Für Felix.

Lieber Felix,

Mir ist natürlich bewusst, dass ich mit meinen Begriffwiederholungen den meisten gehörig auf den Kecks gehe!:-)) (du siehst, ich vermeide in diesem Text jede Provokationen dank neutraler Wortwahl!:-))

Aber meine Erfahrung ist, dass ohne dieses Vorgehen keine Botschaft durchdringt. Und wenn der zu verbreitende Inhalt wertvoll ist, verzeihen mir die Leute die schrille Machacht. Zumindest glaube ich, dass der Erfolg mit LdL mir Recht gibt und es sieht so aus, dass Menschenbild auch auf einem guten Weg ist, obwohl ich es erst seit einem Jahr richtig fördere. Und was die Basisperspektive angeht, ich versuche, überall Menschen anzuregen, zu partizipieren und ihr Wissen aktiv einzubringen, auch dies nicht ohne Erfolg.

Nur darf ich nicht immer dieselben Bereiche aufsuchen. Educamp war eine zeitlang sehr günstig, jetzt glaube ich, dass ich dort wenig Neues einbringen kann und suche neue Gebiete, insbesondere politische oder sozialpolitisch orientierte Vereine und Gruppen. Das hat auch den Vorteil, dass ich selbst auf ganz andere Ideen und Themen komme…

Ganz herzlich!

Jean-Pol

Glossar:

Begriffswiederholungen = redundant einspeisen

gehörig auf den Kecks = auf den Sack

Provokation = Perturbation

fördere = pushe

Basisperspektive = Bottom-Up

neue Bereiche = neue Resonanzräume

Kollektive Reflexion organisieren. #educamp aachen 2010

Resume Auf dem Educamp in Aachen möchte ich aufzeigen, wie unter Heranziehung zahlreicher Tools langfristige kollektive Reflexion eingeleitet und organisiert werden kann.

1. Verhalten im Netz

Neuronenverhalten

2.  Produkte

Als Impuls für die kollektive Reflexion braucht man ein Produkt. Je komplexer und umfangreicher das Produkt, desto größer die Chance, dass die Reflexion nachhaltig wird. In meinem Fall war vor einigen Jahren mein Angebot eine Unterrichtsmethode, Lernen durch Lehren, auf die ich an vielen Orten aufmerksam machte – auch bevor es das Internet gab. Als das Internet aufkam war einer meiner ersten Aktionen, einen Artikel für die Wikipedia zu verfassen.

In diesem Zusammenhang hatte ich ein „Menschenkonstrukt“ entwickelt, das inzwischen zu meinem Hauptprodukt geworden ist. Eng damit zusammenhängend ist mein weiteres Produkt, die bottom-up Perpektive. Sowohl das eine als auch das andere kann man als Brillen bezeichnen (frei nach Kant).

3. Denkressourcen mobilisieren

Die „Produkte“ werden eingespeist (eventuell auch „Perturbationen„):

Das Menschenbild:

Mein Blog (1) – Educamp Hamburg 2010Die Piraten (1)Die Piraten (2) –  Die Piraten (3) – Die Grünen –  Mixxt-Plattform der GrünenEducamp AachenMein Blog (2) – Auf französisch (Lanig Garo) – Und dazu permanent Twitter (872 Followers) und Facebook (237 Freunde).

Die bottom-up-Brille:

Educamp Hamburg 2010Die Ingolstädter Grünen – Bottom-up in Ingolstadt: Kreativstadt Ingolstädter Thai

4. Die dynamische Schlaufe

Ressourcenorientierung bedeutet, dass die Kreativität und Motivation der Menschen vor Ort mobilisiert wird. Sie erhalten die Möglichkeit, ihr Wissen zu einem Produkt zu gestalten, das von der Gruppe rezipiert und dann diffundiert wird. Zur Verbreitung gehört ein gekonnter Einsatz von Internettools und die Fähigkeit, weiterführende Reflexion durch Kommentieren und lenken von Aufmerksamkeitsströmen in Gang zu halten (Netzsensibilität).

Fazit Partizipation ist kein Prozess, der spontan erfolgen kann. Dazu braucht man Strukturen und ein Wille, begonnene Reflexion systematisch anzuleiten und nachhaltig zu begleiten.

Menschenbilder? Unsere Brillen. #educamp 2010

Resume Wir sind mit Erkenntnisbrillen ausgestattet.  Einige sind angeboren (Raum, Zeit und Kausalität), andere werden im Laufe unserer Sozialisation erworben. Auch unsere Menschenbilder sind Brillen. Können Grüne und Piraten dieselbe Brille tragen?

