Portele (1975) über Informationsverarbeitung.

Warum wir permanent Informationen  verarbeiten und Spaß daran haben (aus G.Portele, Lernen und Motivation, Beltz Verlag, 1975, S.236):

Um das Optimum an Aktivation zu erhalten, muß der Organismus dauernd neue Stimuli aufnehmen, denn die von einem Stimulus ausgelöste Aktivation verringert sich durch Adaptation. Das Überangebot an Information in der Umwelt versucht der Organismus durch Selektion (Filtern, „pigeon-holing“, Kategorisieren) zu reduzieren. Der Dauerzustand, der angestrebt wird, ist der Verarbeitungsprozeß, das dauernde Reduzieren der Abweichung, das Herstellen von immer wieder neuer Konsistenz.

PH Weingarten 07.06.2011

Resume Am kommenden Dienstag werde ich einen Vortrag im Rahmen des Studium Generale an der Pädagogischen Hochschule Weingarten halten.

„Glück im Horizont des Internets? Anthropologische Überlegungen aus der Sicht eines Aktionsforschers“

Der Referent war in seiner aktiven Zeit Didaktiker  und hat die Methode „Lernen durch Lehren“ entwickelt, bei der die Schüler sich gegenseitig den Lernstoff beibringen.  Um eine solide empirische Basis zu erhalten, hat er Französischklassen als Langzeitstudien unterrichtet, mehrere Klassen fünf  Jahre, eine Klasse sogar sieben Jahre lang. Ohne ein kohärentes anthropologisches Modell  lassen sich Gruppen auf lange Sicht nicht erfolgreich führen. Was brauchen Menschen, um glücklich zu sein? Bei seinen Recherchen fiel ihm auf, dass über die klassischen, von Maslow beschriebenen Bedürfnisse hinaus man ein „Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung“ ausmachen kann. Nachdem der Referent in den Ruhestand ging, bemühte er sich Strukturen aufzubauen, die sein Bedürfnis nach intensiver Informationsverarbeitung weiterhin befriedigten. Das geht nur mit dem Internet, allerdings in Kombinationen mit Aktivitäten in der offline-Welt.

1. Ausgangspunkt: Aktionsforschung

Aktionsforscher begeben sich in Lebens- und Handlungsfelder mit der Absicht, an deren Optimierung aktiv zu wirken.

2. Anthropologisches Konstrukt

Erster Baustein: Die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow

#Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

Zweiter Baustein: Kontrollbedürfnis als übergreifendes Motiv

Dritter Baustein: Gegensatzpaare als Instrument kognitiver Kontrolle

Vierter Baustein: Merkmale erfolgreicher Problemlöser – Flow als Belohnung

3. Die Situation nach der Pensionierung

Befriedigung von Grundbedürfnissen? – Nicht leicht!

Physiologische Bedürfnisse – Sicherheit – Soziale Einbindung – Soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Informationsverarbeitung – Sinn

4. Die Strategie: glückbringende, „tugendinduzierende“ Strukturen?

Ausgangspunkt: Wissen -> Tugend -> Glück  (Demokrit – Sokrates – Aristoteles – Epikur – Stoa usw.)

a) PhilosophiekurseGeschichte der Philosophie Alltagsreflexion

Bedürfnisse: Anspruchsvolles Ziel (hoher Druck) – Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

b) Arbeit bei den Grünen:  z.B. Menschenbild

Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

c) Freiwillige Agentur: Die Brückenbauer

Informationsverarbeitung – Soziale Einbettung – soziale Anerkennung – Selbstverwirklichung – Sinn

Verknüpfung: Beispiel:  „Live for Life“ bei den Grünen am 09.06.2011

5. Die Tools: Informationsverarbeitung und kollektive Reflexion

Blog: Philosophie Grüne in IngolstadtDie BrückenbauerSenioren

Facebook

Twitter

Wikis

6. Literatur„Lernen durch Lehren im Fokus – Berichte von Einsteigern und Experten“

FazitWenn Informationsverarbeitung zu den zentralen Grundbedürfnissen des Menschen gehört, dann können die Räume des Internets in Verbindung mit Offline-Projekten zu einer erstrangigen Quelle der Bedürfnisbefriedigung gestaltet werden.

