Ist Ruhm qualitätsfördernd?

Aus dem Blog von Christian Spannagel:
1. Christians ausgangsstatement ist, dass die qualität der forschung eines wissenschaftlers durch ruhm erhöht wird, weil berühmte leute mehr als andere mit relevanten, qualitativ hochstehenden impulsen beliefert werden. Es ist Christians ziel, höchste qualität in seiner forschung zu erreichen, damit er über den tod hinaus rezipiert wird. Um dieses ziel zu erreichen, scheint ihm ruhm ein guter weg zu sein.
2. M.g. ist der ansicht, dass ruhm die gefahr birgt, dass man dort hängen bleibt (sucht) und das eigentliche ziel (hervorragende forschung zu leisten) aus den augen verliert.
3. Marcus teilt die position von Christian, sieht aber als problem, dass ruhm zu einem überangebot an impulsen führen kann, die die verarbeitungskapazität des forschers übersteigt. Dazu meint Christian, dass man ein teil der überschüssigen impulse an eine größere gruppe zur verarbeitung weiterleiten kann.
4. Ich selbst füge zu Christians schilderung hinzu, dass die stimmung des forschers von der menge und qualität der stimuli abhängt. Das gehirn ist so konstruiert, dass der prozess der informationsverarbeitung mit glücksgefühlen begleitet wird. Ruhm führt zur zufuhr von mehr und besseren stimuli, der informationsverarbeitungsprozess gewinnt an qualität und der berühmte forscher ist glücklicher als der nicht-berühmte.
Das sind die inhaltlichen aspekte in aller kürze.
Die diskussion wird begleitet von diversen kommentaren über den charakter von Christian: in der mehrheit wird seine ehrlichkeit gelobt, aber auch warnende stimmen sind zu vernehmen.

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Christian Spannagel und die Ökonomie der Aufmerksamkeit

Christian Spannagel über seine Gothic-Erscheinung:

„(…) Natürlich kokettiere ich auch gerne damit wie beispielsweise hier im Video mit Graf Zahl oder bei einem Video zu unserer MOOC-Bewerbung (Achtung: schon gevoted? Wir brauchen eure Stimme!). Ich nutze die Strangeness für die Gewinnung von Aufmerksamkeit. Ich müsste ja nicht unbedingt das vampirige Zylinderbild im Web verwenden, aber dadurch macht man neugierig, und Menschen treten mit mir in Interaktion. Jean-Pol Martin hatte es mal auf den Punkt gebracht: Durch Aufmerksamkeit erhält man zahlreiche Impulse von außen und man gewinnt Menschen für die punktuelle oder längerfristige Zusammenarbeit an gemeinsamen Zielen. Problematisch daran ist: Die Grenze zur gefälligen Selbstdarstellung ist schnell überschritten. Das passiert mir ab und zu (tut mir leid). Aber ich übe ja auch noch. (…)“

Der ganze Blogartikel

Das aktive Plenum (Christian Spannagel): Grundstruktur für LdL!

Ohne Menschenbild läuft nix!

Christian Spannagel hat auf dem Bildungskongress der Grünen in Berlin einen Vortrag über Lehrerbildung gehalten.

Auszug aus seinem Blogeintrag:

Kritisch angesprochen wurde der Begriff der Lehrerpersönlichkeit: Welche Elemente hat denn eine solche Lehrerpersönlichkeit? Welche muss man versuchen zu fördern? Welches Lehrerbild steckt dahinter? Und welches Menschenbild? Diese Fragen sind schwer zu beantworten.

Diese Fragen sind schwer zu beantworten, aber unumgehbar! Ohne kohärentes, operationalisierbares Menschenbild soll man lieber zu Hause bleiben, und zwar egal in welchem Kontext man sich bewegt! Als Lehrer, Politiker, Unternehmer oder Chorleiter!

Daher hier noch einmal der Menschenbild-Vorschlag der Ingolstädter Grünen!

Skype und meine neuen Arbeitsstrukturen

Resume Aus Gesundheitsgründen habe ich mich vom realen Unterricht verabschiedet. Eine neue Arbeitsstruktur ist gerade dabei zu entstehen.

