Achtung, Metapher! Zur handlungsleitenden Kraft von Bildern

Resume Will man Menschen zum Handeln nach bestimmten Mustern bewegen, so muss man ihnen Modelle anbieten, die sofort ihre Fantasie anregen. Allerdings muss man aufpassen und nicht Metaphern anbieten, die eine negative Kraft entfalten.

1. Gute und schlechte Metaphern

Im politischen Bereich dominiert in vielen Ländern der Welt immer noch die Pyramide als Muster. Ein Mächtiger bzw. eine mächtige Gruppe steht an der Spitze und übt die Macht aus indem nach unten Aufträge und Forderungen weitergeleitet werden (top-down). Vor allem in totalitären Regimen wird dieses Modell auf alle Bereiche der Gesellschaft übertagen: auf die Familie, auf Unternehmen und auf alle sonstigen Organisationen. Die Akteure in diesen Gesellschaften haben vor ihren mentalen Augen kein anderes Bild als diese hierarchische, pyramidale Struktur. In diesem Fall kann man sagen, dass die Pyramiden-Metapher eine starke handlungsleitdene Kraft hat, die aus unserer Sicht nicht optimal ist für das Wohl der Menschen, die in dieser Gesellschaft leben. Alternativ dazu kennen wir als politisches Modell die Demokratie, die auch pyramidal strukturiert ist, aber bottom-up. Hier wird die Macht von unten nach oben delegiert. Und vor unserem mentalen Auge sehen wir buchstäblich diese Bewegung (von unten nach oben). Solche Bilder und Bewegungen sind insofern sehr bedeutsam, weil sie sich durch permanente Wiederholung in unserem Gehirn kognitiv und emotional festsetzen und wir sie unbewusst bei fast jeder Handlung realisieren. Wenn es uns gelungen ist, demokratische „Reflexe“ in uns selbst aufzubauen, dann handeln wir im Alltag auch unbewusst anders als wenn wir den  top-down Reflex habitualisiert hätten. Gerade für den Unterricht ist es bedeutsam, ob wir den Reflex „Schüler sollen ihre Wünsche einbringen“ (also bottom-up) automatisiert haben oder den Reflex „Schüler sollen ausführen, was ich bestimme“.

2. Biologie als Lieferant für Metaphern

Natürlich haben Metaphern die Funktion, Komplexität zu reduzieren und nur so können sie auch handlungsleitend sein. Andererseits dürfen sie komplexe Phänomene nicht zu sehr vereinfachen. So ist das hierarchische Modell – ob top-down oder bottom-up – zu einfach, um die Prozesse, die durch den Internet-Paradigmenwechsel ausgelöst wurden, adäquat abzubilden.  Das Bild des Netzwerkes wurde bereits in den 70er Jahren durch Wissenschaftler (Friedrich Vester) und „alternative“ politische Gruppen („Grüne“, „alternative Listen“ usw.) aufgegriffen. Diese Metapher wiederum lehnt sich stark an die Biologie und an die Prozesse, die in der Natur vorherrschen (Biotope). Wenn man also heute Metaphern propagieren will, die sich in den mentalen Vorstellungen der Menschen verankern und in ihrem Verhalten automatisieren, dann müssen es unbedingt biologisch-dynamisch-organische sein. Daher plädiere ich sosehr für die Aufnahme der Gehirnstruktur als Modell für die Organisation Kollektiven Denkens und  Problemlösens. Abgeleitet davon empfehle ich dringlich das „Verhalten“ des Neurons. Damit man sich das gut einprägt und automatisiert, gebe ich gleich 7 Regeln, die beachtete werden müssen, wenn man sich als „Neuron“ einbringen will. Ein Fall also von stark handlungsleitender Metapher.

Fazit: Will man Menschen dahin beeinflussen, dass sie bestimmte Verhaltensweisen annehmen und automatisieren, so ist es günstig, wenn man ihnen redundant Metaphern anbietet. Daher ist es sehr wichtig, dass diese Metaphern gut gewählt und durchdacht werden. Das hierarchische Organisationsbild ist für unser gegenwärtiges Paradigma nicht mehr adäquat. Geeignetere Modelle finden sich in der Natur und werden durch die Biologie (auch Gehirnforschung) aufgearbeitet und präsentiert.

die meerschweinchenmetapher

Metaphern komprimieren die Komplexität. Wohlgemerkt „komprimieren“, nicht „reduzieren“. Sie haben den großen Vorteil, dass sie nicht nur umfangreiche Theoriegebäude auf ein Konzept verdichten, sondern dass – wenn die Metapher geschickt gewält ist, diese eine starke handlungsinduzierende Kraft besitzt. Dies gilt beispielsweise für die von uns geschaffene Neuronen-Analogie: Menschen sollen sich wie Neuronen verhalten, un dann wird die Welt besser. Nun bin ich vor sehr langer Zeit auf der Grundlage meiner Reflexion über die Maslowschen Bedürfnishierachie zum Schluss gekommen, dass Menschen exakt dieselben Bedürfnisse haben wie Ameisen oder Meerschweinchen. Menschen lassen sich, wenn überhaupt, nur durch ihr Bedürfnis nach Sinn von allen anderen nicht menschlichen Lebewesen unterscheiden. Das nenne ich die Meerschweinchentheorie. Das hat den großen Vorteil, dass es unsere Bedeutung sehr zurückschraubt. Wir sind gar nicht so wichtig, also können wir das Leben mit einer gewissen Distanz betrachten und nicht jede Kleinigkeit als weltbewegende Katastrophe bewerten. Das würde Theologen und Philosophen traurig stimmen, denn „das sosein im hiersein vom nebensein“ (Heidegger?) wäre nicht mehr so der hit! Und auch Jean-Pol Sartre („wir sind in die welt geworfen und tragen verantwortung“) würde an Bedeutung verlieren… Denn auch Meerschweinchen werden buchstäblich in die welt geworfen und tragen Verantwortung. Aber Sartre und Heidegger kümmern sich nicht um sie, oder?

Zurück zu meinem Anliegen: in Ludwigsburg fand eine Studentin die Meerschweinchenmetapher so handlungsleitend, dass sie sich gleich als Meerschweinchen auf den Weg gemacht hat:hier ihr Blog: SchuleUndMeerschweinchen