Warum „geistige Arbeit“ soviel Ansehen genießt.

Resume Bereits Platon setzte geistige Arbeit an höchste Stelle in der Hierarchie der Tätigkeiten. Aristoteles tat dasselbe und heute gilt nach wie vor der Doktor- mehr als der Meistertitel. Gerecht ist das nicht.

1. Ausgangspunkt

Als Philosoph setzte Platon die Denker ganz oben in der Hierarchie des idealen Staatsgebildes. Kein Wunder, gehörte er doch selbst zu dieser Clique. Für Aristoteles, der die Suche nach dem Glück als treibende Kraft aller Aktivitäten ansieht, ist die theoretische Existenz allen anderen überlegen, weil „die Theorie jener ausgezeichneter Fall von Praxis ist, bei dem der Vollzug, das Denken, mit seinem Ziel vollständig zusammenfällt“ (aus: Höffe, Klassiker der Philosophie, 1, S.64). Anders ausgedrückt: wenn man glücklich sein will, sollte man einen Beruf ausüben, bei dem man viel denkt. Das bestätigt das von mir entwickelte Menschenkonstrukt, bei dem die Informationsverarbeitung als zentrales Grundbedürfnis aufgeführt wird.

2. Geistige Arbeit und Glück

Sigmund Freud beschreibt das Phänomen so:

Am meisten erreicht man, wenn man den Lustgewinn aus den Quellen psychischer und intellektueller Arbeit genügend zu erhöhen versteht. Das Schicksal kann einem dann wenig anhaben. Die Befriedigung solcher Art, wie die Freude des Künstlers am Schaffen, an der Verkörperung seiner Phantasiegebilde, die des Forschers an der Lösung von Problemen und am Erkennen der Wahrheit, haben eine besondere Qualität, die wir gewiss eines Tages werden metapsychologisch charakterisieren können. Derzeit können wir nur bildweise sagen, sie erscheinen uns „feiner und höher“, aber ihre Intensität ist im Vergleich mit der aus der Sättigung grober, primärer Triebregungen gedämpft; sie erschüttern nicht unser Leiblichkeit. Die Schwäche dieser Methode liegt aber darin, dass sie nicht allgemein verwendbar, nur wenigen Menschen zugänglich ist. Sie setzt besondere, im wirksamen Ausmaß nicht gerade häufige Anlagen und Begabungen voraus.

Fazit: Denken macht Spaß, das ist im Bauplan der Natur. Aus denkenden Tätigkeiten eine hierarchische Überlegenheit ableiten zu wollen ist nicht gerechtfertigt.

Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis.

Resume Eine zentrale Erkenntnis meiner gesamten Forschung: Das Verarbeiten von Informationen ist ein Grundbedürfnis.

1. Gerhard Portele

1975 schreibt Portele in „Lernen und Motivation. Ansätze zu einer Theorie intrinsisch motivierten Lernens“ (S.236):

(…) Um das Optimum an Aktivation zu erhalten, muss der Organismus dauernd neue Stimuli aufnehmen (…). Das Überangebot an Information in der Umwelt versucht der Organismus durch Selektion (…) zu reduzieren. Der Dauerzustand, der angestrebt wird, ist der Verarbeitungsprozess, das dauernde Reduzieren der Abweichung, das Herstellen von immer wieder neuer Konsistenz.

2. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnissen

Wenn, wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, sich alle von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse der Oberkategorie „Kontrollbedürfnis“ zuordnen lassen, so gilt es auch für die Informationsverarbeitung, die dafür sorgt, das der Organismus durch permanenten Abgleich mit der Umwelt handlungsfähig bleibt. Werden keine Informationen mehr vom Organismus verarbeitet, so entkoppelt es sich von der Umwelt und ist bald nicht mehr kontrollfähig, also lebensfähig.

