Nicht Medienfachleute, Lehrer schaffen Sinn

Resume Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Medienfachleute die Schule verändern werden. Die Lehrer tun es. Mit ihrer Hilfe.

1. Cervus war erstaunt

Am Ende der Bildungsexpedition stellte Cervus fest:

„Ich entwickle im Laufe der Bildungsexpedition ein größeres Verständnis für und Hochachtung vor Lehrern. Auch den internetoffinen. #be09“

2. Lehrer schaffen Sinn

Die Aufgabe des Lehrers ist es, der Kommunikation in und außerhalb des Unterrichts eine Richtung zu geben. Es geht darum, gemeinsam lebensrelevantes Wissen zu schaffen. Natürlich leiten die neuen Kommunikationsmöglichkeiten den Paradigmenwechsel ein. Aber es sind nur Instrumente. Die Aufgabe des Lehrers ist es, seinen Schüler und Studenten Problemfelder anzubieten. Und für die Optimierung der Kommunikation sind Medienfachleute sehr hilfreich.

Fazit: Kommunikationstools hin oder her. Dem Lehrer bleibt die Aufgabe, Sinn zu schaffen. Er muss seinen Schülern helfen, Problemräume zu definieren und anzugehen.

„I have learned so much from doing this project“

Resume: Bulgarische, deutsche und amerikanische Studentinnen kommen virtuell zusammen, forschen gemeinsam 2 Monate lang und publizieren ihre Ergebnisse im Internet (Powerpoint). Das ist bestpractice.

1. Anspruchsvolle Ziele zwingen zur intensiven Kommunikation

Im Rahmen des Moduls „Internet- und Projektkompetenz“ (IPK) kommen Studentinnen aus verschiedenen Ländern zusammen und konstruieren gemeinsam fachbezogenes, neues Wissen. Ich nehme als Beispiel den aktuellen IPK-Kurs: es handelt sich um 60 Lehramtsstudentinnen aus Bulgarien, den USA und Deutschland, die im Fach Grundschulpädagogik gemeinsam Forschungsfragen angehen. Einige von ihnen gewählten Themen sind: „Open education“, „Types of instruction and learning theories“, „Interaction between children and nature“, „The teachers (emotional) influence on first graders“. Um solche Themen allein oder in einer kleinen Arbeitsgruppe zu behandeln, wäre in einem normalen Seminar kein großer Abstimmungsaufwand notwendig. Ganz anders in einem internationalen, virtuellen Seminar. Es muss intensiv kommuniziert werden, ob man das will oder nicht.

2. Fünf Abstimmungsphasen und der permanent auszuübender Druck

Nach einer ersten Phase der Euphorie („I am really excited to be working on this project with my group!!!!“) geht es an die Arbeit:

– Die Studentinnen müssen sich auf einem ZUM-Forum vorstellen: Wie geht das? Wie melde ich mich an? Wieso habe ich noch keine Anmeldebestätigung erhalten? Mein Beitrag ist verschwunden, wo ist er nun? Muss es überhaupt sein, die blöde Anmeldung?

– Die Studentinnen müssen sich eine Benutzerseite in der Wikiversity einrichten: Wie geht das? Wie melde ich mich an? Wie lade ich mein Foto hoch und muss es überhaupt sein? Muss es überhaupt sein, die blöde Wikiversity-Benutzerseite?

– Die Studentinnen müssen sich austauschen und sich über ein Thema einigen: Wie geht das? Wo finde ich Leute, die mein Thema bearbeiten wollen? Ich habe eine Frage ins Forum gestellt und keiner antwortet! Sorry, ich bin im falschen Forum! Muss es überhaupt sein, das ganze im blöden Forum zu machen, geht es nicht per Mail?

– Die Studentinnen müssen eine Gruppenseite einrichten, damit der Prozess nachvollziehbar ist und die Ergebnisse gesammelt werden können: Wie geht das? Das genügt doch, wenn wir unsere Benutzerseiten haben! Ich habe nicht nur diese Projekt, ich habe auch andere Verpflichtungen! Muss es unbedingt sein, diesen blöden IPK-Kurs zu machen?

– Die Studentinnen müssen am Ende ihrer Forschung eine Powerpoint gemeinsam erstellen: Wie geht das? Das genügt doch, wenn die Ergebnisse in der Gruppenseite stehen! Muss es unbedingt sein diese blöde Powerpoint erstellen und präsentieren?

