5. und letzter Hangout im #LdLmooc2

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Marcus Birkenkrahe zum #LdLmooc2

Marcus Birkenkrahe

Dem Gesagten möchte ich mich anschließen: für mich war das eine ganz großartige Erfahrung. Zu der gehörte auch, dass ich zum ersten Mal auch online zwischen TN und Panelist/Dozent hin und herwechselte…ein bisschen wie im invertierten Klassenzimmer, ein bisschen wie bei LdL. Ich fühlte mich eigentlich die ganze Zeit wie ein Studierender, der in einer Studierendengruppe (mit Jeanpol als dem Lehrer im Hinter und manchmal im Vordergrund) den Unterricht macht! Ich glaube, das wird mir bei weiteren Anwendungen sicherlich helfen, wie auch schon meine MOOC Erfahrungen vor diesem tollen MOOC.

Außerdem auch von anderen viel gelernt — Monika Königs konsequente Art der Einbeziehung anderer und ihre Gabe und Fähigkeit, Energiespitzen zu erzeugen, möchte ich hervorheben, und auch Hajo Jürgens angenehme, weil bedächtig-nachdenkliche, von forschenden Gesichtspunkten mit-geleitete Haltung.

Und schließlich gab es eine Gruppe von AktivistInnen hinter und vor dem Vorhang, auf Tiwtter, hier und im Hangout, deren Enthusiasmus die Veranstaltung wirklich getragen hat, genau wie eine Lehrveranstaltung von den Studierenden getragen werden muss, sonst arbeitet man sich „vorne“ doch tot.

Die beiden noch ausstehenden Aktionspunkte bzw Aufgaben werde ich nachholen. Ich hoffe, für einen permanenten LdLMOOC findet sich ein Zuhause. Für Online-LdL stehe ich als Panelist, Blogger usw. auch gerne weiterhin zur Verfügung. Das Ganze hat solchen Spaß gemacht!

Bleibt im Kontakt!

Raffaelina Rossetti: Haltung enorm verändert!

Raffaelina Rossetti 18. November 21:23
Die letzten Tage habe ich mich mit einem ganz anderen, für mich sehr wichtigem Thema intensiv beschäftigt und dabei habe ich bemerkt, dass mich LdL in meiner Haltung stark begleitet hat. Ich bin ganz anders an die Sache herangegangen wie vor einem halben Jahr noch. Die Beschäftigung in den beiden LdLMoocs hat meine Haltung enorm verändert, wobei ich noch nicht ganz sicher die genauen Punkte identifizieren kann. Es ist auf jeden Fall ein größerer Mut und ein stärkeres Selbstvertrauen entstanden, auch unbekannte Themengebiete in Angriff zu nehmen, exploratives Verhalten bewußter einzusetzen und dabei in Handlungen umzusetzen und nicht nur im Gedankenspiel hängen zu bleiben, nur weil es vielleicht noch nicht perfekt ist. Flow-Erlebnisse als Belohnung, ein Verlangen nach weiterem explorativem Verhalten sind deutlich spürbar für mich. Die Theorie und ihre Umsetzung beschäftigen mich seit Wochen täglich mit wachsender Begeisterung.

Sabine Strauss: LdL erfordert Übung!

Sabine Strauss:

LdL erfordert Übung – sowohl von Schülern, als auch vom Lehrer. Vielleicht funktioniert in einer Klasse das Aktive Zuhören wunderbar, trotzdem sind sich die Schüler zu unsicher, was ihre Inhalte betrifft. Oder ungekehrt. Oder…
In einer Schulstunde mü
ssen viele kleine Rädchen – einer Klasse entsprechend – neu justiert werden, jeder Lehrer weiß das, so extrem wie bei LdL habe ich das aber noch nie erlebt. Für mich ist das allerdings ein Qualitätsmerkmal und nichts anderes, als die logische Konsequenz aus einem schülerzentrierten Unterricht.
Meine Zwischenbilanz aus dem letzten und diesem Schuljahr aus fünf Klassen (10, 11 und 12), die ich gerne zur Diskussion stelle und die zunächst nur den Einstieg in den Unterricht mit LdL betrifft :
• Die ersten LdL Stunden mit den Schülern gemeinsam vorbereiten,
um Fragen zu klären, sowohl was die Inhalte, als auch die
Vermittlungstätigkeit betrifft
• LdL als Hausaufgabe nur mit kleinen, sehr überschaubaren
Inhalten
• Schüler teilhaben lassen: LdL Theorie besprechen
• Sich seiner Lehrerrolle immer bewusst sein:
Für Empathie den lehrenden Schülern gegenüber sorgen (Tipps
geben, wie unaufmerksame Schüler z.B. durch direkte Ansprache
wieder mit „ins Boot“ geholt werden können, Lautstärke in der
Klasse thematisieren, etc.)
Unterbrechen, wenn Schüler ihre Rolle missverstehen und ein
Referat halten, zur Not vormachen oder in der Klasse nachfragen,
wie die Aufgabe besser gelöst werden könnte.
• Schlecht vorbereitete Schüler den Unterricht trotzdem halten lassen,
ohne diese vorzuführen (d.h. mit viel Unterstützung)
• Nicht entmutigen lassen, wenn LdL nicht gleich „einschlägt“: Mit der
Klasse bzw. dem Kurs darüber sprechen, was Schwierigkeiten
bereitet – es sind häufig nur Nuancen, die geändert werden müssen

Was meint ihr?

Information zu Wissen transformieren im LdL-Diskurs (auch online).

