Für Julia, Aleks und die anderen Piraten…

Resume Die Piraten sind dabei, ihr Programm zu aktualisieren. Sie befassen sich u.a. mit ihrem „Menschenbild“ und es scheint, dass mein Konzept (ich ziehe den Begriff „Menschenkonstrukt“ vor) ihnen zusagt.

1. Ausgangspunkt

Jean-Pol Martin ist ein Interessanter älterer Mann (vermutlich der älteste teilnehmer der #om10), der mit seinen Ansichten, Einsichen und Ideen den Nerv der Internet- und PostPrivacy-Aktivisten getroffen hat. (Tobias Grömcke)

2. Mein Menschenkonstrukt

In den achziger Jahren habe ich mir aus diversen Quellen, insbesondere aus der humanistischen Psychologie und der Kognitionspsychologie ein Konstrukt zusammengestellt, das mir als Didaktiker und Lehrer die Arbeit mit Menschen erleichtert hat. Das Konzept hat sich bis heute bewährt. Zur Absicherung habe ich mich mit Philosophie befasst und festgestellt, dass mein Modell auch alle philosophischen Positionen integriert. Das Konstrukt besteht aus folgenden Bausteinen:

– Das Ziel menschlichen Handelns ist das Glück (breiter Konsens bei den Philosophen seit der Antike)

– Die Grundbedürfnisse nach Maslow

Exkurs zur Veranschaulichung: die Liebe als Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung (Eigenkreation)

Kontrolle als übergreifendes Bedürfnis (Eigenkreation)

Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis (Eigenkreation)

– Im Spannungsfeld antinomischer Tendenzen (systemtheoretische Eigenkreation)

– Präskription: verhalte dich explorativ! (Dietrich Dörner)

3. Das Ich

Auf  dem Hintergrund des unter 1 und 2 Dargestellten definiere ich das ICH als die Instanz, die permanent bemüht ist, die Aktivitäten des Organismus so zu organisieren, dass es die eigenen Grundbedürfnisse befriedigt und so das Glück erreicht.

4. Bildung

Bildung definieren ich als das Erstellen von Konzepten, die erlauben, mit einströmenden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten. Die neuerstellten Schemata ermöglichen die Planung und Durchführung von weiteren Handlungen. Sie schaffen auch die Sicherheit, die notwendig ist, um unbekannte Felder zu betreten, in denen neues Wissen generiert wird.

Fazit: Vielmehr braucht man nicht, um mit Menschen erfolgreiche Aktivitäten zu planen und durchzuführen, mit dem Ziel einer Verbesserung unser aller Lebensqualität, heute und in der Zukunft.

Video: Menschenbild-Vortrag

#om10 – Jean Pol Martin – das Ich ins Netz exportieren

Das Ich ins Netz exportieren? #om10

Resume Ich wurde eingeladen, am 2.Oktober 2010 einen Vortrag auf dem von der Piratenpartei in Kassel organisierten Openmind-Treffen zu halten. Adressaten sind „Netzpolitiker, -aktivisten und -philosophen“.

1. Anthropologische Basis

Jeder Reflexion über die aktuelle und künftige Organisation der Gesellschaft setzt ein konsensfähiges Menschenbild voraus.  Dies gilt besonders für Parteien, die sich das Ziel setzen, Strukturen zu schaffen, in denen Menschen die größtmöglichen Glückschancen besitzen. Was ist Glück? In welchen Strukturen fühlen sich Menschen wohl? Was verfolgt der Mensch mit seinen Handlungen? Dazu habe ich 1994 ein Konstrukt entwickelt:  Menschenbild

2. Das Internet als Gehirn

Um am Leben zu bleiben ist der Mensch darauf angewiesen, permanent Probleme zu lösen. Die beste Problemlösemaschine ist das Gehirn. Metaphorisch auf die Welt übertragen wäre das Internet ein Gehirn und die einzelnen Menschen wären Neuronen. Durch permanente Interaktion zwischen den Menschen/Neuronen werden Problemlösungen und Wissen generiert. Allerdings verlangt dies von den Menschen/Neuronen spezifische Verhaltensweisen:   Wie verhalten sich Neuronen?

