Weltverbesserung in New York (2004)!

Mein (etwas skurriles) Weltverbesserungsprojekt in New York (2004). Das dazugehörige Forum in der ZUM: http://www.zum.de/Foren/ldl/archiv/a344.html
Ich hatte vorher statements über die „Probleme der Welt“ an diversen Orten (u.a. in Istanbul und Kasan) gesammelt und wollte eine Art Weltplattform bilden, auf der Studenten aus verschiedenen Ländern Lösungen kollektiv erarbeiteten. Skurril war besonders, dass ich damals absolut kein English konnte und daraus einen Spaß machte, ein solches Projekt trotzdem durchzuführen (no risk, no fun/exploratives Verhalten).

Kann man in facebook anschauen:

 Und vor der Webcamera mit Clownmasque am Timesquare: newyork

Mein Petra-Kleine Projekt. Danke Twitter!

Resume Wie kann man intelligente, einflussreiche und sehr beschäftigte Menschen nachhaltig andocken? Twitter macht’s möglich.

1. Ausgangssituation

Als ich im September 2008 in Pension ging hatte ich eine deutliche Panik. Wäre ich in der Lage, Strukturen zu schaffen, die mich intellektuell voll in Anspruch nehmen, mich also von 5.00Uhr früh bis 20.00Uhr zwingen, intensiv relevante Informationen zu verarbeiten? Nur so nämlich, könne ich meine gewohnte tägliche Kickmenge erhalten. Mit der Übernahme einer 11.Klasse war schon für 50% Problemzufuhr (=Informationsverarbeitungsdruck) gesorgt. Wo aber die restlichen 50% holen? Ich wandte mich an die Volkshochschule und bot mich für Kurse über die Geschichte Europas an. Das würde mich zwingen, viel Information aufzunehmen und zu Wissen umzuformen. Über die Zeitung erfuhr ich, dass in Ulm eine Art Seniorenuniversität Kurse anbietet und es gelang mir auch, dort einen Lehrauftrag zu bekommen. Ein paar andere Versuche schlugen fehl, aber da waren noch die Grünen in Ingolstadt und ich fühlte mich dieser Partei sehr verbunden, auch wenn ich Bedenken hinsichtlich ihrer Internet-Offenheit hegte. Datenschutz und Offenheit des Informationsflusses vertragen sich schlecht. Wie dem auch sei, ich klopfte dort an und wurde sehr freundlich aufgenommen.

2. Perturbieren und nerven

Wie alle anderen Monomane auch, verfolge ich in jedem Kontext eine bestimmte Idee und nur diese. Dreißig Jahre lang war ich in der Didaktikszene gefürchtet, weil ich immer wieder einen Gedankensatz einspeiste, egal worum es thematisch ging. Eine zeitlang war es LdL, seit zehn Jahren geht es nur um Projektkompetenz und damit verbunden um das Internet.  So auch bei den Grünen. Auch dort thematisierte ich penetrant twitter. Nun führen die Grünen gerade Wahlkampf, mit einer besonders profilierten und geeigneten Kandidatin. Sie hatte nichts gegen mich, im Gegenteil, aber irgendwann hat sie und alle anderen auch meine Monomanie genervt.

3. Und der Erfolg!

Mein Glück war, dass Petra Kleine, aus welchem Grund auch immer, sich auf meine Gedanken vertieft eingelassen hat. Sie hat sich schnell einen twitter-account zugelegt und das war für mich der Einstieg. Über mein Getwittere kam sie zu meinem Blog, über meinen Blog zu meiner Biographie. Und immer wieder hin und zurück. Wo hätte ich „früher“ jemals die Chance gehabt, so schnell und soviel von meinem Gedankengut einer für mich sehr relevanten Person zu vermitteln? Und das Tollste: gestern hat Petra einen twitter-account für die Ingolstädter Grünen eingerichtet. Und alle anderen sehen diese Entwicklung mit Freude und Wohlwollen.

Fazit Twitter, Blog und Wiki. Nicht zu toppen, wenn man schnell mit jemandem in die Tiefe gehen will.

Ich weiß was, was du nicht weißt (2). LdL und die Ökonomie der Aufmerksamkeit.

Resume Wenn ich möchte, dass meine Ideen verbreitet werden, muss ich meine Schüler, Studenten und Kollegen mit relevanten Neuigkeiten (z.B. LdL) ausstatten. Über LdL können sie ihr Bedürfnis nach Anerkennung (Aufmerksamkeit) befriedigen: sie wissen was, was die anderen nicht wissen.

