Ist Ruhm qualitätsfördernd?

Aus dem Blog von Christian Spannagel:
1. Christians ausgangsstatement ist, dass die qualität der forschung eines wissenschaftlers durch ruhm erhöht wird, weil berühmte leute mehr als andere mit relevanten, qualitativ hochstehenden impulsen beliefert werden. Es ist Christians ziel, höchste qualität in seiner forschung zu erreichen, damit er über den tod hinaus rezipiert wird. Um dieses ziel zu erreichen, scheint ihm ruhm ein guter weg zu sein.
2. M.g. ist der ansicht, dass ruhm die gefahr birgt, dass man dort hängen bleibt (sucht) und das eigentliche ziel (hervorragende forschung zu leisten) aus den augen verliert.
3. Marcus teilt die position von Christian, sieht aber als problem, dass ruhm zu einem überangebot an impulsen führen kann, die die verarbeitungskapazität des forschers übersteigt. Dazu meint Christian, dass man ein teil der überschüssigen impulse an eine größere gruppe zur verarbeitung weiterleiten kann.
4. Ich selbst füge zu Christians schilderung hinzu, dass die stimmung des forschers von der menge und qualität der stimuli abhängt. Das gehirn ist so konstruiert, dass der prozess der informationsverarbeitung mit glücksgefühlen begleitet wird. Ruhm führt zur zufuhr von mehr und besseren stimuli, der informationsverarbeitungsprozess gewinnt an qualität und der berühmte forscher ist glücklicher als der nicht-berühmte.
Das sind die inhaltlichen aspekte in aller kürze.
Die diskussion wird begleitet von diversen kommentaren über den charakter von Christian: in der mehrheit wird seine ehrlichkeit gelobt, aber auch warnende stimmen sind zu vernehmen.

Christian Spannagel und die Ökonomie der Aufmerksamkeit

Christian Spannagel über seine Gothic-Erscheinung:

„(…) Natürlich kokettiere ich auch gerne damit wie beispielsweise hier im Video mit Graf Zahl oder bei einem Video zu unserer MOOC-Bewerbung (Achtung: schon gevoted? Wir brauchen eure Stimme!). Ich nutze die Strangeness für die Gewinnung von Aufmerksamkeit. Ich müsste ja nicht unbedingt das vampirige Zylinderbild im Web verwenden, aber dadurch macht man neugierig, und Menschen treten mit mir in Interaktion. Jean-Pol Martin hatte es mal auf den Punkt gebracht: Durch Aufmerksamkeit erhält man zahlreiche Impulse von außen und man gewinnt Menschen für die punktuelle oder längerfristige Zusammenarbeit an gemeinsamen Zielen. Problematisch daran ist: Die Grenze zur gefälligen Selbstdarstellung ist schnell überschritten. Das passiert mir ab und zu (tut mir leid). Aber ich übe ja auch noch. (…)“

Der ganze Blogartikel

Das aktive Plenum (Christian Spannagel): Grundstruktur für LdL!

Ohne Menschenbild läuft nix!

Christian Spannagel hat auf dem Bildungskongress der Grünen in Berlin einen Vortrag über Lehrerbildung gehalten.

Auszug aus seinem Blogeintrag:

Kritisch angesprochen wurde der Begriff der Lehrerpersönlichkeit: Welche Elemente hat denn eine solche Lehrerpersönlichkeit? Welche muss man versuchen zu fördern? Welches Lehrerbild steckt dahinter? Und welches Menschenbild? Diese Fragen sind schwer zu beantworten.

Diese Fragen sind schwer zu beantworten, aber unumgehbar! Ohne kohärentes, operationalisierbares Menschenbild soll man lieber zu Hause bleiben, und zwar egal in welchem Kontext man sich bewegt! Als Lehrer, Politiker, Unternehmer oder Chorleiter!

Daher hier noch einmal der Menschenbild-Vorschlag der Ingolstädter Grünen!

Skype und meine neuen Arbeitsstrukturen

Resume Aus Gesundheitsgründen habe ich mich vom realen Unterricht verabschiedet. Eine neue Arbeitsstruktur ist gerade dabei zu entstehen.