3. Entmaterialisierung und Postprivacy

Im Sinne der Aktionsforschung möchte ich an meinem eigenen Beispiel zeigen, wie es aussieht, wenn man dem Post-Privacy Prinzip in vielen Punkten folgt.

Jean-Pol Martin:  WikipediaJPM-BiographieYoutubesBlog als Vorlesung

Lernen durch Lehren: WikipediaLdL-ForenYoutubes

Aktuelles:  Online-Worskop PhilosophieHomepage der Grünen IngolstadtMigrantenprojekt BrückenbauerSenioren

Fazit: Alle Aktivitäten lassen sich schrittweise ins Netz verlagern. Möglicherweise entsteht dadurch ein virtuelles Ich, das stabiler und zeitüberdauernder ist als das reale.

Philosophie (2): Bye bye Mythos, hallo Logos!

Resume Bis etwa 650 v.-Chr. wurden Götter verantwortlich gemacht für Naturerscheinungen und gesellschaftliche Prozesse (Mythos). Die Vorsokratiker begannen damit, diese Deutungsmuster in Frage zu stellen. Sie verlangten Beweise und Argumente (Logos).

1. Vom Mythos zum Logos

Der Übergang ist markiert durch Unterschied von Götter- und Heldengeschichten erzählender (narrativer)  und streng argumentierender Sprache. Anstelle der Erklärung der Welt über Götter wird mehr und mehr eine rationale Form der Weltbewältigung gesucht. Die Antike Philosophie beginnt mit den Vorsokratikern (ca. 650-500 v.-Chr.) zu denen die Philosophen von Milet, die Phytagoreer, die Eleaten und die Atomisten gehören. Die Vorsokratiker gelten als Begründer der Physik, während Sokrates und Platon als Urheber der Ethik und Aristoteles als Erfinder der Logik angesehen werden.

2. Die Vorsokratiker

Sie suchen nach dem Ursprung der Dinge und nach einem einheitlichen Weltprinzip. Für Thales bedeutet das Wasser, für Anaximander das ewige Unendliche, für Anaximenes die Luft, für die Pythagoreer die Zahl das Prinzip der Welt. Für Heraklit besteht die ganze Welt aus Gegensätzen. Eine radikale Kritik an Sitte und Tradition übt Xenophanes, der Begründer des erkenntnistheoretischen Skeptizismus. In kritischer Abkehr von Heraklit begründet Parmenides den Eleatismus, mit seiner These von der Einheit, Unbeweglichkeit und Ewigkeit des Alls.  Empedokles‚ Elemente-Theorie stellt eine Vermittlung von Heraklit und Parmenides dar. Anaxagoras nimmt nicht vier Elemente sondern eine unendliche Anzahl unveränderlicher und unsichtbarer Grundstoffe an. Auch die Atomisten Leukipp und Demokrit versuchen, die Gegensätzlichkeit der Positionen von Heraklit und Parmenides zu überwinden. Sie postulieren kleinste unteilbare Atome, die sich durch Gestalt und Anordnung unterscheiden. Mit den Sophisten setzt eine neue Epoche der Philosophie ein. Der Interessenschwerpunkt verlagert sich von naturphilosophischen Fragen hin zu ethisch-gesellschaftlichen Problemen.

Fazit: Mythos bis 650 v.-Chr., dann Fokus auf Argumente und Beweise mit den Vorsokratikern (Schwerpunkt Physik). 470-399 kommt Sokrates, der ethische Fragen in den Vordergrund rückt.

Übersicht und Texte

Wiki

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Anmerkung: Mein Blogeintrag ist ein Exzerpt aus: „Geschichte der Philosophie von der Antike bis heute“, Christoph Delius et al., Könemann, 2000

Legitime Monomanie

Aus meiner Biographie:

