Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis.

Resume Eine zentrale Erkenntnis meiner gesamten Forschung: Das Verarbeiten von Informationen ist ein Grundbedürfnis.

1. Gerhard Portele

1975 schreibt Portele in „Lernen und Motivation. Ansätze zu einer Theorie intrinsisch motivierten Lernens“ (S.236):

(…) Um das Optimum an Aktivation zu erhalten, muss der Organismus dauernd neue Stimuli aufnehmen (…). Das Überangebot an Information in der Umwelt versucht der Organismus durch Selektion (…) zu reduzieren. Der Dauerzustand, der angestrebt wird, ist der Verarbeitungsprozess, das dauernde Reduzieren der Abweichung, das Herstellen von immer wieder neuer Konsistenz.

2. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnissen

Wenn, wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, sich alle von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse der Oberkategorie „Kontrollbedürfnis“ zuordnen lassen, so gilt es auch für die Informationsverarbeitung, die dafür sorgt, das der Organismus durch permanenten Abgleich mit der Umwelt handlungsfähig bleibt. Werden keine Informationen mehr vom Organismus verarbeitet, so entkoppelt es sich von der Umwelt und ist bald nicht mehr kontrollfähig, also lebensfähig.

3. Befriedigung von Grundbedürfnis als Glück dekodiert

Damit der Organismus die Handlungen durchführt, die seine Selbsterhaltung sichern (Grundbedürfnisse), muss der Anreiz groß sein, den entsprechenden Aufwand auf sich zu nehmen. So muss die Befriedigung der physiologischen Bedürfnisse mit großer Belohnung verbunden werden, sonst würde der Organismus die teilweise enormen Anstrengungen nicht auf sich nehmen. Als bestes Beispiel sei der Geschlechtsverkehr genannt, der insgesamt komplex und strapaziös ist und daher mit intensiven Glücksgefühlen belohnt werden muss. Sonst würde kein Lebewesen sich dieser Prozedur unterziehen und die Art würde prompt erlöschen.  Dasselbe gilt für die Informationsverarbeitung, die wenn eine optimale Stimulizufuhr (also weder Überaktivation noch Unteraktivation) erfolgt, als sehr positiv dekodiert wird (siehe auch: Warum ich nach Ruhm strebe):

4. Zur Struktur optimaler Umwelten

Wenn Informationsverarbeitung ein zentrales Grundbedürfnis ist, dann sollte Schulen und Universitäten optimale Bedingungen zur Informationsverarbeitung liefern, insbesondere im Rahmen von Veranstaltungen. Der Organismus als Informationsverarbeitungssystem müsste die Möglichkeit erhalten, sich reale oder virtuelle Lernräume auszusuchen, in denen er sein Grundbedürfnis optimal befriedigen kann. Vor diesem Hintergrund habe ich LdL vor etwa 25 Jahren entwickelt und lerntheoretisch begründet. Heute betrachte ich das Internet als ein Ort, an dem ich vom Aufstehen bis zum Einschlafen die optimale Zufuhr an informativen Stimuli erhalte. Das Internet ist für mich eine zentrale Glücksbedingung geworden.

Fazit Durch Bereitstellung einer optimalen Informationsumwelt trägt das Internet zur Befriedigung eines zentralen Grundbedürfnisses des Menschen bei.

Lernen als Informationsverarbeitung:

Kontrollsucht? Ein Paradoxon.

Resume Wenn das Bedürfnis nach Kontrolle tatsächlich alle anderen Bedürfnisse einschließt, dann ist es logisch, dass unser Bestreben sich ganz und gar auf die Gewinnung und Aufrechterhaltung von Kontrolle richtet. Und damit werden wir süchtig nach Kontrolle. Aber Sucht ist doch das Gegenteil von Kontrolle! Eben!

