Nostalgie: Moskau -> Kasan -> Burgas -> Istanbul um die Welt zu verbessern! (2005)

jpm antwortete am 29.08.05 (19:16):

Alles sehr spannend, allerdings internet teuer in diesem Hotel. Ich bin ganz stolz, denn es ist mir gelungen, allein mit Ubahn, Schnellzug und bei feet bis zum Hotel zu gelangen (bepackt wie ein Esel – viel Fluessiges als Geschenk). Das hat mich fast vier Stunden gekostet, dafuer habe ich ganz viele Moskauer ueberall gesehen. In der Metro fuehlte ich mich wie zu Hause in Paris. Die Metro wird uns alle vereinigen. Nur dass in Moskau es keine „Farbige“ gibt. Komisch und ein bisschen schade. Die Stadt gefaellt mir gut und ich finde toll, dass allmaehlich alle Grotstaedte sich angeleichen. Man kann sich ueberall wohlfuehlen. Ich habe ein paar interessante Geschichten erlebt, aber ich kann sie hier nicht erzaehlen, weil ich meine Mails holen muss, und noch andere Foren bedienen, usw… Oder doch, die eine Geschichte: ich ging auf der Strasse und ein Typ kommt aus einem Lokal raus (um die 60 rum). Er laesst ein maechtiges Buendel Dollars aus der Tasche herausfallen. Ein Mann vor mir sieht die Dollars und steckt sie ein. Ich zeige ihm, dass ich das nicht gut finde, und er will mir unbedingt die Haelfte aufdraegen. Ich sage, das interessiert mich nicht, aber er verfolgt mich regelrecht, um mir das Geld aufzudraengen. Ploetzlich kommt der andere und fragt, ob wir sein Geld gefunden haben. Der andere verneint und zeigt als Beweis seine Brieftasche, natuerlich ohne die Dollars, die er woanders eingesteckt hatte. Jetzt verlangt der andere, dass auch ich meine Brieftasche zeige. Ich lehne natuerlich ab und werde selbst ziemlich aggressiv um zu zeigen, dass ich meine Brieftasche nicht an zwei Gauner zeige, ich sage auch, dass ich die Polizei rufe und schau, ob und wem ich meine Brieftasche zeigen soll. Die beiden beruhigen sich, keiner will die Polizei rufen und sagen mir, alles sei OK. Auch der Dollarbesitzer wollte nicht die Polizei dabei haben. Wer traegt schon in der Tasche so ein grosses Buendel Dollars und laesst sich noch dazu aus der Tasche fallen?

(….)

Julia Galimova antwortete am 04.09.05 (14:39):

Hallo Roman, ich sitze neben Deinem Vater und…. er nervt mich nicht, komisch nicht wahr? Ich finde ihn super scharmant, Du must gluecklich sien so einen Vater zu haben. Aber verstehe ich schon wenn es der Vater ist dann sind die Beziehungen anders. Dein Vater hat Glueck mit Tataren….Tuerken auch… komisch oder?
Wir haben heute superschoenes Wetter und noch Stadtfest und viele junge Menschen auf den Strassen. Leider konnten wir den roten Platz nicht wirklich sehen. aber sprechen konnten wir gut. Und wie Dein Vater sagt, das wichtigste ist die Kommunikation. s ist mir gerade eingefallen, dass es extrawertierte und intrawertierte Menschen giebt….einige koennen ohne Kommunikation gar nicht existieren, andere – brauchen das eifach nicht. Ich glaube wir beide gehoeren zu den ersten. Das Proekt scheint interresaant zu sein, aber noch ziemlich weit, kann sein dass auch nict in deisem Jahrhundert. Es kann nicht kunstlich gemacht werden, aber wenn es auf natuerlich Weise geht dann braucht man richtig viel Zeit.
Na gut, ich habe schoen viel geschrieben. ich habe nich Paar Gedanken, aber ich schreibe sie spaeter.(…)

Hier der ganze Thread: LdL-ZUM-Foren

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Tugend, Forschung und Glück?