1. Ich weiß was, was du nicht weißt

Natürlich hat es wenig Sinn, wenn ich mich überall zu Wort melde, ohne über einen Wissensvorsprung in einem relevanten Bereich zu verfügen. Aufmerksamkeit kann ich nur erwarten, wenn ich was Neues zu erzählen habe. Meine Produkte sind

Lernen durch Lehren: nach wie vor gibt es viele Menschen im Bildungssystem, die LdL nicht kennen oder die sich näher mit dieser Methode und deren theoretischen Hintergründen befassen wollen.

Internetkommunikation: auch wenn das Thema Hochkonjunktur hat und jeder sich als Experte fühlt, in diesem Bereich arbeite ich seit 1996 sehr intensiv, sowohl mit Schülern und Studenten, als auch mit Kollegen aus der Wissenschaft. 2001 habe ich zum Beispiel ein Projekt durchgeführt, bei dem ich mich von einer Community durch New York führen ließ. Das war lustig und damals sehr innovativ. Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch mit Mitarbeitern das Modul „Internet- und Projektkompetenz“ ins Leben gerufen, das heute von Michael Kratky erfolgreich weitergeführt wird. Vor anderthalb Jahren wurde ich von Steffen Büffel als Experte zum ersten Educamp eingeladen und das hat meine Arbeit seit diesem Zeitpunkt stark geprägt, insbesondere durch meine Bekanntschaft mit Christian Spannagel, Alexander Rausch, Lutz Berger und Michael Wald. Seit einigen Monaten versuche ich die Ingolstädter Grünen in diese Richtung zu beeinflussen, in der letzten Zeit mit besonderem Erfolg.

Insofern weiß ich was, was andere (noch) nicht wissen.

2. Neue Arbeitsstrukturen

Da ich gesundheitsbedingt aus dem realen Unterrichtsgeschehen herausgerissen wurde, sitze ich relativ viel zu Hause, allerdings mit täglichen morgendlichen Ausflügen ins Schwimmbad (ich hoffe, ich halte es konsequent durch).  Was ist naheliegender als Interessenten zu bieten, dass ich mich per Skype in Unterricht und sonstige Veranstaltungen einbringe? Natürlich verlangt es, dass ich besonders aktive und engagierte Partner finde.

– Mit Björn aus Bergen (Norwegen) wurde bereits ein Projekt in diesem Sinne gestartet. Am letzten Mittwoch habe ich mich per Skype in eine Veranstaltung an seiner Schule eingemischt. Für Dezember ist geplant, dass ich eine Französischklasse in Bergen zwei Doppelstunden nach LdL per Skype unterrichte. Die entsprechenden Texte liegen mir bereits vor.

– Heute Vormittag haben Oliver Tacke und ich geplant, dass ich nächste Woche per Skype in einer seiner Kursen Fragen seiner Studenten zu LdL beantworte.

Prinzipiell ist es möglich, dass alle, die weltweit an LdL interessiert sind, mich bitten, per Skype (Adresse: jeanpolmartin) mit ihren Schülern, Studenten und Kollegen in Kommunikation zu treten.

Fazit Mit wenig Aufwand kann man mithilfe von Skype Erkenntnisprozesse sehr rasch, weltweit auslösen. Ich warte auf weitere Anfragen!

Netzsensibilität oder einfach nur Riecher?

Resume Auf dem Educamp wurde ich vielfach darauf hingewiesen, dass unsere Gruppe (Spannagel und ich) einen gewissen Einfluss übten. Meine Bemühungen, zu analysieren, worauf dieser Einfluss gründet, werden von Spannagel nicht unterstützt. Ich möchte aber das Ganze unbedingt konzeptualisieren.

1. „Ich weiß es nicht“

Wenn ich Spannagel frage, warum wir recht gut vorankommen mit unseren Projekten, teilt er mir immer wieder mit, er wisse es nicht. Klar, dass ich ihn mit dieser Frage langweile. Aus meiner Sicht als Aktionsforscher aber, dienen Aktionen nur einem Zweck: die empirische Basis für Konzeptualisierungen zu liefern. Ich habe a) eine Intuition b) ich suche mir ein Feld, um diese Intuition zu prüfen und dann wird c) sofort (am liebsten während des Vorgangs selbst) konzeptualisiert.  Es ist selbstverständlich, dass Spannagel auch als Forscher konzeptualisiert, aber nicht in dem Augenblick, wo ich ihn gerne als Denkpartner hätte. Wenn ich ihn zum Konzeptualisieren andocken will, rennt er gerade irgendwohin, beispielsweise weil er seinen Laptop verloren hat (es stellt sich dann heraus, dass ich diesen Laptop aus Versehen in mein Fach eingesperrt habe).