Man muss sich in meine Situation hineinversetzen. Alle jammerten darüber, dass ihre Schüler im Fremdsprachenunterricht nichts sagten. Es war immer dieselbe Frage, in allen Zeitschriftenartikeln, Workshops und Forbildungsveranstaltungen, Kongressen und sonstigen Treffen: „Wie bringe ich meine Schüler zum Sprechen?“. Nun hatten wir die definitive Lösung zu diesem Problem: lasse die Schüler sich den Stoff gegenseitig beibringen, dann werden sie zwansgläufig sprechen. Das war aber so einleuchtend, dass diese Lösung verdrängt wurde. Alle fanden das toll, aber stellten sich weiterhin die Frage, wie kann ich meine Schüler zum Sprechen bringen. Wie wenn unsere Lösung unfair gewesen wäre, außer Konkurrenz. Es wurden weiterhin Workshops zu Themen wie „Leseverstehen“, „Sprechen“, „Hörverstehen“, „Ausspracheschulung“, „Wortschatzarbeit“ gehalten, als ob diese Fertigkeiten unabhängig voneinander hätten geschult werden können. Das LdL-Konzept integrierte alle diese Aufgaben. Aber nein, meine Kollegen wollten sie trennen und beharrten darauf. Für mich wurde das Thema allmählich uninteressant, ich fand mein anthropologisches Modell viel spannender, denn es löste ja nicht nur die Probleme des Fremdsprachenunterrichts, sondern die Probleme des Lebens überhaupt. Aber die meisten wollten davon nichts hören. Auf Kongressen wurde ich als eine Art „Troll“ betrachtet, weil ich bei jeder Gelegenheit mitteilte, das jeweils behandelte Problem sei durch LdL schon erledigt. Beispielsweise wurde ich von Michael Legutke, der einen großen Kongress für das Goethe-Institut in München organisierte, eingeladen und machte mich dort – bei allem good-will von Michael – schnell unbeliebt unter der versammelten Crème de la Crème der Fremdsprachendidaktik. Alle sagten, die LdL-Idee sei toll, aber ich würde sie durch mein Verhalten in Misskredit bringen. Dabei befassten sie sich nur deshalb mit LdL, weil ich diese Perturbationen verursachte!

Individ“uum“ oder Indi“vi“duum?

Resume Nun ist es soweit. In meiner Biographie beschreibe ich, wie ich auf LdL gekommen bin, und wie die Kollegen anfangs reagiert haben.

Sowohl als auch: das musste ich vermitteln! Bis heute.

1981 blieb die Vorstellung virulent, Fremdsprachenlernen erfolge, zumindest im Bereich des Mündlichen, durch Imitation und Repetition. Das war die behavioristische Lerntheorie. Und da gab es noch die Spurentheorie von Parreren die besagte, dass wenn man bei der Erstbegegnung ein Wort falsch ausgesprochen hört, diese falsche Aussprache sind definitiv ins Gehirn einbrennt. Daher verlief die Wortschatzeinführung dergestalt, dass der Lehrer ein Wort sagte, oder vom Band hören ließ, und im Anschluss dieses Wort mehrmals nachgesprochen wurde. Da meine Methode vorsah, dass der neue Stoff von den Schülern vermittelt wird, entstand die Horrorvision, dass reihenweise Wörter mit falscher Aussprache eingeführt und für ewig als Gedächtnisspur eingeritzt bleiben. Das ließ mich schmunzeln, denn ich selbst hatte mit 25 eine miserable Aussprache und mit 30 eine fast nativespeakerlike. Das letzte Wort, das ich aus der falschen Ritze herausgekratzt habe, war „Individuum“, das ich mit Betonung auf „uum“ artikulierte, bis in Regensburg Schüler aus der 10. Klasse mich baten, das von mir so oft benutzte Wort richtig auszusprechen, nämlich mit Akzent auf „vi“. Meine eigene Erfahrung widerlegte also die Van-Parreren-Spurentheorie. Man kann nämlich die Aussprache kognitiv angehen, indem man zunächst falsche Aussprachen zulässt und sich schrittweise durch trial and error und mit Unterstützung des Lehrers an die richtige annähert. Beides funktioniert, sowohl als auch!

Zitiert aus: JPM-Buch: Schüler unterrichten Schüler – erste Schritte

Fazit Erst kognitivieren und dann habitualisieren? Oder umgekehrt?  Am liebsten beides gleichzeitig. Die Welt ist antinomisch strukturiert und bewegt sich dialektisch vorwärts.

