Lutz Berger: „Interviews aus acht Jahren“. Und ich bin dabei!

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Für Christian Spannagel (zu seiner Frage, wie Senioren…)

Frage von Christian Spannagel: „Welche Möglichkeiten bietet das Web für Senioren, etwas zu lernen?

1. Ausgangspunkt

Senioren, wie alle anderen Menschen auch, lernen in Handlungsfeldern, in denen sie mit Problemen konfrontiert werden. Sie müssen permanent Problemlösungen generieren und konzeptualisieren. Nun werden bei Menschen, die im Beruf stehen, die Probleme kontinuierlich von Handlungskontext geliefert. Bei Senioren ist es anders. Wenn sie ihre Problemlösefähigkeit erhalten wollen, müssen sie selbst aktiv nach Problemfeldern suchen. Sie müssen ihre Mitarbeit in Parteien, Vereinen und sonstigen berufsähnlichen Vereinigungen anbieten. Früher war es kaum möglich für einen Rentner das Aktivitätsniveau zu erhalten, das er vor der Pensionierung hatte. Seitdem es Web20 gibt, besteht die Möglichkeit, dass er sein Wissen, seine Erfahrung und seine Energie in sein früheres Berufsfeld einbringt. Allerdings setzt es voraus, dass die Gesellschaft entsprechende Strukturen systematisch aufbaut und bereithält.

2. Was bieten Senioren?

Senioren verfügen in der Regel über umfangreiche Erfahrungen und Wissen in einem Bereich. Während ihr aktives Berufsleben war es für sie zeitlich schwierig, über ihre Erfahrungen vertieft zu reflektieren, denn sie standen unter Handlungszwang. Im Rentenalter haben sie die Zeit, die Erfahrung zu Strukturwissen umzuformen. Beispielsweise habe ich mich selbst im Laufe meines Lebens viel mit Philosophie befasst, aber diesen Stoff habe ich nie durchdringen und zu klar strukturiertem Wissen umformen können. Jetzt habe ich die Zeit dazu. Und ich habe auch die Zeit, die Quintessenz meiner Reflexion weiterzuvermitteln.

3. Welche Aufgabe für Senioren?

– Man könnte Senioren mit kleineren Konzeptualisierungsaufgaben betrauen, wie das vor kurzem Lutz Berger mit mir getan hat oder Christian Spannagel gerade mit mir tut. Sie stellen mir eine Frage und ich nehme mir die Zeit, sie zu beantworten. Auch so wird Wissen konstruiert

– Man sollte sie aber auch in kleinere Projekte einbinden, damit sie sich nicht nur mit Theorie befassen sondern auch konkrete Probleme im Feld lösen müssen. Das geschieht für mich beispielsweise im Rahmen meiner Arbeit bei den Grünen.

Fazit Mit dem Web eröffnen sich also Möglichkeiten, Senioren in den allgemeinen Arbeitsprozess weiter einzubinden. Dazu müssen allerdings entsprechende Strukturen systematisch aufgebaut werden.

Senioren. Lutzens Auftrag.

Resume Lutz Berger hat mir einen Videoauftrag erteilt. Den muss ich erledigen.

FÖRMLICHER ANTRAG AUF REFLEKTION + VIDEO ich stelle einen antrag auf einen antrag für eine reflektion über wie kann das (firmen- und organisationsspezifische) wissen von frisch aus dem beruf ausgeschiedenen senioren einer company oder organisation erhalten bleiben? meistens geht ja mit dem kopf das wissen und ein wichtiger hub im netzwerk von heute auf verloren. welche austauschmöglichkeiten zwischen den generationen gibt und gäbe es? was fällt dir/euch dazu ein? was hab ich vergessen?

1. Ausgangspunkt

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die froh sind, wenn sie nicht mehr im Arbeitsprozess stehen und endlich ihre Hobbies pflegen können. Wenn man aber seine Arbeit zum Hobby gemacht hat und sehr aktiv ist, bedeutet der Eintritt in den Ruhestand einen radikalen Bruch. Der gesamte Organismus mitsamt Gehirn wird stillgelegt. Es gibt Broschüren, die Senioren empfehlen, sich Neigungs-Gruppen anzuschließen, um Isolation und Regression entgegenzuwirken. Man sollte die Energie, die man braucht, um an neue Kreise Anschluss zu finden, nicht unterschätzen. Neulinge müssen über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügen und sich auf längere Einstiesgzeiten einstellen, bis sie akzeptiert werden. Wer nicht sehr hartnäckig ist, gibt nach ein paar Wochen auf. Pech gehabt! Ich selbst habe mich in der VHS, bei den Grünen und im Bürgertreff angedienert.  Überall wurde ich sehr freundlich empfangen, aber trotzdem musste ich Rückschläge einstecken und mich bewähren.