1. … und das geht so:

Als Didakiker und Welverbesserer möchte ich, dass meine Partner relevantes Wissen konstruieren. Um sie zu motivieren rege ich sie an, zunächst kleinere Projekte anzugehen, die zu neueren Erkenntnissen führen, und die dadurch entstandenen Produkte überall zu diffundieren. Sie erstellen also einen kleinen Wissensbaustein und erhalten dafür als Belohnung soziale Anerkennung. Vielen ist das zu anstrengend und langwierig. Sie erstellen lieber gar kein Produkt und verzichten auf die Aufmerksamkeit. Wenn ich eine Klasse unterrichte, kann ich sie sanft zwingen, Neues zu erstellen, auch wenn sie das selbst nicht als solches empfinden. Ich setzte LdL als Unterrichtsmethode ein und schrittweise verändern sich die Schüler. Das merken sie nicht, aber spätestens wenn das Fernsehen sich für sie interessiert, in den Unterricht kommt und Fragen stellt, werden sie sich eines bewusst: wir wissen was, was die anderen nicht wissen, und das scheint relevant zu sein. Natürlich genießen sie die Aufmerksamkeit (siehe mein Menschenbild) und die Dynamik ist eingeleitet. Sie fangen an, Neues zu erstellen, um erneut Anerkennung zu erhalten usw.

2. Im Netz ist es komplizierter

Dieses Muster versuche ich auch im Netz anzuwenden: ich suche nach Leuten in Twitter, auf Mixxt-Plattformen und auf Educamps, die bereit wären, mit mir zusammen ein kleines Wissenskonstruktionsprojekt durchzuführen. Das ist unendlich schwerer als wenn man über eine Gruppe von Schülern und Studenten verfügt, die man zu Beginn „zwingen“ kann, bestimmte, oft mühsame Schritte zu gehen. Im Netz steigen die Leute sofort aus, sobald es anstrengend wird. Ein Beispiel dafür liefert die Plattform Neuron:  sie wird besucht von einer Reihe sehr kompetenter Leute, aber sobald längere Zeit systematisch an Wissenskonstruktion gearbeitet werden muss, verschwinden sie. Verständlich, aber ich will ja eine Strategie entwickeln, um dem entgegenzuwirken.

3.  Sie konstruieren zunächst kein neues Produkt, sondern übernehmen meines…

Da die Leute – zumindest in diesem Kontext – partout keine neuen Wissensbausteine selbst entwickeln wollen, biete ich meine an, z.B. LdL. Zunächst finden die von mir angedockten Twitterer und Educamper meine Theorie und meine Praxis sehr interessant, aber es gibt vieles Interessantes im Netz. Als Spannagels Studenten beschlossen, die Kommunikationsplattform Maschendraht aufzubauen und als Produkt LdL zu verbreiten, wurden sofort Stimmen laut, LdL sei nicht das einzige interessante Projekt, es gäbe viele anderen Leuchttürme. Ich wusste, jetzt wird eine Runde gedreht, bis man feststellt, dass LdL doch mehr in sich trägt, als zunächst angenommen. Und so kam es auch.

4. Und jetzt doch was Neues: um LdL herum

Wenn Menschen motiviert werden sollen, nachhaltig ein Projekt zu verfolgen und sich damit zu identifizieren, muss schnell dafür gesorgt werden, dass sie eigene Produkte erstellen auch wenn es – wie hier der Fall – in einem zunächst fremden Rahmen (LdL) geschieht. Nur so können sie sagen: ich weiß was, was du nicht weißt. Schrittweise muss der Aufmerksamkeitsfokus von LdL verlagert werden auf die Eigenleistung der Menschen, die sich damit befassen. LdL rückt in den Hintergrund, bleibt aber überall präsent und wird mit großer Wucht verbreitet, ob die Verbreiter sich dessen bewusst sind oder nicht. Wer sich intensiv mit LdL befasst hat, weiß etwas, was die anderen nicht wissen. Er hat Aufmerksamkeit verdient und bekommt sie auch. Wir treten in eine Phase, wo viel Neues über LdL entstehen wird. Das Interview mit dem Leiter des Willibald-Gymnasiums in Eichstätt beispielsweise beleuchtet völlig neue Aspekte von LdL sowie der Blogeintrag von Spannagel über den Eichstätter-Besuch.

Fazit Aufmerksamkeit erhält man, wenn man was weiß, was die anderen nicht wissen. Man muss also entweder selbst neues Wissen erstellen, oder ein bereits vorhandenes neue Wissen verbreiten. Wenn das Thema genug hergibt, kann man im Rahmen des Vorhandenen selbst neue Wissensprodukte konstruieren und damit Anerkennung erzielen. Das tun gerade die Spannagel-Studenten mit Hilfe von Lutz Berger.

Lutz, du bist ein Schatz!

