dem es von “Perturbationen”, “Neuronen” und “Emergenzen” nur so wimmelt.(…)

2. Das Dilemma

Einerseits verstehe ich die Warnung des Kollegen sehr wohl. Andererseits weiß  ich, dass wenn man die terminologische Hürde überwunden hat, Zusammenhänge, die sehr wichtig für das Verständnis von Unterricht sind, auf einmal klar werden. Es sind wenige Begriffe, aber sie reduzieren die Komplexität drastisch und sind dadurch rasch und einfach operationalisierbar. Ich kann auf die Begriffe nicht verzichten.

Fazit Ich werde in meinem Vortag versuchen, die abschreckende Wirkung der etwa fünf bis sechs zentralen Begriffe abzumildern durch relativierende, ironisierende Nebenbemerkungen. Wenn man diese Metaphern beherrscht, macht es nämlich viel Spaß, sie im Alltag als Deutungsinstrumente zu benutzen.

Dieser ganze Neuronen-Quatsch!

Resume Aktionsforschung ist ein sehr mühsamer, obskurer, auf Jahrzehnte angelegter Prozess. Die meisten Begriffe und Konzepte, die Dank Spannagels (+ Studis) und Lutz Bergers Aktivitäten in den Blick einer größeren Öffentlichkeit geraten sind, schlummerten in Tagebüchern, Artikeln und Referendararbeiten. Unbeachtet.

1. LdL und ein Ozean von Veröffentlichungen

Wer einen Blick über LdL-Bibilographie (Grundlagen und Praxis) seit 1982 wirft, wird sich sofort vor Schreck abwenden. Eine Unmenge von Artikeln, Referendararbeiten, Filmen, Tagebüchern von Kollegen, einige Doktorarbeiten und Habilitationsschriften in allen Fächern liegen vor.  Die Neuronen-Metapher bezogen auf den LdL-Unterricht existiert seit spätestens 1996, über das Internet als Gehirn habe ich seit 1998 mehrere Aufsätze verfasst (19982006, 2009). All diese Modelle und Beschreibungen sind irgendwie naheliegend, auf jeden Fall haben sie einen hohen handlungsleitenden Wert. Zwar sind diese Ideen in die Lehrpläne und in die Seminare eingedrungen, aber wirklich vertieft und anhaltend hat sich die breite Schulöffentlichkeit nicht damit befasst.

2. LdL-Hype? Der wievielte?

Jetzt sind wir Zeugen eines LdL-Hypes.  Solche Phasen haben wir immer wieder, konjunturabhängig, erlebt. Beispielsweise als Reinhard Kahl eine Sequenz über LdL drehte im Rahmen seiner Dokumentation über alternative pädagogische Konzepte  („Treibhäuser der Zukunft„).  Oder es kommen plötzlich und meist per Zufall ganz engagierte, jüngere Kollegen auf unsere Gruppe zu, greifen die Ideen auf, entwickeln sie weiter und tragen sie mit Begeisterung in die Öffentlichkeit. Das Ganze erlebt für ein paar Wochen oder ein paar Monate Konjunktur.  Schnell fallen dann Begriffe wie „Missionar, Guru, Egozentriker, Narzist…“.  Auch die Metaphern sollen der Verbreitung im Wege stehen. Ja liebe Leute, sollen wir uns, wenn so eine Phase dran ist, in unseren Schulen und Unis verstecken? Die Impulse werden sich verbreiten, aber die Aufregung wird sich bestimmt wieder legen und wir werden weiter brav und nachhaltig – wie es die Aktionsforschung will – unsere Praxiserfahrungen im Unterricht und in Hochschulveranstaltungen sammeln und theoretisch verarbeiten.

Fazit In bestimmten Konjunkturphasen ist es unvermeidbar, dass einzelne Begriffe in die Öffentlichkeit redundant eingespeist werden. Nur so haben sie eine Chance, dass man sie aufgreift und diskutiert.

Nach „Neuron“ die nächsten Schritte: Hub, Temporallappen, Limbisches System, Cortex…

Resume Nachdem das Neuronenkonzept durch ist*, möchte ich die nächsten Schritte ansteuern. Wir wollen ja keine Neuronen, sondern ein Gehirn konstruieren!:-)))

1. Nicht Neuronen lösen Probleme, sondern Gehirne

Seit mehr als zehn Jahren schwebt mir vor, im Netz eine Problemlösemaschine nach dem Modell des Gehirns aufzubauen. Dazu braucht man viele, viele Neuronen. Seit anderthalb Jahren bin ich bemüht, normale Menschen zu Neuronen „umzufunktionieren“. Natürlich geht so ein Vorhaben nur, wenn man sehr schnell Partner findet, die sich von der Idee begeistern lassen. Und die habe ich im Rahmen des Educamps gefunden. Jetzt sind wir soweit, dass die Neuronen andere normale Menschen anstecken und umfunktionieren. Wir sind also in der Phase, wo auf Vorrat Neuronen produziert werden, die nicht spezialisiert sind (Frühkindheit). Wir müssen uns genau überlegen, wie es dann weitergeht. In meinem letzten Blogeintrag habe ich beschrieben, dass Neuronen allein nicht funktionstüchtig sind, sondern dass sie erst als Gruppe wirksam werden und dass sie eine Ebene brauchen, auf der die Impulse selegiert und zu Konzepten verarbeitet werden (Hub).  Diesen Schritt müssen wir nun systematisch angehen. Wenn es soweit ist und wir bewusst unsere Hubs konstruiert haben, müssen wir sehen, dass wir Spezialisierungen vornehmen und ein Kleinhirn (vegetatives System), ein Gedächtnis (Temporallappen), ein limbisches System und vor allem natürlich ein Cortex orten. Ich sage bewusst „orten“, denn diese Spezialisierungen erfolgen bereits, nur dass das Phänomen im Augenblick von niemandem erkannt und konzeptualisiert wird. Und das tue ich hier gerade.

