„Sie will nur wissen und nicht glauben.“

mccab99, am 24. Februar 2010 um 20:53 sagte:

@JapPirate:  Friedrich Nietzsche hat als einer von vielen höchst logisch nachgewiesen, dass schon deine Sprache mit der du kommunizierst, mit der du denkst, aus der du deine wissenschaftlichen Theoriegebäude baust, zu alledem überhaupt nicht taugt, weil sie Welt nicht universell beschreiben kann – genau aus diesem Grund fällt es Computern immer noch schwer, zwischen Dingen wie “Baum” und “Strauch” zu differenzieren. Alles “Wissenschaftliche” gilt im Prinzip nur innerhalb eines axiomatischen Rahmens, den Wissenschaft selbst willkürlich setzt (bitte verstehe den Begriff “Willkür” mathematisch und nicht umgangssprachlich). Rein logisch unterscheidet sich dieser axiomatische Rahmen erstmal nicht von den Setzungen wie sie eine Religion vornimmt. Er ist auf den ersten Blick lediglich inhärenter. Schau einmal in die moderne Elementarphysik – du kommst aus dem Nichts, du bestehst aus nichts und bewegen tust du dich allenfalls gequantelt. Deine Sinne sind lediglich zu unvollkommen, um das auch wahrzunehmen. Oder um es komplizierter mit Karl Jaspers zu sagen: “Falsche Aufklärung meint alles Wissen und Wollen und Tun auf den bloßen Verstand gründen zu können (statt den Verstand nur als den nie zu umgehenden Weg der Erhellung dessen, was ihm gegeben werden muss, zu nutzen); sie verabsolutiert die immer partikularen Verstandeserkenntnisse (statt sie nur in dem ihnen zukommenden Bereich sinngemäß anzuwenden); sie verführt den Einzelnen zum Anspruch, für sich allein wissen und auf Grund seines Wissens allein handeln zu können, als ob der Einzelne alles wäre (statt sich auf den lebendigen Zusammenhang des in Gemeinschaft in Frage stellenden und fördernden Wissens zu gründen), ihr mangelt der Sinn für Ausnahme und Autorität, an denen beiden alles menschliche Leben sich orientieren muss. Kurz, sie will den Menschen auf sich selbst stellen, derart, dass er alles Wahre und ihm Wesentliche durch Verstandeseinsicht erreichen kann. Sie will nur wissen und nicht glauben.” Auflösen kannst du das nicht. Du musst mit dieser Spannung leben und du musst auch rein logisch einkalkulieren, dass du dich bei deiner Deutung/Erklärung von Religion irrst.

Ohne Not denkt der Mensch nicht: Grzega und Spannagel

Resume Am intensivsten denkt man nach, wenn man sich in einer Notsituation befindet. Man sucht, manchmal verzweifelt, nach Lösungen. Auch in der Wissenschaft.

1. Aktionsforschung

Will man sich dazu zwingen, intensiv nachzudenken, begibt man sich am besten in eine Notsituation, denn ohne Not denkt der Mensch nicht (so Bertolt Brecht). Die Aktionsforschung ist in der Pädagogik und der Didaktik der anstrengendere Weg, zur Erkenntnis zu gelangen. Vor allem, wenn man sich selbst zum Gegenstand der Forschung macht. Man begibt sich in das zu optimierende Feld (Unterricht) und versucht, durch trial and error Verbesserungen einzuleiten.

2. Joachim Grzega

Seit mehreren Jahren arbeitet Joachim Grzega in seinen universitären Veranstaltungen nach LdL. In unzähligen Kursen hat er nach ein paar Sitzungen Befragungen durchgeführt und immer wieder Lob, aber auch heftige Kritik erfahren. Diese Kritik schmerzt, lässt einen nicht ruhen. Solange man keine Lösung gefunden hat, leidet man, existentiell. Es gibt keinen anderen Weg, tiefgreifende Erkenntnisse zu gewinnen und grundlegende Änderungen und Verbesserungen zu entwickeln. Am grünen Tisch leidet man nicht. Daher auch die relative Folgenlosigkeit der am grünen Tisch entwickelten Vorschläge.

3. Christian Spannagel

Vor kurzem hat Christian Spannagel in einer Vorlesung mit 120 Teilnehmern die Neuronen-Technik eingeführt. Ein mutiges, gewagtes Experiment. Und er hat sich ein Feed-Back geben lassen! Viel Lob, und nicht wenig Kritik. Diese Kritik hat er aufgegriffen und umfangreiche Umgestaltungen angesteuert. Bravo! Er wird sein Konzept wieder testen, er wird wieder Lob und Kritik ernten, er wir sein Modell erneut verändern und dann in seinem Kurs testen, immer wieder. Das ist Aktionsforschung und der Königsweg der Pädagogik und Didaktik. Die Schmerzen inklusiv!

Fazit Wenn du in Pädagogik und Didaktik Neues schaffen willst, musst du leiden!