1. Aumerksamskeitsökonomie

Natürlich ist es befriedigend, wenn man eine gute Arbeit leistet. Als Didaktiker freue ich mich sehr, wenn ich nette Schüler habe und einen guten Unterricht halte. Will ich das Ganze aber dynamisieren und meine Schüler motivieren, über sich hinauszuwachsen, so ist es günstig, wenn ich Aufmerksamkeit von außen als Belohnung einsetze (die Aufmerksamkeit ist die Währung der Zukunft). Aufmerksamkeit erziele ich aber nur durch Hingucker.

2. Lutz Berger schenkt uns Hingucker!

Hingucker sind kleine Produkte (Juwele), die über das Normale hinausragen und wow-reaktionen hervorrufen. Der Ablauf ist folgender: ich halte beispielsweise eine besonders gute LdL-Unterrichtsstunde, die Qualität zum Hingucker hat. Aber ich brauche jemanden, der aus dieser Stunden a) tatsächlich einen Hingucker macht und b) den Hingucker dahin transportiert, wo es Leute gibt, die wow schreien! Reinhard Kahl hat das mit einer Unterrichtsstunde und ein paar Interviews von mir gemacht („Treibhäuser der Zukunft“) und das war eine Riesenhilfe! Und seit einiger Zeit macht das Lutz Berger auch! Er hat bisher von mir drei kleine Youtube-Interviews erstellt, die ich überall einspeise! Wow! Und gestern abend hat er einen Artikel geschrieben, den wir auch überall einspeisen können. Langsam nähert sich das Eichhörnchen! Natürlich sind nicht nur Filme Produkte, die man überall redundant einspeisen kann! Auch Menschen sind Hingucker! Zum Beispiel Joachim Grzega, Michael Kratky, Christian Spannagel!

Spannagel, Grzega, Kratky und die anderen…

Kleiner bilanzierende Blick nach hinten und push nach vorne

Dass die von mir mit Hilfe zahlreicher anderen klugen und engagierten Menschen erstellten Produkte zukunftsweisend sind, daran habe ich keine Zweifeln. Die Frage ist nur, wie man diese Produkte diffundiert.

1. LdL

Als ich 1984 zum ersten mal vor eine größere Öffentlichkeit mit LdL trat (bundesweites Treffen von Seminarlehrern für Französisch bei Passau) herrschte helle Empörung (ein Seminarlehrer sagte: „wenn Sie mit so einer Stunde bei mir eine Lehrprobe halten würde, würde ich Ihnen eine glatte 6 geben“). Sofort aber wurde die Idee weitergeflüstert und in einigen Zeitschriften aufgegriffen: „Neue Methode“.  Inzwischen wurden tonnenweise Artikel, unzählige Bücher und Filme, etwa tausend Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt, die Methode ist in den wissenschaftlichen Handbüchern und in den Lehrplänen verankert und dennoch kennen viele die Methode nicht. So bekam ich gestern – also 24 Jahren später – einen Anruf von einem Zeitschriftenredakteur, der sich über die „neue Methode“ informieren wollte. Wenn ich also in einen Aufmerksamkeitshype gerate, bleibe ich cool. Aufmerksamkeitshypes sind wie ein Pferd, das vorbeirennt. Du musst ihm schnell deine Botschaft auf den Rücken werfen. Am Bodensee war ich auf einem solchen Hype und konnte mein anthropologisches Modell und die Gehirnmetapher (Neuron) auf das rennende Pferd festbinden. Ähnliches passierte auf dem Educamp in Berlin.

Parallel dazu gibt es Menschen, die von Anbeginn dabei waren und mir nachhaltig geholfen haben, LdL thoeretisch zu untermauern und zu verbreiten. Es war eine Gruppe von Lehrern, die sog. „LdL-Kerngruppe“ von 1987 an bis heute. Gegenwärtig liegt die ganze Freude und Last des LdL-Projektes auf den Schultern von Joachim Grzega.

Joachim Grzega ist nach Meinung aller Menschen, die ich schätze, eine Ausnahmeerscheinung. Er ist witzig, unglaublich kreativ und einfallsreich, wissenschaftlich äußerst produktiv, unkonventionell, ein Liebling der meisten Studenten, obwohl recht fordernd. Er liebt seinen Beruf und ist für Studenten und Kollegen Tag und Nacht andockbar. Gerne sagen die Studenten von ihm, er sei ein Genie. Ich meine auch, dass er geniale Züge besitzt, denn er kombiniert Ideen und Erkenntnisse aus unterschiedlichen Wissensbereichen und schafft so Niedagewesenes. Das Kind, dass Grzega von mir übernommen hat, ist LdL. Sein eigenes Kind ist „Basic Global English„. Da Grzega über sein enormes Wissen hinaus glänzende Entertainerqualitäten hat, reißt man sich um ihn als Referent für Veranstaltungen.