1. Ausgangspunkt

Wir benutzen in der Regel unsere Erkenntnisinstrumente automatisch und unhinterfragt. Dies gilt beispielsweise für die Anschauungsformen Raum und Zeit, oder für die Kategorie der Kausalität, wie dies Kant aufgezeigt hat. Die Art und Weise wie wir mit unserem Alltag umgehen, hängt von unseren Erkenntnisinstrumenten ab.  Je besser diese, desto höher unsere Glückschancen. Daher ist es von großer Bedeutung, dass wir von Zeit zu Zeit unsere Denkinstrumente prüfen und gegebenenfalls optimieren. Auch Menschenbilder sind Denkinstrumente, die  wir im Laufe unserer Sozialisation erworben haben: wir sollten sie hinterfragen, denn es macht für unseren Alltag einen großen Unterschied, ob wir beispielsweise Menschen prinzipiell als „gut“ oder prinzipiell als „schlecht“ betrachten.

2. Grüne und Piraten auf der Suche nach einem Menschenbild

Im Zuge des allgemeinen Paradigmenwechsels entstehen neue Parteien und es werden Basics redefiniert. Es erfolgt eine Neubesinnung auf die essentials, wie dies in einem anderen historischen Kontext bereits Descartes getan hatte oder eben Kant. Gibt es etwas, was wir über den Menschen wissen und was einen allgemeinen Konsens finden könnte, damit wir zumindest denselben Ausgangspunkt habe, wenn schon nicht dieselben Ziele?

3. Es hat sich ergeben…

dass auf unterschiedlichen Ebenen einige Piraten und einige Grüne dasselbe Menschenbild als Ausgangspunkt ihrer Überlegungen aufgegriffen haben. Im Falle der Grünen handelt es sich um den Kreisverband Ingolstadt, wo Lanig Garo ein ausgearbeitetes Menschenkonstrukt in die Homepage eingespeist hat. Innerhalb von zwei Wochen wurde es 1.200 mal angeklickt. Im Falle der Piraten geht es um ein Etherpad, das nach einem programmatischen Bundestreffen in Kassel eingerichtet wurde.

4. Was ich in Aachen diskutieren möchte

Auf dem Educamp in Aachen möchte ich aufzeigen, mit welchem Internet-Verhalten es gelingen kann, brisante Themen in relevante Gruppen einzuspeisen und diskutieren zu lassen. Die Teilnehmer werden überlegen, ob auch sie in ihrem Wirkungsbereich Themen einspeisen wollen und wie sie „taktisch“ vorgehen können.

Fazit Ab und zu sollten wir unsere Brillen ansehen und uns fragen, ob wir sie nicht optimieren oder gegen modernere austauschen wollen.

Lehrstühle für Fahrradkompetenz?

Aus gegebenem Anlass!:-))

Medienkompetenz erlangt man, indem man die Medien benutzt. Da brauche ich keine Theorie, keinen Lehrstuhl, keinen Mentoren, keinen Warner, keinen Ernstdreinblickenden. Auch das Fahrradfahren habe ich learning by doing gelernt. Und ein  Antiintellektueller bin ich nicht! Auch kein Parasit! Ich habe sogar eine neue, schlanke Definition für Bildung aufgestellt. Ich bin auch kein Perturbator, kein Loser, kein Unetablierter. Ich forsche permanent, und ich glaube sogar sehr erfolgreich!

Das nur nebenbei, zwischen Frühstück, Süddeutsche Zeitung, Donau Kurier, und Forschung, Forschung, Forschung…

Yeah!

Skype und meine neuen Arbeitsstrukturen

Resume Aus Gesundheitsgründen habe ich mich vom realen Unterricht verabschiedet. Eine neue Arbeitsstruktur ist gerade dabei zu entstehen.

1. Ich weiß was, was du nicht weißt

Natürlich hat es wenig Sinn, wenn ich mich überall zu Wort melde, ohne über einen Wissensvorsprung in einem relevanten Bereich zu verfügen. Aufmerksamkeit kann ich nur erwarten, wenn ich was Neues zu erzählen habe. Meine Produkte sind

Lernen durch Lehren: nach wie vor gibt es viele Menschen im Bildungssystem, die LdL nicht kennen oder die sich näher mit dieser Methode und deren theoretischen Hintergründen befassen wollen.