3. Befriedigung von Grundbedürfnis als Glück dekodiert

Damit der Organismus die Handlungen durchführt, die seine Selbsterhaltung sichern (Grundbedürfnisse), muss der Anreiz groß sein, den entsprechenden Aufwand auf sich zu nehmen. So muss die Befriedigung der physiologischen Bedürfnisse mit großer Belohnung verbunden werden, sonst würde der Organismus die teilweise enormen Anstrengungen nicht auf sich nehmen. Als bestes Beispiel sei der Geschlechtsverkehr genannt, der insgesamt komplex und strapaziös ist und daher mit intensiven Glücksgefühlen belohnt werden muss. Sonst würde kein Lebewesen sich dieser Prozedur unterziehen und die Art würde prompt erlöschen.  Dasselbe gilt für die Informationsverarbeitung, die wenn eine optimale Stimulizufuhr (also weder Überaktivation noch Unteraktivation) erfolgt, als sehr positiv dekodiert wird (siehe auch: Warum ich nach Ruhm strebe):

4. Zur Struktur optimaler Umwelten

Wenn Informationsverarbeitung ein zentrales Grundbedürfnis ist, dann sollte Schulen und Universitäten optimale Bedingungen zur Informationsverarbeitung liefern, insbesondere im Rahmen von Veranstaltungen. Der Organismus als Informationsverarbeitungssystem müsste die Möglichkeit erhalten, sich reale oder virtuelle Lernräume auszusuchen, in denen er sein Grundbedürfnis optimal befriedigen kann. Vor diesem Hintergrund habe ich LdL vor etwa 25 Jahren entwickelt und lerntheoretisch begründet. Heute betrachte ich das Internet als ein Ort, an dem ich vom Aufstehen bis zum Einschlafen die optimale Zufuhr an informativen Stimuli erhalte. Das Internet ist für mich eine zentrale Glücksbedingung geworden.

Fazit Durch Bereitstellung einer optimalen Informationsumwelt trägt das Internet zur Befriedigung eines zentralen Grundbedürfnisses des Menschen bei.

Lernen als Informationsverarbeitung:

Josefstal 1.10. 16:30-18:00 macdays

Resume Ich wurde eingeladen, im Rahmen der macdays in josefstal einen Vortrag zum Thema „Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität“ zu halten.

*google: jpm

1. Partizipation als Menschenrecht (und -pflicht)

Aritkel 21 Absatz 1: „Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken..

Und Artikel 19: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Lernen durch Lehren

2. Bedürfnis nach Partizipation – Verhaltensbasics

*Anthropologisches Modell

*Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

*Verhaltensbasics

3. Selbstzeugnis

Spannagels Statement (youtube)

4. Die Tools

*Twitter

*Wikis

*Blogs

*Mixxt-Plattform

5. Beispiele für Partizipation in der Schule und danach

*UNO-Projekt

*Die Welt (insbesondere die Uni) verbessern

*Live4Life

*IPK

*IPK-Projekte

6. Identität und Selbspräsentation im Netz

*google: jpm

*Biographie

Fazit Noch nie war es so wichtig und leicht, zu partizipieren. Man muss es nur tun. Zum Beispiel hier: Twitterwall

Literatur

Mein Ludwigsburger Vortrag (09.05.09)

Resume Wenn ich einen Aufsatz verfasse oder einen Vortrag halten soll, bemühe ich mich immer um Unterstützung von außen (open source, kollektive Wissenskonstruktion). Auch diesmal arbeite ich ressourcenorientiert an meinem nächsten Vortrag.

Die Gruppe als Gehirn: lange Inkubation, plötzliche Emergenz

Einleitung:

Der Konstruktivismus hat darauf hingewiesen: neue Informationen werden nicht vom Gehirn 1 zu 1 verarbeitet, sondern sie verursachen Perturbationen, die zu Reorganisationen innerhalb des kognitiven Systems führen. Diese Phänomene entziehen sich dem Beobachter. Wenn man also mit einem Menschen spricht und feststellen will, was die eigenen Worte in ihm bewirken, dann ist man auf Vermutungen und Interpretationen angewiesen. Oft genug bleibt das Gesicht des Gegenüber intransparent. Es verrät nichts. Dasselbe gilt für Gruppen, beispielsweise Schulklassen. Und dasselbe gilt in hohem Maße für das Internet: man weiß, was man hineingibt, aber es ist schwer zu erschließen, was diese Eingaben bewirken. Meist stützt man sich auf die Introspektion und auf die eigenen Erfahrung. Es ist günstig, wenn man prinzipiell Texte eingibt, auch wenn sich zunächst nichts im System bewegt, sei das System ein Mensch, eine Gruppe oder das Internet. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, emergiert eine Reaktion. Im Vortrag wird dies an drei Beispielen ausgeführt: an Schülern als Beispiel für Einzelpersonen, an einer Klasse als Beispiel für eine Gruppe und an Twitter sowie an diversen Kommunikationsplattformen als Beispiel für das Internet.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