1. Ich weiß was, was du nicht weißt

Natürlich hat es wenig Sinn, wenn ich mich überall zu Wort melde, ohne über einen Wissensvorsprung in einem relevanten Bereich zu verfügen. Aufmerksamkeit kann ich nur erwarten, wenn ich was Neues zu erzählen habe. Meine Produkte sind

Lernen durch Lehren: nach wie vor gibt es viele Menschen im Bildungssystem, die LdL nicht kennen oder die sich näher mit dieser Methode und deren theoretischen Hintergründen befassen wollen.

Internetkommunikation: auch wenn das Thema Hochkonjunktur hat und jeder sich als Experte fühlt, in diesem Bereich arbeite ich seit 1996 sehr intensiv, sowohl mit Schülern und Studenten, als auch mit Kollegen aus der Wissenschaft. 2001 habe ich zum Beispiel ein Projekt durchgeführt, bei dem ich mich von einer Community durch New York führen ließ. Das war lustig und damals sehr innovativ. Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch mit Mitarbeitern das Modul „Internet- und Projektkompetenz“ ins Leben gerufen, das heute von Michael Kratky erfolgreich weitergeführt wird. Vor anderthalb Jahren wurde ich von Steffen Büffel als Experte zum ersten Educamp eingeladen und das hat meine Arbeit seit diesem Zeitpunkt stark geprägt, insbesondere durch meine Bekanntschaft mit Christian Spannagel, Alexander Rausch, Lutz Berger und Michael Wald. Seit einigen Monaten versuche ich die Ingolstädter Grünen in diese Richtung zu beeinflussen, in der letzten Zeit mit besonderem Erfolg.

Insofern weiß ich was, was andere (noch) nicht wissen.

2. Neue Arbeitsstrukturen

Da ich gesundheitsbedingt aus dem realen Unterrichtsgeschehen herausgerissen wurde, sitze ich relativ viel zu Hause, allerdings mit täglichen morgendlichen Ausflügen ins Schwimmbad (ich hoffe, ich halte es konsequent durch).  Was ist naheliegender als Interessenten zu bieten, dass ich mich per Skype in Unterricht und sonstige Veranstaltungen einbringe? Natürlich verlangt es, dass ich besonders aktive und engagierte Partner finde.

– Mit Björn aus Bergen (Norwegen) wurde bereits ein Projekt in diesem Sinne gestartet. Am letzten Mittwoch habe ich mich per Skype in eine Veranstaltung an seiner Schule eingemischt. Für Dezember ist geplant, dass ich eine Französischklasse in Bergen zwei Doppelstunden nach LdL per Skype unterrichte. Die entsprechenden Texte liegen mir bereits vor.

– Heute Vormittag haben Oliver Tacke und ich geplant, dass ich nächste Woche per Skype in einer seiner Kursen Fragen seiner Studenten zu LdL beantworte.

Prinzipiell ist es möglich, dass alle, die weltweit an LdL interessiert sind, mich bitten, per Skype (Adresse: jeanpolmartin) mit ihren Schülern, Studenten und Kollegen in Kommunikation zu treten.

Fazit Mit wenig Aufwand kann man mithilfe von Skype Erkenntnisprozesse sehr rasch, weltweit auslösen. Ich warte auf weitere Anfragen!

Netzsensibilität oder einfach nur Riecher?

Resume Auf dem Educamp wurde ich vielfach darauf hingewiesen, dass unsere Gruppe (Spannagel und ich) einen gewissen Einfluss übten. Meine Bemühungen, zu analysieren, worauf dieser Einfluss gründet, werden von Spannagel nicht unterstützt. Ich möchte aber das Ganze unbedingt konzeptualisieren.

