Portele (1975) über Informationsverarbeitung.

Warum wir permanent Informationen  verarbeiten und Spaß daran haben (aus G.Portele, Lernen und Motivation, Beltz Verlag, 1975, S.236):

Um das Optimum an Aktivation zu erhalten, muß der Organismus dauernd neue Stimuli aufnehmen, denn die von einem Stimulus ausgelöste Aktivation verringert sich durch Adaptation. Das Überangebot an Information in der Umwelt versucht der Organismus durch Selektion (Filtern, „pigeon-holing“, Kategorisieren) zu reduzieren. Der Dauerzustand, der angestrebt wird, ist der Verarbeitungsprozeß, das dauernde Reduzieren der Abweichung, das Herstellen von immer wieder neuer Konsistenz.

PH Weingarten 07.06.2011

Resume Am kommenden Dienstag werde ich einen Vortrag im Rahmen des Studium Generale an der Pädagogischen Hochschule Weingarten halten.

„Glück im Horizont des Internets? Anthropologische Überlegungen aus der Sicht eines Aktionsforschers“

Der Referent war in seiner aktiven Zeit Didaktiker  und hat die Methode „Lernen durch Lehren“ entwickelt, bei der die Schüler sich gegenseitig den Lernstoff beibringen.  Um eine solide empirische Basis zu erhalten, hat er Französischklassen als Langzeitstudien unterrichtet, mehrere Klassen fünf  Jahre, eine Klasse sogar sieben Jahre lang. Ohne ein kohärentes anthropologisches Modell  lassen sich Gruppen auf lange Sicht nicht erfolgreich führen. Was brauchen Menschen, um glücklich zu sein? Bei seinen Recherchen fiel ihm auf, dass über die klassischen, von Maslow beschriebenen Bedürfnisse hinaus man ein „Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung“ ausmachen kann. Nachdem der Referent in den Ruhestand ging, bemühte er sich Strukturen aufzubauen, die sein Bedürfnis nach intensiver Informationsverarbeitung weiterhin befriedigten. Das geht nur mit dem Internet, allerdings in Kombinationen mit Aktivitäten in der offline-Welt.

1. Ausgangspunkt: Aktionsforschung

Aktionsforscher begeben sich in Lebens- und Handlungsfelder mit der Absicht, an deren Optimierung aktiv zu wirken.

2. Anthropologisches Konstrukt

Erster Baustein: Die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow

#Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

Zweiter Baustein: Kontrollbedürfnis als übergreifendes Motiv

Dritter Baustein: Gegensatzpaare als Instrument kognitiver Kontrolle

Vierter Baustein: Merkmale erfolgreicher Problemlöser – Flow als Belohnung

3. Die Situation nach der Pensionierung

Befriedigung von Grundbedürfnissen? – Nicht leicht!

Physiologische Bedürfnisse – Sicherheit – Soziale Einbindung – Soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Informationsverarbeitung – Sinn

4. Die Strategie: glückbringende, „tugendinduzierende“ Strukturen?

Ausgangspunkt: Wissen -> Tugend -> Glück  (Demokrit – Sokrates – Aristoteles – Epikur – Stoa usw.)

a) PhilosophiekurseGeschichte der Philosophie Alltagsreflexion

Bedürfnisse: Anspruchsvolles Ziel (hoher Druck) – Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

b) Arbeit bei den Grünen:  z.B. Menschenbild

Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

c) Freiwillige Agentur: Die Brückenbauer

Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

Verknüpfung: Beispiel:  „Live for Life“ bei den Grünen am 09.06.2011

5. Die Tools: Informationsverarbeitung und kollektive Reflexion

Blog: Philosophie Grüne in IngolstadtDie BrückenbauerSenioren

Facebook

Twitter

Wikis

6. Literatur„Lernen durch Lehren im Fokus – Berichte von Einsteigern und Experten“

FazitWenn Informationsverarbeitung zu den zentralen Grundbedürfnissen des Menschen gehört, dann können die Räume des Internets in Verbindung mit Offline-Projekten zu einer erstrangigen Quelle der Bedürfnisbefriedigung gestaltet werden.

Warum „geistige Arbeit“ soviel Ansehen genießt.

Resume Bereits Platon setzte geistige Arbeit an höchste Stelle in der Hierarchie der Tätigkeiten. Aristoteles tat dasselbe und heute gilt nach wie vor der Doktor- mehr als der Meistertitel. Gerecht ist das nicht.

1. Ausgangspunkt

Als Philosoph setzte Platon die Denker ganz oben in der Hierarchie des idealen Staatsgebildes. Kein Wunder, gehörte er doch selbst zu dieser Clique. Für Aristoteles, der die Suche nach dem Glück als treibende Kraft aller Aktivitäten ansieht, ist die theoretische Existenz allen anderen überlegen, weil „die Theorie jener ausgezeichneter Fall von Praxis ist, bei dem der Vollzug, das Denken, mit seinem Ziel vollständig zusammenfällt“ (aus: Höffe, Klassiker der Philosophie, 1, S.64). Anders ausgedrückt: wenn man glücklich sein will, sollte man einen Beruf ausüben, bei dem man viel denkt. Das bestätigt das von mir entwickelte Menschenkonstrukt, bei dem die Informationsverarbeitung als zentrales Grundbedürfnis aufgeführt wird.