(…)

Und hier geht es weiter (wer mir helfen will, kann auf der Wiki-Diskussionsseite seine Anmerkungen einfügen): Fortsetzung des Ludwigsburger Vortrages (under construction)

Sind die Grünen sexy?

Resume Auf der Suche nach impulsreichen Umwelten nahm ich gestern nach 25 Jahren wieder teil an einer Mitgliederversammlung der Ingolstädter Grünen. Das war eine gute Idee.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis und mein Besuch bei den Grünen

An anderer Stelle habe ich bereits ausführlich beschrieben, dass und warum Informationsverarbeitung ein Grundbedürfnis von Lebewesen ist. Als Professor, Lehrer und Projektleiter musste ich die letzten 40 Jahre intensiv relevante Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen. Ich war also ausreichend mit der Droge Information (als Quelle der Bedürfnisbefriedigung) versorgt. Da ich im Ruhestand bin und nicht mehr in dem oben beschriebenen Kontext lebe, musste ich mir aktiv äquivalente Strukturen schaffen, was mir nun fast gelungen ist (siehe Die 7 Projekte).  Es bleiben noch ein paar Lücken, die ich durch die Wiederaufnahme der Mitarbeit bei den Grünen schließen möchte, damit ich wirklich flächendeckend in Handlungssträngen involviert bin (permanente Zufuhr von gehirnaktivierenden, relevanten Impulsen).

2.  Sind die Grünen sexy? Was nicht ist, kann noch werden.

Wie in jeder anderen Partei auch stellte sich gestern die Frage der Rekrutierung, insbesondere unter Jugendlichen. Ich äußerte vorsichtig die Vermutung, dass unser Angebot für Jugendliche nicht wirklich sexy sei. Die Themen seien zwar sehr sinnvoll und in hohem Maße zukunftsrelevant, aber wir würden nicht dezidiert in unserem Erscheinungsbild das nach außen ausstrahlen, was Leute anmacht, beispielsweise den heiteren, fröhlichen, innovationsorientierten Umgang mit neuen Medien. Natürlich wurde meine Position kontrovers diskutiert, aber heute konnte ich bereits zwei Grüne Twitterer begrüßen, nämlich frumpy63 und speedwuschel.

Fazit: Die Grünen Themen sind mir eminent wichtig und wenn es uns gelingt, fröhliche Problembewältigung mit Hilfe der neuen Medien als Programm auszustrahlen, dann wird unser Sexybarometer radikal nach oben ausschlagen. Mit entsprechendem Zulauf.

2008: drei neue Denkinstrumente zur Schaffung bedürfnisbefriedigender Strukturen

Resume 2008 habe ich mir (und ich hoffe auch anderen) drei neue Denkinstrumente geschaffen: a) Informationsverarbeitung ist ein Grundbedürfnis, b) die Lösung für Probleme im Klassenzimmer ist die Kombination LdL + Web2.0 und c) Erfolg ist die Dauerhafte Sicherung von Ressourcen zur Bedürfnisbefriedigung.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