Tiefe Schichten ansprechen: zwei Beispiele

Resume In dem unüberschaubaren Angebot im Netz hat man nur eine Chance, nachhaltige  (Projekt-)Beziehungen aufzubauen. Man muss Existentielles anbieten.

1. @Petrakleine

Mit Petra Kleine habe ich vor 29 Jahren einige Monate am Aufbau der Grün-Alternativen Partei in Ingolstadt zusammengearbeitetet. Dann trennten sich unsere Wege, aber ich verfolgte ihre erfolgreichen Aktivitäten aus der Zeitung. Vor ein paar Wochen bin ich in die politische Arbeit wieder eingestiegen. Mit Petra ging es sehr schnell. Ich präsentierte sofort meine Metaphern und vor allem mein Menschenbild und meine Ziele („Weltverbesserung“). Es gelang mir, Petra zum Twittern zu verführen. Vor kurzem twitterte sie:

@jeanpol o.k.- das was mich eigentlich anmacht ist auch nicht metaphorik, die macht spass – sondern die #weltverbesserung incl. lebenslust

2. @dieGoerelebt

Vor einigen Wochen überraschte mich Dörte Giebel, die ich nicht kannte,  in Twitter mit der Mitteilung, sie würde schon länger meine Tweets und meine Blogeinträge lesen und schätzen! Welche Emergenz! Welche Freude! Und gestern hat sie einen Blog eingerichtet mit folgendem Eintrag (Auszug):

Mein Vorbild für diesen Blog ist Jean Pol Martin, emeritierter Französischdidaktiker an der Universität Eichstätt-Ingolstadt, der mit seinem Weblog eine öffentliche Schnittstelle für seine wissenschaftlichen Ideen und seine Projekte schafft – immer “gut geerdet” durch die Anbindung alles Virtuellen an Handlungen in real life. In diesem Sinne möchte ich mit meinem Blog die auf Twitter begonnene Vernetzung fortsetzen und intensivieren – und dies nicht festgelegt auf eine einzige Rolle (bzw. berufliche Funktion), sondern als “ganzer Mensch”. Mein Ziel ist die möglichst authentische Kommunikation über Themen, die mich – und eventuell auch noch ein paar andere da draußen – bewegen.

Fazit Sowohl mit Petra Kleine als auch mit Dörte Giebel war es möglich, in relativer kurzer Zeit eine tiefe, existentielle Verbindung aufzubauen. Ich hoffe, das ist der Auftakt zu einer nachhaltigen (über meinen Tod hinaus) dauernden (Projekt-)Beziehung.

Tiefe Schichten im Menschen ansprechen.

Resume In der Fülle des Angebotes im Netz ist es unabdingbar geworden, schnell die richtige Auswahl zu treffen. Mit wem kann ich eine tiefere, fruchtbare Beziehung eingehen? Es sind drei Schritte.

1. Erster Schritt:  sofort die eigenen essentials offenbaren

Natürlich kommt es darauf an, welche Art von Beziehung man sucht. Wenn man beispielsweise an Austausch über Technik interessiert ist, muss man im Netz nicht gleich seine Philosophie offenbaren. Aber es wäre schade, wenn man twitter und blogs nur dazu benützen würde, kleine Tips auszutauschen. Ich sehe den eigentlichen Vorteil der virtuellen Welt darin, dass man tiefe (Projekt)-Beziehungen mit Menschen eingehen kann, die man real nie hätte treffen können. Nicht nur, weil sie geographisch entfernt sind, sondern auch, weil sie – selbst wenn sie in derselben Stadt leben – in der Hetze des Alltags nie die Zeit hätten, sich mit einem real und in der Tiefe zu befassen. Da ich auf der Suche nach solchen Beziehungen bin, muss ich selbst sofort das, was mein Leben steuert und bestimmt, offenlegen. Nur so habe ich die Chance, die Leute an Land zu ziehen, die für künftige Projekte in Frage kommen. Wer mit meinem Menschenbild und meinen Metaphern nichts anfangen kann, wird das Weite suchen, zu seiner und meiner Entlastung.