Fazit: Nach zwei Monaten intensiver Arbeit und oft – kulturell bedingt – konfliktreicher Kommunikation haben 60 Studentinnen international neues Wissen konstruiert:I have learned so much from doing this project„.

Kommunikation als Kickspender und Verführung! Auf die Ziele kommt es an!

Resume Kommunizieren macht Spaß, sehr viel Spaß! Oft vergessen Menschen, dass die Kommunikation nur dazu dient, zusammen mit anderen bestimmte Ziele zu erreichen. Auch die Kommunikation über Kommunikation ist noch kein relevanter Inhalt. Oh je!

1. Warum im virtuellen Raum soviel kommuniziert und sowenig realisiert wird

Ich habe bereits beschrieben, dass der Vorgang der Informationsverarbeitung durch den Organismus belohnt wird. Es macht Spaß, Informationen zu verarbeiten, sonst würde das Lebewesen dies nicht tun und bald nicht mehr mit der Umwelt klar kommen. Wie alle anderen Lebensfunktionen, die im Sinne der Lebenserhaltung viel Spaß machen müssen, damit wir es überhaupt tun  (z.B. auch Nahrungsaufnahme und Geschlechtsverkehr) ist die Aufnahme von Informationen hochgradig suchtinduzierend. Das kann man beispielsweise an der Videospielsucht beobachten. Wenn Menschen sich also vornehmen, gemeinsam ein bestimmtes Ziel zu erreichen, und dafür viel zu kommunizieren, ist die Gefahr immer gegeben, dass sie anfangen, permanent zu kommunizieren und dabei vergessen, warum sie es tun. Oder sie können sich auch ein gutes Gewissen verschaffen, indem sie über die Optimierung und Verbreitung von Kommunikationsmitteln kommunizieren, auch wenn sie für das zu erreichende Ziel ausreichend mit einem Telephon und einem Blatt Papier versorgt wären. Natürlich spreche ich hier nicht von den Menschen, die von berufswegen über Kommunikation reflektieren. Das ist ja ihr Job! Für sie, und nur für sie ist die Gestaltung von Kommunikationsmitteln der Inhalt. Alle anderen, insbesondere Lehrer, benutzen Kommunikationsmittel um mit ihren Schülern Inhalte zu barbeiten, im Idealfall sogar gemeinsam zu konstruieren. Da das eventuell festgelegte Ziel immer wieder aus den Augen gerät, lösen sich communities immer wieder auf und es bilden sich neue, ohne dass die Kommunikation gestört wird. Man rennt von einem Kommunikationsrausch zum anderen mit wechselnder Party-Besetzung.

2. Wikipedia als Gegenmodell: gemeinsame Wissenskonstruktion

Bei Wikipedia ist das Ziel sehr klar definiert: es wird gemeinsam Wissen konstruiert. Dieses Wissen wird in Form von Artikeln gespeichert. Alles andere ist zweitrangig. Jeder weiß, was von ihm erwartet wird, nämlich dass er sich an die strengen Regeln der Wikipedia-Arbeit hält: „wir erstellen eine Enzyklopädie, basta!“.  Zur Konstruktion von Artikeln wird natürlich sehr intensiv kommuniziert, aber dies erfolgt über ganz einfache, mintunter spröde Tools. Beim Schreiben von Artikeln ist die Autorenbesetzung zwar nicht durchgängig stabil, aber oft bilden sich Gruppen von zwei oder drei Autoren, die über Jahre hinweg an ihren Artikeln arbeiten. Natürlich kann man auch im Rahmen der Wikipedia Suchtverhalten entwickeln und sich dem Kommunikationsrausch hingeben, aber dies geschieht eher im Bereich der Wartung, insbesondere des Suchens und Stellens von Vandalen, oder in der Abwehr von Trolls. Wikipedia nenne ich deshalb ein „Gegenmodell“ zu Twitter und Blogs, weil die hedonistische Komponente fehlt. In der Wikipedia werden in spröder kommunikativer Ambiente außergewöhnliche Zielorientierung, Nachhaltigkeit und Durchhaltevermögen mobilisiert.