1. „Ich weiß es nicht“

Wenn ich Spannagel frage, warum wir recht gut vorankommen mit unseren Projekten, teilt er mir immer wieder mit, er wisse es nicht. Klar, dass ich ihn mit dieser Frage langweile. Aus meiner Sicht als Aktionsforscher aber, dienen Aktionen nur einem Zweck: die empirische Basis für Konzeptualisierungen zu liefern. Ich habe a) eine Intuition b) ich suche mir ein Feld, um diese Intuition zu prüfen und dann wird c) sofort (am liebsten während des Vorgangs selbst) konzeptualisiert.  Es ist selbstverständlich, dass Spannagel auch als Forscher konzeptualisiert, aber nicht in dem Augenblick, wo ich ihn gerne als Denkpartner hätte. Wenn ich ihn zum Konzeptualisieren andocken will, rennt er gerade irgendwohin, beispielsweise weil er seinen Laptop verloren hat (es stellt sich dann heraus, dass ich diesen Laptop aus Versehen in mein Fach eingesperrt habe).

2. Lutz Berger: „du hast einen Riecher“

Klar, dass ich niemanden außer Spannagel direkt frage „warum haben wir Erfolg?“. Mein Gesprächspartner würde das sofort in die Kategorie Eitelkeit/Egozentrik einordnen und mir keine brauchbare Information liefern. Der Erfolg freut mich, das habe ich bereits an diversen Stellen thematisiert, aber ich kenne dessen Flüchtigkeit. Was mich also brennend interessiert sind die Mechanismen, die diesen Erfolg begründen, damit ich die entsprechenden Verhaltensweisen sofort modellieren (z.B. als Metapher) und diffundieren kann. Aber um zu erfahren, welche Merkmale integriert werden müssen, damit der Erfolg sich dauerhaft einstellt, bin ich in Ermanglung eines Denk-Partners auf zufällige Nebenbemerkungen angewiesen. In einem Gespräch mit Lutz Berger fiel der Satz: „du hast einen Riecher“. Damit kann ich was anfangen. Allerdings muss ich „du  hast einen Riecher“ operationalisierbar machen. Und das habe ich vor längerer Zeit unter dem Begriff Netzsensibilität getan. Ich habe auch mehrfach versucht den Begriff in der Wikipedia zu verankern (erfolglos: „Wir wollen keine Theoriefindung“!)

3. Das Benin-Projekt

Mein Riecher sagt mir, dass das Benin-Projekt (Ulrike, Tim, Anne, Salifou, Alexander und viele andere mehr) uns noch erfolgreiche Tage bescheren wird. Es weist alle Merkmale auf, die Menschen anziehen. Moralisch auf der höchsten Ebene angesiedelt, und dennoch konkret und sofort umsetzbar. Dadurch befriedigt das Benin-Projekt alle menschlichen Grundbedürfnisse. Ich war am Anfang ein bisschen zögerlich (ich wurde gebeten, die Blog-Texte ins Französische zu übersetzen, was zunächst nach – wenig glanzvoller – Arbeit aussah), aber je erfolgreicher das Projekt sich entwickelte, desto williger wurde ich. Und jetzt sehe ich viele weitere Perspektiven: in Eichstätt läuft ein Togo-Projekt im Rahmen des IPKs, Petra Kleine hat uns mit einem Entwicklungshelfer aus Tanzania verbunden, und ich habe mir vorgenommen, die Senioren, die demnächst meinen Ulm-Kurs besuchen werden, als Blogübersetzer in den Afrika-Projekten einzuspannen. Vernetzen was das Zeug hält, und für eine gute Sache („Bedürfnis nach Transzendenz, also sich in einer Aktion eingebunden fühlen, die über einen selbst hinausreicht“).

Fazit Intuition, Riecher oder Netzsensibilität? Just do it!

Neuer Resonanzraum: die Ingolstädter Grünen

Resume Paradigmenwechsel erfolgen dadurch, dass man von einem kohärenten System zu einem anderen kohärenten System übergeht. Alte Denkstrukturen werden gegen neue ausgetauscht. Dafür braucht man aber einen Resonanzboden.

