Kleinere Brötchen, und doch große Kicks!

Resume Seitdem ich im Ruhestand bin, backe ich kleinere Bröchten. Die Intensität der Kicks bleibt dieselbe.

1.  Handlungsräume kognitiv definieren.

In diesem Schul-/Uni-Jahr ging die „Bedeutung“ meiner Projekte decrescendo. Mit „Bedeutung“ meine ich die Anzahl der Menschen, die involviert sind und die geographische Ausdehnung. Im Herbst 2008 standen die grandiosen Aktionen der Ludwigsburger Gruppe im Vordergrund, mit Spannagel und Lutz Berger an der Spitze. Sie kamen zu mir im Unterricht und machten LdL zu einem Internet-Hype. Im Frühjahr 2009 konnten wir uns auf dem Educamp in Ilmenau sehr gut positionieren und da kam das tolle Afrika-Projekt von Alexander Rausch und Ulrike Reinhard voll zur Geltung.  Im Mai wurde ein LdL-Tag in Ludwigsburg organisiert, für mich den Höhepunkt meiner wissenschaftlichen Karriere. Parallel dazu führte ich eine 11.Klasse in Französisch, die auf meine Angebot nicht anbiss, aber es war für mich eine ganz neue Erfahrung und dadurch lernte ich viel (wie geht man mit sowas um?). Dazu gehörte auch die Frankreichreise mit der Klasse und mit Studenten. Egal was wir uns einfielen ließen (z.B. Mister Bean oder der Exhibitionist), die Klasse blieb nett, aber indifferent. In Ulm hatte ich die Freude, eine sehr nette Gruppe von Senioren in die Blogarbeit einzuweisen, ob es Zukunftsperspektiven eröffnet, weiß ich nicht. Bei den Grünen versuche ich, mich nützlich zu machen, und nach einer längeren Einstiegsphase scheint es, dass es mir gelingen könnte. Ich durfte einen Vortrag halten und dieser kam Gott sei dank gut an. Mir kommt sehr zugute, dass ich dort eine einflussreiche Fürsprecherin habe und seit meinem Vortrag scheint sich ein gewisser good-will zu verbreiten. Morgen werde ich Unterschriften für ein Bürgerbegehren (Busse sollen in der Innenstadt fahren dürfen) sammeln. Hoffentlich schaffe ich das körperlich (Arthrose). Es sind, das darf ich vielleicht so sagen, „kleinere Brötchen“, aber für mich ganz wichtig. Nächstes Schuljahr werde ich auf jeden Fall eine neue 11.Klasse führen und ein Projektseminar (auch 11.Klässler).  All diese Handlungsräume sind nicht spektakulär, aber sie bringen mir viel Freude (Kicks). Und das kommt so:

2. Feed-back Kultur

Durch das Internet verlaufen Projekte meist in kompakten Zeiträumen und sehr intensiv. Wenn man mit Twitter, Blogs und eMails arbeitet ist es durchaus möglich, dass ein umfangreicheres Projekt innerhalb einer Woche angegangen und abgeschlossen wird, wobei fast Tag und Nacht zwischen den Akteuren kommuniziert wird. Und das ist, glaube ich, das Neue. Diese permanente Kommunikation zwingt eine Feed-Back-Kultur auf, die kontinuierlich Kicks verschafft. Allerdings setzt es voraus, dass die Akteure auch entsprechend handeln, also schnell Feed-Backs „verabreichen“.  Der heutige Tag war für mich beispielsweise voller „Kicks“, obwohl ich de facto kein Projekt durchgeführt habe, sondern nur an der Präsentation der Ergebnisse des MOSAIK-Projektes (Greca/Siebenhüter/Katharinen-Gymnasium/FOS/BOS-Ingolstadt) teilgenommen habe.  Dennoch habe ich mit Petra Kleine einen intensiven, kickreichen und für mich fruchtbaren Tweets- + Mailaustausch gehabt, Kicks erhielt ich auch von Alexander Rausch, von Johannes Hartmann aus Tansania, der am MOSAIK-Projekt mitgearbeitet hatte und mir liebe Grüße an Frau Heller ausrichten ließ, und jede Menge Kicks auch in Eichstätt selbst.  Und gerade jetzt noch einen Kick aus Ulm. Die Handlungsräume sind bescheidener als früher, aber die Kickmenge bleibt gleich, ja sie scheint sogar zu wachsen.

Fazit Großes Projekt, kleineres Projekt: die Kickmenge und Kickintensität bleibt dieselbe.

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In Twitter „anbaggern“: an Bedürfnisse anknüpfen.