2. Lutz Berger: „du hast einen Riecher“

Klar, dass ich niemanden außer Spannagel direkt frage „warum haben wir Erfolg?“. Mein Gesprächspartner würde das sofort in die Kategorie Eitelkeit/Egozentrik einordnen und mir keine brauchbare Information liefern. Der Erfolg freut mich, das habe ich bereits an diversen Stellen thematisiert, aber ich kenne dessen Flüchtigkeit. Was mich also brennend interessiert sind die Mechanismen, die diesen Erfolg begründen, damit ich die entsprechenden Verhaltensweisen sofort modellieren (z.B. als Metapher) und diffundieren kann. Aber um zu erfahren, welche Merkmale integriert werden müssen, damit der Erfolg sich dauerhaft einstellt, bin ich in Ermanglung eines Denk-Partners auf zufällige Nebenbemerkungen angewiesen. In einem Gespräch mit Lutz Berger fiel der Satz: „du hast einen Riecher“. Damit kann ich was anfangen. Allerdings muss ich „du  hast einen Riecher“ operationalisierbar machen. Und das habe ich vor längerer Zeit unter dem Begriff Netzsensibilität getan. Ich habe auch mehrfach versucht den Begriff in der Wikipedia zu verankern (erfolglos: „Wir wollen keine Theoriefindung“!)

3. Das Benin-Projekt

Mein Riecher sagt mir, dass das Benin-Projekt (Ulrike, Tim, Anne, Salifou, Alexander und viele andere mehr) uns noch erfolgreiche Tage bescheren wird. Es weist alle Merkmale auf, die Menschen anziehen. Moralisch auf der höchsten Ebene angesiedelt, und dennoch konkret und sofort umsetzbar. Dadurch befriedigt das Benin-Projekt alle menschlichen Grundbedürfnisse. Ich war am Anfang ein bisschen zögerlich (ich wurde gebeten, die Blog-Texte ins Französische zu übersetzen, was zunächst nach – wenig glanzvoller – Arbeit aussah), aber je erfolgreicher das Projekt sich entwickelte, desto williger wurde ich. Und jetzt sehe ich viele weitere Perspektiven: in Eichstätt läuft ein Togo-Projekt im Rahmen des IPKs, Petra Kleine hat uns mit einem Entwicklungshelfer aus Tanzania verbunden, und ich habe mir vorgenommen, die Senioren, die demnächst meinen Ulm-Kurs besuchen werden, als Blogübersetzer in den Afrika-Projekten einzuspannen. Vernetzen was das Zeug hält, und für eine gute Sache („Bedürfnis nach Transzendenz, also sich in einer Aktion eingebunden fühlen, die über einen selbst hinausreicht“).

Fazit Intuition, Riecher oder Netzsensibilität? Just do it!

Neuer Resonanzraum: die Ingolstädter Grünen

Resume Paradigmenwechsel erfolgen dadurch, dass man von einem kohärenten System zu einem anderen kohärenten System übergeht. Alte Denkstrukturen werden gegen neue ausgetauscht. Dafür braucht man aber einen Resonanzboden.