2. Geistige Arbeit und Glück

Sigmund Freud beschreibt das Phänomen so:

Am meisten erreicht man, wenn man den Lustgewinn aus den Quellen psychischer und intellektueller Arbeit genügend zu erhöhen versteht. Das Schicksal kann einem dann wenig anhaben. Die Befriedigung solcher Art, wie die Freude des Künstlers am Schaffen, an der Verkörperung seiner Phantasiegebilde, die des Forschers an der Lösung von Problemen und am Erkennen der Wahrheit, haben eine besondere Qualität, die wir gewiss eines Tages werden metapsychologisch charakterisieren können. Derzeit können wir nur bildweise sagen, sie erscheinen uns „feiner und höher“, aber ihre Intensität ist im Vergleich mit der aus der Sättigung grober, primärer Triebregungen gedämpft; sie erschüttern nicht unser Leiblichkeit. Die Schwäche dieser Methode liegt aber darin, dass sie nicht allgemein verwendbar, nur wenigen Menschen zugänglich ist. Sie setzt besondere, im wirksamen Ausmaß nicht gerade häufige Anlagen und Begabungen voraus.

Fazit: Denken macht Spaß, das ist im Bauplan der Natur. Aus denkenden Tätigkeiten eine hierarchische Überlegenheit ableiten zu wollen ist nicht gerechtfertigt.

Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis.

Resume Eine zentrale Erkenntnis meiner gesamten Forschung: Das Verarbeiten von Informationen ist ein Grundbedürfnis.

1. Gerhard Portele

1975 schreibt Portele in „Lernen und Motivation. Ansätze zu einer Theorie intrinsisch motivierten Lernens“ (S.236):

(…) Um das Optimum an Aktivation zu erhalten, muss der Organismus dauernd neue Stimuli aufnehmen (…). Das Überangebot an Information in der Umwelt versucht der Organismus durch Selektion (…) zu reduzieren. Der Dauerzustand, der angestrebt wird, ist der Verarbeitungsprozess, das dauernde Reduzieren der Abweichung, das Herstellen von immer wieder neuer Konsistenz.

2. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnissen

Wenn, wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, sich alle von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse der Oberkategorie „Kontrollbedürfnis“ zuordnen lassen, so gilt es auch für die Informationsverarbeitung, die dafür sorgt, das der Organismus durch permanenten Abgleich mit der Umwelt handlungsfähig bleibt. Werden keine Informationen mehr vom Organismus verarbeitet, so entkoppelt es sich von der Umwelt und ist bald nicht mehr kontrollfähig, also lebensfähig.

3. Befriedigung von Grundbedürfnis als Glück dekodiert

Damit der Organismus die Handlungen durchführt, die seine Selbsterhaltung sichern (Grundbedürfnisse), muss der Anreiz groß sein, den entsprechenden Aufwand auf sich zu nehmen. So muss die Befriedigung der physiologischen Bedürfnisse mit großer Belohnung verbunden werden, sonst würde der Organismus die teilweise enormen Anstrengungen nicht auf sich nehmen. Als bestes Beispiel sei der Geschlechtsverkehr genannt, der insgesamt komplex und strapaziös ist und daher mit intensiven Glücksgefühlen belohnt werden muss. Sonst würde kein Lebewesen sich dieser Prozedur unterziehen und die Art würde prompt erlöschen.  Dasselbe gilt für die Informationsverarbeitung, die wenn eine optimale Stimulizufuhr (also weder Überaktivation noch Unteraktivation) erfolgt, als sehr positiv dekodiert wird (siehe auch: Warum ich nach Ruhm strebe):

4. Zur Struktur optimaler Umwelten

Wenn Informationsverarbeitung ein zentrales Grundbedürfnis ist, dann sollte Schulen und Universitäten optimale Bedingungen zur Informationsverarbeitung liefern, insbesondere im Rahmen von Veranstaltungen. Der Organismus als Informationsverarbeitungssystem müsste die Möglichkeit erhalten, sich reale oder virtuelle Lernräume auszusuchen, in denen er sein Grundbedürfnis optimal befriedigen kann. Vor diesem Hintergrund habe ich LdL vor etwa 25 Jahren entwickelt und lerntheoretisch begründet. Heute betrachte ich das Internet als ein Ort, an dem ich vom Aufstehen bis zum Einschlafen die optimale Zufuhr an informativen Stimuli erhalte. Das Internet ist für mich eine zentrale Glücksbedingung geworden.

Fazit Durch Bereitstellung einer optimalen Informationsumwelt trägt das Internet zur Befriedigung eines zentralen Grundbedürfnisses des Menschen bei.

Lernen als Informationsverarbeitung:

Josefstal 1.10. 16:30-18:00 macdays

Resume Ich wurde eingeladen, im Rahmen der macdays in josefstal einen Vortrag zum Thema „Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität“ zu halten.

*google: jpm

1. Partizipation als Menschenrecht (und -pflicht)

Aritkel 21 Absatz 1: „Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken..