2. IPK

Nach LdL war mein zweites Baby das Modul „Internet- und Projektkompetenz“ (IPK). Die Idee war einfach: da die Menschheit enorme Probleme zu meistern hat, ist es unabdingbar, dass alle Intelligenzen mobilisiert werden, um kollektiv diese Probleme anzugehen. Mit dem Internet ist es möglich.  Wenn man sich an der Architektur des Gehirns orientiert, Menschen metaphorisch als Neuronen definiert und dafür sorgt, dass die Menschen sich wirklich wie Neuronen verhalten, dann verfügt man über ein Riesengehirn, das man mit Problemen füttert. Seit 12 Jahren arbeiten wir mit zunehmendem Erfolg an der Realisierung dieses Modells. in universitären Kursen. Studenten aus diversen Ländern arbeiten virtuell wie Neuronen an von ihnen gewählten Themen mit Unterstützung von Dozenten ein Semester lang.  Inzwischen haben hunderte von Studenten den Kurs belegt und sie kontruieren ununterbrochen kollektiv Wissen. Nachdem ich in den Ruhestand verabschiedet wurde, hat Michael Kratky den Kurs übernommen.

Michael Kratky

Michael Kratky hat sich in den letzten zehn Jahren als Student in Eichstätt bei allen meinen zahlreichen Projekten sehr erfolgreich engagiert. Er kennt mich und meine Theorie perfekt. Einige meinen, ich habe ihn stark beeinflusst. Dagegen hätte ich nichts. Zusätzlich zu seinem Ehrgeiz und seiner Intelligenz verstreut er eine glamouröse Stimmung. Er ist der Chef des IPKs.

3. Neuron

Neuron ist in einem anderen Kontext entstanden als LdL und IPK. Im Vorfeld des ersten Educamps in Deutschland in Ilmenau (April 2008) wurde eine Kommunikations-Plattform eröffnet, damit die Teilnehmer sich über die Veranstaltung informieren, teilweise auch unter sich Kontakt aufnehmen können. Mit dem mir eigenen Neuronen-Ansatz (Neuronen haben keine Angst, penetrant zu wirken) habe ich angefangen, jeden, der sein Profil einrichtete, zu bitten, mein Freund zu werden. Gleichzeitig erwarb ich mir dadurch die Berechtigung, diese Freunde mit Sammelmails zu bedienen, teilweise je nach Situation zu bombardieren. Es bildete sich schnell eine Gruppe, die aus Tamim (Kritischer Freund)Alexander (sozialintegrativer Positivdenker), Jana (Philosophin) , Mo (pragmatisch, ökonomisch, technisch), Christian Spannagel, und mir bestand. Wir beschlossen, unsere Beteiligung in Ilmenau schon im Vorfeld so zu planen, dass wir ein Maximum aus dem Barcamp herausholen. Wir wollten auch dort Projekte gemeinsam in Gang setzen, damit Nachhaltigkeit entsteht. Und so kam es auch. Natürlich brauchten wir dazu eine Theorie, die im Wesentlichen aus dem Neuronen-Konzept bestand. Es entstanden diverse Aktivitäten, die wir auch auf dem Educamp in Berlin weiter verfolgten. Ich persönlich hatte das Ziel, mein anthropologisches Modell sowie die Neuron-Metapher redundant einzubringen. Besonders hilfreich in diesem Zusammenhang waren Alexander Rausch und Christian Spannagel. Auf letzteren gehe ich deshalb ein bisschen ausfürhlicher ein, weil er durch seine Tätigkeit als Informatikdidaktiker an der PH-Ludwigsburg zahlreiche Verbindungen zu meiner eigenen Arbeit hat, die wir in Projekte umsetzen können.

Christian Spannagel ist Juniorprofessor und als solcher mit dem Problem konfrontiert, dass aus der Tradition des alten Paradigmas heraus Forschung erst dann veröffentlicht wird, wenn definitive, saubere Ergebnisse vorliegen. Spannagal geht aber offensiv vor und er versteht sich als „Öffentlicher Wissenschaftler“ (copyright bei Spannagel – hahahah). Demnächst wird er nach Eichstätt mit einer Studentengruppe kommen, um meine Schüler zu interviewen. Filmisch umgesetzt wird dies durch Lutz Berger, der bereits eine ganze Reihe von Youtube-Beiträgen über unsere Gruppe erstellt hat: Superprodukte, die wir überall diffundieren können und somit viel Resonanz erzielen.

Weitere Unterstützer für unsere künftige NEURON-Arbeit tauchen bereits am Horizont auf. Es sind beispielsweise Scheppler (Twittername), und Schb (Twittername).