CS, Herr Rau und die Ökonomie der Aufmerksamkeit

Resume Noch einmal zum Thema: „Wie bringt man Menschen dazu, neues Wissen zu konstruieren?“ CS konstruiert neues Wissen, das von Herrn Rau aufgenommen wird.

1. Man kommuniziert dann, wenn der eine etwas weiß, was der andere nicht weiß.

Als Lehrer für Französisch und Deutsch war mein wichtigstes Anliegen, die Schüler dazu zu bringen, miteinander themenbezogen zu kommunizieren. Im musste also eine Situation schaffen, in der die einen über ein für die anderen neues und relevantes Wissen verfügten (siehe: „Ich weiß was, was du nicht weißt„).  Und so entstand LdL. Bald stellte sich natürlich die Frage, was genau „relevantes Wissen“ bedeutet. Im Unterricht liegt schon einmal der Lernstoff vor, der eine gewisse Relevanz besitzt, denn Lehrplanautoren sind nicht a priori dumm. Aber es muss ein anderes Wissen dazukommen, damit die Schüler wirklich ein hohe Motivation haben, diesen Stoff weiterzugeben. Wenn ich die Schüler in die Situation bringe, dass sie selbst relevantes Wissen konstruieren, dann ist die Chance größer, dass sie dieses auch ihren Mitschülern vermitteln wollen. So lasse ich sowohl in der Schule als auch an der Uni kleine und größere Projekte durchführen, die in die Schaffung neuen Wissens münden (siehe IPK).

2. Neues Wissen konstruieren und diffundieren.

Als Didaktiker und Pädagoge möchte ich, dass meine Schüler und Studenten ein Wissen erstellen, das zur Vebesserung unser aller Situation führt. Es hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnten beispielsweise gezeigt, dass der Einsatz der Methode Lernen durch Lehren im Unterricht zu einer deutlichen Verbesserung des Lernklimas und der Lernerfolge führen kann. Insofern liegt ein Wissen vor, das im Sinne der „Weltverbesserung“ diffundiert werden sollte.  Es hat sich aber ergeben, dass nach dreißig Jahren Verbreitungsaktivitäten durch die LdL-Adepten die Methode als Begriff zwar bekannt wurde, aber dass die Lehreröffentlichkeit mit dem Terminus eine Vorstellung verbindet, die ganz und gar nicht der LdL-Theorie und der LdL-Praxis entsprechen.

3. CS & co. schaffen neues LdL-Wissen

Durch diverse Aktivitäten kam CS auf Lernen durch Lehren und er beschloss, seine Studenten im WS 2008-2009 damit zu befassen. Nachdem er und sein Kurs sich ein Bild dieser Methode anhand der vorhandenen Schriften und Filme verschafft hatten, fuhren sie nach Eichstätt, um dort Material zu sammeln. Bei all diesen Aktionen wurden sie kräftig durch Lutz Berger unterstützt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte diese Gruppe noch kein neues LdL-Wissen konstruiert. In Eichstätt aber entdeckten die Protagonisten, dass sie über die Schriften und Videos ein gänzlich anderes Bild von LdL gewonnen hatten, als die Praxis vor Ort zeigte. Es emergierte neues LdL-Wissen, das CS in einem epochalen Blogeintrag zusammenfasste.

4. CS weiß, was Herr Rau nicht weiß

Und nun greift die von mir beschriebene Dynamik der Wissenskonstruktion. CS & co. haben ein neues Wissen geschaffen, das im Bildungsbereich Relevanz besitzt, denn a) die Methode LdL wird in Seminaren und Zeitschriften erwähnt, b) die Vorstellung, die von LdL verbreitet wird, ist irrig, und c) CS & co. wissen nun wie LdL wirklich funktioniert und dass – richtig gehandhabt – die Methode eine Optimierung des Unterrichts darstellt. Sie wissen also viel mehr über das relevante Thema LdL als das Gros der Lehreröffentlichkeit. Herr Rau, der ein bekannter Lehrer-Blogger ist und eine große Reputation genießt, greift das Thema auf:  „Zuvor war LdL nämlich nur ein Schlagwort unter vielen für mich; an der Uni habe ich nichts davon gehört; die Ansätze im Unterricht, die ich mitgekriegt habe, liefern heraus auf: Schüler halten Referate zum neuen Stoff. Und das ist LdL nicht.“

Dank CS  & co. weiß Herr Rau was, was viele andere nicht wissen! Und viele Lehrer lesen den Blog von Herrn Rau.

Fazit Es bringt Aufmerksamkeit und Freude, wenn man etwas weiß, was andere nicht wissen. Besonders schön ist es, wenn man selbst das neue Wissen konstruiert hat. Und so kann man als Lehrer und Dozent andere Menschen motivieren neues, relevantes Wissen zu konstruieren.