Resume Natürlich wird dieser Blogeintrag wieder sehr egozentrisch und monomanisch wirken. Sei’s drum! Vielleicht gibt er ein paar Denkimpulse für die aktuelle Diskussion um Guttenbergs Doktorarbeit.

1. Ausgangspunkt

Vorweg: ich sehe einen großen Unterschied zwischen einer Dissertation, die nur zum Zwecke der Karriereförderung außerhalb des wissenschaftlichen Betriebes angefertigt wird, und einer Arbeit, die von Wissenschaftlern verfasst wird. An den ersten lege ich keine ethischen Ansprüche, an den „Forschern“ dagegen recht hohe.

Kurz nachdem ich 1980 an die Uni Eichstätt gewechselt hatte, kam ich auf die LdL-Idee.  Einer der dortigen Profs empfahl mir, diesen Ansatz zum Gegenstand meiner Dissertation zu wählen. Kein schlechter Ratschlag, denn ich wollte ursprünglich ein ganz anderes Thema bearbeiten. Diese LdL-Sache schien mir einfach zu dünn. Wie dem auch sei: ich steigerte mich hinein und als alter 68er war ich durchdrungen durch die Mission, die Welt zu verbessern und dabei den Weg der Tugend zu wählen. Damals wusste ich noch nicht, dass die antiken Denker den Weg der Tugend empfehlen, wenn man – wie alle Lebewesen – nach Glück strebt. Die Hypothese, Tugend würde zum Glück führen, trug ich also intuitiv in mir, wohl ausgelöst durch die vielen erbaulichen Lektüren, die ich im Laufe meiner Sozialisation verinnerlicht hatte. Und Tugend stand sowohl im Zentrum der christlichen wie auch der kommunistischen Lehre, aus denen ich mich gespeist hatte.

2. Mein Wertesystem ab 1982: Forschung und Tugend

Aus meiner Biographie:

Wer den Anfang meiner Biographie gelesen hat, merkt, dass ich mich ethisch ganz umgepolt hatte. Politisch war ich definitiv grün, weniger aufgrund der Orientierung an der Natur, als Großstädter hatte ich wenig Zugang zu ihr, sondern wegen des Venetzungsgedankens und der Fokussierung auf die Welt-Ressourcen, die wir schonen mussten. Familiär war alles OK, auch ethisch, und die materiellen und menschlichen Bedingungen waren schön klar und geregelt. Als Handlungsfeld bot sich voll und ganz die Forschung an. Ich organisierte alles im Hinblick auf meine wissenschaftliche Effektivität. So ergab sich, dass ich um fünf Uhr aufstand und gegen 21.00 Uhr ins Bett ging. Und zwar an Arbeitstagen wie am Wochenende, zu Weihnachten wie zu Christi Himmelfahrt. Bis heute. Den Spruch „publish or perish“ fand ich abscheulich und ich bemühte mich, erst dann einen Aufsatz zu verfassen, wenn ich wirklich über eine wichtige, neue Erkenntnis zu verfügen glaubte. Ich verpflichtete mich, nur dann jemanden zu zitieren, wenn der Gedanke wirklich organisch in meinen Aufsatz passte, und nicht um einen nützlichen Kollegen freundlich zu stimmen. Einmal machte ich eine Ausnahme, und ich bereue es heute noch: 1988 hatte ich Harald Weinrich, damals ein wichtiger Mann, in einer Fussnote erwähnt, obwohl es von der Sache her nicht zwingend war. Ich hatte ihm sogar einen Sonderdruck geschickt und er antwortete selbstverständlich nicht. Aber sein Name steht noch im Aufsatz als permanente Erinnerung an meine Korruptibilität. Auch bei Festschriftbeiträgen („Pissecke der Wissenschaft“) bemühte ich mich immer tatsächlich Neues zu schreiben, um den Kollegen wirklich zu ehren. Ich behaupte nicht, dass ich meinen Prinzipien immer treu blieb, aber sie lenkten sehr stark mein Handeln.

Fazit: Durch einen kognitiven Akt (Schaffen von Strukturen) kann man Bedingungen herstellen, die „tugend-“ und somit „glückinduzierend“ sind. Natürlich klappt das nicht immer!