Internetkommunikation: auch wenn das Thema Hochkonjunktur hat und jeder sich als Experte fühlt, in diesem Bereich arbeite ich seit 1996 sehr intensiv, sowohl mit Schülern und Studenten, als auch mit Kollegen aus der Wissenschaft. 2001 habe ich zum Beispiel ein Projekt durchgeführt, bei dem ich mich von einer Community durch New York führen ließ. Das war lustig und damals sehr innovativ. Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch mit Mitarbeitern das Modul „Internet- und Projektkompetenz“ ins Leben gerufen, das heute von Michael Kratky erfolgreich weitergeführt wird. Vor anderthalb Jahren wurde ich von Steffen Büffel als Experte zum ersten Educamp eingeladen und das hat meine Arbeit seit diesem Zeitpunkt stark geprägt, insbesondere durch meine Bekanntschaft mit Christian Spannagel, Alexander Rausch, Lutz Berger und Michael Wald. Seit einigen Monaten versuche ich die Ingolstädter Grünen in diese Richtung zu beeinflussen, in der letzten Zeit mit besonderem Erfolg.

Insofern weiß ich was, was andere (noch) nicht wissen.

2. Neue Arbeitsstrukturen

Da ich gesundheitsbedingt aus dem realen Unterrichtsgeschehen herausgerissen wurde, sitze ich relativ viel zu Hause, allerdings mit täglichen morgendlichen Ausflügen ins Schwimmbad (ich hoffe, ich halte es konsequent durch).  Was ist naheliegender als Interessenten zu bieten, dass ich mich per Skype in Unterricht und sonstige Veranstaltungen einbringe? Natürlich verlangt es, dass ich besonders aktive und engagierte Partner finde.

– Mit Björn aus Bergen (Norwegen) wurde bereits ein Projekt in diesem Sinne gestartet. Am letzten Mittwoch habe ich mich per Skype in eine Veranstaltung an seiner Schule eingemischt. Für Dezember ist geplant, dass ich eine Französischklasse in Bergen zwei Doppelstunden nach LdL per Skype unterrichte. Die entsprechenden Texte liegen mir bereits vor.

– Heute Vormittag haben Oliver Tacke und ich geplant, dass ich nächste Woche per Skype in einer seiner Kursen Fragen seiner Studenten zu LdL beantworte.

Prinzipiell ist es möglich, dass alle, die weltweit an LdL interessiert sind, mich bitten, per Skype (Adresse: jeanpolmartin) mit ihren Schülern, Studenten und Kollegen in Kommunikation zu treten.

Fazit Mit wenig Aufwand kann man mithilfe von Skype Erkenntnisprozesse sehr rasch, weltweit auslösen. Ich warte auf weitere Anfragen!

Educamp Ilmenau 2009

Resume Von Freitag bis Sonntag war ich in Ilmenau auf dem Educamp.

1. Der Rahmen

Das Educamp hat bisher dreimal stattgefunden: zweimal in Ilmenau und einmal in Berlin. Die gesamte Stimmung ist basisdemokratisch, was bedeutet, dass jeder, der eine gute Ideen hat, spontan eine Session zu einem Thema anbieten kann. Ein solches Konzept mit vielen Unwägbarkeiten verlangt von den Organisatoren Talent, nicht nur was die technischen Abläufe angeht (je spontaner, desto  größer die Anforderungen an die Adaptationsfähigkeit der Strukturen) sondern zwischenmenschlich, um den Gästen das Gefühl zu vermitteln, dass sie und ihre – gelegentlich komplizierten – Wünsche willkommen sind. Dies gelingt Thomas BernhardtSteffen Büffel und Marcel Kirchner hervorragend. Man fühlt sich dort wie zu Hause, unter Freunden.

2. Ein paar Sätze an

@Claudia Als wir uns noch kurz vor dem Bahnhof unterhielten, habe ich etwas scheinbar Widersprüchliches gesagt: ich sagte, dass man durch Bloggen schnell zu einem tieferen Austausch kommt und die essentials (Menschenbild und fundamentale Ziele) einer Person rasch erfährt. Dann bestünde die Gefahr, dass man das Interesse verliert, weil man die Person kenne und nichts Neues mehr erwarte. Andererseits behaupte ich, dass durch Bloggen eine Vertiefung der Beziehungen entsteht, was Nachhaltigkeit fördert. Letzteres stimmt, aber nur dann, wenn nach den vertieften Einsichten dann zügig gemeinsame Ziele und Projekte angesteuert werden. Daher auch der Begriff nachhaltige Projektbeziehungen.