2. Zweiter Schritt: sofort existentiell relevante Projekte anbieten

Wenn jemand sich auf mein Menschenbild einlässt und wir eine ausreichende Schnittmenge gefunden haben, können wir gleich Projekte angehen. Im Lehrermilieu ist es naheliegend, dass man sich mit unterrichtsoptimierenden Maßnahmen (Methoden oder Input von Inhalten) befasst und gemeinsam versucht, diese umzusetzen. Da diese Vorhaben stets die tiefste Dimensionen berühren (professionelles Selbstbild, Ethik) entsteht eine Beziehung, die gleich existentiellen Charakter gewinnt. Das bedeutet nicht, dass der/die andere für das eigene Leben von zentraler Bedeutung wäre, denn hier müssten die oberen Wesens-Schichten einbezogen werden (Alltagsleben, Familie, Ferien etc), aber sie sind Ansprechpartner für das, was einen im professionellen Bereich beschäftigt. Und das ist eine Menge.

3. Dritter Schritt: Nachhaltigkeit anstreben

Ist es gelungen, a) Konsens über ein Menschenbild mit entsprechendem Globalziel (z.B. „Weltverbesserung“) und gemeinsamen Metaphern zu erreichen, b) ein existentiell relevantes Projekt anzusteuern, so bleibt nur noch die Frage, wie lange diese Beziehung fortgeführt werden kann. Je länger die gemeinsame Erfahrung, desto größer das Vertrauen und die Effektivität der Zusammenarbeit. Twitter ermöglicht, dass man zahlreiche Menschen erreicht, Blogs ermöglichen, dass man diese Menschen existentiell anspricht. Und dann werden mit Hilfe von Mixxt-Plattformen und Wikis die Projekte durchgeführt. Je nachhaltiger, desto besser für die Stabilität der Beziehungen.

Fazit Viele Menschen ansprechen und gleich die essentials offenlegen, existentiell relevante Projekte anbieten und dann dranbleiben, ein Leben lang!:-)))

Wie das „LdL-Menschenbild“ entstanden ist.

Maik Riecken fragt auf der LdL-mixxt-Plattform: „Für mich ist noch nicht hinreichend klar, was bei LdL zuerst kommt: Das Menschenbild (ich = bekennender Idealist) oder die konkrete Unterrichtsmethodik. Oder zieht das Menschenbild automatisch eine bestimmte Methodik nach sich? Und woraus generiert sich ein persönliches Menschenbild eigentlich?

Meine Antwort:
Ich werde, da es sich hier um „mein“ Menschenbild und weitgehend „meine“ Methode handelt, ganz persönlich antworten. Als ich 1981 meine Schüler sich selbst unterrichten ließ, war mein Schritt ein ganz praktischer in Richtung Schüleraktivierung. Damals dachte ich noch nicht an eine wissenschaftliche Untermauerung und Ausarbeitung. Da ich aber beobachtete, dass diese scheinbar schlichte Technik umfassende Auswirkungen hatte, fing ich an, diese Effekte kognitionspsychologisch und sozialpsychologisch zu deuten. Meine Quellen waren vorwiegend aus der humanistischen Psychologie entnommen. Und so zimmerte ich mir selbst ein „Lernerkonstrukt“, über das ich in Verbindung mit der Beschreibung meiner konkreten LdL-Techniken wissenschaftlich publizierte. Die Grundzüge des „LdL-Menschenbildes“ wurden 1988 veröffentlicht („Schüler in komplexen Lernumwelten„) und im Laufe der folgenden Jahrzehnte nur in Einzelheiten ergänzt. Insofern trete ich in der Öffentlichkeit mit zwei Angeboten, zum einen mit meinem Menschenbild, zum anderen mit den LdL-Techniken. Da ich beides in engem Bezug zueinander entwickelt habe, präsentiere ich das auch so. Was die Rezeption angeht, so gibt es Leute, die nur am Menschenbild interessiert sind, andere, die nur LdL beschäftigt. Viele sehen aber, dass man LdL nur mit humanistischem Menschenbild gut umsetzen kann und einige meinen sogar, dass ein humanistisches Menschenbild zwingend den Einsatz der Methode LdL nach sich zieht.