Als Pädagoge ist mein zentrales Anliegen die Frage, wie ich Menschen helfen kann, ihr Leben glücklich zu gestalten. Mit meinen 65 Jahren verfüge ich über genug empirisches Material. Eine für mich gesicherte Erkenntnis ist, dass Glück als dauerhafte (wenn auch nicht vollständige) Befriedigung der von Maslow beschriebenen Grundbedürfnisse zu definieren ist. Der Organismus belohnt den Akt der Bedürfnisbefriedigung in der Regel mit „Kicks“. Dabei behaupte ich, dass alle von Maslow aufgelisteten Bedürfnisse der Kategorie „Kontrollbedürfnis“ zuzuordnen sind. Allein mit diesem Denkinstrument kann ich mich dem Glück nähern, indem ich Situationen schaffe, in denen die genannten Bedürfnisse Chancen haben, zu einer Befriedigung zu gelangen. Nebenbei: kurzfristig kann man durch schnellen, gierigen Zugriff auf Ressourcen seinen Kick bekommen. Langfristig ist Mäßigung (Tugend) zu empfehlen. Gerade im Bereich der physiologischen Bedürfnisse, insbesondere der Sexualität ist dies besonders auffällig: die Treue sichert den dauerhaften Zugriff auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung. Meine neue Entdeckung im Jahr 2008: auch die Informationsverarbeitung ist ein Grundbedürfnis. Da es so ist, muss ich, wenn ich glücklich sein will, für die permanente Zufuhr von relevanten, komplexen Informationen sorgen. Das gilt nicht nur für mich als Privatmann sondern auch für die Organisation der Arbeit im Klassenzimmer. Wie kann man das Grundbedürfnis der Schüler nach optimaler Informationsverarbeitung sichern?

2. LdL + Web2.0:  optimale Befriedigung von Schülerbedürfnissen?

Wenn Schüler die Aufgabe bekommen,  die neuen Unterrichtsinhalte ihren Mitschülern zu vermitteln (Lernen durch Lehren) dann sichert dieses Ziel eine vertiefte Verarbeitung der Inhalte durch die Schüler. Sie müssen sich auch Strategien überlegen, um das Bedürnfis nach Informationsverarbeitung ihrer Mitschüler zu befriedigen. Wenn das Klassenzimmer keinen Zugang zu komplexen Informationen zulässt, weil beispielsweise kein Internetanschluss verfügbar ist, dann ist die Zusammenstellung spannender Texte erschwert. Der Vorgang der Informationsverarbeitung wird behindert und erreicht nicht die wünschenswerte Qualität („Kicks“). Daher muss jederzeit gesichert werden, dass die Schüler, die den Unterricht vorbereiten, wertvolle Informationen aus dem Internet holen. Ferner sollen die präsentierenden Schüler nicht auf die im Klassenzimmer eingeschränkten Darstellungsmöglichkeiten angewiesen bleiben, sondern selbst ihren Stoff multimedial im Internet aufbereiten (Wikiversity). Auf diese Weise wir ein breites Feld zur freien Informationsverarbeitung eröffnet. Im Klassenzimmer kann also durch die Kombination LdL + Web2.0 mehr „Glück“ entstehen.

3. Langfristiger Erfolg, was ist das?

Da ich auf der Suche nach „Glücks- und Erfolgsfaktoren“ bin, befasse ich mich auch mit der Geschichte verschiedener Völker und versuche herauszuarbeiten, was sie erfolgreich gemacht hat. Allerdings muss ich den Begriff „Erfolg“ so definieren, dess er operationalisierbar wird als Denkinstrument. Brauchbar scheint mir folgende Definition: „Erfolgreich ist, wenn man dauerhaft für die Befriedigung wesentlicher Bedürfnisse sorgen kann.“ In diesem Sinn wäre das Dritte Reich alles andere als erfolgreich, selbst in der Anfangsphase, dagegen wären Schweden und Deutschland  seit dem 2. Weltkrieg als Nationen sehr erfolgreich. Nach dieser Definition wären eine ganze Reihe von Bankern (um ein triviales Beispiel zu nennen) nicht erfolgreich, und zwar nicht erst seit der Krise, denn ich vermute, dass sie Erfolge in einem Teilbereich ihres Lebens mit einem Verzicht auf Bedürfnisbefriedigung in wesentlichen Dimensionen (z.B. emotional-sozial) bezahlen müssen.  Aufgrund dieser Definition lässt sich nun besser analysieren, unter welchen Bedingungen Populationen (beispielsweise die Athener) dauerhaft erfolgreich sind, um ein auf die heutige Situation angepasste Übernahme dieser Bedingungen zu ermöglichen.