1. Resonanzboden Universität

Als ich 1981 die Unterrichtsmethode Lernen durch Lehren (LdL) entwickelte, die aus meiner Sicht zahlreiche Probleme des Fremdsprachenunterrichts löste, wollte ich diese Technik in meinem Wirkungskontext, also der Universität, verbreiten. Die strukturellen Voraussetzungen sind nicht schlecht, denn der Resonanzraum ist überschaubar und schön geschlossen (kleine Gruppe von Spezialisten). Damals wusste ich aber nicht, dass in der Universität ganz andere Kräfte wirken. Die Absorbtionskarft, also die Trägheitsmomente des Systems Universität bewirken, dass jede Innovation sofort im Keim erstickt wird (Schwarzes Loch). Das stelle ich ohne jede Häme fest, denn letztlich ist es mir gelungen, LdL doch bekannt zu machen. Aber es gibt niemanden an der Universität, der ein Interesse hat, neue Ideen eines Kollegen (der immer auch ein Konkurrent ist) bekannt zu machen. Im Gegenteil, jeder Kollege ist bemüht, innovative Einfälle eines anderen totzuschweigen oder wenn es nicht geht, kleinzureden. Und ich nehme mich bei dieser Beschreibung nicht aus. Ich verfasste meine Dissertation über LdL und schrieb ein paar Artikel in angesehenen Zeitschriften, aber ohne nennenswerten Erfolg.

2. Das Schulwesen als Resonanzraum

Als nächsten Resonanzboden kam mir die Schule in den Sinn. Ein gewaltiges Vorhaben, denn im Gegensatz zu den kleinen universitären Zirkeln ist es sehr schwer, einen so großen Raum wie das Schulwesen in Resonanz zu bringen. Hier kämpft man gegen starke dissipative Kräfte (Entropie)! Dennoch: im Gegensatz zur Universität waren die Lehrer daran interessiert, meine Ideen zu verbreiten. Sie standen nicht in Konkurrenz zu mir sondern konnten in das Feld „Schule“ neue Konzepte einbringen und auf diese Weise Aufmerksamkeit für sich erreichen. Es gelang uns also, LdL im Kontext der Schule über Fortbildungsveranstaltungen bekannt zu machen. Angesichts der Weite des Resonanzraumes beanspruchte dieser Prozess natürlich sehr viel Zeit, etwa drei Jahrzehnte.

3. Zurück zur Universität: Ludwigsburg als Inputgeber

Im Laufe der Zeit konnte sich die Universität dem von außen einströmenden LdL-Input nicht mehr verschließen. Die Studenten, die im Rahmen von Schulpraktika von LdL gehört hatten, wollten auch an der Universität darüber informiert werden. Eine junge, weniger traditionsbelastete Generation von Didaktikern wuchs heran, die bereit waren, sich auch mit LdL zu befassen. Und seit einigen Monaten scheint es, dass tatsächlich durch die Initiative eines jungen Kollegen, der mit großer Wucht LdL redundant im universitären Kontext einbringt, an diversen Stellen in der Hochschule Resonanz entstehen könnte. Nachdrücklich möchte ich betonen, dass ich auch von Anfang an an der Universität von einzelnen Kollegen kräftigen Beistand erhielt, beispielsweise von Guido Oebel (Japan). Aber zur Erstellung von Resonanz musste eine kritische Menge von Kollegen erreicht werden.

4. Ein neuer Resonanzboden: Grüne Partei Ingolstadt

Einige Resonanzräume reichen nicht aus. Ich muss multipolar vorgehen. Dafür bieten sich politische Gruppen an, wenn sie für meine Ideen empfänglich sind.  Politische Gruppen wollen Aufmerksamkeit erregen und brauchen zündende Ideen und Themen. Im Gegensatz zu den geschlossenen universitären Zirkeln wollen politische Gruppen nach außen wirken. Ich habe Kontakte zur Grün-Alternative Szene in Ingolstadt behalten. Meine Kernbegriffe (Vernetzung, Gehirn, Neuron, Exploratives Verhalten, no risk-no fun, Weltverbesserung, Geschwindigkeit) scheinen gut anzukommen. Nun müssten die Hauptakteure diese Termini a) unter die Grünen selbst redundant einspeisen, bis eine grünen-interne Resonanz erzielt wird und b) redundant in die Bevölkerung einbringen. Da diese Konzepte lustbetont und „sexy“ sind, müsste sehr bald diese Terminologie auf dem Ingolstädter Markt unter Hausfrauen emergieren. Mal sehen…

Fazit Nachdem unsere Ideen die Resonanzräume „Schule“ und „Hochschule“ in Erregung gebracht haben, dürfte es nicht allzuschwer sein, die Resonanzräume „Ingolstädter Grünen“ und „Ingolstädter Politdiskussion“ in Wallung zu bringen.