Aristoteles‘ Glücksethik

Entspricht ganz und gar dem von mir in Anlehnung an Maslow entwickelten Menschenbild.

Aus: Tom Morris, 2003,  S. 127

Anhänger der Philosophie von Aristoteles stellen sich das Glück mehr als Aktivität vor, bzw. als eine immer wiederkehrende Teilnahme an etwas, was  Erfüllung mit sich bringt. Echtes Glück und echte Erfüllung sei sozusagen ein Nebenprodukt einer Lebensweise, die der Wohlfahrt des Menschen förderlich ist. Das Glück ist an die Tugend gebunden. Das Glück entspringt der Entdeckung des eigenen Selbst, der Entwicklung der eigenen  Talente und des Einsatzes dieser Talente für den allgemeinen Nutzen anderer wie auch der eigenen Person.

Das moralisch Gute ist demnach die Eigenschaft, echtes Glück, Erfüllung im Leben und die Wohlfahrt des Menschen zu ermöglichen. Ein guter Mensch ist jemand, der das Ziel verfolgt, das Glück und die Wohlfahrt seiner selbst wie auch das der anderen zu befördern. Ein gute Handlung ist eine Handlung, die in diese Richtung zielt. Eine gute Eigenschaft des Menschen oder ein guter Charakterzug ist dasjenige Merkmal, das auf dieses Ziel gerichtete Handlungen ermöglicht.

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Moralische Milieus schaffen…

Richard David Precht empfiehlt in einem kontroversen Gespräch mit dem Ökonomen Ernst Fehr die Schaffung moralischer Milieus, die qua Ansteckung sich auf andere übertragen. Auszug aus der Sendung „Sternstunde Philosophie vom 13.11.2011 um 10:57:

Ich glaube, dass der Schlüssel weder beim einzelnen Individuum liegt, dass wir also sagen, jeder von uns muss sein Leben ändern, noch in einem Appell an die Menschheit oder an globalen Institutionen liegt, sondern an moralischen Milieus. Möglichst viele Umgebungen schaffen, moralische Milieus etablieren, die dann qua Ansteckung – denn so funktioniert Moral – sich auf andere übertragen. Und dann entwickeln sich aus der Gesellschaft neue Verhaltensweisen von dem was wir achten oder ächten. Es wäre z. B. gut, wenn möglichst viele Pensionäre in die Schulen gingen und den Kevins und Achmeds, die in der Schule nicht mitkommen, helfen. Erst ist man mit seinem Einsatz noch alleine, dann aber entsteht möglicherweise ein Druck, dass auch die anderen helfen. Wenn viele spenden, dann ist das Spenden leichter.
Der Sinn eines Appells an die Menschheit läge allein darin, sich selbst zu motivieren.

Theorie und Praxis: der Klettergarten (2).

Resume: Klar dass wir als Menschen versuchen, eindeutige Gesetze zu formulieren, damit in konkreten Situationen rasch und verlässlich entschieden werden kann. Aber jeder Fall ist ein Fall für sich!

Das lehrt mich Petra Kleine in ihrem Kommentar zu meinem Blogeintrag: „Philosophie im Alltag: der Klettergarten„:

petra, on 29. Januar 2011 at 16:12 said:

…wobei vorausgesetzt wird, es sei ein Schwarzbau ist – nur diese fixe Annahme vereinfacht alles. Ist es aber so dass der Klettergartenbetreiber die Auskunft bekam, es brauche keine Baugenehmigung, weil ja keine Erde bewegt/gebaut wird und er hat im Vertrauen darauf die Kletterteile installiert, wirds schon schwieriger. Schwierig auch, wenn die nachträglich nun eingeholte Baugenehmigung sagt, es der Klettergarten sei genehmigungsfähig, wenn bestimmte Auflagen eingehalten würden. Und schwierig, wenn es letztlich keine Frage von legal/illegal ist, sondern eine reine Güterabwägung im leganlen Bereich: wessen Interessen sind die, die am meisten schützenswert wind. 1) die des Grundstückeigentümers, der die nun geforderten Auflagen einhalten würde 2) die der Natur auf seinem Grundstück 3) die der Kleingärtner in der Nachbarschaft, die dort auch keinen Lärm von Schulklassen wollen, die den Garten nutzen könnten 4) die Interessen der Mehrheit aus dem Kreis derjenigen, die entscheiden (müssen/dürfen).

John Rawls.

Resume: In der Philosophie gibt es „harte“ Bereiche, wie die Erkenntnistheorie oder die Logik und weiche. John Rawls hat sich zentral mit Ethik befasst, und Ethik ist ein weicher Bereich.

Auszüge aus: John Rawls, Wikipedia

1. Rawls Beitrag zur politischen Philosophie

In seinem Hauptwerk „A Theory of Justice“ bestimmt er die Rolle der Gerechtigkeit als erste Tugend sozialer Institutionen. Die Aufgabe von Gerechtigkeitsgrundsätzen besteht ihm zufolge darin, die Grundstruktur der Gesellschaft festzulegen, d. h. die institutionelle Zuweisung von Rechten und Pflichten und die Verteilung der Güter. Wie aus der Bezeichnung seiner Theorie („Gerechtigkeit als Fairness“) und seinen Überlegungen zur Rechtfertigung ersichtlich wird, ist seine Gerechtigkeitstheorie eine Theorie der Verfahrensgerechtigkeit.