2. Ein Gehirn wozu?

Wie ich in meinem Artikel vor 12 Jahren beschrieb, muss die Menschheit eine ganze Menge von Problemen bewältigen, viel mehr als es vor 30 Jahren noch der Fall war. Damals genügte eine relativ kleine „Elite“, um das Weltschiff zu steuern. Heute aber müssen angesichts der Akzeleration der Problemgenerierung in der Welt entsprechende Problemlösestrukturen entwickelt werden und alle verfügbaren Denkressourcen weltweit eingebunden werden.  Daher sind Aktionen wie die von Ulrike und Alexander nützlich, weil sie auf lange Sicht weitere Neuronen mobilisieren (in diesem Fall afrikanische). Spannagel macht ähnliches in einem anderen Bereich, er bringt den Leuten bei, wie man mit Hilfe der neuen Tools rasch und permanent kommuniziert. Und wenn das Gehirn steht, was machen wir dann? Wir werden Probleme lösen! Welche? Das weiß ich nicht. Wir bauen unser Gehirn auf Vorrat.

Fazit „Neuron“? Yuhuu! Aber wir stehen erst am Anfang! Ein Neuron ist noch kein Gehirn!:-)))

*Das sagte mir Felix Schaumburg auf dem letzten Educamp!

Abfeuern: nicht ab und zu, sondern permanent!

Resume Wenn man die Neuronen-Metapher weiterdenkt, so stellt sich die Frage, was mit den einzelnen Neuronen-Impulsen passiert. Sie werden an Sammelstellen (Knoten, Hubs) gebündelt, verarbeitet und weiter nach oben gereicht. Auch in der Wissenschaft verläuft es so.

1. Was im Nervensystem passiert (vereinfacht)

Die Impulse, die von einzelnen Neuronen ausgehen, werden an Sammelstellen (Hubs) verarbeitet. Das bedeutet, dass die für das Leben relevanten Impulse selegiert und gebündelt werden und an die hierarchisch nächste Instanz zur Weiterverarbeitung gereicht werden. Die nichtrelevanten Impulse werden nicht beachtet. Im übertragenen Sinn könnte man formulieren, dass die Neuronenensembles aus der Menge der Informationen die zentrale Botschaft zusammenstellen, also „konzeptualisieren“. Wenn beispielsweise einzelne Neuronen aus der Blase – gedankenlos – abfeuern, werden die Signale auf der nächst höheren Ebene (Hub-Ebene 1) interpretiert und es wird die Botschaft „Erhöhung des Drucks an Stelle A“ formuliert (Konzeptualisierung) und an die hierarchisch nächste Ebene (Hub-Ebene 2) zur Verarbeitung weitergereicht. Wenn auf der Hub-Ebene 2 weitere Signale aus der Blase kommen („Erhöhung des Drucks an Stelle B, Stelle C, Stelle D…“) wird Hub-Ebene 2 diese verschiedenen Botschaften bündeln und interpretieren („Blase voll“) und an die hierarchisch nächsthöhere Instanz weiterreichen. Nun drängt die Botschaft „Blase ist voll“ immer höher nach oben, ohne bereits auf der Bewusstheitsebene (Cortex) zu emergieren. Je nach Kontext wird sich diese Botschaft problemlos hinaufarbeiten oder sie wird in eine Warteschleife geparkt, weil andere Neuronenkonstellationen noch dringendere Botschaften vermitteln wollen (z.B: „Attraktive Nachbarin muss überzeugt werden, heute abend auf die Party mit mir zu gehen“).

2. Und im Web

Angesichts der Akzeleration aller Interaktionsvorgänge im Web, also der kollektiven Reflexion werden die „Hubs“ besonders gefordert. Es müssen Menschen oder vielmehr Menschengruppen die Aufgabe übernehmen, aus der Fülle der Impulse rasch die relevanten Informationen zu extrahieren, zu Konzepten umzuformen und zur Verarbeitung an die nächsthöhere Instanz weiterzureichen. Eine solche Entwicklung lässt sich bereits in den immer zahlreicher werdenden Blogs beobachten. Blogs sind Hubs und Konzeptualisierungsmaschinen.

3. Konsequenzen für Wissenschaftler: wie gewinnt man und stabilisiert man Reputation?

Wissenschaftler halten sich für besonders befähigt, zu konzeptualisieren. Im alten Paradigma haben sie sich damit viel Zeit gelassen und daher wurde ihre gesellschaftliche Relevanz immer geringer. Will ein Wissenschaftler im neuen Paradigma emergieren und eine zeitlang emergiert bleiben, so muss er permanent auf unterschiedlichen Hub-Ebenen konzeptualisieren und diese Konzepte rasch abfeuern. Am besten ist es, wenn seine Konzepte auch eine Handlungsanweisung enthalten (bei meinem Beispiel oben wäre diese Handlungsanweisung: „Blase ist voll, Gang ins Klo wird empfohlen“). Wie im Nervensystem werden nicht einzelne Tweets von der Web-Öffentlichkeit  wahrgenommen, sondern Neuronen (oder Neuronenkonstellationen) die permanent abfeuern. Und in der Wissenschaft ist es im neuen Paradigma ähnlich. Daher meine Empfehlung: wenn du als Wissenschaftler im neuen Paradigma Reputation gewinnen und eine zeitlang erhalten willst, muss du kontinuierlich konzeptualisieren und abfeuern.

Fazit Geschwindigkeit und Vernetzung. Problemlösungen permanent und reflexartig erarbeiten und gleich weiterleiten.