67 Jahre Reflexion über glückbringende Strukturen

Auszug aus meiner Biographie:

Fleißig studieren, und dann das! – Daniel Cohn-Bendit

Ab Januar 1968 besuchte ich sehr pflichtbewusst die vorgeschriebenen Kurse. Es war meine letzte Chance und ich wollte mir nichts zuschulden kommen lassen. Auf dem Programm standen u.a. Fichtes Reden an die Deutsche Nation, Faust, Nietzsche. Nation und Elite, das passte ganz gut in meine Gedankenwelt. Wir behandelten auch Brecht und die Expressionistischen Dichter, auch das war in Ordnung. Ich wollte gute Noten bekommen und meine Prüfungen bestehen. Und gute Noten bekam ich auch. Schrittweise baute ich mein Selbstbewusstsein wieder auf, das in den vorangehenden Jahren so sehr gelitten hatte. Eines Tages, es war Mitte März, stieg ich in der Früh aus dem Bus, der uns von Paris nach Nanterre brachte, als ich zu meinem Entsetzen festellte, dass die schön weiß gestrichenen Wände der Eingangshalle mit schwarzen Grafitis versprüht waren. Es waren teilweise anarchistische Sprüche, (weiter)

Ressourcenorientierung

Resume Aus diversen Gründen sind meine Ressourcen innerhalb eines Jahres extrem geschrumpft. Insbesondere was meine Möglichkeiten betrifft, umfangreiche Projekte durchzuführen.

1. Schrumpfende Möglichkeiten

Im September 2008 bin ich aus Altersgründen aus der Universität ausgeschieden. Ein für mich sehr bedeutsames Erkenntnisfeld fiel dadurch aus, insbesondere die Möglichkeit, liebe Menschen (Kollegen und Studenten) in meine Projekte einzuspannen. Dennoch blieb mir die Schule erhalten und zusammen mit Spannagel, Lutz Berger, Melanie Gottschalk und die ganze Ludwigsburger Mannschaft konnte ich sehr spannende Projekte durchführen. Das war ein tolles Jahr. Allerdings: gerade musste ich dem Direktor meiner Schule mitteilen, dass ich aus Gesundheitsgründen (computerbedingt) aussteige. Ohne Unterrichtpraxis fällt für mich dieser ganze Bereich in der Zukunft aus.

2. Und dennoch

Dafür werde ich versuchen, in Ingolstadt im Rahmen des Bürgertreffs Senioren für die Internetvernetzung und -partizipation zu gewinnen. Senioren und Kommunalpolitik, das wird bestimmt spannend sein! Und auch meine Biographie werde ich fortsetzen!

Fazit: Das Glas kann immer zu dreiviertel voll sein, unter Umständen muss man nur ein kleineres Glas nehmen.

Laura Cau: „Ich liebe Ihre Biographie!“

Resume Immer wieder weise ich  auf das Phänomen der Emergenz hin: man powert in ein intransparentes System und plötzlich reagiert es. Und das gibt einen riesigen Motivationsschub!

1. Ich wurde zum Schreiben einer Autobiographie geschoben

Die Initiative ging von diversen Personen aus, aber richtiger Auslöser war Claudius Konrad. Er meinte, wenn ich weiter in der Szene aktiv sein und den LdL-Gedanke am Kochen halten wolle, so müsse ich ein LdL-Buch schreiben. Wenn man 30 Jahre lang an einem Thema gearbeitet und tonnenweise Artikel dazu verfasst und verfassen lassen hat, dann ist man bei der Perspektive, dies noch einmal zu tun, nicht begeistert. Ich fing dennoch an und merkte, dieses Projekt ist eng mit meiner Person verwoben. Insbesondere mit der Tatsache, dass ich von 15 bis 24 extrem viele Misserfolge gesammelt und den „Abgrund“ erreicht, und dann in einem radikalen Paradigmenwechsel die Situation umgekehrt hatte. Aus Laster wurde Tugend, aus Scheitern wurde kontinuierlicher Erfolg. Und LdL war ein wichtiges Instrument dazu. Das musste ich schildern!