Resume Wie ich in meinem jüngsten Beitrag angekündigt habe, möchte ich meine Twitter-Interaktionen in den beiden letzten Monaten systematisch analysieren. Das Ziel: die Verhaltensmerkmale herausarbeiten, die zur Rekrutierung und Aufrechterhaltung einer Weltverbesserungsgruppe führen können.

1. Wissenschaftstheoretische Einordnung

Als Aktionsforscher ist mein Vorgehen recht eigensinnig und anfechtbar.  Dazu schlägt mir  Itari vor: „Man kann dem einfach aus dem Wege gehen, in dem man sagt, das man nicht (!) wissenschaftlich arbeitet, sondern einfach so beobachtet und seine (ganz unwissenschaftlichen) Gedanken von sich gibt. Dann hat man den ganzen wissenschaftsmethodischen Quatsch (scherzhaft gemeint) nicht am Hals und kann sein Werk als (pädagogisches?) Poem verkaufen.“ Nun möchte ich aber intersubjektiv nachvollziehbare Ergebnisse vorlegen und dazu ist eine gewisse Systematik notwendig. Und wenn ich systematisch intersubjektiv prüfbare Ergebnisse hervorbringe, dann ist das Wissenschaft, unabhängig davon, ob mein Vorgehen in der Tradition meines Faches verankert ist oder nicht.

2. Bedürfnisse als Ansatzpunkt zur Kontaktaufnahme und Kontaktpflege

Will ich das Interesse von Twitterern an Interaktionen, im Idealfall sogar an Zusammenarbeit nachhaltig erregen, so ist es günstig, wenn ich mich an deren Bedürfnissen orientiere. Durch welches Twitter-Verhalten lassen sich welche Bedürfnisse ansprechen? Bei meinen Beschreibungen beziehe ich mich auf konkrete Erfahrungen, nenne aber die jeweiligen Akteure nicht.

  • Physiologische Bedürfnisse:  Selbst auf der Ebene der physiologischen Bedürfnisse (ua. Sexualität) zeigen sich Twitterer ansprechbar (Flirtverhalten). Dennoch: Flirtverhalten sollte man vermeiden, denn es durchdringt und belastet alle Interaktionen, die zu einer Befriedigung höherrangiger Bedürfnisse eingeleitet werden (z.B. Projektaktivitäten).
  • Sicherheit, Soziale Einbindung: Soziale Einbindung ist nicht zu verwechseln mit sozialer Anerkennung. Sie bezeichnet den Grad der emotionalen Zuwendung, die man von einer Gruppe erhält, unabhängig vom sozialen Status. Die Befriedigung entsprechender Bedürfnisse könnte so geleistet werden, wie von Itari beschrieben: „JP gibt sich Mühe, bestätigt den einen oder anderen Twitterer durch direkte Ansprache und verteilt Motivationsbonbons (Fleißkärtchen nannte man das früher).“ Natürlich ist dieses Verhalten nicht bewusst, sondern automatisiert.
  • Soziale Anerkennung: Soziale Anerkennung wird über die Tiefe des Einstieges auf die Impulse des Twitterers gewährt (lesen der vom ihm empfohlenen Artikel und Videos, Kommentare auf seinen Seiten, usw).
  • Selbstverwirklichung: Wenn man Twitterern hilft, zentrale Fragen (insbesondere philosophische) anzugehen und zu beantworten, liefert man einen Beitrag zu deren Selbstverwirklichung.
  • Bedürfnis nach Sinn: Wenn man Twitterern Projekte vorschlägt, die über ihr eigenes Leben hinausweisen, dann macht man ihnen Sinnangebote.
  • Bedürfnis nach Informationsverarbeitung: Das Bedürfnis nach Informationsverarbeitung spielt in Twitter eine zentrale Rolle. Will man Twitterer an sich binden, muss man eine breite Pallette von Themen anbieten und bereit sein, bei Bedarf in die Tiefe einzusteigen. Der erklärte Zweck von Twitter ist, dass die Akteure einen alltagsbezogenen Positionszustand („ich stecke im Stau„) liefern. Ich liefere stets einen Positionszustand, aber über den Stand meiner Reflexion. Besonders zielführend sind Perturbationen, weil sie kognitive Dissonanzen auslösen, die bekanntlich reflexionsfördernd sind.

Natürlich verfüge ich für jeden hier aufgeführten Aspekt über konkrete Beispiele mit realen Menschen aus den zwei letzten Monaten meiner Aktivität in Twitter. Entsprechende Beschreibungen kann ich hier (aus Gründen der Diskretion) nicht veröffentlichen.

Fazit Die von Maslow beschriebenen Grundbedürfnisse liefern eine gute Orientierung, wenn man beabsichtigt, in Twitter Denk- und Handlungspartner für langfristige, ehrgeizige Projekte zu finden.