Und Artikel 19: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Lernen durch Lehren

2. Bedürfnis nach Partizipation – Verhaltensbasics

*Anthropologisches Modell

*Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

*Verhaltensbasics

3. Selbstzeugnis

Spannagels Statement (youtube)

4. Die Tools

*Twitter

*Wikis

*Blogs

*Mixxt-Plattform

5. Beispiele für Partizipation in der Schule und danach

*UNO-Projekt

*Die Welt (insbesondere die Uni) verbessern

*Live4Life

*IPK

*IPK-Projekte

6. Identität und Selbspräsentation im Netz

*google: jpm

*Biographie

Fazit Noch nie war es so wichtig und leicht, zu partizipieren. Man muss es nur tun. Zum Beispiel hier: Twitterwall

Literatur

Mein Ludwigsburger Vortrag (09.05.09)

Resume Wenn ich einen Aufsatz verfasse oder einen Vortrag halten soll, bemühe ich mich immer um Unterstützung von außen (open source, kollektive Wissenskonstruktion). Auch diesmal arbeite ich ressourcenorientiert an meinem nächsten Vortrag.

Die Gruppe als Gehirn: lange Inkubation, plötzliche Emergenz

Einleitung:

Der Konstruktivismus hat darauf hingewiesen: neue Informationen werden nicht vom Gehirn 1 zu 1 verarbeitet, sondern sie verursachen Perturbationen, die zu Reorganisationen innerhalb des kognitiven Systems führen. Diese Phänomene entziehen sich dem Beobachter. Wenn man also mit einem Menschen spricht und feststellen will, was die eigenen Worte in ihm bewirken, dann ist man auf Vermutungen und Interpretationen angewiesen. Oft genug bleibt das Gesicht des Gegenüber intransparent. Es verrät nichts. Dasselbe gilt für Gruppen, beispielsweise Schulklassen. Und dasselbe gilt in hohem Maße für das Internet: man weiß, was man hineingibt, aber es ist schwer zu erschließen, was diese Eingaben bewirken. Meist stützt man sich auf die Introspektion und auf die eigenen Erfahrung. Es ist günstig, wenn man prinzipiell Texte eingibt, auch wenn sich zunächst nichts im System bewegt, sei das System ein Mensch, eine Gruppe oder das Internet. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, emergiert eine Reaktion. Im Vortrag wird dies an drei Beispielen ausgeführt: an Schülern als Beispiel für Einzelpersonen, an einer Klasse als Beispiel für eine Gruppe und an Twitter sowie an diversen Kommunikationsplattformen als Beispiel für das Internet.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

(…)

Und hier geht es weiter (wer mir helfen will, kann auf der Wiki-Diskussionsseite seine Anmerkungen einfügen): Fortsetzung des Ludwigsburger Vortrages (under construction)

Sind die Grünen sexy?

Resume Auf der Suche nach impulsreichen Umwelten nahm ich gestern nach 25 Jahren wieder teil an einer Mitgliederversammlung der Ingolstädter Grünen. Das war eine gute Idee.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis und mein Besuch bei den Grünen

An anderer Stelle habe ich bereits ausführlich beschrieben, dass und warum Informationsverarbeitung ein Grundbedürfnis von Lebewesen ist. Als Professor, Lehrer und Projektleiter musste ich die letzten 40 Jahre intensiv relevante Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen. Ich war also ausreichend mit der Droge Information (als Quelle der Bedürfnisbefriedigung) versorgt. Da ich im Ruhestand bin und nicht mehr in dem oben beschriebenen Kontext lebe, musste ich mir aktiv äquivalente Strukturen schaffen, was mir nun fast gelungen ist (siehe Die 7 Projekte).  Es bleiben noch ein paar Lücken, die ich durch die Wiederaufnahme der Mitarbeit bei den Grünen schließen möchte, damit ich wirklich flächendeckend in Handlungssträngen involviert bin (permanente Zufuhr von gehirnaktivierenden, relevanten Impulsen).

2.  Sind die Grünen sexy? Was nicht ist, kann noch werden.

Wie in jeder anderen Partei auch stellte sich gestern die Frage der Rekrutierung, insbesondere unter Jugendlichen. Ich äußerte vorsichtig die Vermutung, dass unser Angebot für Jugendliche nicht wirklich sexy sei. Die Themen seien zwar sehr sinnvoll und in hohem Maße zukunftsrelevant, aber wir würden nicht dezidiert in unserem Erscheinungsbild das nach außen ausstrahlen, was Leute anmacht, beispielsweise den heiteren, fröhlichen, innovationsorientierten Umgang mit neuen Medien. Natürlich wurde meine Position kontrovers diskutiert, aber heute konnte ich bereits zwei Grüne Twitterer begrüßen, nämlich frumpy63 und speedwuschel.

Fazit: Die Grünen Themen sind mir eminent wichtig und wenn es uns gelingt, fröhliche Problembewältigung mit Hilfe der neuen Medien als Programm auszustrahlen, dann wird unser Sexybarometer radikal nach oben ausschlagen. Mit entsprechendem Zulauf.