Vernunft -> Erkenntnis -> Tugend -> Glück

Resume Ich halte mal fest, was mir bei meinem philosophischen Durchzieher auffällt.

Bei den meisten antiken Denkern bis einschließlich Boetius verläuft der Weg zum Glück nach folgendem Muster:

1. Wollen wir glücklich sein, müssen wir tugendhaft, also im Einklang mit der Natur leben. Um deren Prinzipien zu erkennen müssen wir die Realität richtig erfassen und dafür unsere Vernunft einsetzen.

2. Was bedeute aber Vernunft? Wie lässt sie sich erreichen? Bei Aristoteles ist sie für den Menschen konstitutiv. Menschsein bedeutet vernünftig sein.

3. Wollen wir unsere Vernunft einsetzen, um das Weltprinzip zu verstehen, so sind wir auf unseren Erkenntnisapparat angewiesen. Leider aber täuschen uns unsere Sinne: was wir von der Realität wahrnehmen ist nicht die Wahrheit. Das verlangt von unserem Gehirn hohe Adaptationsleistungen. Wie funktioniert unser Denken? Aristoteles versucht unsere Denkinstrumente zu beschreiben, die Art und Weise wie wir die Realität wahrnehmen und wie wir unsere Erfahrung kognitiv verarbeiten (z.B. mit Hilfe von Kategorien).

4. Das versuchen später auch u.a. Francis Bacon, Descartes und Kant.

Fazit Auf das Leben appliziert bedeutet es a) die Realität der Umgebung besser erfassen (hinter die Kulissen schauen), damit die Vernunft ein qualitativ besseres Material erhält, um b) die anstehenden Probleme zu lösen und Zufriedenheit zu erreichen.

Menschenbilder? Unsere Brillen. #educamp 2010

Resume Wir sind mit Erkenntnisbrillen ausgestattet.  Einige sind angeboren (Raum, Zeit und Kausalität), andere werden im Laufe unserer Sozialisation erworben. Auch unsere Menschenbilder sind Brillen. Können Grüne und Piraten dieselbe Brille tragen?

1. Ausgangspunkt

Wir benutzen in der Regel unsere Erkenntnisinstrumente automatisch und unhinterfragt. Dies gilt beispielsweise für die Anschauungsformen Raum und Zeit, oder für die Kategorie der Kausalität, wie dies Kant aufgezeigt hat. Die Art und Weise wie wir mit unserem Alltag umgehen, hängt von unseren Erkenntnisinstrumenten ab.  Je besser diese, desto höher unsere Glückschancen. Daher ist es von großer Bedeutung, dass wir von Zeit zu Zeit unsere Denkinstrumente prüfen und gegebenenfalls optimieren. Auch Menschenbilder sind Denkinstrumente, die  wir im Laufe unserer Sozialisation erworben haben: wir sollten sie hinterfragen, denn es macht für unseren Alltag einen großen Unterschied, ob wir beispielsweise Menschen prinzipiell als „gut“ oder prinzipiell als „schlecht“ betrachten.

2. Grüne und Piraten auf der Suche nach einem Menschenbild

Im Zuge des allgemeinen Paradigmenwechsels entstehen neue Parteien und es werden Basics redefiniert. Es erfolgt eine Neubesinnung auf die essentials, wie dies in einem anderen historischen Kontext bereits Descartes getan hatte oder eben Kant. Gibt es etwas, was wir über den Menschen wissen und was einen allgemeinen Konsens finden könnte, damit wir zumindest denselben Ausgangspunkt habe, wenn schon nicht dieselben Ziele?

3. Es hat sich ergeben…

dass auf unterschiedlichen Ebenen einige Piraten und einige Grüne dasselbe Menschenbild als Ausgangspunkt ihrer Überlegungen aufgegriffen haben. Im Falle der Grünen handelt es sich um den Kreisverband Ingolstadt, wo Lanig Garo ein ausgearbeitetes Menschenkonstrukt in die Homepage eingespeist hat. Innerhalb von zwei Wochen wurde es 1.200 mal angeklickt. Im Falle der Piraten geht es um ein Etherpad, das nach einem programmatischen Bundestreffen in Kassel eingerichtet wurde.

4. Was ich in Aachen diskutieren möchte

Auf dem Educamp in Aachen möchte ich aufzeigen, mit welchem Internet-Verhalten es gelingen kann, brisante Themen in relevante Gruppen einzuspeisen und diskutieren zu lassen. Die Teilnehmer werden überlegen, ob auch sie in ihrem Wirkungsbereich Themen einspeisen wollen und wie sie „taktisch“ vorgehen können.

Fazit Ab und zu sollten wir unsere Brillen ansehen und uns fragen, ob wir sie nicht optimieren oder gegen modernere austauschen wollen.

Nach Descartes und Kant, den Menschen neubeschreiben…

Resume Zu bestimmten Zeiten (Paradigmenwechseln) entsteht die Notwendigkeit, sich schwerpunktmäßig mit dem  Menschen und sein Denken zu befassen. Das haben beispielsweise Descartes und Kant getan. Heute besteht der Bedarf  erneut.

1. Descartes und Kant

Descartes wollte sich eines vergewissern: nehmen wir mal an, die Realität wie ich sie über die Sinne wahrnehme, sei nur eine durch einen schalkhaften Gott geschaffene Illusion. Worüber kann ich mir sicher sein? Eines weiß ich mit Bestimmtheit: dass ich denke und zweifle. Will ich sicheres Wissen über die Welt aufbauen, so muss ich bei Null beginnen und nur aus meiner Ratio heraus (beispielsweise über mein mathematisches, von Geburt an vorhandenes Wissen) logisch und stringent meine Welt konstruieren. Kant war der Ansicht, die Realität existiere auch außerhalb unseres Denkens, aber sie sei anders als wir sie wahrnehmen. Wir würden die Welt über unsere Sinne erfassen und diese seien wiederum an unser Menschsein gebunden. Anderes als Ameisen würde wir die Realität über die Brille der Kausalität sowie Raum und Zeit  begreifen. Descartes und Kant wollten sich mit dem Menschen als Subjekt der Weltinterpretation und mit den Bedingungen unserer Wahrnehmung befassen.

2. Heute

Angesichts der grundlegenden Transformationen, die unsere Welt erfasst, ist die Zeit gekommen, sich erneut mit dem Menschen zu befassen und ihn so präzise zu definieren, dass die für sein Glück notwendigen Lebensstrukturen aufgebaut werden. Wir wissen über die Funktionsweise des Menschen, seine Erfassung der Welt vielmehr als Descartes und Kant. Die Parteien und die Institutionen, die  mit dem Aufbau von Lebenswelten beauftragt sind, sollten sich intensiv mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen befassen. Heut liegt breites Wissen über den Menschen vor und es sollte eine Phase intensiver Rezeption dieses Wissens eingeleitet werden.

Fazit Die Zeit ist gekommen, eine breite Menschenbilddiskussion innerhalb aller Instanzen der Gesellschaft auszulösen!

Kant.