Das kleine Energie-Video. Für Antony Crossley.

Resume Antony Crossley hat mich vor einiger Zeit gebeten, ein kleines Video über meine Auffassung von „Energie“ zu erstellen. Er will es morgen in seiner Veranstaltung zeigen.

1. Anthropologische Voraussetzungen

An anderer Stelle habe ich bereits ausgeführt, dass eine wesentliche Eigenschaft „erfolgreicher Problemlöser“ das explorative Verhalten sei. Exploratives Verhalten ist mit Risiken und Anstrengungen verbunden, man muss Hürden überwinden. Wenn die Aktionen allerdings gelingen, werden wir mit „Kicks“ (Flow) belohnt. Diese Belohnungen müssen sein, denn sonst würden wir in Passivität verharren und bald nicht mehr lebensfähig sein. Um sich aber zum Handeln aufzuraffen, braucht man Energie.

2. Woher beziehe ich meine Energie?

Als ich noch als Hochschullehrer und am Gymnasium aktiv war, wurde ich immer wieder gefragt, woher ich meine Energie beziehe. Und meine Antwort war stets dieselbe: von den Schülern, den Studenten und den sonst an meiner Arbeit Interessierten. Da ich meine Arbeit stets als Projekt strukturierte, war ich auf die Unterstützung der Teilnehmer angewiesen. Wenn sie sich mit meinen Zielen identifizierten, brachten sie mir Zuspruch, intensive Mitarbeit und emotionale Zuwendung. Das waren die Energiebausteine, aus denen ich meine Kraft bezog. Noch mehr: das Ziel, gemeinsam anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen, zwang uns, in uns selbst alle vorhandenen Energien zu mobilisieren um auftretende Schwierigkeiten zu überwinden. Belohnt wurden wir durch permanenten Flow. Heute hole ich sehr viel Energie aus dem Netz. Schon in der Früh, bei meinem ersten Griff zu Twitter, erfahre ich Zuwendung, Motivation und Ansporn. Ich erhalte kleine oder größere Aufträge, wie beispielsweise den, einen Beitrag über „Energie“ für einen Kommunikationspartner zu erstellen.

Fazit  Wenn es mir gelingt, relevante Projektziele auszumachen und einer Gruppe anzubieten, schenken mir die Teilnehmer ihre Energie, damit wir gemeinsam das Ziel erreichen.

Guter Futterverwerter

Resume Immer schon haben mich Kollegen und Studenten gefragt, woher ich meine Energie beziehe. Die Antwort war stets: „von euch“. Und das geht so:

1. Jäger und Sammler

An anderer Stelle habe ich bereits beschrieben, dass ich, als ich 1980 auf die Idee kam, meine Schüler sich gegenseitig unterrichten zu lassen, kaum institutionelle Unterstützung erhielt und sehr stark auf Hilfe von außen angewiesen war. Insofern befand ich mich wie ein afrikanischer Jäger und Sammler in einer ressourcenarmen Umwelt. Daher habe ich mich sehr früh daran gewöhnt, kleine Unterstützungen energetisch ganz aufzusaugen, wie bestimmte Populationen sich von ein paar Raupen ernähren können. Da genügt ein netter Satz hier oder da, die positive Äußerung eines Schülers und schon läuft der Motor ein paar hundert Kilometer weiter.

2. Internet als ressourcenarme Umwelt?

Auf den ersten Blick wird das Internet energietechnisch wie das Schlaraffenland. Blühende Landschaften wo man nur sieht. Unendlich viele Menschen, alle klug und kooperationswillig. Vom Ernährungswert trügt es. Nicht, dass ich mich selbst zu beklagen hätte, ganz im Gegenteil: ich will nur betonen, dass man sich eine andere Strategie als in der realen Welt zulegen muss. Wenn es angesichts der Volatilität der Beziehungen gelingt, eine freiwillige virtuelle Arbeitsgruppe längere Zeit (sagen wir ein paar Monate) handlungsfähig zu erhalten, ist es ein großes Geschenk! Wenn man ein langfristiges Projektziel anstrebt, sollte man sich beim Erreichen jeder neuen Etappe freuen und wissen, dass plötzlich Windstille eintreten kann, die sogar zum Tod der Beteiligungsinitiative führt.

3. Energie auch aus kleineren Projekten beziehen

Für Jäger und Sammler ist das Internet sehr üppig bestellt. Man muss sowohl Projektformate anbieten, die innerhalb eines Tages erledigt werden können, als auch solche, die auf mehrere Jahre angelegt sind. Als Beispiel für kurzfristige Projekte ist die Erstellung von kleinen Wissenscontainern zu nennen, wie beispielsweise der Container Web 2.0. in Schule und Hochschule. Für die Durchführung längerfristigerer Projekt empfiehlt sich das IPK-Format. Nach wie vor ist die Wikipedia als langfristiges Projekt kollektiver Wissenskonstruktion in ihrer Nachhaltigkeit unübertroffen.

Fazit Auch für die Durchführung von kollektiven Projekten lassen sich Kontakte im Internet herstellen. Allerdings muss eine andere Strategie angewandt werden als in der realen Welt.