Dynamische Endlos-Vorlesung zur Weltverbesserung

Vorlesungen dienen in der Regel dazu, ein Lehrwissen, das von einem Wissenschaftler erarbeitet wurde, an die Hörer weiterzuleiten. Dies erfolgt linear und abgekoppelt von konkreten Handlungen, weil die sich weiterentwickelte Realität kaum Einfluss auf die Inhalte nimmt.

Bei der dynamischen Vorlesung ist es anders. Das von mir in den lezten dreißig Jahren erarbeitete Lehrwissen liegt vor und wird ebenfalls vermittelt. Allerdings geschieht es nicht-linear und als Antwort auf eine sich entwickelnde Situation (Weltverbesserungsprojekt, never ending story).

1. Das Lehrwissen liegt vor (Neuronenmetapher, LdL, anthropologisches Modell, Jesusmetapher, Glossar,…) wird aber im Rahmen eines größeren Projektes nach Bedarf eingespeist. Insofern ist die Dynamische Vorlesung nicht-linear.

2. Die dynamische Vorlesung entsteht im Dialog mit den Hörern, die jederzeit über Kommentare eine Vertiefung der Theorie verlangen können, sofern diese Vertiefung einer besseren Durchführung des Projektes dient. Insofern nehmen die Hörer stets Einfluss auf die Art des Stoffes, der ihnen vermittelt wird. Sie können auch durch Kommentare die Inhalte anreichern oder gar verändern.

3. Da die dynamische Vorlesung das theoretische Substrat zu einem Projekt liefert, der im Prozess begriffen ist, wird nur die Theorie eingespeist, die für den Fortschritt des Projektes nützlich ist, und keinen Satz mehr. Soviel Theorie wie absolut notwendig für eine erfolgreiche Praxis.

4. Die Praxis selbst nimmt sofort Einfluss auf die Qualität der Theorie, die ja kontinuierlich empirisch geprüft wird. Man erhält dadurch eine schlanke Praxis (nicht zuviele Irrungen dank der Theorie) und eine schlanke Theorie (kein Theorieüberhang).

Dies ist das ideale Setting für Aktionsforschung. Die Vorlesung wird weitergeführt, solange ich das Gefühl habe, dass ich damit zur „Weltverbesserung“ beitragen kann.

Artikel über mich von Reinhard Kahl in der ZEIT-online

Unterricht

Schüler als Lehrer

Man lernt am meisten, wenn man sein Wissen anderen erklärt. Warum wird in Schulen kaum danach gehandelt? Vierter Teil einer Spurensuche im Bildungstal

Im Leistungskurs Französisch steht Michaela vor der Klasse. Sie hält einen Vortrag über den Ursprung des Chansons auf den Schlachtfeldern des Mittelalters. Mit drei Mitschülern hat sie sich vorbereitet. Sie erzählen kleine Geschichten. Alles auf Französisch. Die Klasse ist konzentriert, ernsthaft und gelassen. Zuletzt entdeckt man hinten in der Ecke den Lehrer. Ein Lehrer? Eher ein Beobachter. Er unterbricht die Schüler selten. Doch sein Gesicht spiegelt das Geschehen an der Tafel wider. Lautlos spricht er Wörter von Michaela nach. Wenn sie nach den richtigen Ausdrücken sucht, schiebt er den Kopf vor und nickt ihr wie ein Magier zu. Wirkt das nicht, souffliert er.

Am Willibald-Gymnasium in Eichstätt unterrichten in den meisten Stunden die Schüler. Der Lehrer wirkt eher wie ein Regisseur. Er arbeitet mit den Darstellern am Drehbuch für die Stunden, coacht die Mannschaft. Hauptdarsteller will er nicht sein.

Der Lehrer ist Jean-Pol Martin, Professor für Französischdidaktik an der Katholischen Universität Eichstätt. Im Sommer wurde er pensioniert. Martin ist einer der Erfinder des Konzepts „Lernen durch Lehren“ (LDL). Weil man so etwas nicht am Schreibtisch entwickeln kann, unterrichtet er auch am Willibald-Gymnasium.