2. Die Gefahr

Aus meiner Sicht ist die kritische Periode die Phase des Übergangs von der Hyperaktivität in den plötzlichen Ruhe-/Stillstand. Wer hier nicht powert, um im Rhytmus zu bleiben, verliert sehr rasch den Anschluss. Hier muss man also multipolar und neuronenartig abfeuern, ob man die Lust dazu hat oder nicht. Am besten führt man seine beruflichen Aktivitäten fort, nur dass man dies ohne Bezahlung und in anderen Kontexten tut. Und hier, wie bereits oben beschrieben, soll man sich nicht einbilden, dass man sofort unbesehen mit offenen Armen aufgenommen wird.

3. Was die Gesellschaft machen kann

Unternehmen und Institutionen sollten von sich aus ihre Senioren weitervermitteln, falls sie dies wünschen. Wie man Studenten nach dem Studium plaziert, sollte man dies mit Senioren tun.  Zum Abschied wäre ein Mitarbeitergespräch angesagt, bei dem die Firma dem Ruheständler verschiedene Angebote unterbreitet, wo er sich ehrenamtlich einbringen kann. Im Augenblick wird dies in kleinen Mengen von staatlichen Agenturen geleistet. Wie wäre es, wenn jede Institution, jedes Unternehmen seine Senioren in Hilfsprojekten unterbringen würde?

Fazit Danke Lutz, dass du mich gefragt hast. Ob man mit meiner Idee etwas anfangen kann, weiß ich nicht. Mir hätte es auf jeden Fall geholfen, wenn die Eichstätter Uni mich von sich aus nach Äthiopien oder Benin geschickt hätte, um dort pädagogische Projekte durchzuführen.

Skype und meine neuen Arbeitsstrukturen

Resume Aus Gesundheitsgründen habe ich mich vom realen Unterricht verabschiedet. Eine neue Arbeitsstruktur ist gerade dabei zu entstehen.

1. Ich weiß was, was du nicht weißt

Natürlich hat es wenig Sinn, wenn ich mich überall zu Wort melde, ohne über einen Wissensvorsprung in einem relevanten Bereich zu verfügen. Aufmerksamkeit kann ich nur erwarten, wenn ich was Neues zu erzählen habe. Meine Produkte sind

Lernen durch Lehren: nach wie vor gibt es viele Menschen im Bildungssystem, die LdL nicht kennen oder die sich näher mit dieser Methode und deren theoretischen Hintergründen befassen wollen.

Internetkommunikation: auch wenn das Thema Hochkonjunktur hat und jeder sich als Experte fühlt, in diesem Bereich arbeite ich seit 1996 sehr intensiv, sowohl mit Schülern und Studenten, als auch mit Kollegen aus der Wissenschaft. 2001 habe ich zum Beispiel ein Projekt durchgeführt, bei dem ich mich von einer Community durch New York führen ließ. Das war lustig und damals sehr innovativ. Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch mit Mitarbeitern das Modul „Internet- und Projektkompetenz“ ins Leben gerufen, das heute von Michael Kratky erfolgreich weitergeführt wird. Vor anderthalb Jahren wurde ich von Steffen Büffel als Experte zum ersten Educamp eingeladen und das hat meine Arbeit seit diesem Zeitpunkt stark geprägt, insbesondere durch meine Bekanntschaft mit Christian Spannagel, Alexander Rausch, Lutz Berger und Michael Wald. Seit einigen Monaten versuche ich die Ingolstädter Grünen in diese Richtung zu beeinflussen, in der letzten Zeit mit besonderem Erfolg.

Insofern weiß ich was, was andere (noch) nicht wissen.

2. Neue Arbeitsstrukturen

Da ich gesundheitsbedingt aus dem realen Unterrichtsgeschehen herausgerissen wurde, sitze ich relativ viel zu Hause, allerdings mit täglichen morgendlichen Ausflügen ins Schwimmbad (ich hoffe, ich halte es konsequent durch).  Was ist naheliegender als Interessenten zu bieten, dass ich mich per Skype in Unterricht und sonstige Veranstaltungen einbringe? Natürlich verlangt es, dass ich besonders aktive und engagierte Partner finde.