1. Resonanzboden Universität

Als ich 1981 die Unterrichtsmethode Lernen durch Lehren (LdL) entwickelte, die aus meiner Sicht zahlreiche Probleme des Fremdsprachenunterrichts löste, wollte ich diese Technik in meinem Wirkungskontext, also der Universität, verbreiten. Die strukturellen Voraussetzungen sind nicht schlecht, denn der Resonanzraum ist überschaubar und schön geschlossen (kleine Gruppe von Spezialisten). Damals wusste ich aber nicht, dass in der Universität ganz andere Kräfte wirken. Die Absorbtionskarft, also die Trägheitsmomente des Systems Universität bewirken, dass jede Innovation sofort im Keim erstickt wird (Schwarzes Loch). Das stelle ich ohne jede Häme fest, denn letztlich ist es mir gelungen, LdL doch bekannt zu machen. Aber es gibt niemanden an der Universität, der ein Interesse hat, neue Ideen eines Kollegen (der immer auch ein Konkurrent ist) bekannt zu machen. Im Gegenteil, jeder Kollege ist bemüht, innovative Einfälle eines anderen totzuschweigen oder wenn es nicht geht, kleinzureden. Und ich nehme mich bei dieser Beschreibung nicht aus. Ich verfasste meine Dissertation über LdL und schrieb ein paar Artikel in angesehenen Zeitschriften, aber ohne nennenswerten Erfolg.

2. Das Schulwesen als Resonanzraum

Als nächsten Resonanzboden kam mir die Schule in den Sinn. Ein gewaltiges Vorhaben, denn im Gegensatz zu den kleinen universitären Zirkeln ist es sehr schwer, einen so großen Raum wie das Schulwesen in Resonanz zu bringen. Hier kämpft man gegen starke dissipative Kräfte (Entropie)! Dennoch: im Gegensatz zur Universität waren die Lehrer daran interessiert, meine Ideen zu verbreiten. Sie standen nicht in Konkurrenz zu mir sondern konnten in das Feld „Schule“ neue Konzepte einbringen und auf diese Weise Aufmerksamkeit für sich erreichen. Es gelang uns also, LdL im Kontext der Schule über Fortbildungsveranstaltungen bekannt zu machen. Angesichts der Weite des Resonanzraumes beanspruchte dieser Prozess natürlich sehr viel Zeit, etwa drei Jahrzehnte.

3. Zurück zur Universität: Ludwigsburg als Inputgeber

Im Laufe der Zeit konnte sich die Universität dem von außen einströmenden LdL-Input nicht mehr verschließen. Die Studenten, die im Rahmen von Schulpraktika von LdL gehört hatten, wollten auch an der Universität darüber informiert werden. Eine junge, weniger traditionsbelastete Generation von Didaktikern wuchs heran, die bereit waren, sich auch mit LdL zu befassen. Und seit einigen Monaten scheint es, dass tatsächlich durch die Initiative eines jungen Kollegen, der mit großer Wucht LdL redundant im universitären Kontext einbringt, an diversen Stellen in der Hochschule Resonanz entstehen könnte. Nachdrücklich möchte ich betonen, dass ich auch von Anfang an an der Universität von einzelnen Kollegen kräftigen Beistand erhielt, beispielsweise von Guido Oebel (Japan). Aber zur Erstellung von Resonanz musste eine kritische Menge von Kollegen erreicht werden.

4. Ein neuer Resonanzboden: Grüne Partei Ingolstadt

Einige Resonanzräume reichen nicht aus. Ich muss multipolar vorgehen. Dafür bieten sich politische Gruppen an, wenn sie für meine Ideen empfänglich sind.  Politische Gruppen wollen Aufmerksamkeit erregen und brauchen zündende Ideen und Themen. Im Gegensatz zu den geschlossenen universitären Zirkeln wollen politische Gruppen nach außen wirken. Ich habe Kontakte zur Grün-Alternative Szene in Ingolstadt behalten. Meine Kernbegriffe (Vernetzung, Gehirn, Neuron, Exploratives Verhalten, no risk-no fun, Weltverbesserung, Geschwindigkeit) scheinen gut anzukommen. Nun müssten die Hauptakteure diese Termini a) unter die Grünen selbst redundant einspeisen, bis eine grünen-interne Resonanz erzielt wird und b) redundant in die Bevölkerung einbringen. Da diese Konzepte lustbetont und „sexy“ sind, müsste sehr bald diese Terminologie auf dem Ingolstädter Markt unter Hausfrauen emergieren. Mal sehen…