3. Der dritte Weg: die IPK-Struktur (oder Neuron)

In der Twitter/Blogger-Welt wird der Schwerpunkt auf den Akt der Kommunikation und der Vernetzung gelegt. Bei Wikipedia steht die Zusammenstellung und Präsentation des existierenden Wissens im Vordergrund.  Das IPK-Modul (auch Neuron-Konzept) bemüht sich um die Integration der beiden Komponenten, indem nicht nur wie in der Wikipedia existierendes Wissen präsentiert wird, sondern Wissen im Rahmen von Projekten hergestellt wird: Menschen kommen zusammen, definieren einen Bereich, über den sie Wissen erstellen wollen, entwickeln ein entsprechendes Design, führen das Projekt durch und speichern das gewonnene Wissen ins Netz. Sie lernen also zu kommunizieren, indem sie gemeinsam Wissen erstellen.

Fazit Kommunizieren lernt man am besten im Rahmen von Projekten mit dem Ziel, relevantes Wissen gemeinsam zu konstruieren. 

Ich weiß was, was du nicht weißt: wie bringt man Menschen zum Kommunizieren?

Resume: Um Probleme zu lösen, müssen wir ununterbrochen neues Wissen konstruieren. In Einsamkeit geht das nicht. Zur Produktion von neuem Wissen, müssen Menschen kommunizieren. Wie motiviert man Menschen zu kommunizieren, um neues Wissen herzustellen?

1. Ausgangspunkt: eine kleine Alltagsinnovation

Menschen innovieren ständig in ihrem Alltag. Beispielsweise wenn sie ein neuartiges Kochrezept entwickeln. Sie teilen diese „Innovation“ in ihrem Umfeld mit und wenn das gut ankommt, werden sie durch das positive Feed-Back motiviert, ihre Innovation a) zu optimieren und b) zu verbreiten. Je besser das neue Wissensprodukt und je bedeutsamer für möglichst viele Menschen, desto positiver und umfangreicher die Rückmeldung und die Motivation, neues, möglichst für viele Menschen relevantes Wissen herzustellen. Genauso ist es mit LdL verlaufen: a) 1980 kleine Innovation im Französischunterricht (ich lasse meine Schüler sich selbst unterrichten), b) ich kommuniziere das in meiner Umwelt, c) sehr positive Reaktion in meiner Umwelt, d) Optimierung von LdL, e) Verbreitung etc.

2. Innovationen in Ketten

Wenn die Alltagsinnovation (wie LdL) eine größere Relevanz hat, befassen sich viele Menschen damit und es entsteht der Wunsch und der Zwang zur permanenten Verbesserung. Daraus entwickeln sich kleinere und größere Sub- oder auch Superinnovationen, Innovationen in Ketten. Als beispielsweise das Prototyp LdL aus meiner Sicht „Produktionsreife“ ereicht hatte, entwickelte ich zusammen mit anderen Leuten das IPK-Modul, das, wie LdL, auf die Konstruktion kollektiven Wissens abzielt. Auch diese Innovation wurde in meiner direkten Umwelt angeboten und schrittweise akzeptiert. Wir haben also a) ein neues, relevantes Produkt erstellt (IPK), b) dieses Produkt in der Umwelt kommuniziert, c) entsprechende Aufmerksamkeit erhalten und daraus die Motivation entwickelt, weitere Innovationen zu erstellen und an die Umwelt anzubieten.

3. Das Maschendraht/Neuron-Projekt

Es hat sich ergeben, dass Christian Spannagel und Lutz Berger auf meine Arbeit aufmerksam wurden. Beide sind sehr fitt und möchten die neuen Kommunikationsmittel im Bildungssystem verbreiten. Um einzuüben, wie man am besten die neuen Tools benutzt, brauchen sie auch Kommunikationsinhalte. Für mich ein Traum, denn ich konnte ihnen ein gutes Produkt (LdL + Theorie) anbieten, das sie zu Übungszwecken einsetzen. In Spannagels Umfeld entstanden die Kommunikationsplattformen Neuron und Maschendraht. Lutz Berger erstellte u.a. ein LdL-Podcast.

Fazit: Alles super und wenn der Vorrat an neuem Wissen verbraucht ist, brauchen wir neue, relevante Inhalte, die wir jetzt schon konstruieren müssen.

Und jetzt ist bloggen für mich angesagt

Nachdem ich intensiv Foren, Wikis und vor kurzem auch Twitter einsetze, ist nun der Blog dran. Ich hatte mir zwar in Ilmenau bereits eines angelegt, aber noch nicht gepflegt. Aber jetzt geht es richtig los!