Heute in Ludwigsburg: Synergierausch?

Heute besteht eine gute Chance, dass wir in Ludwigsburg einen Synergierausch erleben:

Wenn eine große Anzahl von Neuronenensembles in Resonanz geraten, wird es im Gehirn als Flow dekodiert. Analoges geschieht im Unterricht, wenn vor dem Hintergrund eines hohen gemeinsamen Wissenssubstrats Inhalte im Rahmen intensiver themenzentrierter Interaktionen aktiviert und in Konvergenz gebracht werden. Die Konvergenz anspruchsvoller, von allen nachvollziehbaren Gedanken führt zu einer Symbiose aller Beteiligten, die Resonanz in den einzelnen Individuen und in der Gruppe bewirkt. Dieses Phänomen kann man auch bei kollektiven Events wie Konzerten oder politischen Veranstaltungen beobachten. Sowohl das Klassenzimmer als auch das Internet eröffnen die Möglichkeit, aus ganz unterschiedlichen Quellen Synergien zu bilden, die dem Einzelnen eine Zufuhr von Impulsen in sehr rascher Abfolge abliefern. Wenn beispielsweise eine gemeinsame Terminologie („Ressourcenorientierung“, „Emergenz“, „Aufmerksamkeitsökonomie“, „Resonanz“, „Neuronale Netze“) im Zusammenhang mit der gemeinsamen Durchführung von Projekten in einem Raum aktiviert wird, dann geraten die interagierenden Akteure in Resonanz und dies wird emotional als Flow empfunden. Wenn aber dieses Gefühl der Übereinstimmung dank des Internets an ganz unterschiedliche Orten international und synchron ausgedehnt wird, dann kann die Partizipation zu einer Art Synergierausch führen.

Aus: Jean-Pol Martin (2009): Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität. In: Guido Öbel (Hg.)(2009): LdL (Lernen durch Lehren) goes global: Paradigmenwechsel in der Fremdsprachendidaktik unter Beruecksichtigung kulturspezifischer Lerntraditionen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 115-127

Kein alter Wein in neuen Schläuchen, keine Technik unter vielen, kein Nachhilfeunterricht

Resume:In dieser für den pädagogischen Diskurs turbulenten Zeit möchte ich noch einmal präzisieren, was die Originalität meines/unseres Angebotes ausmacht. Es wird aufgezeigt, a) inwiefern sich LdL von anderen „offenen“ Methoden unterscheidet, b) was genau „Lernen durch Lehren“ ist und was nicht.

Eine klare Positionsbestimmung von LdL tut not

Zitat von Felix Schaumburg (einem meiner Twitterfollowers): „Zurück von der Tagung mit der Erkenntnis: Die Schulen in Dland sind im Auf-/Umbruch. Vielleicht ist die Zukunft doch nicht so düster.“ In diesem Zusammenhang werden unzählige „neue“ Methoden diskutiert und LdL sollte in diesem Chor nicht untergehen, weil ich natürlich ein persönliches Interesse daran habe und weil LdL tatsächlich als Methode eine besondere Qualität aufweist.

1. LdL ist kein „alter Wein in neuen Schläuchen“

Natürlich gab es seit der Antike immer wieder Versuche, Schüler als Lehrer einzusetzen, vorwiegend aus ökonomischen Gründen, um Lehrer einzusparen, und ab dem 19.Jh. auch aus pädagogischen Gründen. Dass aber ein umfangreiches, anthropologisch begründetes, in allen Fächern und allen Lernstufen von mehreren tausend Lehrern 25 Jahre lang geprüftes Konzept vorgelegt wurde, das ist völlig neu und existiert auch nicht für andere Methoden. LdL, wie es von mir und meinen Kollegen praktiziert wird, ist informationstheoretisch, kognitionspsychologisch und bedürfnistheoretisch fundiert. So etwas gab es nie.

2. LdL geht weiter als Freiarbeit und Lernstationen

LdL erzielt wesentlich tiefgreifendere Lernprozesse als die anderen diskutierten offenen Methoden, wie beispielsweise die Freiarbeit oder das Stationenlernen. Die Tatsache, dass der Stoff nicht nur individuell verarbeitet wird sondern anderen vermittelt werden muss, verdoppelt die Intensität der Verarbeitung, denn der Schüler muss die Inhalte nicht nur für sich aufnehmen, sondern selegieren (Komplexitätkompression) umgestalten und beim Vermitteln immer wieder an die Kognition der Mitschüler anpassen. Die Verarbeitungstiefe ist nicht vergleichbar mit der individuellen Aufnahme und der simplen Vorstellung (Präsentation) des Stoffes.

3. Mogelpakungen „Lernen durch Lehren“

Nicht jede Methode, die sich “Lernen durch Lehren” nennt, ist LdL. Der Begriff hat sich durch unsere Aktivitäten innerhalb der letzten 30 Jahren gut etabliert und auf diesem Erfolgshintergrund wird der Terminus für alles Mögliche herangezogen. So wird “Lernen durch Lehren” auch benutzt, um zu bezeichnen, dass ältere Schüler jüngere Schüler unterrichten. Dieses Verfahren ist eine Variante des Nachhilfeunterrichts, kann aber nicht die Bezeichnung “Lernen durch Lehren” verdienen. Was soll ein Schüler einer älteren Jahrgangsstufe an neuem Stoff lernen, wenn er die Inhalte einer früheren Jahrgangsstufe unterrichtet? Hier ein Beispiel für den Missbrauch dieses Begriffs:ardmediathek

Fazit: Bedrängt durch Melanie Gottschalk habe ich ein Produkt erstellt – nämlich den vorliegenden Beitrag -, das redundant eingespeist werden kann: „Was LdL nicht ist!“