Fazit Nachdem unsere Ideen die Resonanzräume „Schule“ und „Hochschule“ in Erregung gebracht haben, dürfte es nicht allzuschwer sein, die Resonanzräume „Ingolstädter Grünen“ und „Ingolstädter Politdiskussion“ in Wallung zu bringen.

Ich weiß was, was du nicht weißt (2). LdL und die Ökonomie der Aufmerksamkeit.

Resume Wenn ich möchte, dass meine Ideen verbreitet werden, muss ich meine Schüler, Studenten und Kollegen mit relevanten Neuigkeiten (z.B. LdL) ausstatten. Über LdL können sie ihr Bedürfnis nach Anerkennung (Aufmerksamkeit) befriedigen: sie wissen was, was die anderen nicht wissen.

1. … und das geht so:

Als Didakiker und Welverbesserer möchte ich, dass meine Partner relevantes Wissen konstruieren. Um sie zu motivieren rege ich sie an, zunächst kleinere Projekte anzugehen, die zu neueren Erkenntnissen führen, und die dadurch entstandenen Produkte überall zu diffundieren. Sie erstellen also einen kleinen Wissensbaustein und erhalten dafür als Belohnung soziale Anerkennung. Vielen ist das zu anstrengend und langwierig. Sie erstellen lieber gar kein Produkt und verzichten auf die Aufmerksamkeit. Wenn ich eine Klasse unterrichte, kann ich sie sanft zwingen, Neues zu erstellen, auch wenn sie das selbst nicht als solches empfinden. Ich setzte LdL als Unterrichtsmethode ein und schrittweise verändern sich die Schüler. Das merken sie nicht, aber spätestens wenn das Fernsehen sich für sie interessiert, in den Unterricht kommt und Fragen stellt, werden sie sich eines bewusst: wir wissen was, was die anderen nicht wissen, und das scheint relevant zu sein. Natürlich genießen sie die Aufmerksamkeit (siehe mein Menschenbild) und die Dynamik ist eingeleitet. Sie fangen an, Neues zu erstellen, um erneut Anerkennung zu erhalten usw.

2. Im Netz ist es komplizierter

Dieses Muster versuche ich auch im Netz anzuwenden: ich suche nach Leuten in Twitter, auf Mixxt-Plattformen und auf Educamps, die bereit wären, mit mir zusammen ein kleines Wissenskonstruktionsprojekt durchzuführen. Das ist unendlich schwerer als wenn man über eine Gruppe von Schülern und Studenten verfügt, die man zu Beginn „zwingen“ kann, bestimmte, oft mühsame Schritte zu gehen. Im Netz steigen die Leute sofort aus, sobald es anstrengend wird. Ein Beispiel dafür liefert die Plattform Neuron:  sie wird besucht von einer Reihe sehr kompetenter Leute, aber sobald längere Zeit systematisch an Wissenskonstruktion gearbeitet werden muss, verschwinden sie. Verständlich, aber ich will ja eine Strategie entwickeln, um dem entgegenzuwirken.

3.  Sie konstruieren zunächst kein neues Produkt, sondern übernehmen meines…

Da die Leute – zumindest in diesem Kontext – partout keine neuen Wissensbausteine selbst entwickeln wollen, biete ich meine an, z.B. LdL. Zunächst finden die von mir angedockten Twitterer und Educamper meine Theorie und meine Praxis sehr interessant, aber es gibt vieles Interessantes im Netz. Als Spannagels Studenten beschlossen, die Kommunikationsplattform Maschendraht aufzubauen und als Produkt LdL zu verbreiten, wurden sofort Stimmen laut, LdL sei nicht das einzige interessante Projekt, es gäbe viele anderen Leuchttürme. Ich wusste, jetzt wird eine Runde gedreht, bis man feststellt, dass LdL doch mehr in sich trägt, als zunächst angenommen. Und so kam es auch.