1. Das Bedürfnis nach Kontrolle schließt alle anderen Bedürfnisse ein

An anderer Stelle habe ich geschildert, dass alle Grundbedürfnisse, beispielsweise die von Abraham Maslow beschriebenen, sich dem Bedürfnis nach Kontrolle unterordnen lassen. Alle Handlungen, die Lebewesen vollziehen, dienen der Lebenserhaltung und haben nur ein Ziel: alles „im Griff“ zu behalten. Dies betrifft alle physiologischen Bedürfnisse, das Bedürfnis nach Sicherheit, nach sozialer Einbindung, nach sozialer Anerkennung, nach Selbstverwirklichung und nach Sinn. Dazu geselle ich noch das Grundbedürfnis nach Informationsverarbeitung, das dafür sorgt, dass wir uns auf die Umwelt einstimmen können.

2. Sucht

In seinem Blogeintrag „Computerselbstwirksamkeit erheben“ zeigt Christian Spannagel sehr gut, wie das Gefühl der Kontrolle im Rahmen von Computeraufgaben entstehen kann. Dieses Gefühl ist so positiv, dass viele Menschen immer wieder den Computer aufsuchen, weil sie dort bestimmen können was geschieht. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass sie sich so sehr selbstwirksam erleben, dass sie ihre Aktivitäten ganz auf den Computer verlegen und dabei die Kontrolle über ihr sonstiges Leben verlieren. Dies gilt nicht nur für den Computer, sondern für alle anderen Quellen der Bedürfnisbefriedigung auch. So gesehen definiere ich „Sucht“ als einseitige Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung. Auch die Verliebtheit ist eine solche Fixierung, aber ebenfalls Waffennarrheit, Pornosucht, Alkoholsucht, Putzfimmel usw. Der Fachausdruck dafür ist „Manie„. Die Menschen konzentrieren ihre ganze Aufmerksamkeit auf ein einziges Segment des Lebensspektrums und bemühen sich um volle Kontrolle in diesem Segment. Und dabei verlieren sie die Kontrolle über ihr Leben.

3. Prophylaxe

Suchverhalten entsteht oft ohne dass die Kognition den Vorgang wahrnimmt. Es läuft über die Emotionen, man sucht immer wieder das Suchtfeld auf, weil es Spaß macht, dort Kontrolle auszuüben.  Um dem zu begegnen sollte man kognitive Instrumente ausbilden, um die eigenen Tendenzen zu erkennen und zu steuern.  Ferner sollte man vielfältige und anspruchsvolle Feldern aufsuchen, in denen man die Kontrolle nie erreicht. Man schmiedet sich zwar immer wieder neue kognitiven Instrumente, um diese wechselnden Felder „in den Griff zu bekommen“, aber man kann sich nie so bequem einrichten, dass man dabei süchtig wird. Vor kurzem fragte mich ein Denkpartner wie man sich als Lehrer und Kollege in der Schule davor schützen kann, allzu viel Macht auszuüben, wenn man das Talent dazu hat. Ich antwortete, dass – zumindest auf dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrung – diese Macht nur sehr kurzfristig verliehen wird und sofort wieder verschwindet. Die Gefahr, dass man die eigene Macht in der Schule zusehr auskostet und missbraucht ist gering. Die Gefahr einer Fixierung auf die Macht als Quelle der Bedürfnisbefriedigung – also eine Machtsucht – ist in der Schule ebenfalls gering.

Fazit:  Vielfältige Felder angehen und kontrollieren zu wollen und dabei permanent kognitive Instrument zur Kontrollgewinnung erstellen ist der beste Weg dazu, Sucht (Selbstwirksamkeit in einem engen Feld) zu vermeiden.

Mein Ludwigsburger Vortrag (09.05.09)

Resume Wenn ich einen Aufsatz verfasse oder einen Vortrag halten soll, bemühe ich mich immer um Unterstützung von außen (open source, kollektive Wissenskonstruktion). Auch diesmal arbeite ich ressourcenorientiert an meinem nächsten Vortrag.