Isabelle Schuhladen Lebourhis hat mich an diese Passage erinnert (aus dem Blogeintrag: „Legitime Selbstreferentialität„):

Das Arrangement im Klassenzimmer orientiert sich an der Gehirnstruktur. Zwischen den Lernern, die metaphorisch als Neuronen eingesetzt werden, entsteht durch intensive Interaktionen eine Vernetzung mit entsprechenden Netzwerkeffekten (Reaktionsschwelle, Selbstreferenzialität, Resonanz, Redundanz). Im Rahmen dieser Interaktionen werden Informationen zu Wissen veredelt, indem permanent relevante aus irrelevanten Informationen selektiert werden und zur nächsthöheren Instanz zur Bearbeitung weitergeleitet werden (Komplexitätsreduktion). Wie im Gehirn entstehen aus diesen Interaktionen Emergenzen, es wird Wissen kollektiv konstruiert. Während im instruktionistischen Modell man es mit Linearität a priori zu tun hat, entsteht bei LdL Linearität a posteriori. Oberstes Prinzip ist die Ressourcenorientierung, denn die Informationen, die zur Wissenskonstruktion benötigt werden, stammen entweder aus den Lernern selbst, oder aus der Umwelt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass der Klassenraumdiskurs in großer Konzentration erfolgt, damit alle Informationen erkannt und verarbeitet werden (Aufmerksamkeitsökonomie, Reaktionsschwelle).

Immersion. Marcus Birkenkrahe.

IMMERSION
Mit seinem Blogeintrag öffnet Marcus Birkenkrahe den Weg zu einer wissenschaftlichen, systematischen Beschreibung von LdL als Methode für Online-Angebote.
Ganz wesentlich erscheint mir das für LdL zentrale Ziel, Immersive Strukturen als Lernumwelten anzubieten:

„In LdL ist es die schrittweise Vertiefung des Lernens sowohl auf Seiten der lehrenden Schüler/Studenten, als auch auf Seiten der be-lehrten Schüler/Studenten, die mich am meisten an diese Immersion erinnert. Einen Konflikt kann ich hier also theoretisch ebenfalls nicht erkennen. Für eine weitergehende Instrumentalisierung des Begriffes Immersion im Rahmen von LdL fehlen mir hier Wissen und Zeit. Summarisch sagt mir mein Gefühl und meine bisherige (äußerst begrenzte) LdL Erfahrung, dass der LdL Ansatz sich sogar besser eignet, um über Vertiefung Immersion herzustellen.“
http://birkenkrahe.com/wordpress/ldl-online/

Marcus Birkenkrahe: LdL als Methode für Onlinecourse.

[Text meines Vortrags beim Hangout zum 2. LdLMOOC am 3.11.2014. Mitschnitt (Google+) | Text (PDF) | Präsentation (Slideshare) — danke an Lena Zauner, Jean-Pol Martin, Monika E. König und Peter Ringeisen!].


LdL-Online – 3.11.14

Jetzt wird es also allmählich ernst: die Sitzung beginnt in viereinhalb Stunden, und ich muss mir jetzt überlegen, was ich im Verlauf von ca. einer halben Stunde zum Thema “Lernen durch Lehren in Online Veranstaltungen” eigentlich zu sagen habe bzw. sagen möchte.

Ich werde mal so vorgehen, dass ich zunächst das Verhältnis von LdL (“Lernen durch Lehren” nach Jean-Pol Martin) und online Lehre allgemein beleuchte, d.h. für das sog. Blended Learning (Präsenzlehre im Zentrum, Online als Erweiterung); dann mache ich einige Bemerkungen zu dem Thema, das mich gegenwärtig persönlich am meisten umtreibt, nämlich reine Online Lehre.  Am Schluss dann noch mein aktuelles Projekt (“Research Methods for Androids“) als Beispiel.

In jedem der Abschnitte werde ich, wo es passt, ein paar Thesen absondern, die ich dann am Schluss noch einmal zum Zweck der Diskussion in der Übersicht zeige.

LdL und Online beim Blended Learning

Zurzeit der ersten Publikationen von Martin und anderen (Mitte der 1980er) war das Netz mit all seinen Möglichkeiten und Einschränkungen weder in Schule noch Universität auf breiter Front angekommen.

Trotzdem nimmt LdL diese Möglichkeiten und Einschränkungen des Netzes bereits auf verschiedenen Ebenen voraus – das ist auch gleich meine erste These:

Neuronenmetapher = Netzrealität

Die “Neuronenmetapher” ist vom Präsenzunterricht nicht nur leicht auf eine Netzsituation erweiterbar, sondern sie zeigt hier erst ihre wirkliche Macht. Die Essenz dieser Metapher ist für mich, dass die traditionelle Dynamik Schüler-Lehrer oder Student-Dozent durchbrochen wird. Indem alle Teilnehmer der Lehr- (und Lern!) Veranstaltung als (definitionsgemäß gleichwertige) „Neuronen“ gesehen werden, werden ganz neue Verhaltensmuster möglich. Gleichzeitig wird die traditionelle Dynamik nicht einfach radikal abgeschafft. Man könnte diese Metapher noch weiter entwickeln (vielleicht haben Martin oder andere das auch getan?) und mit einbauen, dass es ja durchaus völlig verschiedene Typen von Neuronen gibt – d.h. das Rollenkonzept lässt sich auch berücksichtigen ohne dass man die Metapher verlässt.

Bevor ich mich aber in abstrakten Überlegungen verliere, hier zur Übung und zur Gewöhnung ein Beispiel. Bei den Beispielen werde ich mich auf die im deutschen Wikipedia LdL-Eintrag auffindbare Tabelle „die Klasse als neuronales Netz“ beziehen1.

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