– Mit Björn aus Bergen (Norwegen) wurde bereits ein Projekt in diesem Sinne gestartet. Am letzten Mittwoch habe ich mich per Skype in eine Veranstaltung an seiner Schule eingemischt. Für Dezember ist geplant, dass ich eine Französischklasse in Bergen zwei Doppelstunden nach LdL per Skype unterrichte. Die entsprechenden Texte liegen mir bereits vor.

– Heute Vormittag haben Oliver Tacke und ich geplant, dass ich nächste Woche per Skype in einer seiner Kursen Fragen seiner Studenten zu LdL beantworte.

Prinzipiell ist es möglich, dass alle, die weltweit an LdL interessiert sind, mich bitten, per Skype (Adresse: jeanpolmartin) mit ihren Schülern, Studenten und Kollegen in Kommunikation zu treten.

Fazit Mit wenig Aufwand kann man mithilfe von Skype Erkenntnisprozesse sehr rasch, weltweit auslösen. Ich warte auf weitere Anfragen!

Leidensdruck als Erkenntnismotor

Resume Am meisten wird unter Leidensdruck konzeptualisiert. In der Schulpraxis wird mehr innoviert als an der Universität, denn in der Schule ist das Leiden größer.  Die Didaktiker sollen diese Innovationen aufdecken und bekannt machen.

1. Innovationen aus der Praxis werden von der Uni ignoriert

In der Schule muss jeden Tag innoviert werden. Wenn ein Lehrer seine Schüler drei Monate unterrichtet hat, hat er meist sein Pulver – zumindest methodisch – verschossen. Er muss sich immer was Neues einfallen lassen. Auf LdL kam ich, weil ich darunter litt, dass meine Schüler stumm blieben und ich permanent in Aktion war. Als LdL von den Schülern angnommen und automatisiert war, musste was Neues ran. Ich ließ sie Projekte durchführen, im Unterricht und außerhalb. Das war bald nicht mehr reizvoll genug. Dann ließ ich sie forschen, also empirische Untersuchungen durchführen, meist auf Reisen und in Paris. Sie konstruierten neues Wissen. Aber auch das war nicht genug. Ich ließ sie das von ihnen erstellte Wissen im Rahmen von Workshops auf Fortbildungsveranstaltungen an Französischlehrer vermitteln. Das war alles noch vor dem Aufkommen des Internets.  Die Schüler konnte ich nie satt bekommen. Sie trieben mich immer voran. Unter diesem Leiden musste ich immer wieder Neues erfinden! Seit 1996 verwende ich das Internet intensiv. Das ist ein Ausweg, um den immer gieriger werdenden Schülern neue Handlungsfelder zu eröffnen. Rezipiert wurde das in der Universitären Didaktik kaum.

2. Die Bildungsexpedition

In seinem Film „Treibhäuser der Zukunft“ hat Reinhard Kahl auf viele Innovationen aufmerksam gemacht, die in der Schulpraxis entstanden. Er hat eine Reise durch die Bundesrepublik gemacht, um zu zeigen, dass auch in Deutschland vieles geschieht, unbemerkt von der Universität und der Öffentlichkeit.  Reinhard Kahl ist kein Pädagoge, sondern ein Journalist. Aber jetzt gibt es einen Hochschuldidaktiker, der ebenfalls quer durch unser Land reist und die stillen Helden des Alltags interviewt und bekannt macht.  Das ist Christian Spannagel, unterstützt von Lutz Berger und Melanie Gottschalk sowie eine Reihe von Passionierten, die je nach Parcours zu- oder aussteigen.

3. Leidensdruck auch in der Bildungsexpedition?

Nun hat Christian gestern erwähnt, dass auch die Mitglieder der Bildungsexpedition angesichts des sehr strapaziösen Reisedesings leiden. Gerade weil sie unter harten Bedingungen arbeiten, werden sie viele, relevante Erkenntnisse hervorbringen. Auch Alexander von Humboldt hatte es nicht leicht!

Hier Christians Statement.

FazitEs ist nicht ausgeschlossen, dass interessante Erkenntnisse am Schreibtisch entstehen. Aber es ist fast sicher, dass neue, aufregende Erkenntnisse im Leidensfeld generiert werden.

Wie eine Sau.