2. Die zwei Grundsätze der „Gerechtigkeit als Fairness“

1. „Jede Person hat den gleichen unabdingbaren Anspruch auf ein völlig adäquates System gleicher Grundfreiheiten, das mit demselben System von Freiheiten für alle vereinbar ist.“

2.„Soziale und ökonomische Ungleichheiten müssen zwei Bedingungen erfüllen: erstens müssen sie mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die unter Bedingungen fairer Chancengleichheit allen offenstehen; und zweitens müssen sie den am wenigsten begünstigten Angehörigen der Gesellschaft den größten Vorteil bringen (Differenzprinzip).“

Der erste Grundsatz hat Vorrang vor dem zweiten. Dasselbe gilt für die beiden Unterpunkte im 2. Grundsatz: Es ist nicht erlaubt, die Chancengleichheit zu beschneiden, um dem Differenzprinzip mehr Geltung zu verschaffen. In Abgrenzung zum von ihm kritisierten Utilitarismus will er mit diesen Vorrangregeln verhindern, dass zugunsten der Güterverteilung auf Freiheiten verzichtet werden darf.

3. Der Urzustand

Konstruktion einer fairen und gleichen Verhandlungssituation, die die Gerechtigkeitsprinzipien legitimieren soll. In dieser rein theoretischen Situation wird der Gesellschaftsvertrag geschlossen.

  • Gesellschaft von freien und vernünftigen Personen, die miteinander die Grundstruktur ihrer Gesellschaft, ihre Gerechtigkeitsprinzipien festlegen wollen.
  • Interessenharmonie: Zusammenarbeit ist wünschenswert und möglich
  • Interessenkonflikte: Wie werden die Früchte der Zusammenarbeit verteilt?
  • Rational und auf Erfüllung der eigenen Interessen bedacht, jedoch frei von Neid
  • Der Schleier des Nichtwissens: die Personen wissen nicht, welche Position sie in der von ihnen aufgebauten gesellschaftliche Struktur einnehmen werden. Daher ihre Motivation, auch solche gesellschaftliche Stellungen abzusichern, die in der sozialen Hierarchie unterprivilegiert sind. Es könnte ihnen nämlich passieren, dass sie gerade diese Position einnehmen müssten.

Fazit: Wir werden versuchen, uns des weichen Themas hart anzunehmen!

Philosophie (5): das Projekt Partizipation!

Resume Gut, dass ich diesen Gang durch die Philosophiegeschichte angetreten bin. Jetzt kann ich  mein Menschenbild besser begründen. Das wird die theoretische Basis für Seniorenprojekte bei den Grünen (und woanders) sein.

1. Erkenntnistheorie und Ethik

Mir wurde klar, dass die Philosophen sich mit Naturphilosophie (Physik), Metaphysik, Logik, Erkenntnistheorie und Ethik befasst haben. Was mich interessiert ist in erster Linie die Ethik, weil sie mein Menschenbild philosophisch untermauert. Aber die ethischen Positionen selbst werden direkt beeinflusst von den erkenntnistheoretischen Vorstellungen der Autoren. Wenn Platon eine Sphäre der Ideen aufbaut, die nicht über die Sinne zugänglich ist und nur von wenigen Menschen erfasst werden kann, so wird eine Hierarchisierung vorgenommen, die fatale Auswirkungen hat: die Materie ist einem wie auch immer gearteten Geist untergeordnet, die Praxis ist der Theorie untergestellt. Die Menschheit lässt sich einteilen in solchen, die Zugang zur Theorie haben und sich ihr widmen und solchen, die für inferiore Tätigkeiten bestimmt sind. Das „idealistische“ Konzept, wie es Platon vertritt, hat also verheerende Auswirkungen auf seine Ethik. Epikur dagegen, der eine materialistische Erkenntnistheorie vertritt, leitet daraus ethische Prinzipien, die Bedürfnisbefriedigung als Glückvoraussetzung in den Mittelpunkt stellen und Maslow in weiten Teilen vorwegnehmen.

2. Das Projekt: Partizipation

Mein Menschenbild wird untermauert durch eine Reihe von Philosophen von der Antike bis zur Gegenwart. Auf diese Weise wird eine stabile Basis geschaffen für die permanente Reflexion, die innerhalb von Parteien geführt werden muss, damit die politischen Forderungen sich an individuellen und kollektiven Bedürfnissen orientieren.

– Partizipation wird als Grundbedürfnis definiert und es wird innerhalb und außerhalb der Partei dafür geworben, dass sich die Bürger aktiv am Prozess der Willensbildung beteiligen.  Den Bürgern werden Hilfen angeboten, um die Partizipation zu erleichtern (Internetschulungen).

– Das beschriebene Modell wird im Rahmen von Vorträgen auf Tagungen vorgestellt und diskutiert.

Fazit Die Ressourcenorientierung gebietet, dass man die BürgerInnen so intensiv wie möglich an der Reflexion über die Strukturen der Gesellschaft beteiligt. Es ist Aufgabe der Parteien, diese Partizipation zu fördern.