Fazit Wenn man genauer weiß, was Menschen brauchen, um „glücklich“ zu sein, kann man Strukturen schaffen, die menschliche Bedürfnisbefriedigung begünstigen. Als Lehrer sollte man den Fokus auf die Befriedigung des Bedürfnisses nach Informationsverarbeitung legen.

Das Streben nach Macht – auch in Twitter?

Resume Ich definiere Macht als die Möglichkeit eines Zugriffs auf Quellen der Bedürfnisbefriedigung. Dazu zählen soziale Ressourcen und Informationen.  So gesehen finden auch in Twitter Verteilungskämpfe statt (ob es den Twitterern gefällt oder nicht).

1. Macht als  Möglichkeit des Zugriffes auf Quellen der Bedürfnisbefriedigung

Nach einem weitverbreiteten Verständnis des Wortes bezeichnet Macht die Fähigkeit von Individuen und Gruppen, auf das Verhalten und Denken sozialer Gruppen oder Personen – in ihrem Sinn und Interesse – einzuwirken„, soweit di Wikipedia-Definition. Natürlich werden in dieser Beschreibung nur bestimmte Aspekte hervorgehoben, so dass sie nicht operationalisierbar ist. Ich versuche eine Definition zu finden, die alle Wirkungsbereiche abdecken. Wie immer ist die Maslowsche Bedürfnispyramide sehr hilfreich. Wenn man davon ausgeht, dass die Maslowsche Pyramide alle Bedürfnisse erfasst, und wenn man ferner meint, dass alle menschlichen Handlungen nur ein Ziel haben, nämlich die Bedürfnisbefriedigung, dann ist das Streben nach Macht permanent und legitim. Auch in Twitter. In Twitter werden Bedürfnisse nach sozialer Einbindung,  sozialer Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn befriedigt, sowie nach Informationsverarbeitung (einem Grundbedürfnis, das ich in Ergänzung zu Maslow eingeführt habe). Soweit so gut. Das Problem ist nur, dass die von Twitter befriedigten Bedürfnisse keine Grenzen kennen (im Gegenteil zu den physiologischen Bedürfnissen). Wir wollen immer mehr Followers, immer mehr Zuspruch, immer mehr Informationen. Und da das Angebot an interessanten Followers und interessanten Informationen begrenzt ist, gibt es Verteilungskämpfe. Einige Twitterer emergieren im Twitterhirn und andere nicht.

2. Warum diese Beschreibung den Twittern nicht schmeckt.

An anderer Stelle habe ich beschrieben, dass wir uns im Spannungsfeld antinomischer Bedürfnisse bewegen: wir wollen Ruhe aber gleichzeitig Bewegung, wir wollen für uns sein, aber gleichzeitig auch in der Gruppe partizipieren, wir wollen unsere Bedürfnisse befriedigen, aber so, dass niemand daran Anstoß nimmt (Gefahr, dass das Bedürfnis nach sozialer Einbindung nicht befriedigt wird). Wenn wir sowohl einen breiten Zugriff auf die durch Twitter angebotenen Ressourcen (soziale Ressourcen, Informationen) wünschen, gleichzeitig aber diesen Machtanspruch ohne Konflikte behaupten wollen (Konflikte könnten uns einen Teil der Ressourcen wieder entziehen), so müssen wir einerseits ein Teil des Feldes soweit wir können dominieren, andererseits dieses Verhalten als altruistisch motiviert präsentieren.  Ein solches Ansinnen („ich bin zwar überall präsent, ich strebe aber nicht nach Macht“) ist zum Scheitern verurteilt, weil widersprüchlich, auch in den Augen der Betrachter. Daher ist es günstiger, wie ich bereits an anderer Stelle beschrieben habe, sowohl den Machtwille zu offenbaren als auch die Grenzen dieses Machtwillens transparent aufzuzeigen.