2. Didaktisches Kompendium und Schelmenroman

Da ich sehr beschäftigt bin, stand das Buch-Projekt nicht im Zentrum meiner Bemühungen. Ich fing an zu schreiben und schreibe weiter, wie mir der Sinn danach ist. Und peu à peu entsteht eine Art Schelmenroman mit deutlichen Anleihen, auch vom Stil her, am 18.Jahrhundert (ich denke an Fanny Hill, aber auch an Jacques Le Fataliste von Diderot). Das ist nicht gewollt, sondern das ergibt sich. Natürlich sollen alle Anekdoten aus meinem Leben in eine Summe von pädagogischen Empfehlungen münden. Das Buch ist gezielt für Lehrer gedacht. Andererseits scheint es auch Leser anzusprechen, die nicht aus dem Schul- oder Unibereich stammen. Möglicherweise liegt es an dem distanzierten Stil, in welchem ich mein Leben beschreibe und analysiere. Sicherlich wird auch die Tatsache eine Rolle spielen, dass ich als Zeitzeuge über die Spanne von 1943 bis 2010 berichte. Demnächst werde ich als geschichtliche Kulisse den Algerienkrieg (1960) einbeziehen, später die Mai-Unruhen (1968). Noch später werde ich auf die Gründung der Grünen-Partei in Ingolstadt (1980) zu sprechen kommen, auch wenn ich darin keine zentrale Rolle spielte.

3. Ich werde angefeuert

Gelegentlich verliere ich die Autobiographie aus den Augen. Dann meldet sich Claudius Konrad in Twitter: „Wann geht das Buchschreiben weiter? 🙂„. Cethegus korrigiert den Text im Wiki und kommentiert auch auf der Diskussionsseite. Gerade hat Johannes, Grünes Mitglied und Entwicklungshelfer in Tansania getwittert: „Biographie von jeanpol gelesen,gefällt mir sehr gut, hoffe auf Fortsetzung. http://bit.ly/ukjgK.  Zähneputzen, dann in die Stadt einkaufen.“ Johannes putzt sich also die Zähne, nachdem er Auszüge aus meiner Biographie gelesen hat. Auch Melanie Gottschalk und Ulrike Kleinau feuern mich an! Ganz außerhalb von diesem Kontext hat mir Renate Maurer, textgewohnt, sehr kritische Redakteurin mitgeteilt:  „Das gefällt mir nach wie vor sehr gut! Beim Wort ‚mädchentechnisch‘ habe ich laut gelacht.“ Und vor 5 Minuten erhielt ich die Mail von Monika Bittl, Dekanatssekretärin in Eichstätt: „Ich habe es mit Begeisterung gelesen und warte sehnsüchtig auf Fortsetzung.“ Mit diesen Zeugnissen möchte ich es bewenden lassen. Aber: es sind die Emergenzen, ohne die ich vielleicht aufhören würde zu schreiben.

Fazit:  Körperlich geht es mir wie bei vielen Menschen meines Alters nicht so toll (Arthrose und arge Schmerzen in den Schultern). Ich möchte aus diesem Körper (vor allem aus dem Kopf) auf jeden Fall noch ein paar „Juwele“ rausholen. Und das Buch könnte eines sein. Ohne Anfeuerungen geht es nicht.

Ich wurde kollektiv konstruiert.

Je genauer ich mich mit meiner Biographie befasse, desto klarer wird es mir: mehr als viele anderen Menschen wurde ich kollektiv konstruiert. Ab dem Zeitpunkt, wo es mir gelungen ist, mich zum Gegenstand von Beobachtungen und Zuschreibungen anderer Menschen zu machen und mich gleichzeitig durch das Versprechen, nur „Gutes“ zu tun (Pfad der Tugend) auf einen bestimmten, für mich glücksverschaffenden Weg festzulegen, gab es kein zurück. Ich wurde zur Projektionsfläche von Wünschen und Hoffnungen, die ich nur zu gerne erfüllte.  Ähnliches könnte/sollte Spannagel und Grzega passieren. Allerdings: bis es soweit war, musste ich eine lange Durststrecke hinterlegen.

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