67 Jahre Reflexion über glückbringende Strukturen

Auszug aus meiner Biographie:

Fleißig studieren, und dann das! – Daniel Cohn-Bendit

Ab Januar 1968 besuchte ich sehr pflichtbewusst die vorgeschriebenen Kurse. Es war meine letzte Chance und ich wollte mir nichts zuschulden kommen lassen. Auf dem Programm standen u.a. Fichtes Reden an die Deutsche Nation, Faust, Nietzsche. Nation und Elite, das passte ganz gut in meine Gedankenwelt. Wir behandelten auch Brecht und die Expressionistischen Dichter, auch das war in Ordnung. Ich wollte gute Noten bekommen und meine Prüfungen bestehen. Und gute Noten bekam ich auch. Schrittweise baute ich mein Selbstbewusstsein wieder auf, das in den vorangehenden Jahren so sehr gelitten hatte. Eines Tages, es war Mitte März, stieg ich in der Früh aus dem Bus, der uns von Paris nach Nanterre brachte, als ich zu meinem Entsetzen festellte, dass die schön weiß gestrichenen Wände der Eingangshalle mit schwarzen Grafitis versprüht waren. Es waren teilweise anarchistische Sprüche, (weiter)

Entnaivisieren.

Im Augenblick arbeite ich sehr fleißig an meiner Autobiographie. Ich decke rückblickend auf, wann und in welchem Kontext ich konstitutive Bausteine meiner Identität gemeißelt habe.

Zum Beispiel das Konzept der Entnaivisierung (Auszug):

Von dieser Zeit ist mir der absolute Wunsch geblieben, meine Schüler und Studenten zu entnaivisieren. Das spielt in meinem Leben und meinem Wirken auch heute noch eine zentrale Rolle. Auch der Text, den ich jetzt als meine Biographie verfasse, folgt diesem Ziel. Unter entnaivisieren verstehe ich auch, dass manipulative Verhaltensweisen, die von den Verursachern selbst nicht erkannt werden, aufzudecken sind. Viele Politiker und sonstige Machthaber, die grundegoistische Ziele verfolgen, merken es selbst nicht und glauben, sie würden sich tatsächlich für die Partei oder das Volk aufopfern. Und das verkünden sie auch wahlwirksam. Das sollen meine Kinder, meine Schüler und meine Studenten durchschauen.