Fazit: es ist legitim nach Macht zu streben. Allerdings sollte der eigene Machtwille reflektiert und transparent gemacht werden. Was mich angeht, ich suche nach Denkpartnern, die mich ausreichend mit interessanten Gedanken und Problemen  (Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung) versorgen. Und der Zugang zu diesen Partnern  als Quelle der Bedürfnisbefriedigung ist eine Form von Macht.  Diese „Macht“ aufrechtzuerhalten ist für mich tägliche Arbeit.

Aufmerksamkeitsfenster

Resume Will man relevante Wissensprodukte in eine Gruppe einspeisen (Klasse oder Internetcommunity) so muss man auf der Lauer sein, bis ein Aufmerksamkeitsfenster sich öffnet. Dann muss man rasch soviel Stoff einspeisen wie die Zeit es erlaubt.

1. Häppchen oder Braten? Informationen und Lustgewinn

An anderer Stelle habe ich ausgeführt, dass die Verarbeitung von Informationen ein Grundbedürfnis aller Lebewesen ist. Ich habe auch erklärt, dass die Befriedigung dieses Bedürfnisses mit großer Freude (Kicks) verbunden ist, damit wir uns überhaupt der Suche nach Informationen widmen (wichtig für die Lebenserhaltung).  Nun verhält es sich mit Informationen wie mit Häppchen vor dem Essen: je einfacher und schneller man sie konsumieren kann, desto attraktiver. Will ich, dass die Leute den Braten essen, darf ich keine Häppchen im Zimmer auslegen: der Lustgewinn bei Häppchen ist unmittelbar (Mc Donald-Effekt), den Braten zu essen ist anstrengender. Natürlich ist die Wirkung des Bratens nachhaltiger, aber der Kick kommt mit Häppchen sofort. So ist es auch im Unterricht, so ist es auch im Internet.

2. Aufmerksamkeitsfenster im Unterricht schaffen

Die Informationen, die ich im Unterricht vermitteln möchte, sind komplex und anstrengend zu verarbeiten. In den letzten Stunden habe ich beispielsweise in meiner 11.Klasse (Französisch) die UNO, die Finanzkrise (Bretton Woods und Keynes), die Piraterie vor Somalia, den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance (Paradigmenwechsel) und morgen werde ich die Spannungen zwischen Moslems und Hindus in Indien bearbeiten lassen. Wenn ich also will, dass die Schüler sich diesem Informationsbraten widmen, darf ich keine Informationshäppchen herumliegen lassen (Geschwätz, Ablenkungen aller Arten). Es muss absolute Ruhe herrschen. Da die Schüler nicht 45 Minuten lang hochkonzentiert sein können, stehe ich auf der Lauer und sorge dafür, dass sie (bildlich) immer wieder wie kleine Vögel den Mund aufmachen damit ich besonders harte Wissensbrocken hineinschieben kann.

3. Und im Internet?

Im Internet ist es ähnlich. Es liegen überall kleine Informationshäppchen herum, die schnell konsumierbar sind und gleich intensive Kicks verschaffen. Wenn ein Zimmer leergegessen wurde, rennt man in das nächste. Besonders attraktiv sind diese Häppchen deshalb, weil sie mit Interaktionen garniert sind. Es macht Spaß, mit jemanden über das Wetter oder über tools zu kommunizieren. Dies kann man gut in Twitter beobachten, aber auch bei Blogs, die die hierarchisch höhere Stufe des Informationsangebotes darstellen (etwas stärker organisiert und verdichtet): von Kennern wird empfohlen, die Blogeinträge nicht allzu umfangreich zu gestalten. Will man also größere Brocken einspeisen, muss man besonders gute Häppchen anbieten und wenn per Zufall jemand den Mund breiter aufmacht als das Häppchen groß ist, gleich ein Stück Braten hineinschieben. So in etwa arbeite ich mit Twitter, so auch mit diesem Blog.

Fazit: Twitter, Blogs und Wikis sind herrliche Instrumente um Wissen zu konstruieren und Wissen zu verbreiten: mit Twitter Aufmerksamkeit erregen, mit Blogs die Wissensbrocken einspeisen. Und wenn man viel Glück hat, kann man auch Leute finden, die bereit sind, langfristig mit Wikis Wissen zu konstruieren.