Die Schüler sind begeistert. Sie werden weniger unterrichtet als aufgerichtet. Aber verfestigen Schüler dabei nicht ihre Fehler? Martin nickt, erst nachdenklich, dann begeistert: „Genau, Fehler machen, das ist wichtig“, sagt er. „Ich will im Unterricht Widersprüche entstehen lassen.“ Wer das zum ersten Mal hört, runzelt die Stirn. Doch Martin setzt noch eins drauf. „Mein Unterricht schafft Unklarheiten. Der traditionelle Unterricht versucht immer nur, Klarheit zu schaffen.“ Letzteres sei auch nicht ganz falsch, räumt er ein, denn zum Lernen brauche man beides. Aber der entscheidende Rohstoff sei das Unfertige. „Menschen kommunizieren nur dann, wenn ihnen etwas nicht klar ist.“ Die Schüler müssten ihre Unklarheit selbst in Klarheit verwandeln.

Nach einem Vormittag bei Martin versteht man, warum gewöhnlicher Unterricht oft so bleiern ist. Schüler werden Tag für Tag mit Antworten auf Fragen zugeschüttet, gleichzeitig haben sie kaum Chancen, Fragen überhaupt zu stellen. Sie sollen kopieren und nicht wie bei Jean-Pol Martin nachahmen und improvisieren. Ein feiner, doch alles entscheidender Unterschied. Kopieren ermüdet. Manche verlernen dabei das Lernen. Und das ist gar nicht so leicht, denn unser Gehirn kann eigentlich gar nicht anders als lernen. Es ist, wenn man es ihm nicht abtrainiert, geradezu süchtig nach Neuem.

Jean-Pol Martin ist so alt wie Mick Jagger und hat ebenso viel Elan. Er gehört zu der seltenen Spezies subversiver Konstruktivisten und nicht zu denen, die erst einmal den totalen Systemumbau fordern, bevor sie selbst handeln. Stattdessen kultiviert er seinen radikalen Alltag. Er gibt keine Noten. Das lässt sich also auch in Bayern mit Eigensinn und Power durchsetzen, zumal wenn die Ergebnisse stimmen. „Noten sind Gift“, sagt Martin. Warum? „Wenn ich Noten gebe, dann induziere ich Angst.“ Stattdessen verlangt er von Schülern, sich auf Neuland zu begeben und Fehler zu machen. Nur eins dürfen sie nicht: vorgeben, etwas zu wissen, was sie nicht wissen. Das sei Dummheit. Stattdessen will Martin den Schülern die Sicherheit vermitteln, von der aus sie sich in Unsicherheit wagen.

Die hellwachen Jugendlichen in seinem Leistungskurs sind der beste Beweis, dass das funktionieren kann. Skeptiker strecken die Waffen, wenn sie hören, dass Martins Eleven im bayrischen Zentralabitur lauter Einser bekommen. Die Schüler können das selbst erklären: „Man passt viel besser auf, wenn Schüler statt Lehrer vorne sitzen und etwas erklären“, sagt Michaela. Andere ergänzen. Die Schüler sind sich einig, dass der Vortragende am meisten profitiert. Letztlich werde doch jeder Fehler von jemandem bemerkt. „Ist es denn schlimm, wenn ich Fehler mache?“ fragt Michaela. „Dafür bin ich doch in der Schule.“ Ist das auch die Überzeugung der anderen Lehrer? „Nein, hier an der Schule nicht“, sagt sie mit leiser werdender Stimme.

Zeit-Online: Schüler als Lehrer

Und jetzt ist bloggen für mich angesagt

Nachdem ich intensiv Foren, Wikis und vor kurzem auch Twitter einsetze, ist nun der Blog dran. Ich hatte mir zwar in Ilmenau bereits eines angelegt, aber noch nicht gepflegt. Aber jetzt geht es richtig los!

Die Liebe als Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung

Dieses Interview-Video wurde auf der Educamp im Oktober 2008 in Berlin von Lutz Berger aufgenommen. Es ist der Teil II, in dem ich meine Definition der Liebe liefere und auf die antinomischen Bedürfnisse des Menschen sowie auf die Merkmale erfolgreicher Problemlöser nach Dörner (1983) eingehe.

Die Folien dazu.


Der Mensch als Neuron – Maslow und Martins Menschenbild

Dieses Interview-Video wurde auf der Educamp im Oktober 2008 in Berlin von Lutz Berger aufgenommen. Es ist der Teil I, in dem ich den Menschen als Neuron in der digitalen Welt definiere. Ferner erläutere ich die Bedürfnispyramide von Maslow und dass alle Bedürfnisse dem Grundbedürfnis nach Kontrolle unterzuordnen sind.

LdL und die Weltverbesserung

Dieses Interview-Video wurde von Lutz Berger auf der Educamp in Ilmenau im April 2008 aufgenommen.