4. Und jetzt doch was Neues: um LdL herum

Wenn Menschen motiviert werden sollen, nachhaltig ein Projekt zu verfolgen und sich damit zu identifizieren, muss schnell dafür gesorgt werden, dass sie eigene Produkte erstellen auch wenn es – wie hier der Fall – in einem zunächst fremden Rahmen (LdL) geschieht. Nur so können sie sagen: ich weiß was, was du nicht weißt. Schrittweise muss der Aufmerksamkeitsfokus von LdL verlagert werden auf die Eigenleistung der Menschen, die sich damit befassen. LdL rückt in den Hintergrund, bleibt aber überall präsent und wird mit großer Wucht verbreitet, ob die Verbreiter sich dessen bewusst sind oder nicht. Wer sich intensiv mit LdL befasst hat, weiß etwas, was die anderen nicht wissen. Er hat Aufmerksamkeit verdient und bekommt sie auch. Wir treten in eine Phase, wo viel Neues über LdL entstehen wird. Das Interview mit dem Leiter des Willibald-Gymnasiums in Eichstätt beispielsweise beleuchtet völlig neue Aspekte von LdL sowie der Blogeintrag von Spannagel über den Eichstätter-Besuch.

Fazit Aufmerksamkeit erhält man, wenn man was weiß, was die anderen nicht wissen. Man muss also entweder selbst neues Wissen erstellen, oder ein bereits vorhandenes neue Wissen verbreiten. Wenn das Thema genug hergibt, kann man im Rahmen des Vorhandenen selbst neue Wissensprodukte konstruieren und damit Anerkennung erzielen. Das tun gerade die Spannagel-Studenten mit Hilfe von Lutz Berger.

Ich weiß was, was du nicht weißt: wie bringt man Menschen zum Kommunizieren?

Resume: Um Probleme zu lösen, müssen wir ununterbrochen neues Wissen konstruieren. In Einsamkeit geht das nicht. Zur Produktion von neuem Wissen, müssen Menschen kommunizieren. Wie motiviert man Menschen zu kommunizieren, um neues Wissen herzustellen?

1. Ausgangspunkt: eine kleine Alltagsinnovation

Menschen innovieren ständig in ihrem Alltag. Beispielsweise wenn sie ein neuartiges Kochrezept entwickeln. Sie teilen diese „Innovation“ in ihrem Umfeld mit und wenn das gut ankommt, werden sie durch das positive Feed-Back motiviert, ihre Innovation a) zu optimieren und b) zu verbreiten. Je besser das neue Wissensprodukt und je bedeutsamer für möglichst viele Menschen, desto positiver und umfangreicher die Rückmeldung und die Motivation, neues, möglichst für viele Menschen relevantes Wissen herzustellen. Genauso ist es mit LdL verlaufen: a) 1980 kleine Innovation im Französischunterricht (ich lasse meine Schüler sich selbst unterrichten), b) ich kommuniziere das in meiner Umwelt, c) sehr positive Reaktion in meiner Umwelt, d) Optimierung von LdL, e) Verbreitung etc.

2. Innovationen in Ketten

Wenn die Alltagsinnovation (wie LdL) eine größere Relevanz hat, befassen sich viele Menschen damit und es entsteht der Wunsch und der Zwang zur permanenten Verbesserung. Daraus entwickeln sich kleinere und größere Sub- oder auch Superinnovationen, Innovationen in Ketten. Als beispielsweise das Prototyp LdL aus meiner Sicht „Produktionsreife“ ereicht hatte, entwickelte ich zusammen mit anderen Leuten das IPK-Modul, das, wie LdL, auf die Konstruktion kollektiven Wissens abzielt. Auch diese Innovation wurde in meiner direkten Umwelt angeboten und schrittweise akzeptiert. Wir haben also a) ein neues, relevantes Produkt erstellt (IPK), b) dieses Produkt in der Umwelt kommuniziert, c) entsprechende Aufmerksamkeit erhalten und daraus die Motivation entwickelt, weitere Innovationen zu erstellen und an die Umwelt anzubieten.