Resume Im Augenblick fühle ich mich wie eine Sau, die gerade 15 Ferkel abgeworfen hätte (normal: 13,1). Glücklich, aber erschöpft. Und das kam so:

1. Guido Oebels Publikation

Guido Oebel, Professor für DaF in Saga (Japan) hat eine Anthologie zu LdL herausgegeben. An sich schon was Tolles für mich, zumal mit der sehr warmherzigen Widmung und dem ebenfalls sehr liebevollen Porträt durch Joachim Grzega.  Der Sammelband enthält unter anderem einen längeren Aufsatz von Michael Kratky, der auf seiner Examensarbeit fusst und meine ganze Theorie ohne Rest wiedergibt. Ähnliches gilt für Johannes Guttenberger, der bei mir im Leistungskurs war und seine Facharbeit darüber verfasst hat. Auch er hat meine Theorie und Praxis ohne Rest aufgenommen.

2. Der vorliegende Blog

Motiviert und angeregt durch die Leser konnte ich innerhalb von ein paar Monaten meine ganze Theorie und Praxis ohne Rest in diesem Blog veröffentlichen. Insbesondere war mir auch möglich aufzuzeigen, welches wissenschaftliche Programm Joachim Grzega und Christian Spannagel auf sich genommen haben mit ihrem Entschluss Aktionsforschung zu betreiben. Ferner konnte ich das Interesse von Denkpartnern wie Michael Wald, Torsten Larbig, Maik Riecken oder Dörte Giebel nachhaltig gewinnen, so dass auch hier wichtige Theorielemente rezipiert werden. Von Apanat ganz zu schweigen, er begleitet und motiviert mich seit Jahren.

3. Der LdL-Tag in Ludwigsburg

In Ludwigsburg hatten Christian Spannagel und seine Studenten eine ideale Bühne vorbereitet. Dort konnte ich im Abschlussvortrag umgeben von allen meinen Lieben alle meine Essentials vorstellen, ohne Rest, ja sogar mit einer guten Portion „too much“ (ich ließ mich von der Stimmung mitreißen und das war nicht so gut…:-))! Und Lutz Berger filmte das Ganze sogar, so dass ich definitiv das Gefühl gewinnen konnte: nichts, von dem, was ich in der Praxis erlebt und in der Theorie konzeptualisiert habe, bleibt irgendwo in einer Schublade. Ohne Rest!

Fazit: Das bedeutet nicht, dass ich nicht weiter arbeite (Senioren in Ulm, 11c, Grüne, nächstes Jahr Leistungskurs und Projektseminar, usw.) Aber „alles ist raus“!

Heute in Ludwigsburg: Synergierausch?

Heute besteht eine gute Chance, dass wir in Ludwigsburg einen Synergierausch erleben:

Wenn eine große Anzahl von Neuronenensembles in Resonanz geraten, wird es im Gehirn als Flow dekodiert. Analoges geschieht im Unterricht, wenn vor dem Hintergrund eines hohen gemeinsamen Wissenssubstrats Inhalte im Rahmen intensiver themenzentrierter Interaktionen aktiviert und in Konvergenz gebracht werden. Die Konvergenz anspruchsvoller, von allen nachvollziehbaren Gedanken führt zu einer Symbiose aller Beteiligten, die Resonanz in den einzelnen Individuen und in der Gruppe bewirkt. Dieses Phänomen kann man auch bei kollektiven Events wie Konzerten oder politischen Veranstaltungen beobachten. Sowohl das Klassenzimmer als auch das Internet eröffnen die Möglichkeit, aus ganz unterschiedlichen Quellen Synergien zu bilden, die dem Einzelnen eine Zufuhr von Impulsen in sehr rascher Abfolge abliefern. Wenn beispielsweise eine gemeinsame Terminologie („Ressourcenorientierung“, „Emergenz“, „Aufmerksamkeitsökonomie“, „Resonanz“, „Neuronale Netze“) im Zusammenhang mit der gemeinsamen Durchführung von Projekten in einem Raum aktiviert wird, dann geraten die interagierenden Akteure in Resonanz und dies wird emotional als Flow empfunden. Wenn aber dieses Gefühl der Übereinstimmung dank des Internets an ganz unterschiedliche Orten international und synchron ausgedehnt wird, dann kann die Partizipation zu einer Art Synergierausch führen.

Aus: Jean-Pol Martin (2009): Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität. In: Guido Öbel (Hg.)(2009): LdL (Lernen durch Lehren) goes global: Paradigmenwechsel in der Fremdsprachendidaktik unter Beruecksichtigung kulturspezifischer Lerntraditionen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 115-127