Die Gruppe als Gehirn: lange Inkubation, plötzliche Emergenz

Einleitung:

Der Konstruktivismus hat darauf hingewiesen: neue Informationen werden nicht vom Gehirn 1 zu 1 verarbeitet, sondern sie verursachen Perturbationen, die zu Reorganisationen innerhalb des kognitiven Systems führen. Diese Phänomene entziehen sich dem Beobachter. Wenn man also mit einem Menschen spricht und feststellen will, was die eigenen Worte in ihm bewirken, dann ist man auf Vermutungen und Interpretationen angewiesen. Oft genug bleibt das Gesicht des Gegenüber intransparent. Es verrät nichts. Dasselbe gilt für Gruppen, beispielsweise Schulklassen. Und dasselbe gilt in hohem Maße für das Internet: man weiß, was man hineingibt, aber es ist schwer zu erschließen, was diese Eingaben bewirken. Meist stützt man sich auf die Introspektion und auf die eigenen Erfahrung. Es ist günstig, wenn man prinzipiell Texte eingibt, auch wenn sich zunächst nichts im System bewegt, sei das System ein Mensch, eine Gruppe oder das Internet. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, emergiert eine Reaktion. Im Vortrag wird dies an drei Beispielen ausgeführt: an Schülern als Beispiel für Einzelpersonen, an einer Klasse als Beispiel für eine Gruppe und an Twitter sowie an diversen Kommunikationsplattformen als Beispiel für das Internet.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis

(…)

Und hier geht es weiter (wer mir helfen will, kann auf der Wiki-Diskussionsseite seine Anmerkungen einfügen): Fortsetzung des Ludwigsburger Vortrages (under construction)

Sind die Grünen sexy?

Resume Auf der Suche nach impulsreichen Umwelten nahm ich gestern nach 25 Jahren wieder teil an einer Mitgliederversammlung der Ingolstädter Grünen. Das war eine gute Idee.

1. Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis und mein Besuch bei den Grünen

An anderer Stelle habe ich bereits ausführlich beschrieben, dass und warum Informationsverarbeitung ein Grundbedürfnis von Lebewesen ist. Als Professor, Lehrer und Projektleiter musste ich die letzten 40 Jahre intensiv relevante Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen. Ich war also ausreichend mit der Droge Information (als Quelle der Bedürfnisbefriedigung) versorgt. Da ich im Ruhestand bin und nicht mehr in dem oben beschriebenen Kontext lebe, musste ich mir aktiv äquivalente Strukturen schaffen, was mir nun fast gelungen ist (siehe Die 7 Projekte).  Es bleiben noch ein paar Lücken, die ich durch die Wiederaufnahme der Mitarbeit bei den Grünen schließen möchte, damit ich wirklich flächendeckend in Handlungssträngen involviert bin (permanente Zufuhr von gehirnaktivierenden, relevanten Impulsen).

2.  Sind die Grünen sexy? Was nicht ist, kann noch werden.

Wie in jeder anderen Partei auch stellte sich gestern die Frage der Rekrutierung, insbesondere unter Jugendlichen. Ich äußerte vorsichtig die Vermutung, dass unser Angebot für Jugendliche nicht wirklich sexy sei. Die Themen seien zwar sehr sinnvoll und in hohem Maße zukunftsrelevant, aber wir würden nicht dezidiert in unserem Erscheinungsbild das nach außen ausstrahlen, was Leute anmacht, beispielsweise den heiteren, fröhlichen, innovationsorientierten Umgang mit neuen Medien. Natürlich wurde meine Position kontrovers diskutiert, aber heute konnte ich bereits zwei Grüne Twitterer begrüßen, nämlich frumpy63 und speedwuschel.

Fazit: Die Grünen Themen sind mir eminent wichtig und wenn es uns gelingt, fröhliche Problembewältigung mit Hilfe der neuen Medien als Programm auszustrahlen, dann wird unser Sexybarometer radikal nach oben ausschlagen. Mit entsprechendem Zulauf.