@Michael Nach unseren Gesprächen und unserer gemeinsamen Session fühle ich mich noch mehr verpflichtet, Qualität zu bringen. Vor allem, wenn wir dann tatsächlich ein Projekt gemeinsam durchführen.

@Felix Ähnliches gilt für dich: wenn ich euch als Denkpartner behalten will, darf ich nicht nachlassen!:-)))

3. Alexanders Vorstellung des Bénin-Projektes

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4. Mein Gefühl danach

Konsumiere Menschen nicht! Auch nicht in Twitter!

Resume Die Andockmöglichkeiten, die im Web2.0 angeboten werden, verführen zum Menschenkonsum und Ressourcenverschwendung: es werden Energien, darunter auch Emotionen vergeudet. Was mache ich dagegen?

1. Meine Beobachtungen seit neun Jahren (Foren, Wikipedia, Educamp, Twitter)

Mein erstes Forum habe ich im März 2000 in der ZUM erröffnet.  Es meldeten sich verschiedene Menschen (Schüler, Kollegen und Studenten) und ich nahm mir damals vor, sofort auf die Beiträge einzugehen und niemals eine Kontaktaufnahme unbeantwortet zu lassen. Nur so konnte ich meine Gesprächspartner halten und ich wollte auch Respekt zeigen. Natürlich verschwanden die Besucher immer wieder, aber ich selbst habe sie nie im Stich gelassen. Ich wollte sie nicht konsumieren. Bei diesem Prinzip bin ich geblieben. Ich habe Web2.0-Projekte an der Uni initiert und auch da war mein Motto, Studentenanfragen sofort zu beantworten und anvisierte Projekte durchzuführen, auch wenn manchmal von 20 Studenten nur 2 übrig blieben. Ähnliches mein Verhalten in der Wikipedia, wo die Leute ohnehin bereits auf nachhaltige Arbeit eingestimmt sind.  Als ich mir vor einem Jahr auf der Educamp-Plattform einen account anlegte in der Überzeugung, hier würden die Leute besonders fix sein und angesichts des anvisierten Camps zuverlässig und intensiv kommunizieren, war ich überrascht: so ernst war die Kommunikationsplattform nicht gemeint. Als ich unter Nutzung der Tools meine „Freunde“ per Rundmails informieren wollte, stellte ich fest, dass auch diese Möglichkeit nicht wirklich ernst gemeint war. Es schien als ob man die Leute anziehen, aber nicht richtig bedienen wollte. Inzwischen ist ein Jahr vergangen und es hat sich im Educamp-Bereich viel getan.

2.  Anlocken und dann nachhaltig bedienen

Als Forscher gibt es diverse Erkenntnisse, die ich gerne verbreiten möchte. Dazu begebe ich mich in Felder, wo sich viele Menschen versammeln und ich versuche, Aufmerksamkeit zu erregen, z.B. durch Perturbationen. Meine Einstellung zu diesem Vorgang ist sehr klar: wenn von 100 Leuten 99 indifferent bleiben oder sich ärgern und eine Person positiv reagiert, dann hat es sich gelohnt (Spermatozoidenmetapher). Dieser Zugriff und allein dieser (also 100 Leute anpsrechen um nur einen Interessenten zu erreichen) könnte als zynisch empfunden werden. Alle anderen Schritte sind von Respekt geprägt: wenn jemand mit mir interagiert, dann hat er Anspruch auf meine ganze Aufmerksamkeit und Zuwendung. Dies gilt für die von mir moderierten Foren, für meinen Blog, für diverse Plattformen auf denen ich Personen anlocke und für Wikis sowieso, weil dort intensiver zusammengearbeitet wird. Was Twitter angeht, so vertrete ich dieselbe Position: a) Leute durch Präsens und interessante Beiträge (auch Perturbationen) aufmerksam machen, b) wenn jemand sich auf Interaktionen einlässt, nachhaltig bedienen und wenn alles gut geht, c) mit ihm ein Projekt anbahnen. Natürlich hat das zur Konsequenz, dass ich nicht überall Foren und Plattformen eröffne, die ich dann nicht bedienen kann, sondern dass ich genau überlege, wo und warum ich eine neue Kommunikationsmöglichkeit schaffe.

Fazit Wenn ich Menschen zu Interaktionen verlocke, entstehen bei ihnen Erwartungen. Sie haben mir Energie geschenkt und möchten eine Gegengabe. Wenn ich nicht mehr reagiere, habe ich sie reingelegt.