3. Das Maschendraht/Neuron-Projekt

Es hat sich ergeben, dass Christian Spannagel und Lutz Berger auf meine Arbeit aufmerksam wurden. Beide sind sehr fitt und möchten die neuen Kommunikationsmittel im Bildungssystem verbreiten. Um einzuüben, wie man am besten die neuen Tools benutzt, brauchen sie auch Kommunikationsinhalte. Für mich ein Traum, denn ich konnte ihnen ein gutes Produkt (LdL + Theorie) anbieten, das sie zu Übungszwecken einsetzen. In Spannagels Umfeld entstanden die Kommunikationsplattformen Neuron und Maschendraht. Lutz Berger erstellte u.a. ein LdL-Podcast.

Fazit: Alles super und wenn der Vorrat an neuem Wissen verbraucht ist, brauchen wir neue, relevante Inhalte, die wir jetzt schon konstruieren müssen.

Kleine Hommage an Lutz Berger

Resume: Wenn ein Forscherleben so stark wie meines auf Unterstützung angewiesen ist, so muss das Glück auch mitspielen. Die Begegnung mit Lutz Berger war so ein Glücksfall.

1. Wie ich Lutz Berger begegnete

Lutz Berger traf ich zum ersten mal im April 2008 auf dem Educamp in Ilmenau. Er kam auf mich zu und teilte mir mit, er wolle mich interviewen. Ich fand ihn sehr sympathisch, da ich aber oft mit verlockenden Angeboten kontaktiert werde, die nicht eingehalten werden, blieb ich abwartend. Lutz begegnete mir während der Veranstaltung immer wieder, aber er schien mir mit anderen Sachen beschäftigt. Am Ende des Educamps stand ich etwas herum und Lutz interviewte mich. Ein paar Minuten später war das Video in youtube. Da es mir gut gefiel, speiste ich den Link in alle mir zugänglichen Kanäle (Mailinglisten, Blogs, usw.).

2. Lutzes Video zeigt Wirkung

Den Link zu Lutzes Video hatte ich natürlich routinemäßig an Reinhard Kahl geschickt, der für mich eine ganz wichtige Adresse ist, weil er mir in seinem berühmten Film „Treibhäuser der Zukunft“ eine längere Sequenz gewidmet hat. Reinhard Kahl reagierte sofort und belegt mich ganz fest als Referenten für seinen Mammutkongress am Bodensee im Oktober 2008. Dieser Kongress wiederum war für mich ein gewaltiger pusher.

3. Lutz  Berger als Weihnachtsmann

Kurz nach dem Bodenseekongress fand in Berlin der 2. Educamp statt, wo ich ein paar Leute traf, insbesondere Alexander Rausch und Christian Spannagel. Alexander hat zwar ein bisschen andere Schwerpunkte als ich, ist aber inhaltlich und emotional sehr stützend. Mit Christian kann ich aus diversen – auch strukturellen – Gründen intensiv Projekte durchführen. Und wir trafen natürlich auch auf Lutz Berger. Und Lutz konzentrierte sich immer mehr auf uns, interviewte AlexanderChristian und mich. Dann kam es Schlag auf Schlag: Lutz befasste sich immer intensiver mit LdL (LdL-Podcast), mit der Arbeit um LdL in Ludwigsburg (Ludwigsburger Trilogie) und plant eine Langzeitdokumentation um dieses Projekt herum. Lutz Bergers Motivation kann ich nur vermuten: er beschenkt uns permanent und hat sichtbar nichts davon. Unsichtbar vermute ich, dass er einfach Spaß an guten Sachen hat und am „Guten“ im allgemeinen.

Fazit: Lutz Berger verdanke ich, dass ich mich im letzten Jahr nicht gelangweilt habe. Und das Projekt insgesamt verdankt Lutz Beger unendlich viel.